Nebra (Unstrut)

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Wappen Deutschlandkarte
Nebra (Unstrut)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Nebra (Unstrut) hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 51° 17′ N, 11° 35′ OKoordinaten: 51° 17′ N, 11° 35′ O
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Burgenlandkreis
Verbandsgemeinde: Unstruttal
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 25,43 km2
Einwohner: 3085 (31. Dez. 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 121 Einwohner je km2
Postleitzahl: 06642
Vorwahl: 034461
Kfz-Kennzeichen: BLK, HHM, NEB, NMB, WSF, ZZ
Gemeindeschlüssel: 15 0 84 360
Adresse der
Stadtverwaltung:
Promenade 13
06642 Nebra (Unstrut)
Website: stadt-nebra.de
Bürgermeisterin: Antje Scheschinski (parteilos)
Lage der Stadt Nebra (Unstrut) im Burgenlandkreis
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Karte
Nebra, Luftaufnahme (2018)

Nebra (Unstrut) ist eine Landstadt in Sachsen-Anhalt. Sie gehört der Verbandsgemeinde Unstruttal im nordwestlichen Burgenlandkreis an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nebra liegt zwischen Querfurt und Naumburg an der Unstrut im Nordwesten des Burgenlandkreises.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortschaft Einwohner
WangenReinsdorfNebraBurgenlandkreis
Nebra 2467
Reinsdorf 551
Wangen 551

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Querfurt, Barnstädt und Steigra (alle drei Saalekreis) im Norden, Karsdorf im Osten, Bad Bibra im Süden und Kaiserpfalz im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Steinbruch mit Rotsandstein am Abhang zur Unstrut
Unstrutbrücke und Schlossmühle, im Hintergrund der Bahnhof
Ruine des alten Schlosses aus dem 16. Jahrhundert

Am 18. Mai 876 wurde Nebra als Neveri im „Ingelheimer Protokoll“ des Reichsklosters Fulda erstmals urkundlich erwähnt. Im 12. Jahrhundert erhielt Nebra das Stadtrecht. Das Ministerialengeschlecht „von Nebra“ hatte hier seinen Stammsitz und wurde 1205 erstmals erwähnt. Die thüringischen Schenken von Vargula hatten von 1259 bis 1341 Nebra im Lehnsbesitz und nannten sich „Schenken von Nebra“. Die Burg Nebra ließen 1540 die Brüder von Nißmitz errichten.

Der Ort gehörte bis 1815 zum wettinischen, später kursächsischen Amt Freyburg.[2] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam er zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Querfurt im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1944 gehörte.[3]

Während vieler Jahrhunderte wurde an den Unstruthängen roter und lachsfarbener Nebraer Sandstein abgebaut. Er wurde allgemein als Baumaterial, für Bauernhäuser aber auch für Schlösser und andere repräsentative Gebäude wie das Brandenburger Tor in Berlin verwendet. Der Abbau kam im 20. Jahrhundert zum Erliegen.

Zwischen 1952 und 1994 war Nebra Sitz des gleichnamigen Landkreises im Bezirk Halle bzw. Land Sachsen-Anhalt. Zu einer Namensänderung kam es am 1. Januar 1998, als sich die Stadt von Nebra in Nebra (Unstrut) umbenannte.

Bei Nebra auf der Altenburg, einem Buntsandsteinsporn im Unstruttal, wurden 1962 vier Venusfigurinen aus dem späten Jungpaläolithikum (Magdalénien) gefunden, die zu den ältesten bekannten Kunstwerken in Sachsen-Anhalt gehören. Die Figürchen sind 12.000 bis 14.000 Jahre alt. Sie werden im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt.

Am 4. Juli 1999 wurde die so genannte Himmelsscheibe von Nebra zusammen mit einem Bronzeschatz von zwei Raubgräbern auf dem Mittelberg ausgegraben. Sie stammt aus der unmittelbaren Umgebung Nebras (Wangens) und gilt als die früheste bekannte Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte. Sie wurde um 1600 v. Chr. vergraben, während die Herstellung auf 2100 bis 1700 v. Chr. geschätzt wird.

