Muttsee

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Muttsee
Muttsee im Sommer 2006 vor dem Ausbau
Muttsee im Sommer 2006 vor dem Ausbau
Lage: Glarnerland
Grössere Orte in der Nähe: Linthal GL
Muttsee (Kanton Glarus)
Muttsee
Koordinaten 721122 / 191501Koordinaten: 46° 51′ 49″ N, 9° 1′ 38″ O; CH1903: 721122 / 191501
Daten zum Bauwerk
Sperrentyp: Gewichtsstaumauer
Höhe über Gründungssohle: 27 m
Kronenlänge: 1 050 m
Basisbreite: 27 m
Kraftwerksleistung: 1 000 MW
Betreiber: Kraftwerke Linth-Limmern
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 2474 m ü. M.
Wasseroberfläche 61 ha
Stauseelänge 1,1 km
Stauseebreite 700 m
Maximale Tiefe 98 m
Gesamtstauraum: 23 000 000 m³
Besonderheiten:

Pumpspeichersee

Muttsee 20100605 MartinSteiger CCBYSA 001.jpg
Muttsee aus dem Flugzeug im Frühling 2010

Der Muttsee ist ein Bergsee im hintersten Teil des Glarnerlands in der Schweiz auf der Hochebene Mutten. Bei einer ungefähren ehemaligen Ausdehnung von 1000 auf 400 Meter hatte er eine Fläche von 42 Hektar.[1] Wenn er ganz voll ist, liegt der Seepegel auf 2473 m ü. M. (früher: 2446 m ü. M.) und hat eine Fläche von rund 61 Hektar. Dieses Seebecken ist somit das höchste Speicherbecken Europas.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der See befindet sich am Übergang von Linthal-Tierfehd über den Kistenpass nach Brigels. Er liegt in einem 2,95 Quadratkilometer[1] grossen Becken, das von hohen Bergen wie Nüschenstock (2893 m) im Westen, Rüchi (2849 m) im Nordwesten, Ruchi (3107 m) im Osten und Muttenstsock (3089 m) im Südosten umgeben ist. Nach Südwesten zum Limmerensee öffnet sich die Arena, die hier lediglich vom Hüenderbüel (2469 m) abgeschlossen wird.

Im Süden, wo sich heute das östliche Ende des Damms befindet, wurde der See ursprünglich von einem Bach entwässert, der nach ein paar Hundert Metern im felsigen Untergrund verschwand. Etwas südlich davon entspringt der Muttenbach, der Abfluss des heute kaum mehr vorhandenen Lattenfirns am Muttenstock. Der Muttenbach ist keine direkte Fortsetzung des Abflusses des Muttsees.[3]

Der See ist im Kantonalen Landschaftsverzeichnis als Landschaft von regionaler Bedeutung eingetragen.[4] Im karstigen Gebiet der Muttenalp liegen – nebst der Muttseehöhle und der Muttseehütte – noch diverse weitere kleine Seen, die meisten davon südwestlich vom Muttsee über den Hüenderbüel verteilt. Der grösste Nachbar, der Ober See, liegt nördlich vom Muttsee auf 2475 m. Er ist der einzige See auf der Muttenalp, der mit dem Muttsee verbunden ist: Sein Abfluss speist den Muttsee.

Pumpspeicherkraftwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemals natürliche Karstsee[4] wird als Speicher zur Herstellung von Spitzenstrom genutzt. Das Wasser wird in den Limmerensee geleitet.

Zu Beginn der 1960er-Jahre wurde der Muttsee in den Kraftwerksbetrieb der Kraftwerke Linth-Limmern als Oberbecken einbezogen und ein Erddamm errichtet.[5] Das Kraftwerk Muttseete hatte eine Leistung von 4,4 MW und befand sich in einer Felskaverne, von wo das Wasser in den Limmernsee abfliesst.[6]

Im Rahmen des Ausbauprojekts Linthal 2015 wurde das Volumen des Sees von ehemals rund 9 Mio. auf heute 23 Mio. Kubikmeter erhöht.[7] Durch den Bau einer 1050 Meter langen und bis zu 35 Meter hohen Gewichtsstaumauer wurde der Seespiegel um 28 Meter angehoben auf eine Stauhöhe von 2474 m ü. M. Es ist dies die längste Staumauer der Schweiz und die höchstgelegene Europas. Das letzte Segment der Staumauer war Anfangs Oktober 2014 betoniert worden.[8] Während des Jahres 2015 erfolgte der Endausbau und die Flutung der Stollen. Im Sommer 2016 erfolgt der Erstaufstau und die Abnahme durch das Bundesamt für Energie.[9][10][11] Vier Francis-Turbinen pumpen Wasser in den See und produzieren Strom mit einer Leistung von je 250 MW. Ob das Pumpspeicherwerk aufgrund des veränderten Energiemarktes rentieren wird, ist unklar.[7] Axpo-Konzernchef Andrew Walo rechnete 2016 mit zehnVorlage:Zukunft/In 5 Jahren oder mehr Jahren, bis zu einer Rentabilität größer 1.[12]

Muttsee während der Bauzeit des Staudamms im Herbst 2013 – Bild aufgenommen von Norden (Grat zwischen Scheidstöckli und Rüchi)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Paul R. Biermann, Achim Albrecht, Michael H. Bothner, Erik T. Brown, Thomas D. Bullen, Leda Beth Gray, Laurent Turpin: Erosion, Weathering, and Sedimentation. In: Carol Kendall, Jeffrey J. McDonnell (Hrsg.): Isotope Tracers in Catchment Hydrology. Elsevier, Amsterdam, Oxford 1998, ISBN 978-0-444-50155-4, S. 647–678 (Buch bei Google Books).
  2. Muttseehütte. Abgerufen am 18. September 2012.
  3. Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 3: Krailigen – Plentsch. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1905, S. 504, Stichwort Muttensee  (Scan der Lexikon-Seite).
  4. a b Christine Meier, Annemarie Bucher: Die zukünftigen Landschaften erinnern. Haupt, Bern 2010, ISBN 978-3-258-07633-1 (Buch bei Google Books).
  5. Lukas Schaffhuser: Muttsee – Projekt Linthal 2015. 2011; abgerufen am 18. September 2012.
  6. Kraftwerke Linth-Limmern AG. Zukunft Wasserkraft – Linthal 2015. In: Axpo. S. 7; abgerufen am 26. Dezember 2015 (PDF; 4.4 MB).
  7. a b Helmut Stalder: Pumpspeicherwerk Linth-Limmern: Die Batterie im Berg. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 205, 3. September 2016, ISSN 0376-6829, S. 16–17 (nzz.ch [abgerufen am 4. September 2016]).
  8. Pumpspeicherkraftwerk: Rentabilität angezweifeltSRF 10vor10 am 15. Oktober 2014
  9. Projekt Linthal 2015. In: Axpo. Abgerufen am 18. September 2012.
  10. Medienmitteilung der Axpo am 23. März 2016
  11. Die erste Maschinengruppe des Pumpspeicherwerks Limmern wurde erstmals erfolgreich mit dem Netz synchronisiert. Medienmitteilung. In: Axpo. 18. Dezember 2015; abgerufen am 4. September 2016.
  12. Armando Mombelli: Das spektakulärste und riskanteste Kraftwerk der Schweiz. In: swissinfo.ch. 8. September 2016; abgerufen am 6. Oktober 2017.