Osterfeld (Sachsen-Anhalt)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Osterfeld
Osterfeld (Sachsen-Anhalt)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Osterfeld hervorgehoben

Koordinaten: 51° 5′ N, 11° 56′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Burgenlandkreis
Verbandsgemeinde: Wethautal
Höhe: 250 m ü. NHN
Fläche: 27,61 km2
Einwohner: 2447 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner je km2
Postleitzahl: 06721
Vorwahl: 034422
Kfz-Kennzeichen: BLK, HHM, NEB, NMB, WSF, ZZ
Gemeindeschlüssel: 15 0 84 375
Adresse der Verbandsverwaltung: Corseburger Weg 11
06721 Osterfeld
Website: www.vgem-wethautal.de
Bürgermeister: Hans-Peter Binder (CDU)
Lage der Stadt Osterfeld im Burgenlandkreis
SachsenThüringenSaalekreisAn der PoststraßeMeinewehBad BibraBalgstädtDroyßigEckartsbergaElsteraueElsteraueFreyburg (Unstrut)Finne (Gemeinde)Finne (Gemeinde)FinnelandGleinaGoseckGutenbornHohenmölsenKaiserpfalz (Gemeinde)Kaiserpfalz (Gemeinde)KarsdorfKretzschauLanitz-Hassel-TalLaucha an der UnstrutLützenMertendorf (Sachsen-Anhalt)Molauer LandNaumburg (Saale)Nebra (Unstrut)Osterfeld (Sachsen-Anhalt)SchnaudertalSchönburg (Saale)StößenTeuchernWeißenfelsWethauWetterzeubeZeitzKarte
Über dieses Bild

Osterfeld ist eine Stadt im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Sie ist Sitz der Verbandsgemeinde Wethautal.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Osterfeld liegt im Süden von Sachsen-Anhalt, südöstlich von Naumburg (Saale) unmittelbar an der Landesgrenze zu Thüringen. Nachbargemeinden sind Mertendorf, Stößen, Meineweh und Droyßig im Burgenlandkreis sowie die thüringischen Gemeinden Schkölen und Heideland im Saale-Holzland-Kreis.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Osterfeld gehören die Ortsteile:

Osterfeld, Luftaufnahme (2018)

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimadiagramm von Osterfeld[2]
Burghof mit Bergfried „Matzturm“

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Osterfeld beträgt 8,3 °C, der jährliche Niederschlag 552 Millimeter.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Osterfeld im 15. Jahrhundert

Die Geschichte der Stadt reicht bis ins Mittelalter zurück. Am Standort der Burg Osterfeld ist eine slawische Wallburg aus dem 6. Jahrhundert nachgewiesen. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die Anlage umfangreich ausgebaut. Der alte Burgfried (im Volksmund Matzturm), die Umfassungsmauern und Wallreste sind erhalten geblieben.[3] Die Burg war Sitz der Grafen von Osterfeld, die mit Hermann I. im Jahr 1215 erstmals erwähnt werden.[4]

In einer am 14. September 1114 ausgestellten Urkunde wird erstmals der heutige Stadtteil Lissen als „Lizni“ benannt.[5]

1198 erfolgt in einer Urkunde von Markgraf Dietrich von Meißen für das Kloster Lausnitz die Ersterwähnung Osterfelds, abgeleitet vom Namen des in dem Dokument benannten Volkramus de Ostervelt. Burg und Burgkapelle, in welcher der Probst von Lissen Gottesdienst verrichten soll, werden erstmals 1280 genannt.[6] 1335 erscheinen die Stadt und die Burg, Castrum et oppidum Ostirvelt, in einer Naumburger Urkunde gemeinsam.

Der heute Stadtteil Pitzschendorf findet 1349 erstmals als „Buczendorf“ urkundliche Erwähnung[7], in anderen Dokumenten dieser Zeit ist ferner die Bezeichnung „Butkindorf“ enthalten.[8]

Für das Jahr 1515 sind das älteste Siegel sowie die erste urkundliche Erwähnung des Marktes nachgewiesen.[9] 1565 erhielt die Stadt von Kaiser Maximilian II. das Recht, zusätzlich zwei Jahrmärkte abzuhalten.

