Michael Lippold

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Michael Lippold (* 18. Oktober 1970 in Regensburg) ist ein deutscher Schauspieler und Theaterregisseur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist ein Sohn des deutschen Althistorikers Adolf Lippold. Michael Lippold absolvierte von 1992 bis 1996 eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Bern.

Er debütierte 1996 am Theater Augsburg als Camille Desmouslins in Dantons Tod sowie in der Titelrolle in Hamlet. Nach zwei Jahren als Ensemblemitglied in Augsburg spielte er von 1998 bis 2000 im Ensemble am Theater Konstanz und gastierte am Schauspielhaus Zürich (Spielzeit 1998/1999). Von 2002 bis 2004 war er festes Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater. Dort spielte er unter anderem Aaron in Shakespeares Titus Andronicus (2002, Regie: Christian Stückl), Mercutio in Romeo und Julia (2003, Regie: Nuran David Calis) sowie den Narr in Was ihr wollt (2004, Regie: Jorinde Dröse).

Vom Münchner Volkstheater engagierte ihn der Oberspielleiter des Bayerischen Staatsschauspiels Elmar Goerden für seine Intendanz ans Schauspielhaus Bochum, wo Lippold von 2005 bis 2010 festes Ensemblemitglied blieb. Er war in Inszenierungen von Elmar Goerden, Lisa Nielebock, Wilfried Minks, Armin Holz, Jorinde Dröse, Anne Lenk und Anna Bergmann zu sehen.

Für die Titelrolle in der Uraufführungsinszenierung von Genannt Gospodin von Philipp Löhle (2007, Regie: Kristo Šagor) wurde er von Kritikern als Nachwuchsschauspieler des Jahres nominiert.[1] Die Inszenierung wurde 2008 zu den Mülheimer Theatertagen Stücke eingeladen.[2]

Seit 2010 arbeitet Lippold frei als Schauspieler. 2016 spielt er unter der Regie von Johan Simons in Urban Prayers Ruhr bei der Ruhrtriennale.[3]

Seit 2010 ist Michael Lippold auch als Theaterregisseur tätig. Er gab sein Regie-Debüt an der Bochumer Off-Bühne Rottstr 5 Theater mit dem surrealistischen Weltuntergangsstück Der Disneykiller von Philip Ridley, was überregionale Aufmerksamkeit erhielt.[4] In der Folge inszenierte er am Schauspielhaus Bochum im Rahmen des Autorenfestivals Ohne alles sowie die Uraufführung Böses Mädchen von Lothar Kittstein am Theater Bonn (2011).[5][6] In Bonn folgten die Deutschsprachige Erstaufführung von Tief in einem dunklen Wald des amerikanischen Autors Neil LaBute (2012) sowie Ödön von Horváths Klassiker Kasimir und Karoline zur Eröffnung der Spielzeit 2012/2013 in der Bonner Halle Beuel.[7] Lippolds Uraufführungsinszenierung von Csába Mikós Die Vaterlosen am Theater Regensburg wurde zum Kortárs Drámafesztivál 2014, dem Festival für zeitgenössische Dramatik in Budapest, eingeladen.[8] Die Produktion zeigt am Beispiel einer Familie den gesellschaftspolitischen Wandel und die ideologische Radikalisierung Ungarns seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.[9] 2016 führt Lippold am Landestheater Coburg Regie bei Bilder deiner großen Liebe, einer Bühnenadaption des posthum erschienenen letzten Romans von Wolfgang Herrndorf.[10]

Auch als Bühnenautor ist Lippold tätig. Das von ihm verfasste Drama Ute, die Gute, eine vom Nibelungenlied inspirierte Neudichtung des Lebens der Mutter von Kriemhild, die er 2011 am Rottstr 5 Theater inszenierte, wurde im Rahmen des NRW Theatertreffen 2012 gezeigt.[11] 2013 realisierte er zusammen mit dem Autor Lothar Kittstein das Theaterprojekt Zu spät! Zu spät! Zu spät!, das auf Basis von Recherchen und aus Improvisationen mit Schauspielern entstand und die Mechanismen von Überforderung und Coaching-Branche zeigt.[12] Die Produktion wurde für den Kölner Theaterpreis 2013 nominiert und war bis 2016 am Theater im Bauturm zu sehen.[13] 2016 tourte eine Neuinszenierung des Stücks des Theaterveranstalters Kempf Theatergastspiele durch mehrere deutsche Städte.[14] Für das Konzert Theater Bern schrieb Lippold eine Neufassung von J. M. Barries Romanklassiker Peter Pan, die er zusammen mit der Basler Art-Pop-Band The bianca Story im Dezember 2015 auf die Bühne des Berner Stadttheaters brachte.[15]

Neben seiner Tätigkeit für das Theater war Lippold auch in Kino und Fernsehen zu sehen. Er spielte unter anderem in den Filmen Der Untergang (Regie: Oliver Hirschbiegel), Der letzte Zug (Regie: Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová) und Der deutsche Freund (Regie: Jeanine Meerapfel). Auch als Sprecher für Hörfunkproduktionen ist er tätig.    

