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Marianne Wünscher

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Marianne Wünscher, verheiratete Wünscher-Pietsch, (* 30. Dezember 1930 in Berlin; † 9. August 1990 ebenda) war eine deutsche Schauspielerin, Kabarettistin, Hörspielsprecherin und Sängerin.

Herkunft und Ausbildung

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Marianne Wünscher, Tochter eines Geigenbauers und einer Wäscherin, erhielt nach der Grund- und Oberschule von 1949 bis 1951 Schauspielunterricht an der Schauspielschule „Der Kreis“ (Fritz-Kirchhoff-Schule) in Berlin. Beim Berliner Rundfunk arbeitete sie als Nachrichten- und Hörspielsprecherin, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Ihre Abschlussprüfung legte sie 1951 bei Marie-Borchardt ab. Am 4. Februar 1951 absolvierte sie die Bühnenreifeprüfung.[1]

Marianne Wünscher stand am 7. Mai 1951 als Monika in Baller kontra Baller von Karl Veken am Deutschen Theater in Berlin das erste Mal auf einer Theaterbühne. Als Theaterschauspielerin interpretierte Wünscher ein breites Repertoire, das Stücke von William Shakespeare, die deutschen Autoren der Klassik und Romantik, das Theater der Jahrhundertwende, aber auch Stücke der Moderne und des zeitgenössischen Theaters umfasste.

1953 spielte sie am Theater am Schiffbauerdamm in Die Heirat von Nikolai Gogol die Rolle der Agafja unter der Regie von Franz Kutschera. Bereits ein Jahr später war sie an der Volksbühne Berlin in William Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung erneut unter Kutscheras Regie zu sehen – einer Bühne, der sie in den kommenden Jahrzehnten treu blieb.

Zwischen 1955 und 1989 wirkte Marianne Wünscher in zahlreichen Produktionen an der Volksbühne Berlin mit – vielfach unter der Regie namhafter Theatermacher wie Fritz Wisten, Benno Besson, Ottofritz Gaillard, Helmut Straßburger, Fritz Decho oder Ernstgeorg Hering. Besonders hervorzuheben sind ihre Auftritte in Klassikern von Gerhart Hauptmann (Die Ratten, Die Weber, Der Biberpelz, Der rote Hahn), William Shakespeare (Was ihr wollt, Romeo und Julia, Troilus und Cressida, Die lustigen Weiber von Windsor), Carlo Goldoni (Der Diener zweier Herren, Mirandolina) sowie modernen Werken von Peter Hacks, Heiner Müller oder Paul Gratzik. 1980 gab sie ein Gastspiel an der Komischen Oper. Ihre letzte Bühnenrolle hatte sie 1989 in der Heiner-Müller-Fassung von Hamlet, inszeniert von Siegfried Höchst.

Film, Fernsehen und Hörspiel

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1953 gab Wünscher in der Fernsehverfilmung von Anton Tschechows Der Heiratsantrag ihr Kameradebüt. 1954 war sie als „dralles Mädchen“ in Artur Pohl DEFA-Produktion Kein Hüsung, der auf der gleichnamigen Verserzählung von Fritz Reuter basiert, erstmals auf der Kinoleinwand zu sehen. Danach spielte sie in zahlreiche Nebenrollen in weiteren Produktionen, wie die Frau Crimaldi in Martin Hellbergs Emilia Galotti (1958), als Millers Frau in Kabale und Liebe (1959), die Oberwäscherin Marcelline in Die schöne Lurette (1960) und neben Horst Lommatzsch als Martha Demuth im Kriminalfilm Tanz am Sonnabend – Mord? (1962). Wünscher avancierte zu einer gefragten Charakterdarstellerin und verkörperte oftmals Menschen und Arbeiterinnen aus dem einfachen Volk. 1964 gelang ihr an der Seite von Rolf Herricht und Gerd Ehlers mit ihrer Rolle der Frau Messmer im Filmmusical Geliebte weiße Maus ein großer Erfolg, wo sie sowohl ihr gesangliches als auch ihr komödiantisches Können einem breiten Publikum zeigen konnte.