1566 wird die Stadt von einer Pestepidemie heimgesucht.[10]

Am 1. April 1938 wurden Lissen und Pitzschendorf in die Stadt Osterfeld eingemeindet, nach einer 3-monatigen Übergangszeit tritt dort zum 1. Juli auch das Osterfelder Ortsrecht in Kraft.[11]

Osterfeld gehörte in der DDR dem Kreis Zeitz an, der dem Bezirk Halle eingegliedert war. Der Ort trug die Gemeindenummer 082023. Bis zum Jahr 1972 war die Einwohnerzahl Osterfelds auf 2.077 angewachsen.[12]

Am 1. Januar 2010 wurden die Gemeinden Goldschau, Heidegrund und Waldau in die Stadt Osterfeld eingegliedert.[13]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutherkirche, Luftaufnahme (2018)
Rathaus
Herrenhaus
Haus an der Rinnegasse
Teich
  • Die Burg Osterfeld befindet sich hoch über der Stadt auf einem Gelände, wo bereits im 6. Jahrhundert eine slawische Wallburg stand.
  • Im Stadtzentrum befinden sich der Marktplatz mit dem historischen Rathaus und die evangelische Lutherkirche.
  • Barockes Herrenhaus mit Fledermausgauben
  • Haus an der Rinnegasse
  • Teich am Abzweig der Straße nach Waldau
  • Im Thälmann-Park befindet sich ein Gedenkstein für die Opfer des Faschismus.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat von Osterfeld setzt sich aus 14 Ratsmitgliedern zusammen. Sie verteilten sich nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 bei einer Wahlbeteiligung von 54,8 % folgendermaßen auf die einzelnen Wahlvorschläge:

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Änderung Sitze
CDU 39,4 % 6 −1
SPD 23,5 % 3 ±0
FDP 0,9 % 0 ±0
Wählergruppen 25,5 % 3 −1
Einzelbewerber 10,6 % 2 +2
Gesamt 100 % 14

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Hans-Peter Binder wurde am 13. März 2016 gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber zwei einander zugewendete nimbierte Heilige, vorn Petrus im blauen Gewand, einen goldenen Schlüssel in der Rechten und ein rotes Buch in der Linken, hinten in grünem Ornat ein Bischof mit Mitra, einen roten Stab in der Rechten und einen goldenen Krummstab in der Linken haltend, zu Füßen der beiden Heiligen ein Silberschild, darin ein roter Adler.“[14]

Das aus Siegeln des 16. Jahrhunderts entstandene Stadtwappen zeigt den Heiligen Petrus (Schutzpatron des Bistums Naumburg) und einen Bischof (Schutzpatron der Kapelle der Osterfelder Burg) hinter einem Adlerschild.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge der Stadt Osterfeld zeigt die Farben Grün - Gelb.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens seit dem 16. Jahrhundert bestanden in Osterfeld Innungen für verschiedene Handwerksberufe.[15]

1852 wurde die Stadtsparkasse Osterfeld gegründet[16], heute untersteht die örtliche Filiale der Sparkasse Burgenlandkreis.[17]

Ab 1860 bestand eine Postexpedition.[16]

Am 1. Oktober 1878 wurde erstmals die „Osterfelder Zeitung“ ausgegeben.[18]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine des Bahnhofs von Osterfeld

Die ehemals bis nach Camburg reichende und zuletzt nur noch nach Zeitz bediente Bahnanbindung wurde 1998 eingestellt.

Aus der alten Bahnstrecke wurde zwischen Zeitz und Schkölen ein Weg asphaltiert, der zwischen Osterfeld und Zeitz auch Teil der Saale-Elster-Unstrut-Rad-Acht ist.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erster bekannter Schulmeister ist Caspar Andreas im Jahr 1555 genannt. Er war zugleich Stadtschreiber und versah später das Amt des Pfarrers in Goldschau.[10]

Ab 1569 genoss die Stadt das Anrecht auf eine Schülerfreistelle in Schulpforta für einen gebürtigen Osterfelder.[19]

Bis 1835 war Kantor Carl Heinrich Gerlach, Vater des Philosophen Gottlieb Wilhelm Gerlach, über 55 Jahre Lehrer in Osterfeld.[16]

Durch die Eingemeindung Lissens 1938 entstand eine achtklassige Schule mit 8 Lehrern, zuvor hatten in Osterfeld und Lissen je getrennte Einrichtungen bestanden. Infolge des Zweiten Weltkrieges wurde der Schulbetrieb unterbrochen, zum 1. September 1945 aber wieder aufgenommen.[11]