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühne (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1996: Dantons Tod (Georg Büchner), Rolle: Camille Desmoulins, Regie: Friderike Vielstich
  • 1996: Hamlet (William Shakespeare), Rolle: Hamlet, Regie: Friderike Vielstich
  • 1998: Tod des Herakles (UA) (Karst Woudstra), Rolle: Hyllos, Regie: Karst Woudstra
  • 2002: Titus Andronicus (William Shakespeare), Rolle: Aaron, Regie: Christian Stückl
  • 2003: Romeo und Julia (William Shakespeare), Rolle: Mercutio, Regie: Nuran David Calis
  • 2003: Der Räuber Kneißl (Christian Stückl), Rolle: Josef Schreck, Regie: Christian Stückl
  • 2004: Was ihr wollt (William Shakespeare), Rolle: Narr, Regie: Jorinde Dröse
  • 2005: Die Räuber (Friedrich Schiller), Rolle: Franz Moor, Regie: Frank Hellmund
  • 2005: Mein ist Dein Herz! (Ovid), Rolle: Paris, Regie: Lisa Nielebock
  • 2005: Sanft und grausam (Martin Crimp), Rolle: James, Regie: Wilfried Minks
  • 2006: Traum eines lächerlichen Menschen (Fjodor M. Dostojewski), Monolog, Regie: Hans Dreher
  • 2006: Doña Rosita oder Die Sprache der Blumen (Federico García Lorca), Rollen: Neffe, Junge, Regie: Armin Holz
  • 2007: Genannt Gospodin (UA) (Philipp Löhle), Rolle: Gospodin, Regie: Kristo Šagor
  • 2008: Der eigene Raum (UA) (Kristo Šagor), Rolle: Ich, Regie: Kristo Šagor
  • 2009: Hanglage Meerblick (David Mamet), Rolle: John Williamson, Regie: Elmar Goerden
  • 2009: A Tribute to Quentin Tarantino, Liederabend, Regie: Hans Dreher
  • 2009: Die Unsicherheit der Sachlage (UA) (Philipp Löhle), Rollen: Björn, Zeitungstyp, Polizist, Regie: Anne Lenk
  • 2009: König Lear (William Shakespeare), Rolle: Edmund, Regie: Elmar Goerden
  • 2010: Leonce und Lena (Georg Büchner), Rolle: Die Gouvernante, Regie: Anna Bergmann
  • 2011: Der Großinquisitor (Fjodor M. Dostojewski), Monolog, Regie: Hans Dreher
  • 2013: Anna Karenina (Armin Petras nach Leo Tolstoi), Rolle: Wronski, Regie: Sibylle Broll-Pape
  • 2013: Othello (William Shakespeare), Rolle: Jago, Regie: Sibylle Broll-Pape
  • 2015: Die Göttliche Komödie – Inferno (Dante Alighieri), Lesung, Regie: Laura Olivi
  • 2016: Die Göttliche Komödie – Purgatorio (Dante Alighieri), Lesung, Regie: Laura Olivi
  • 2016: Urban Prayers Ruhr (Björn Bicker, Malte Jelden), Rolle: Chor der gläubigen Bürger, Regie: Johan Simons

Regiearbeiten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: Der Disneykiller, Rottstr 5 Theater
  • 2010: Wir haben der Menschheit nichts berechnet (UA), Schauspielhaus Bochum
  • 2011: Böses Mädchen (UA), Theater Bonn
  • 2011: Ute, die Gute (UA), Rottstr 5 Theater
  • 2012: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Rottstr 5 Theater
  • 2012: Tief in einem dunklen Wald (DSE), Theater Bonn
  • 2012: Kasimir und Karoline, Theater Bonn
  • 2013: Nathans Kinder, Rheinisches Landestheater Neuss
  • 2013: Zu spät! Zu spät! Zu spät! (UA), Theater im Bauturm, Theater im Pumpenhaus, Rottstr 5 Theater
  • 2014: Spiel’s nochmal, Sam, Theater Regensburg
  • 2014: Atmen, Prinz Regent Theater
  • 2014: Die Vaterlosen (UA), Theater Regensburg
  • 2015: Das Ende des Regens, Rheinisches Landestheater Neuss
  • 2015: Peter Pan, Konzert Theater Bern
  • 2016: Bilder deiner großen Liebe, Landestheater Coburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Köln hat das beste Theater. Welt am Sonntag NRW vom 15. Juni 2008
  2. Genannt Gospodin auf der Website der Mülheimer Theatertage 2008
  3. Urban Prayers Ruhr (Memento des Originals vom 21. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ruhrtriennale.de auf der Website der Ruhrtriennale 2016
  4. Eine sabbernde Riesenkatze namens Realität. Nachtkritik.de vom 9. Februar 2010.
  5. Goerdens Abschied „ohne alles“. Ruhr Nachrichten vom 27. Juni 2010
  6. In dichten Gestrüppen. Nachtkritik.de vom 26. Januar 2011.
  7. Michael Lippold inszeniert Kasimir und Karoline. General-Anzeiger Bonn
  8. Die Vaterlosen (The Fatherless) (Memento des Originals vom 20. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dramafestival.hu Ankündigung auf der Website des Kortárs Drámafesztivál Budapest 2014
  9. Zukunft auf Sand gebaut. Nachtkritik.de vom 9. November 2014
  10. Bilder deiner großen Liebe (Memento des Originals vom 21. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.landestheater-coburg.de auf der Website des Landestheater Coburg
  11. Der Bochumer Ring auf der Website des NRW Theatertreffen 2012
  12. Zu spät! Zu spät! Zu spät! Website des Theaterprojekts
  13. Der Zeit im Hamsterrad hinterher. Theater pur vom 14. Februar 2014
  14. Zu spät! Zu spät! Zu spät! auf der Website der Kempf Theatergastspiele
  15. Peter Pan auf der Website des Konzert Theater Bern