Patti Smith

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Dieser Artikel befasst sich mit der Rockmusikerin Patti Smith. Für die Sängerin von Scandal siehe Patty Smyth.
Patti Smith (2007)

Patricia Lee „Patti“ Smith (* 30. Dezember 1946 in Chicago, Illinois, USA) ist eine US-amerikanische Lyrikerin, Punk- und Rockmusikerin, Singer-Songwriterin, Fotografin und Malerin. Sie gilt als „Godmother of Punk“.[1][2]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patti Smith stammt aus einem ärmeren Elternhaus, beendete mit 16 Jahren ihre Schulausbildung und begann danach in einer Fabrik zu arbeiten. Im Alter von 18 Jahren brachte sie eine Tochter zur Welt, die sie zur Adoption freigab.[3] Sie zog nach New York City, lernte dort im Sommer 1967 den Künstler und später als Fotografen berühmt gewordenen Robert Mapplethorpe kennen und lebte mehrere Jahre mit ihm zusammen. Von ihm stammen zahlreiche Fotografien, die teilweise für ihre späteren Plattencover verwendet wurden.

1969 begann sie, ihre von der Beat Generation beeinflusste Poesie in Zeitschriften wie Rock und Creem zu veröffentlichen. Reisen führten sie nach Frankreich, wo sie u. a. die Grabstätten ihrer Idole Jim Morrison und Arthur Rimbaud besuchte.[4] Ihre Freundschaft mit Lenny Kaye, Sam Shepard, Todd Rundgren und Tom Verlaine (damals bei der Proto-Punk-Gruppe Television) ermutigte sie 1974 zu ihrer ersten Single, Hey Joe, in der Patti Smith die damals gerade aktuelle Entführung von Patty Hearst, der Enkelin des Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst, verarbeitete. Nach eigenen Aussagen war für sie das Singen vor allem eine Möglichkeit, ihre Gedichte vorzutragen, sie sei „zufällig“ in der Musik gelandet.[5] Sie selber sieht sich in erster Linie als Lyrikerin und schreibt diszipliniert täglich.

Patti Smith, 1976 in Kopenhagen

1975 erschien Horses, die erste LP der späteren Patti Smith Group mit Lenny Kaye, Ivan Kral, Richard Sohl und Jay Dee Daugherty. Die Band wurde Vorläufer und Vorbild der englischen und amerikanischen Punk- und New-Wave-Bewegung. Patti Smith etablierte sich zudem als Ikone der neuen Frauenbewegung.

Die frei assoziierende Lyrik, die Patti Smith halb atemlos, halb synkopisch über nur scheinbar primitive Rockakkorde legte, gab ihren Songs und auch den von ihr gewählten Coverversionen (Gloria (Them), My Generation (The Who)) einen aufbegehrenden und nervösen Reiz.

1976 folgte das Album Radio Ethiopia. 1977 brach sich Smith bei einem schweren Unfall auf der Bühne zwei Rückenwirbel und musste einige Zeit aussetzen. Im Jahr darauf veröffentlichte sie mit Easter ihr einziges Album, das auch kommerziell ein Erfolg wurde. Die daraus ausgekoppelte Single Because The Night stammt aus einer Zusammenarbeit mit Bruce Springsteen und erreichte in Großbritannien Platz 5.[6] 1979 erschien mit Wave ihre für lange Zeit letzte LP.

Patti Smith im Rosengarten (Mannheim) 1978

In den 1980er-Jahren lebte sie mit ihrem Mann, dem Gitarristen Fred „Sonic“ Smith (MC5) und ihren zwei weiteren Kindern zurückgezogen in Detroit und arbeitete auch als Buchhändlerin. Ein Comeback-Anlauf mit dem Album Dream of Life (1988) wurde durch den Tod Richard Sohls (1990) und ihres Mannes (1994) gebremst. Sie kehrte danach nach eigenen Angaben auf die Bühne zurück, „um Geld zu verdienen“. Nach 1996 und dem Album Gone Again lieferte Patti Smith regelmäßig neue Werke ab. Auf ihrer im April 2004 erschienenen CD Trampin’ ist die Horses-Besetzung mit Lenny Kaye und Jay Dee Daugherty zu hören. Im April 2007 erschien ihr Album Twelve mit zwölf Neuaufnahmen von Rockklassikern wie Smells Like Teen Spirit der Band Nirvana und Gimme Shelter der Rolling Stones.

Die Fotografien, die sie über Jahrzehnte mit ihrer Vintage Polaroid Land 250 Sofortbildkamera aufgenommen hat, werden auf Ausstellungen weltweit gezeigt.[7]

Auf der Berlinale 2008 wurde der Doku-Spielfilm Dream of Life (2007) über Patti Smiths Leben uraufgeführt, mit dem sie sich mehr als zehn Jahre beschäftigt hatte.

