Lißberg

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Lißberg
Stadt Ortenberg
Wappen von Lißberg
Koordinaten: 50° 22′ 31″ N, 9° 4′ 58″ O
Höhe: 173 (168–210) m ü. NHN
Fläche: 7,03 km²[1]
Einwohner: 973 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 138 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 63683
Vorwahl: 06046
Blick auf Lißberg mit dem Ausgleichsweiher des Nidderkraftwerks
Blick auf Lißberg mit dem Ausgleichsweiher des Nidderkraftwerks

Lißberg ist ein Stadtteil von Ortenberg im hessischen Wetteraukreis.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Städtchen Lißberg liegt am Ostrand der Wetterau in den westlichen Ausläufern des Vogelsbergs und nördlich des Büdinger Waldes. Die Nidder und der Hillersbach als ihr rechter nördlicher Zufluss umschließen die Altstadt und die Burg, kurz bevor sich die beiden Gewässer vereinigen. Die Gemarkungsfläche beträgt 703 Hektar, davon sind 384 Hektar bewaldet (Stand: 1961).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Lißberg muss um 1200 erbaut worden sein, vermutlich auf einer älteren keltischen Ringwallanlage. Am 22. November 1222 wird ein „Wernherus de Liebesberc“ erwähnt.[3] Dies ist zugleich das Datum der Ersterwähnung von Lißberg. Der Name änderte sich in der Vergangenheit und kam mit den unterschiedlichsten Schreibweisen vor: Liebesberc, Lybesborg, Liebesberg bis zum heutigen Lißberg.

Anfang des 13. Jahrhunderts tauchten die ersten Glieder des Lißberger Geschlechts auf. Die edelfreien Herren von Lißberg gehörten ursprünglich wohl zum hohen Adel, verloren allerdings schon früh diese Eigenschaft, vermutlich durch unebenbürtige Heiraten, was schon daraus zu schließen ist, dass 1323 Rupert von Buches, also ein dem Ritterstand Angehöriger, als consanguineus Werners von Lisberg bezeichnet wird (Orig. St. A. Darmst.). Vermutet wird eine Abstammung von den Herren von Büdingen.[4] Die Lißberger lebten hauptsächlich von ihren Zolleinnahmen. Sie fielen schon bald unter die Lehnshoheit der Grafen von Ziegenhain. Das Lißberger Geschlecht starb mit Friedrich 1396 im Mannesstamm aus. Ab 1455 waren die Landgrafen von Hessen alleinige Eigentümer der Burg.

1604 erlangte Lißberg Stadtrechte, die es jedoch im Laufe der Zeit wieder verlor. Im Jahre 1796 wurde die Stadt fast vollständig durch die Franzosen eingeäschert. Die Burg wurde im 19. Jahrhundert auf Abbruch verkauft.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Lißberg:

„Lißberg (L. Bez. Nidda) Stadt; liegt im Vogelsberg an der Nidder, 2 St. von Nidda, hat 83 Häuser und 522 Einwohner, die außer 1 Katholiken evangelisch sind. Von den Einwohnern gehören 17 zum Bauern-, 58 zum Gewerbsstand und 15 sind Taglöhner. Man findet 1 Kirche, 1 alte Burg, die Rumpelsburg genannt, die auf einer Basaltkuppe stehet, und theilweise noch von einem Pächter bewohnt wird, 4 Mühlen und den Hof Breitenheide. Unter den Gewerbsleuten sind mehrere Nadler, die Stecknadeln verfertigen, und auf den Frankfurter Messen absetzen. Das Städtchen hält jährlich 3 Vieh- und Krämermärkte. Bei Lißberg ist ein kleiner Teich, dessen Wasser ausnehmend klar ist, in welchem sich aber keine Fische erhalten. Die Müller leiten zu Winterszeiten von diesem Wasser in ihre Mühlgräben, und verhindern in der Regel dadurch das Zufrieren derselben. Der Lett oder Schlamm dieses Teichs ist grau, und riecht wie faule Eyer. – Lißberg hatte einst eigene Herrn, die von der Burg Lißberg, damals Liebesberg genannt, ihren Namen führten. Im 14. Jahrhundert hatte der Ort nur eine Kapelle, die zur Kirche von Schwickartshausen gehörte. Hermann von Liebesberg stiftete 1345 in seiner Burg Liebesberg einen Altar, der dem heil. Pankratius geweiht wurde. Lißberg war ein besonderes Gericht, das von den Herrn von Lißberg an die Grafschaft Nidda, als eröffnetes Lehen fiel. Im Jahr 1418 verkauften die Grafen Johann und Gottfried von Ziegenhain die Hälfte ihres Schlosses Lißberg.“[5]

Als 1874 der Kreis Nidda aufgelöst wurde, wurde Lißberg zusammen mit dem größten Teil des Altkreises in den Landkreis Büdingen eingegliedert. Das Recht zur Führung der Bezeichnung Stadt lebte wieder auf.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 1. Juli 1971 den Zusammenschluss der Städte Lißberg und Ortenberg sowie der Gemeinden Bergheim, Bleichenbach, Eckartsborn, Usenborn und Wippenbach im Landkreis Büdingen zu einer Stadt mit dem Namen Ortenberg.[6] Seit dem Abschluss der Gebietsreform im August 1972 liegt Lißberg im Wetteraukreis. Für Lißberg wurde wie für jeden Stadtteil ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen den seitherigen Gemarkungsgrenzen.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Lißberg lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1791: 378 Einwohner[11]
• 1800: 532 Einwohner[17]
• 1806: 414 Einwohner, 66 Häuser[13]
• 1829: 522 Einwohner, 83 Häuser[5]
• 1867: 388 Einwohner, 62 bewohnte Gebäude[18]
• 1875: 325 Einwohner, 60 bewohnte Gebäude[19]
Lißberg: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2018
Jahr  Einwohner
1791
  