In der 1972 in den Kinos angelaufene Filmkomödie Der Mann, der nach der Oma kam, die zu einer der erfolgreichsten DEFA-Komödien avancierte, übernahm sie an der Seite von Herbert Köfer die Rolle der Erna Kotschmann.[2] In der vierteiligen Fernsehkomödie Aber Vati! spielte sie 1974 neben Erik S. Klein die Tante Elsbeth und wurde in dem und im darauffolgenden Jahr zum „DDR-Fernsehkünstler des Jahres“ gekürt. Zwischen 1974 und 1987 gastierte sie regelmäßig in den Fernsehreihen Der Staatsanwalt hat das Wort und Polizeiruf 110. 1979 hatte sie eine Gastrolle als Ruth Liebig in der populären DDR-Vorabendserie Rentner haben niemals Zeit. In dem Zweiteiler Familie Rechlin übernahm sie 1982 an der Seite von Gerry Wolff und Katrin Sass die Hauptrolle des Familienoberhaupts Ingelore Rechlin. 1989 trat sie als Kabarettistin mit ihrem Programm Das Phänomen – Der Mann im Friedrichstadt-Palast auf.

Im März 1990 war Wünscher in dem Fernsehschwank Drei reizende Schwestern: Das blaue Krokodil in vier verschiedenen Rollen zu sehen, so spielte sie die Krimiautorin Lotte Bumke, den Oberförster Guido von Putzlitz, Sängerin Sybille da Costa und die Gastronomin Frieda Persicke. In der Rolle der Sybille da Costa interpretierte sie als Sängerin ihren Schlager Der Mambo vom blauen Krokodil. Posthum war sie im Oktober 1990 in dem Fernsehzweiteiler Albert Einstein als Maja Winterle-Einstein, die jüngere Schwester des Physikers Einstein (Tālivaldis Āboliņš), zu sehen. 1991 wurde zudem Edgar Kaufmanns Kurzfilm Vier Verrückte mit ihr gezeigt. Wünschers Schaffen für Film und Fernsehen umfasst mehr als 140 Film- und Fernsehproduktionen.[3][4][5][6]

Wünscher betätigte sich ab 1949 auch als Hörspielsprecherin. 1953 begann sie kontinuierlich für den staatlichen Rundfunk der DDR zu arbeiten. Sie war insgesamt an 120 Hörspielen beteiligt. 1968 war sie neben Herbert Köfer und Helga Piur in der Hörspielserie Neumann, zweimal klingeln auf Radio DDR I als Marianne Neumann zu hören.

Politisches Engagement

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Wünscher engagierte sich politisch. 1971 trat sie in die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) ein und hatte von 1977 bis 1981 ein Mandat als Berliner Stadtverordnete. In der 8. Wahlperiode (1981–1986) war sie Nachfolgekandidatin für die Volkskammer der DDR.

Privates und Tod

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Grabstätte auf dem Friedhof Pankow III

Von 1949 bis 1953 war Wünscher in erster Ehe mit dem 15 Jahre älteren Regisseur Gottfried Herrmann verheiratet. Aus dieser Ehe stammt ihr erster Sohn Thomas (1952–2018), der als Drehbuchautor arbeitete. Im Jahr 1963 heiratete sie den Komponisten Wolfgang Pietsch und hatte mit ihm einen zweiten Sohn.

Marianne Wünscher starb am 9. August 1990 im Alter von 59 Jahren an einer Krebserkrankung.[7] Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Friedhof Pankow III in Berlin-Niederschönhausen.[8]