Patti Smith begegnete Papst Franziskus im April 2013 am Rande einer Generalaudienz auf dem Petersplatz. Damit löste sie ein Versprechen ein, das sie bei der Wahl des Papstes gegeben hat.[8] 2014 trat sie im Vatikan auf und antwortete auf die Frage, warum eine Sängerin, die ihre erste Platte mit Jesus died for someone’s sins, but not mine (Jesus ist nicht für meine Sünden gestorben) beginnen ließ, vor dem Papst singt: I had a strong religious upbringing, and the first word on my first LP is Jesus. I did a lot of thinking. I’m not against Jesus, but I was 20 and I wanted to make my own mistakes and I didn’t want anyone dying for me. I stand behind that 20-year-old girl, but I have evolved. I’ll sing to my enemy! I don’t like being pinned down and I’ll do what the fuck I want, especially at my age … oh, I hope there’s no small children here![9] Ich bin nicht gegen Jesus, aber ich war 20 und wollte meine eigenen Fehler machen und nicht, dass irgendjemand für mich stirbt. Ich stehe hinter diesem 20-jährigen Mädchen, aber ich habe mich weiterentwickelt.

Für den im November 2014 erschienenen Film Die Tribute von Panem – Catching Fire nahm Smith den eigens verfassten Song Capitol Letter auf.[10]

Im Dezember 2016 nahm Patti Smith in Stockholm in Vertretung ihres Freunds Bob Dylan den ihm verliehenen Nobelpreis für Literatur entgegen, wobei sie unter anderem Dylans Song A Hard Rain’s a-Gonna Fall vortrug.[11]

Rimbaud Haus in Roche

2017 kauft sie das Haus des französischen Dichters Arthur Rimbaud in Roche. Rimbaud ist in dem Ort aufgewachsen und hat dort 1873 Eine Zeit in der Hölle verfasst. Patti Smith schreibt in ihrer Autobiographie Just Kids über Rimbaud: „Ich umarmte ihn als Landsmann ... als Verwandten, ja als heimlichen Geliebten“.[12]

Muse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweizer Maler Franz Gertsch widmete Patti Smith einen fünfteiligen Bilderzyklus von großformatigen, fotorealistischen Porträts. Gertsch lernte Smith indirekt auf einer Vernissage seines Kölner Galeristen kennen. Hier fotografierte er sie so lange, bis sie wütend das Papier, von dem sie ein Gedicht ablas, zusammenknüllte und es ihm entgegenwarf. Die Versöhnung erfolgte durch eine spätere Einladung in sein Atelier. Dort meinte sie, dass es schon immer ihr Traum gewesen sei, einmal die Muse für einen Maler sein zu können.[13]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Patti Smith/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[18] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1975 Horses 157 47 Erstveröffentlichung: 13. Dezember 1975
1976 Radio Ethiopia 122 Erstveröffentlichung: Oktober 1976
1978 Easter 43
(3 Wo.)
16
(14 Wo.)
20 Erstveröffentlichung: 3. März 1978
1979 Wave 18
(18 Wo.)
19
(12 Wo.)
41
(6 Wo.)
18 Erstveröffentlichung: 17. Mai 1979
1988 Dream of Life 30
(9 Wo.)
26
(2 Wo.)
9
(6 Wo.)
70
(1 Wo.)
65
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juni 1988
1996 Gone Again 28
(11 Wo.)
21
(12 Wo.)
29
(7 Wo.)
44
(2 Wo.)
55
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Juni 1996
1997 Peace and Noise 99
(1 Wo.)
152
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 30. September 1997
2000 Gung Ho 67
(4 Wo.)
94
(1 Wo.)
179
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. März 2000
2004 Trampin’ 36
(4 Wo.)
49
(4 Wo.)
48
(4 Wo.)
70
(1 Wo.)
123
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 27. April 2004
2007 Twelve 17
(7 Wo.)
32
(5 Wo.)
23
(9 Wo.)
63
(1 Wo.)
60
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 17. April 2007
2012 Banga 19
(8 Wo.)
23
(5 Wo.)
12
(9 Wo.)
47
(2 Wo.)
57
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung:1. Juni 2012

