Only Lovers Left Alive

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Filmdaten
Deutscher Titel Only Lovers Left Alive
Originaltitel Only Lovers Left Alive
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Deutschland
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 122 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Jim Jarmusch
Drehbuch Jim Jarmusch
Produktion Jeremy Thomas
Reinhard Brundig
Musik Jozef van Wissem
Kamera Yorick Le Saux
Schnitt Affonso Gonçalves
Besetzung

Only Lovers Left Alive ist ein romantisches Filmdrama aus dem Jahr 2013 von Jim Jarmusch über Vampire in der Gegenwart. In den Hauptrollen der britisch-deutschen Koproduktion sind Tom Hiddleston und Tilda Swinton zu sehen. Der Film war 2013 bei den Filmfestspielen von Cannes für die Goldene Palme nominiert.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Hurt, Slimane Dazi, Tilda Swinton, Tom Hiddleston und Jim Jarmusch 2013 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes

Die Vampire Adam und Eve sind ein Ehepaar. Sie kennen sich seit Jahrhunderten und sind seither entscheidenden kulturellen und wissenschaftlichen Größen begegnet. Während die kultivierte Eve in Tanger lebt und sich vorwiegend der Literatur widmet, lebt der schwermütige Adam in Detroit, wo er sich mit psychedelischer Musik einen Namen in der dortigen Undergroundszene gemacht hat. Die beiden kommunizieren vorwiegend über das Internet miteinander, doch im Unterschied zu Eve, die den Errungenschaften der modernen Technik frönt, hat Adam Probleme, sich in der modernen Welt zurechtzufinden. Da beide den Anspruch haben, keine Menschen mehr zu beißen, nutzen sie andere Methoden der Blutbeschaffung. Eve bekommt den "Stoff" von ihrem Freund Christopher Marlowe. Adam besorgt sich das Blut gegen Bargeld im Krankenhaus. Als Eve spürt, dass Adam niedergeschlagen ist, fliegt sie nach Detroit, um ihn zu besuchen. Doch kurze Zeit später taucht zu Adams Leidwesen – und nach 87 Jahren Abwesenheit – auch Eves jüngere, exaltierte und leichtlebige Schwester Ava auf und stört mit ihrer chaotischen Art die Zweisamkeit der beiden. Nach einem Konzertbesuch verletzt sie auch noch die Regeln und saugt Adams Kollegen Ian, einen „Zombie“ – Adams Bezeichnung für Sterbliche – aus. Ava wird daraufhin aus dem Haus geworfen und Ians Leiche nach einer Fahrt durchs nächtliche Detroit in einem Säurebehälter vernichtet. Um Nachforschungen zu entgehen, fliegen Adam und Eve nach Tanger, wo sie den Tod von Marlowe mitansehen müssen, der verunreinigte Blutprodukte konsumiert hat. Da dieser bislang Eve mit Blut versorgt hat, werden Adam und Eve zunehmend schwächer. Im Blutdurst machen sie sich schließlich über ein Liebespaar her.

Entstehungsgeschichte und Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Finanzierung des Filmprojekts noch nicht gesichert war, gab Jarmusch, der auch das Drehbuch verfasst hat, 2010 bekannt, dass er Tilda Swinton, Michael Fassbender, Mia Wasikowska und John Hurt als Schauspieler gewinnen konnte. Fassbender wurde dann durch Tom Hiddleston ersetzt.

Die Dreharbeiten fanden ab Juni 2012 in Detroit, Tanger, Hamburg, Köln und Leverkusen statt. Finanziert wurde das Projekt unter anderem von der Filmstiftung NRW.[1] Das Budget betrug 7 Millionen Euro.[2]

Für Jarmusch selbst stehen Adam und Eve als „Metaphern für den gegenwärtigen Zustand menschlichen Lebens – sie sind zerbrechlich und in Gefahr, empfindlich für die Gewalt der Natur und für das kurzsichtige Verhalten derer, die an der Macht sind.“[3]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jarmuschs Film erntete überwiegend positive Kritiken.

Tim Caspar Boehme lobt in seiner Rezension im Spiegel vor allem die Kameraführung und die Regiearbeit von Jarmusch, der durch seine behutsame Herangehensweise in Only Lovers Left Alivepoetische Bilder mit ihren ganz eigenen Geschichten“ entstehen lasse. Die Kamera blicke bei den nächtlichen Autofahrten durch das menschenleere Detroit „fast zärtlich auf die überwucherte Schönheit der ehemaligen Metropole“; es scheine, als ob Jarmusch „der bankrotten ‚Motor City‘ mit diesen tageslichtfreien Bildern ein Denkmal“ habe setzen wollen. Das Genre des Vampirfilms liefere zudem nur eine Rahmenhandlung für „reichlich Situationskomik und trockenen Humor“ in einem Film, der sich stets „viel Zeit mit dem Erzählen“ lasse.[4]

Björn Hayer rühmt in der Neuen Zürcher Zeitung an Jarmuschs Film, der den Vampirmythos in vielschichtiger Form fortführe, die „gelungene Mixtur aus Romanze, Gruseldrama und Musikfilm“; erzählt werde „im Fatum des Vampirs von der Melancholie der modernen Urbanität“.[5]

Daniel Kothenschulte sieht in seiner Rezension in der Frankfurter Rundschau in Jarmuschs von kulturverliebtem Vampirismus geprägten Verfilmung einen Film über eine „recht erwachsene Liebe“, in der alle Leidenschaft sich „in lässigem Einvernehmen“ genüge. Genau dies mache jedoch den besonderen Charme von Only Lovers Left Alive aus als einem Liebesfilm, der – anders als in diesem Genre üblich – von „stiller Seelenverwandtschaft“ erzähle.[6]

