Lißberg

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Koordinaten: 50° 22′ 31″ N, 9° 4′ 58″ O

Lißberg
Stadt Ortenberg
Höhe: 173 (168–210) m ü. NHN
Fläche: 7,03 km²[1]
Einwohner: 986 (31. Dez. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 140 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 63683
Vorwahl: 06046
Blick auf Lißberg mit dem Ausgleichsweiher des Nidderkraftwerks
Blick auf Lißberg mit dem Ausgleichsweiher des Nidderkraftwerks

Lißberg ist ein Stadtteil von Ortenberg im Wetteraukreis in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Städtchen Lißberg liegt am Ostrand der Wetterau in den westlichen Ausläufern des Vogelsbergs und nördlich des Büdinger Waldes. Die Nidder und der Hillersbach als ihr rechter nördlicher Zufluss umschließen die Altstadt und die Burg, kurz bevor sich die beiden Gewässer vereinigen. Die Gemarkungsfläche beträgt 703 Hektar, davon sind 384 Hektar bewaldet (Stand: 1961).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Lißberg muss um 1200 erbaut worden sein, vermutlich auf einer älteren keltischen Ringwallanlage. Am 22. November 1222 wird ein „Wernherus de Liebesberc“ erwähnt.[3] Dies ist zugleich das Datum der Ersterwähnung von Lißberg. Der Name änderte sich in der Vergangenheit und kam mit den unterschiedlichsten Schreibweisen vor: Liebesberc, Lybesborg, Liebesberg bis zum heutigen Lißberg.

Anfang des 13. Jahrhunderts tauchten die ersten Glieder des Lißberger Geschlechts auf. Die edelfreien Herren von Lißberg gehörten ursprünglich wohl zum hohen Adel, verloren allerdings schon früh diese Eigenschaft, vermutlich durch unebenbürtige Heiraten, was schon daraus zu schließen ist, dass 1323 Rupert von Buches, also ein dem Ritterstand Angehöriger, als consanguineus Werners von Lisberg bezeichnet wird (Orig. St. A. Darmst.). Vermutet wird eine Abstammung von den Herren von Büdingen.[4] Die Lißberger lebten hauptsächlich von ihren Zolleinnahmen. Sie fielen schon bald unter die Lehnshoheit der Grafen von Ziegenhain. Das Lißberger Geschlecht starb mit Friedrich 1396 im Mannesstamm aus. Ab 1455 waren die Landgrafen von Hessen alleinige Eigentümer der Burg.

1604 erlangte Lißberg Stadtrechte, die es jedoch im Laufe der Zeit wieder verlor. Im Jahre 1796 wurde die Stadt fast vollständig durch die Franzosen eingeäschert. Die Burg wurde im 19. Jahrhundert auf Abbruch verkauft.

Als 1874 der Kreis Nidda aufgelöst wurde, wurde Lißberg zusammen mit dem größten Teil des Altkreises in den Landkreis Büdingen eingegliedert. Das Recht zur Führung der Bezeichnung Stadt lebte wieder auf.

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 1. Juli 1971 den Zusammenschluss der Städte Lißberg und Ortenberg sowie der Gemeinden Bergheim, Bleichenbach, Eckartsborn, Usenborn und Wippenbach im Landkreis Büdingen zu einer Stadt mit dem Namen Ortenberg.[5] Seit dem Abschluss der Gebietsreform im August 1972 liegt Lißberg im Wetteraukreis. Für Lißberg wurde wie für jeden Stadtteil ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen den seitherigen Gemarkungsgrenzen.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. April 1964 wurde der Stadt Lißberg im damaligen Landkreis Büdingen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Auf schwarzem Grund ein silbernes durchgehendes Schrägkreuz mit einem sechsstrahligen, silbernen Stern im oberen Winkel und einem wachsenden, linksgewendeten, blaubezungten und -bewehrten roten Löwen im goldenen Herzschild.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Burg Lißberg wurde im 12. Jahrhundert von den edelfreien Herren von Lißberg erbaut, jedoch erst 1222 erstmals erwähnt. Von der Burg ist außer dem gut erhaltenen Bergfried nur noch eine Ruine geblieben.
  • Das Nidderkraftwerk mit seinen zwei Oberbecken stammt aus dem Jahr 1923 und gilt als kulturgeschichtliches Denkmal. Es war ursprünglich als Pumpspeicherkraftwerk konzipiert und wird seit 1978 als Speicherkraftwerk betrieben.
  • Zur Gemeinde Lißberg gehört auch die 1722 erbaute Neumühle, deren Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt.
  • Die Schafskirche oberhalb Lißbergs an der Bonifatius-Route.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Musikinstrumentenmuseum in der alten Schule zwischen Kirche und Burg wird die Entwicklung der Musikinstrumente von Michael Praetorius bis zur Gegenwart dargestellt. Das Museum beherbergt die weltgrößte Dudelsack- und Drehleier-Sammlung mit zusammen etwa 120 Exponaten. Außerdem werden Musikminiaturen und ethnologische Blasinstrumente gezeigt. Die Sammlung wurde im Wesentlichen von Kurt Reichmann, einem Grafiker, Musiker und Instrumentenbauer aus Frankfurt am Main, zusammengetragen.[7]

Musikfestival[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1973 findet alljährlich in Lißberg rund um die Burgruine ein Drehleier- und Dudelsackfestival statt. Die musikalischen Schwerpunkte liegen auf Bordun- und Alter Musik.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lißberg hat ein Felsenmeer im Markwald sowie eine Drillingslärche im angrenzenden Wald nach Ober-Lais.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit der oberfränkischen Gemeinde Lisberg.

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vogelsberger Vulkanradweg führt durch Lißberg. Heute ist der Vulkanradweg Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.

Der SV Lißberg bietet neben Fußball mit eigenem Sportplatz noch Gymnastik, Tischtennis, Aerobic an. Auch eine Karnevalsabteilung ist ihm angegliedert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lißberg liegt an der B 275. Früher führte die Oberwaldbahn durch den Ort. Heute wird die Trasse vom Vulkanradweg genutzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Lißberg, Wetteraukreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 17. Juli 2015)
  2. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Stadt Ortenberg, abgerufen im April 2016.
  3. Heinrich Reimer, Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Teil 1. Leipzig 1891, S. 118, Nr. 148
  4. Angela Metzner: Reichslandpolitik, Adel und Burgen – Untersuchungen zur Wetterau in der Stauferzeit. In: Büdinger Geschichtsblätter 21, 2008/2009, S. 117f.; Klaus-Peter Decker: Herrschaften in der Wetterau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806. Marburg 2014, S. 305
  5. Bekanntgabe von Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden durch den Hessischen Minister des Innern vom 1. Juli 1971 (StAnz. S. 1117) Seite 6 der tif-Datei 5,0 MB, Nr. 12 der Bekanntgabe
  6. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 13. April 1964 (StAnz. S. 538) Seite 10 der tif-Datei 4,2 MB
  7. FAZ vom 13. Oktober 2010, S. 49

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]