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Smith mit Jane Ciabattari, Präsidentin des National Book Critics Circle und Autor John Reed.[19]
  • Seventh Heaven, Gedichtband, 1972
  • A Useless Death, New York 1972
  • Kodak, Philadelphia 1972
  • Early Morning Dream ? 1973 (limitiert auf 100 Kopien)
  • Witt, Gedichtband, 1973
  • Big Mouth, in: Sam Shepard, Angel City, Curse of the Starving Class & Other Plays, New York 1976 (zusammen mit Sam Shepard)
  • The Night, London 1976 (mit Tom Verlaine)
  • Ha! Ha! Houdini!, Gedicht, 1977
  • Babel, Sammlung von Gedichten, Prosa, Liedtexten und Zeichnungen, 1978
  • Robert Mapplethorpe, New York 1987 (Herausgeber: Patti Smith)
  • Flowers Mapplethorpe, Boston 1990 (Herausgeber: Patti Smith)
  • Woolgathering, 1992
  • Early Work, Gedichtsammlung (1970–1979), 1994
  • The Coral Sea, 1996
  • Complete, Sammlung von Liedtexten, 1998
  • Auguries Of Innocence, Gedichtsammlung, 2005
  • Just Kids. Die Geschichte einer Freundschaft, Autobiografie, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010 ISBN 978-3-462-04228-3. Der Buchtitel bezieht sich auf die Freundschaft zwischen Smith und ihrem Lebensgefährten Robert Mapplethorpe und beschreibt darüber hinaus die frühen Jahre ihrer Karriere als bildende Künstlerin.
  • M Train, autobiographische Texte, mit Illustrationen („A roadmap to my life“). Alfred A. Knopf, New York 2015, ISBN 978-1-101-87510-0. (Rezension in: The New York Times, 1. Okt. 2015)
  • Collected Lyrics 1970–2015. Bloomsbury, London 2015, ISBN 978-1-4088-6300-8.
  • Devotion (Why I Write), Yale University Press, New Haven 2017, ISBN 978-0-300-21862-6.[20]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Patti Smith – American Artist. Fotografien von Frank Stefanko, Vorwort von Patti Smith. Großformatiger Bildband, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-89602-729-0
  • Michael Stipe: Two Times Intro: On The Road With Patti Smith. Little, Brown and Company, 1998
  • Nick Johnstone: Patti Smith. Palmyra, Heidelberg 1999, ISBN 3-930378-26-4
  • Victor Bockris: Patti Smith. Krüger, Frankfurt 2000, ISBN 3-8105-0435-1
  • Martin C. Strong: The Great Rock Discography. Canongate Books Ltd., Edinburgh, 6. Aufl. 2002
  • Simon Reynolds, Joy Press: The Sex Revolts, 1995. (Standardwerk über Gender, Rebellion and Rock ‘n’ Roll)
  • Gero von Boehm: Patti Smith. 9. April 2010. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S.712-721

Presse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Patti Smith – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manohla Dargis: Patti Smith: Dream of Life. In: The New York Times, The New York Times Company, 6. August 2008. Abgerufen am 19. Juli 2012.  „Godmother of Punk, Celebrator of Life“ 
  2. Kate Davy: Lady dicks and lesbian brothers : staging the unimaginable at the WOW Café Theatre. University of Michigan Press, Ann Arbor 2010, ISBN 978-0-472-07122-7, S. 98.
  3. Mark Paytress, Patti Smith's Horses and the Remaking of Rock and Roll, erweiterte Taschenbuchausgabe 2010
  4. Patti Smith: Just Kids. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010
  5. Ich bin eine Spätzünderin. Interview mit Patti Smith in Weltwoche, 10/2016.
  6. Because the Night auf Last.fm. Abgerufen am 29. April 2017.
  7. Viennale: PATTI SMITH: 28 PHOTOGRAPHS. 21. Oktober 2016, abgerufen am 27. Juni 2017.
  8. Punksängerin Patti Smith trifft Papst Franziskus. kath.net. 11. April 2013, abgerufen am 29. April 2017.
  9. Vivien Goldman: Patti Smith on singing at the Vatican: 'Anyone who would confine me to an old line is a fool'. The Guardian, 18. November 2014, abgerufen am 27. Juni 2017.
  10. „Hunger Games: Catching Fire“: Diese Songs sind auf dem Soundtrack! Promicabana.de. 1. November 2013, abgerufen am 29. April 2017.
  11. Nobelpreis-Zeremonie. Patti Smith erklärt ihre Bob-Dylan-Panne. Der Spiegel. 15. Dezember 2016, abgerufen am 29. April 2017.
  12. Tobias Rüther: Mon Ami, go home! FAZ, 5. Juni 2017, abgerufen am 29. Juni 2017.
  13. franz gertsch - patti smith. Museum Franz Gertsch. Abgerufen am 29. April 2017.
  14. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels 47/2010 vom 25. November 2010, Seite 12
  15. 100 Greatest Artists of All Time. Rolling Stone, 2. Dezember 2010, abgerufen am 7. August 2017 (englisch).
  16. 100 Greatest Singers of All Time. Rolling Stone, 2. Dezember 2010, abgerufen am 7. August 2017 (englisch).
  17. The 100 Greatest Songwriters of All Time. Rolling Stone, August 2015, abgerufen am 7. August 2017 (englisch).
  18. Chartquellen: DE AT CH UK US US 2
  19. Smith's Autobiografie Just Kids war 2010 für den Preis des National Book Critics Circle nominiert, siehe NBCC Awards Night: President’s Welcome, Jane Ciabattari, Critical Mass, March 12, 2011; accessed April 15, 2011.
  20. Devotion. (=  Why I Write). Yale University Press, New Haven, Conn. 2017, ISBN 978-0-300-21862-6, OCLC 989978146. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)