378
1800
  
532
1806
  
414
1829
  
522
1834
  
542
1840
  
563
1846
  
564
1852
  
493
1858
  
420
1864
  
404
1871
  
367
1875
  
323
1885
  
322
1895
  
353
1905
  
354
1910
  
403
1925
  
440
1939
  
489
1946
  
755
1950
  
787
1956
  
718
1961
  
757
1967
  
831
1970
  
821
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2008
  
984
2011
  
903
2014
  
986
2018
  
973
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]; Zensus 2011[20]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 421 evangelische, ein katholischer Einwohner[5]
• 1961: 638 evangelische (= 84,28 %), 74 katholische (= 9,78 %) Einwohner[1]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. April 1964 wurde der Stadt Lißberg im damaligen Landkreis Büdingen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Auf schwarzem Grund ein silbernes durchgehendes Schrägkreuz mit einem sechsstrahligen, silbernen Stern im oberen Winkel und einem wachsenden, linksgewendeten, blaubezungten und -bewehrten roten Löwen im goldenen Herzschild.[21]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Burg Lißberg wurde im 12. Jahrhundert von den edelfreien Herren von Lißberg erbaut, jedoch erst 1222 erstmals erwähnt. Von der Burg ist außer dem gut erhaltenen Bergfried nur noch eine Ruine geblieben.
  • Das Nidderkraftwerk mit seinen zwei Oberbecken stammt aus dem Jahr 1923 und gilt als kulturgeschichtliches Denkmal. Es war ursprünglich als Pumpspeicherkraftwerk konzipiert und wird seit 1978 als Speicherkraftwerk betrieben.
  • Zur Gemeinde Lißberg gehört auch die 1722 erbaute Neumühle, deren Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt.
  • Die Schafskirche oberhalb Lißbergs an der Bonifatius-Route.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikfestival[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1973 findet alljährlich in Lißberg rund um die Burgruine ein Drehleier- und Dudelsackfestival statt. Die musikalischen Schwerpunkte liegen auf Bordun- und Alter Musik.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lißberg hat ein Felsenmeer im Markwald sowie eine Drillingslärche im angrenzenden Wald nach Ober-Lais.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit der oberfränkischen Gemeinde Lisberg.

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tretbecken

Der Vogelsberger Vulkanradweg führt durch Lißberg. Heute ist der Vulkanradweg Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.

Direkt am Vulkanradweg wurde eine kleine Kneippanlage geschaffen. Es umfasst ein Tretbecken und ein Armbecken. Gespeist wird die Anlage aus der gegenüberliegenden Quelle, die eine relativ konstante Temperatur aufweist: Am Quellensprung 14 – am Tretbecken 16 Grad Celsius.

Der SV Lißberg bietet neben Fußball mit eigenem Sportplatz noch Gymnastik, Tischtennis, Aerobic an. Auch eine Karnevalsabteilung ist ihm angegliedert.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lißberg liegt an der B 275. Früher führte die Oberwaldbahn durch den Ort. Heute wird die Trasse vom Vulkanradweg genutzt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Lißberg, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. Juli 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen. In: Webauftritt der Stadt Ortenberg, abgerufen im April 2020.
  3. Heinrich Reimer, Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Teil 1. Leipzig 1891, S. 118, Nr. 148
  4. Angela Metzner: Reichslandpolitik, Adel und Burgen – Untersuchungen zur Wetterau in der Stauferzeit. In: Büdinger Geschichtsblätter 21, 2008/2009, S. 117f.; Klaus-Peter Decker: Herrschaften in der Wetterau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806. Marburg 2014, S. 305
  5. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 165 f. (Online bei google books).
  6. Gemeindegebietsreform in Hessen; Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 1. Juli 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 28, S. 1117, Punkt 988 Abs. 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,0 MB]).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  9. Die Zugehörigkeit des Amtes Lißberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567-1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604-1638. und Hessen-Darmstadt 1567-1866.
  10. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 13 ff., § 26 Punkt d) X. (Online bei google books).
  11. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 203 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  12. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 9 (Online bei google books).
  13. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 272 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  14. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books).
  15. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 181 ff. (online bei Google Books).
  16. Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 11,2 MB]).
  17. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 225 ff. (Online in der HathiTrust digital library).
  18. Wohnplätze 1867. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause’s Hofbuchhandlung, Darmstadt 1877, DNB 013163434, OCLC 162730484, S. 121 (Online bei google books).
  19. Wohnplätze 1875. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 15. G. Jonghause’s Hofbuchhandlung, Darmstadt 1877, DNB 013163434, OCLC 162730484, S. 14 (Online bei google books).
  20. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  21. Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Lißberg, Landkreis Büdingen vom 13. April 1964. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1964 Nr. 17, S. 538, Punkt 459 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,2 MB]).
  22. FAZ vom 13. Oktober 2010, S. 49