Silvia Hallensleben erklärt im Tagesspiegel Only Lovers Left Alive als Jarmuschs bisher persönlichsten Film, der mit „somnambuler Musik“ und auch in der visuellen Komposition mit ihren „Chiaroscuro-Effekten an Renaissance-Meister“ erinnere. Der Film sei eine „wehmütige Elegie auf das analoge Zeitalter und ebenso ein Menetekel kommender spiritueller und ökologischer Katastrophen“ und richte sich primär an ein erwachsenes Publikum, das „den heftigen Hauch von Wehmut“ richtig „goutieren“ könne.[7]

In der Filmkritik von Rupert Koppold in der Stuttgarter Zeitung wird Jarmuschs „Vampirelegie“ als ein „Kunstprojekt mit ein bisschen Sex“ gesehen, das jedoch „immer mit Stil“ eine „wunderbar dekadente Atmosphäre“ schaffe. Jarmusch zelebriere in seinem Film „erlesenen Stillstand“, der Film habe jedoch sehr lange keinen „Biss“.[8]

Die Allgemeine Zeitung hebt die ebenso skurrilen wie liebenswerten Charaktere in Only Lovers Left Alive hervor, die von der „unterkühlten Schauspielkunst der hochkarätigen Darsteller“ lebten. Trotz all seiner Melancholie sei Jarmuschs Film jedoch „kein rein kulturpessimistisches Traktat“; viele Szenen und Dialoge seien durch den für den Regisseur typischen subtilen Humor geprägt. Die Komik stecke in Sprache und Situationen; dieses „Leinwandepos“ mit seiner „zeitlosen Thematik sowie einem großartig grungigen Soundtrack“ stelle eine „hochgradig komische Hymne auf das Leben und die ewige Liebe“ dar.[9]

Auch Susan Vahabzadeh lobt in der Süddeutschen den „schwarzen Jarmusch-Humor“ mit Eves geistreichen Gags und Adams offenen Sarkasmus. Only Lovers Left Alive sei Jarmuschs „beste Arbeit seit Jahren – komisch und melancholisch, vielleicht ein wenig kryptisch, vielschichtig verschlüsselt“. Obwohl die Geschichte, die er erzähle, sich mitunter ein wenig verplaudere, sprächen die Bilder und die Stimmung, die diese beschwören, für sich; Adam und Eve seien „so ziemlich die letzten wahren Menschen“. Die Welt, die Jarmusch in seinem Film entstehen lasse, sei ein „Sammelsurium, ein ’Best of‘ der Jahrhunderte und Kulturen“, in dem sich das zusammenfinde, was die Menschen für erhaltenswert erachtet hätten. In dieser „Sehnsucht nach gestern“, die Only Lovers Left Alive treibe, stecke zugleich die Hoffnung auf ein „echtes, unzerstörbares Gefühl“.[10]

Demgegenüber kritisiert Adrian Prechtel in der Münchener Abendzeitung Only Lovers Left Alive als einen ausgelaugten Vampirfilm über die „Einsamkeit des Intellektuellen“ und dessen Empfindung, „aus der Zeit gefallen zu sein, die feindlich vor der Tür ihr oberflächliches Unwesen“ treibe. Jarmuschs Film versinke in einem „weinerlichen Grundton, Pop-Nostalgie und Lebenssaft-ausgesaugter Langsamkeit“. Der Film habe trotz seiner zahlreichen kulturellen und intellektuellen Anspielungen „keinen echten Reiz“. Jarmusch liefere „allenfalls ein Grundkolorit für einen insgesamt fahlen und letztlich faden Film.“[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 belegte Only Lovers Left Alive bei einer Umfrage der BBC zu den 100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts Platz 72.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen auf moviepilot.de (abgerufen am 3. Januar 2013)
  2. Presse-Konferenz in Cannes, ca. 37:40, Aussage von Reinhard Brundig (abgerufen am 6. Januar 2014)
  3. Der Gegenwart ist nichts mehr heilig. In: Süddeutsche Zeitung, 25. Dezember 2013, abgerufen am 3. Februar 2014
  4. Vampirfilm "Only Lovers Left Alive": Allein in Detroit. In: Der Spiegel, 25. Dezember 2013, abgerufen am 3. Februar 2014
  5. Auf immer aus der Zeit gefallen. In: Neue Zürcher Zeitung, 20. Dezember 2013, abgerufen am 3. Februar 2014
  6. In der Gruft. In: Frankfurter Rundschau, 23. Dezember 2013, abgerufen am 3. Februar 2014
  7. Wenn Vampire zu sehr lieben. In: Der Tagesspiegel, 23. Dezember 2013, abgerufen am 3. Februar 2014
  8. Elegie der Nacht. In: Stuttgarter Zeitung, 24. Dezember 2013, abgerufen am 3. Februar 2014
  9. Kinokolumne: Jim Jarmuschs romantisches Vampirdrama „Only Lovers Left Alive“. In: Allgemeine Zeitung, 2. Januar 2014, abgerufen am 3. Februar 2014
  10. Der Gegenwart ist nichts mehr heilig. In: Süddeutsche Zeitung, 25. Dezember 2013, abgerufen am 3. Februar 2014
  11. Fade Fahlheit von Jim Jarmusch. In: Abendzeitung München, 26. Dezember 2013, abgerufen am 3. Februar 2014