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Marten von Barnekow

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Marten Hans Joachim Gerd von Barnekow, kurz Marten von Barnekow, (* 16. März 1900 in Bromberg; † 29. November 1967 in Rehau) war ein deutscher Springreiter. Er war Angehöriger der Familie von Barnekow.

Dem uradeligen Geschlecht derer von Barnekow entstammend, die Gesamtfamilie hauptsächlich mit Grundbesitz auf Rügen ausgestattet, war Marten der zweite Sohn des Eduard von Barnekow-Lancken (* 1860) und der Bella Geniol (* 1870), aus Hannover. Die Eltern hatten 1897 geheiratet.[1] Der Großvater Eduard sen. von Barnekow (* 1813), der mit einem Vetter Alfred von Barnekow-Ralswiek um die Ablösung des so genannten Bischofroggens kämpfte,[2] war bereits in zweiter Generation Gutsbesitzer in Lancken auf dem Jasmund mit Anteilen in Dargast und Lenz, heute einem eingemeindeten Vorort von Sassnitz, gesamt damals 3415 Morgen groß.[3] Der Großvater gehörte 1862 zur Pommerschen Ritterschaft.[4] Der Vater wiederum war Kammerherr und Oberstallmeister des vormaligen reg. Herzogs Ernst II. von Sachsen-Altenburg. Martens älterer Bruder Raven von Barnekow war 1920 kgl. preuß. Leutnant, vormals beim Grenadier-Regiment zu Pferde Freiherr von Derfflinger (Neumärkisches) Nr. 3 zu Bromberg.[5] Die Eltern wohnten später in Schwerin. Die Tante Juliane war mit dem Oberst Wilhelm von Otterstedt verheiratet.

Mitglieder und Gäste d. dt. Wettkampf­mannschaft bei der National Horse Show in den USA, 1928. In the front row, left to right: Lieut. Wilhelm Schmalz; Lieut. Col. von Flotow; Secretary Davis; Lieut. Baron von Nagel and Lieut. von Barnekow.

Barnekow wählte zunächst den Weg der militärischen Karriere, war 1920 als kgl. preuß. Fahnenjunker im 7. Jäger-Bataillon und somit Offiziersanwärter. 1923 wurde er mit seinem Bruder in den Ranglisten des Reichswehrministerium als Leutnant beim 6. (Preußischen) Reiter-Regiment geführt, zugeordnet der 1. Kavallerie-Division in Frankfurt a. O. Die Untereinheiten des Regiments waren in Pasewalk, Schwedt und Demmin stationiert.[6] Spätestens 1927 erreichte er[7] den Dienstgrad Oberleutnant. Bereits in dieser Zeit gehörte er unter der Leitung des Oberstleutnant Andreas von Flotow mit Hermann Freiherr von Nagel-Ittlingen (1899–1982), zuletzt Oberst, und mit dem späteren Generalleutnant Wilhelm Schmalz, zu den besten drei Reitschülern ihrer Generation.[8]

In den Jahren 1929 gewann Marten von Barnekow auf Derby und 1932 auf General das Deutsche Springderby in Hamburg-Klein Flottbek. Er gewann bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin die Goldmedaille mit der Mannschaft im Springreiten. In der Einzelwertung belegte er den 26. Platz auf Nordland.[9]

Von Barnekow sprach sich in „Die Ausbildung des Springpferdes“ für ein Maßhalten in den versammelnden Übungen für Springpferde aus.

„Diese Art der Arbeit, für den Durchschnittsreiter recht schwierig, wird zumeist falsch angewandt und durchgeführt. (...) Wie im Schritt und Trabe bleibt auch im Galopp - unter bewußtem Verzicht auf Aufrichtung bei starker Biegung der Hinterhand - die Hauptsache das Gehen am langen Zügel mit langem Hals mit vor der Senkrechten getragener Nase.

Marten von Barnekow: Die Ausbildung des Springpferdes, Düsseldorf 1959, S. 12 f.