Am 1. Juli 2009 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Wangen nach Nebra eingemeindet,[4] am 1. September 2010 die Gemeinde Reinsdorf.[5]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch-lutherische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Stadtkirche St. Georg sowie die Kirchen in Großwangen und Kleinwangen und ihre Kirchengemeinden gehören zum Pfarrbereich Nebra im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die Kirche St. Johannes Baptista in Reinsdorf und ihre Kirchengemeinde gehören dagegen zum Kirchenkreis Merseburg, der ebenfalls zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gehört.[6]

Römisch-katholische Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholisches Gemeindehaus mit Kapelle

Die ersten Katholiken, die sich nach der Reformation wieder in Nebra niederließen, gehörten zunächst zur Pfarrei Naumburg. Nachdem Querfurt 1907 einen katholischen Geistlichen bekommen hatte, hielt dieser von 1907 an in Reinsdorf katholische Gottesdienste in einem Gasthof. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Gottesdienste in einen Gasthof in der Bahnhofstraße von Nebra verlegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen durch die Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa Katholiken in größerer Zahl in den Raum Nebra, sodass zum 1. September 1946 Pfarrer Josef Pelzel als Vikar von Naumburg nach Nebra versetzt wurde, womit in Nebra eine katholische Gemeinde gegründet wurde. Die katholischen Gottesdienste fanden nun in der evangelischen Stadtkirche St. Georg statt. Damals wohnten in Nebra und 16 weiteren Ortschaften in der Umgebung rund 2.000 Katholiken. Am 1. November 1947 wurde die katholische Gemeinde Nebra zur Kuratie erhoben, die zur Pfarrei Naumburg gehörte.[7]

Anfang 1950 erfolgte der Ankauf des Hauses Bahnhofstraße 37 von Bäckermeister Kurt Pannier durch das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Das ehemalige Gasthaus wurde zum Gemeindehaus der Kuratie Nebra umgestaltet, in dem auch die Gottesdienste stattfanden.[8] Ab 1975 konnte die Kuratie Nebra nicht mehr mit einem Priester besetzt werden, und das Kuratiegebiet von Nebra wurde zwischen den Kirchengemeinden Roßleben und Langeneichstädt aufgeteilt.[9]

Am 13. September 1997 weihte Bischof Leo Nowak am Grabenmühlenweg ein neuerbautes Gemeindehaus, da eine Renovierung des bisherigen Gemeindehauses zu aufwändig gewesen wäre. Das neue Gemeindehaus, das unter das Patrozinium des heiligen Josef von Nazaret gestellt wurde, beinhaltet auch eine katholische Kapelle.[10][11] 2010 entstand die heutige Pfarrei St. Bruno mit Sitz in Querfurt, in der die ehemalige Kuratie Nebra aufgegangen ist.[12]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat der Gemeinde Nebra wurde zuletzt am 26. Mai 2019 bei einer Wahlbeteiligung von 57,9 % (2014: 51,3 %) neu gewählt. Das Ergebnis der Wahl und die Zusammensetzung des Gemeinderates lauten wie folgt:[13]

Rathaus Nebra
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CDU 21,8 % 4
LINKE 19,4 % 3
SPD 10,8 % 2
AfD 21,2 % 2
Wählergruppen 25,1 % 4
Gesamt 15

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Himmelsscheibe von Nebra

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Schlossruine und das Hedwig-Courths-Mahler-Archiv im Heimatmuseum Nebra mit einer Ausstellung über die Himmelsscheibe von Nebra und die Bronzezeit. Mehrere Wohnhäuser sind mit sehenswerten Renaissanceportalen geschmückt.