Heutige Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände der Burg Osterfeld beherbergt eine Grundschule, in der im Schuljahr 2014/2015 89 Schüler unterrichtet werden.[20]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1904 wurde erstmals das nur alle 25 Jahre gefeierte Stadtfest begangen.[21]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Burganlage gehörte eine Kapelle, die noch bis mindestens 1537 bestand.[22]

Die 1216 erstmals erwähnte Kirche zu Lissen wurde von 1256 bis 1280 im gotischen Stil umgebaut[23], die Basilika weist aber noch Reste des romanischen Vorgängerbaus auf.[24] 1298 wird das Mönchskloster Lissen, eine Zelle des Klosters Reinhardsbrunn, erstmals urkundlich genannt. Aus diesem ging nach der Auflösung eine Pfarrkirche hervor, die gleichfalls Reinhardsbrunn unterstand. 1539 wurde das Kirchspiel Lissen im Zuge der Reformation evangelisch, Pfarrer Anton Zimmermann ersetzte den katholischen Propst Johann Tuntz. Zur Kirchgemeinde gehörten neben Lissen noch Osterfeld, Pitzschendorf, Pauscha und Corseburg[22], später unterstand der Pfarrkirche lediglich die Filiale in Haardorf.[25] Das in Lissen gelegene Pfarrhaus entstand 1691 auf zum alten Kloster gehörigen Kellerresten.[26] Lissen war von 1838 bis 1941 Sitz einer Superintendentur.[27]

Am 7. April 1574 erfolgte nach fast 5-jähriger Bauzeit die Einweihung der Osterfelder Kirche durch den Zeitzer Superintendenten Peter Prätorius. Nach jahrelangen Bemühungen trennte sich Osterfeld 1575 kirchlich von Lissen.[28] Infolge des Stadtbrands von 1679 entstand ab 1682[29] ein neuer Kirchenbau, der 1735 eingeweiht wurde. 1895 erhielt das Gebäude seinen neugotischen Turm.[30]

1958 wurde im Stadtteil Pitzschendorf ein katholisches Pfarrhaus mit Kapelle vollendet.[31]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panoramaansicht, fotografiert vom Kirchturm der Lissener Kirche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Osterfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2019 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990
  3. Burg Osterfeld auf burgenwelt.org, abgerufen am 13. Mai 2017.
  4. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 8
  5. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 2
  6. Hans Patze und Josef Dolle: Urkundenbuch des Hochstifts Naumburg Teil 2. Hrsg.: Hans K. Schulze. Köln, Weimar, Wien 2000, S. 520.
  7. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 37. 1349-2015. 666 Jahre Pitzschendorf, Osterfeld 2004, S. 4
  8. Jürgen K. Fischer: Mittelalter Mitteldeutschland. Ereignisse und Ortsnamen, JKF Selbstverlag Elsteraue, Elsteraue 2016, ISBN 978-3-9815211-2-2, S. 298
  9. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 13
  10. a b Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 14 & 21
  11. a b Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 24
  12. Heinz Adomeit (Hrsg.): Ortslexikon der Deutschen Demokratischen Republik, Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1974, S. 317
  13. StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
  14. Hauptsatzung Osterfeld (PDF; 136 kB)
  15. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 12
  16. a b c Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 34
  17. https://www.sparkasse.de/filialen/o/sparkasse-burgenlandkreis-geschaeftsstelle-osterfeld/113463.html, abgerufen am 25. Oktober 2019
  18. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 38
  19. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 15
  20. Grundschule Osterfeld (Memento des Originals vom 8. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.primolo.de, aufgerufen am 21. März 2015
  21. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 41 ff.
  22. a b Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 13
  23. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 8–9
  24. Denkmalförderverein „Matzturm“ e.V. (Hrsg.): Die Denkmale der Stadt Osterfeld, 1. Auflage 2004, S. 27
  25. Kirchenbuch Lissen, 1609–1685
  26. Denkmalförderverein „Matzturm“ e.V. (Hrsg.): Die Denkmale der Stadt Osterfeld, 1. Auflage 2004, S. 28
  27. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 36. 900 Jahre Lissen, Osterfeld 2004, S. 12 & 24
  28. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 14–15
  29. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Aus der Chronik der Stadt Osterfeld, 2. überarbeitete Auflage 2004, S. 21
  30. Denkmalförderverein „Matzturm“ e.V. (Hrsg.): Die Denkmale der Stadt Osterfeld, 1. Auflage 2004, S. 9
  31. Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 37. 1349-2015. 666 Jahre Pitzschendorf, Osterfeld 2004, S. 14