Barnekow trat zum 9. November 1933 der SS bei (SS-Nummer 132.108), zum 23. Juni 1934 wurde er zum SS-Sturmführer (Leutnant) befördert.[10] Zeitgleich erkannte er, dass nur der Wechsel zur Wehrmacht eine erfolgreiche Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Berlin ermöglichte. Er wurde deshalb auf eigenen Antrag zum 13. August 1934 aus der SS entlassen und bereitete sich in der Kavallerieschule Hannover der Wehrmacht auf die Olympischen Spiele 1936 in Berlin vor.[11] Bei den Reitwettkämpfen gewann er auf „Nordland“ im Mannschaftsspringreiten zusammen mit Kurt Hasse auf „Tora“ und Heinz Brandt auf „Alchimist“ die Goldmedaille.[12] Zum 9. November 1938 trat er als SS-Sturmbannführer wieder in die SS ein, um seine reitsportliche Karriere für die SS-Hauptreitschule München fortzusetzen.[13]

Bereits 1927 hatte Barnekow Ilse Geese-Weltt geheiratet, aus dieser Beziehung stammt der 1928 in Hannover geborene Sohn Hans Joachim von Barnekow. Das Paar liew sich später scheiden, Ilse heiratete dann den Regierungs-Baumeister Thilo Schneider.

Die Autoren Frank Becker und Ralf Schäfer bescheinigen ihm aus der jetzigen Sicht den bruchlosen Übergang in die Nachkriegszeit, und seine erneute erfolgreiche sportliche Laufbahn ab 1950.[14]

  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1920. Jg. 21, Justus Perthes, Gotha 27. Oktober 1919, S. 35–36. Siehe: FamilySearch
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1938. Jg. 38, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 17. Siehe: FamilySearch (Z. Zt. dieser Band dort nicht einsehbar).
  • Marten von Barnekow: Die Ausbildung des Springpferdes. Sankt Georg Kunstverlag Bissinger & Marschall, Düsseldorf 1950.
  • Alfred Petermann: Sportlexikon. Buch und Zeit, Köln 1969.
  • Berno Bahro: SS-Sport. Organisation, Funktion, Bedeutung. Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2013, ISBN 978-3-506-77288-6, S. 17, 241, 243, 246, 256.
  • Frank Becker, Ralf Schäfer: Die Spiele gehen weiter. Profile und Perspektiven der Sportgeschichte. Auflage-Online-Ressource, Campus Verlag GmbH, Frankfurt-Main/New York 2014, S. 181 m. Anm. 30. Kurz-Vita.

Einzelnachweise

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  1. Ad. M. Hildebrandt (Hrsg.): Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. XXVIII-Nr. 10, Hrsg. Herold (Verein), Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlag-Selbstverlag-Herold, Berlin Oktober 1897, S. 147.
  2. A. Haas (Hrsg.): Rügensche Skizzen. Verlag Julius Abel, Greifswald 1898, S. 28.
  3. Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Stralsund. Stück 43-1867, Eigenverlag, Stralsund, den 24. Oktober 1867, S. 349.
  4. Robert Klempin, Gustav Kratz (Hrsg.): Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV. bis ist in das XIX. Jahrhundert. Comm. A. Bath (Mittler´s Sortimentsbuchhandlung), Berlin 1863, S. 631-Nr. 7.
  5. Deutscher Offizier-Bund (Hrsg.): Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres auf Grund der Ranglisten von 1914 mit den inzwischen eingetretenen Veränderungen. 1926. E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1926, S. 410.
  6. Reichswehrministerium (Heeres-Personalamt): Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1923, S. 56.
  7. Constantin von Altrock: Militär-Wochenblatt. Jg. 112, E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1927, S. 1155.
  8. Harald Momm, Wilhelm Braun: Mit deutschen Reitern in zwei Weltteilen. 1. Auflage-1941 (1.-10. Tsd.), 2. Auflage, Verlag Sankt Georg, Berlin 1942, S. 25.
  9. Dietbert Arnold: Pferdewirtprüfung. Band 7-History. BoD, Norderstedt 2013, ISBN 978-3-7322-4047-0, S. 100.
  10. Bundesarchiv (BArch) R 9361-III/515466.
  11. Berno Bahro: SS-Sport. Organisation, Funktion, Bedeutung. Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2013, S. 241.
  12. Organisationskomitee für die XI. Olympiade Berlin e. V.: XI. Olympiade Berlin 1936. Amtlicher Bericht, Berlin 1937, S. 919.
  13. Berno Bahro: SS-Sport. Organisation, Funktion, Bedeutung. Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2013, S. 246.
  14. Frank Becker, Ralf Schäfer (Hrsg.): Sport und Nationalsozialismus. Auflage Online-Ressource, Wallstein, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-4017-6, S. 214.