Am 20. Juni 2007 wurde in der Nähe des Fundortes der Himmelsscheibe bei Nebra das multimediale Besucherzentrum Arche Nebra eröffnet. Teil der Anlage ist ein 30 m hoher um 10° geneigter Aussichtsturm, der mit einem senkrechten Schnitt in zwei Teile geteilt ist. Zur Sommersonnenwende markiert er als Zeiger einer überdimensionalen Sonnenuhr die Sichtachse zum Brocken.[14]

Im Monat Juni findet seit 2004 das Lichterfest „Unstrut in Flammen“ statt. Höhepunkt sind u. a. ein großes Feuerwerk, ein Bootskorso und die Entenregatta.

Burgenlandbahn vor Nebra

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nebra liegt an der Bundesstraße 250 von Eckartsberga nach Querfurt. Die Regionalbahnen von Abellio Rail Mitteldeutschland verkehren auf der Unstrutbahn im Stundentakt von Wangen (Unstrut) nach Naumburg (Saale). Die Verbindung nach Artern wurde mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2006 durch den Freistaat Thüringen abbestellt.

Der Unstrut-Radweg führt am Westrand Nebras entlang.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtshaus von Hedwig Courths-Mahler

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Ranft (1700–1774), Diakon in Nebra, Vampirismusforscher

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Küstermann: Zur Geschichte der Stadt, des Schlosses und ehemaligen Gerichtsbezirks Nebra und seiner unmittelbaren Umgebung sowie seiner Beziehungen zum ehemals sächsischen Amte Freiburg. In: Jahresbericht des Thüringisch-Sächsischen Vereins für Erforschung des vaterländischen Altertums und Erhaltung seiner Denkmale. Halle, Band 1897, S. 40–92.
  • Dietrich Mania, Volker Toepfer, Emanuel Vlček: Nebra – eine jungpaläolithische Freilandstation im Saale-Unstrut-Gebiet (= Veröffentlichungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, Band 54). Landesamt für Archäologie, Halle (Saale) 1999, ISBN 3-910010-36-9.[16]
  • Ernst Pfeil: Zur Geschichte der Stadt und des Schlosses Nebra an der Unstrut. August Schneider, Sangerhausen 1929–1933, DNB 361285418.
  • Trautmann: Nebra Stadt und Schloß. In: Thüringen und der Harz. 1839, S. 134.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nebra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Nebra (Unstrut) – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2022 (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 34 f.
  3. Der Landkreis Querfurt im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
  5. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  6. St. Johannes Baptistae. Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, abgerufen am 16. Oktober 2023.
  7. Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, Die Zeit von der Potsdamer Konferenz bis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1945–1949. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 187–191.
  8. Neuerbautes Gemeindehaus. In: Tag des Herrn. Ausgabe 34/1997 vom 24. August 1997, S. 1.
  9. Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 32, Teil 12, Geschichte und Rechtsstellung von der Gründung der DDR bis zur Ernennung des Apostolischen Administrators. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 93.
  10. Neubau war günstiger als Sanierung. In: Tag des Herrn. Ausgabe 35/1997 vom 31. August 1997, S. 17.
  11. Gotteshaus mit Leben erfüllen. In: Tag des Herrn. Ausgabe 43/1997 vom 26. Oktober 1997, S. 17.
  12. Nr. 179 Pfarreierrichtungen. Bistum Magdeburg, Amtsblatt 12/2010, Dokumente des Bischofs, abgerufen am 14. April 2023.
  13. Stadt Nebra – Kommunalwahl 2019, abgerufen am 8. August 2019
  14. Besucherinformationen zum Aussichtsturm der Arche Nebra auf der Webseite der Arche Nebra
  15. Manfred J. Hofmann: Georg Christoph Biller – Zu Füßen Bachs. J. G. Seume, Saarbrücken 2022, ISBN 978-3-9818850-8-8 (S. 140).
  16. Die ISBN 3-910010-36-9 wurde zweimal verwendet