Fotografische Darstellung Marianne Wünschers

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  • 1953: Der Heiratsantrag
  • 1956: Nekrassow
  • 1957: Die Ratten
  • 1957: Der Raub der Sabinerinnen
  • 1957: Das tote Tal
  • 1958: Die Heirat
  • 1958: Alexis Eseleien
  • 1958: Hexen von Paris
  • 1959: Das standhafte Fräulein
  • 1960: Die letzte Probe
  • 1960: Menschen von Budapest
  • 1960: Die Gänse von Bützow
  • 1960: Der Diener zweier Herren
  • 1960: Der Raub der Sabinerinnen
  • 1962: Josef und alle seine Brüder
  • 1962/1990: Monolog für einen Taxifahrer
  • 1963: Jupitersinfonie
  • 1963: Die gute Partie
  • 1964: Sommer in Heidkau
  • 1965: Wolf unter Wölfen (Vierteiler)
  • 1965: Die Himmelfahrt der Galgentoni
  • 1966: Irrlicht und Feuer
  • 1967: Mirandolina
  • 1967: Geliebter Herr Kollege
  • 1968–1970: Ich – Axel Cäsar Springer (Fünfteiler)
  • 1969: Krupp und Krause (Fünfteiler)
  • 1969: Androklus und der Löwe
  • 1969: Telegenerell
  • 1970: Ehrenmänner
  • 1970: Effi Briest
  • 1970: Fisch zu viert
  • 1970: Denn ich sah eine neue Erde (Vierteiler)
  • 1971: Der Sonne Glut (Vierteiler)
  • 1971: Die Verschworenen (Fünfteiler)
  • 1971: Die kürzeste Nacht
  • 1972: 27 Waggons Baumwolle
  • 1972: Das Hochzeitskleid war tintenblau
  • 1973: Eva und Adam (Vierteiler)
  • 1974: Aber Vati! (Dreiteiler)
  • 1974: Spätsaison (Dreiteiler)
  • 1974: ABC der Liebe – Die Freuden der Frommen
  • 1975: Im Schlaraffenland
  • 1975: Heute ist Freitag
  • 1975: Bin ich Moses? (Zweiteiler)
  • 1976: Jede Woche Hochzeitstag
  • 1976: Die Jungfrau von Orleans
  • 1976: Strategie der Träume
  • 1976: Die Entführung
  • 1977: Cyankali (Studioaufzeichnung)
  • 1978: Vier Tropfen
  • 1978: Caballero in geborgtem Frack
  • 1978: Ein Kinderheim
  • 1979: Die lange Straße (Fünfteiler)
  • 1979: Alles im Garten
  • 1980: Ein Recht seriöser Herr
  • 1981: Verflucht und geliebt (Fünfteiler)
  • 1981: Casanova auf Schloss Dux
  • 1982: Familie Rechlin (Zweiteiler)
  • 1983: Der Biberpelz
  • 1983: Ich, der Vater
  • 1983: Alfons Köhler
  • 1983: So wie du lebst
  • 1984: Schlucker oder Fahren wir eben mal nach Görlitz
  • 1984: Koritke
  • 1984: Ach du meine Liebe
  • 1985: Männerwirtschaft
  • 1986: Pelle der Eroberer
  • 1986: Die Weihnachtsklempner
  • 1986: Das Buschgespenst (Zweiteiler)
  • 1987: Claire Berolina
  • 1987: Jan Oppen
  • 1987: Künstler, König und Modell
  • 1990: Pause für Wanzka
  • 1990: Albert Einstein (Zweiteiler)
  • 1991: Vier Verrückte

Fernsehserien und -reihen

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Einzelnachweise

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  1. Funke, Christoph: Marianne Wünscher - Ansichten und Absichten einer Schauspielerin. Der Morgen, Berlin 1987.
  2. F.-B. Habel: Das große Lexikon der DEFA-Spielfilme. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, S. 387.
  3. imfernsehen GmbH & Co KG: Filmografie Marianne Wünscher. 5. April 2016, abgerufen am 29. Juli 2024.
  4. OFDb - Marianne Wünscher (Darstellerin). Abgerufen am 29. Juli 2024.
  5. Marianne Wünscher | filmportal.de. Abgerufen am 29. Juli 2024.
  6. Marianne Wünscher - Serien, Sendungen auf TV Wunschliste. Abgerufen am 29. Juli 2024.
  7. Marianne Wünscher. 29. September 2022, abgerufen am 29. Juli 2024.
  8. Klaus Nerger: Das Grab von Marianne Wünscher. In: knerger.de. Abgerufen am 23. Dezember 2020.
  9. Barbara Morgenstern: Wolfgang Pietsch und Marianne Wünscher. Abgerufen am 10. Februar 2023.