Paulus van Husen

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Paulus van Husen (* 26. Februar 1891 in Horst an der Emscher;[1]1. September 1971 in Münster) war ein deutscher Jurist, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Mitglied der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis.

Das Grab von Paul van Husen im Familiengrab auf dem alten Friedhof St. Mauritz in Münster.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulus van Husen stammte aus einer katholischen Arztfamilie.[2] Er besuchte das Gymnasium Paulinum in Münster, an dem er 1909 das Abitur ablegte.[3]

Van Husen studierte von 1909 bis 1912 Rechts- und Staatswissenschaften in Oxford, München, Genf und Münster. 1912/1913 leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger, 1914 begann er das Rechtsreferendariat, unter anderem im Landratsamt Lüdinghausen. Dieses wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, in dem van Husen von Anfang bis Ende Dienst tat, zuletzt als Leutnant.[4]

Nach Kriegsende brachte van Husen sein Referendariat zu Ende. 1920 wurden er an der Universität mit einer Dissertation über Die staatsrechtliche Organisation des Deutschen Reiches von der Revolution November 1918 bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung promoviert.[5]

Im Oktober 1920 trat van Husen in den preußischen Staatsdienst ein, zunächst bei der Regierung in Oppeln in Oberschlesien. Als der Landrat des Kreises Rybnik, Hans Lukaschek, in Vorbereitung auf die Volksabstimmung in Oberschlesien zum Schlesischen Ausschuss wechselte, wurde van Husen Anfang 1921 mit der kommissarischen Leitung des Landratsamtes des Kreises Rybnik betraut, die er bis zum Juli 1922 wahrnahm.[6] Mit Lukaschek verband van Husen fortan eine lebenslange Freundschaft. Anschließend war van Husen wieder beim Regierungspräsidenten Oppeln tätig, dann von 1923 bis 1927 Generalbevollmächtigter von Karl Gottfried Prinz zu Hohenlohe-Ingelfingen.[7] 1927 wurde er als Nachfolger Lukascheks zum deutschen Mitglied der Gemischten Kommission für Oberschlesien berufen.[8]

1934 wurde er von den Nationalsozialisten aus der Gemischten Kommission abberufen.[9] Er wurde als Richter an das Preußische Oberverwaltungsgericht versetzt. Im Zweiten Weltkrieg diente er im Range eines Rittmeisters der Reserve.

Paulus van Husen gehörte seit 1941 dem Kreisauer Kreis an. Van Husen kam mit Moltke über die schlesische Zentrumspartei in Kontakt. Sein Anliegen im Kreisauer Kreis war die Klärung der Rechtsfragen einschließlich Bestrafung der Kriegsverbrecher. Er wurde den Attentätern des 20. Juli 1944 zugerechnet und im Oktober 1944 von der Gestapo verhaftet. Obwohl er in die Attentatspläne eingebunden gewesen und nach den Plänen der Verschwörer für das Amt eines Staatssekretärs in der neuen Reichsregierung vorgesehen war, konnte ihm nichts nachgewiesen werden. Gleichwohl wurde er im April 1945 vom Volksgerichtshof in dessen letzter Sitzung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Wenige Tage später wurde er von der Roten Armee aus dem Berliner Strafgefängnis Plötzensee befreit.

Husen gehörte wie Otto Heinrich von der Gablentz zu den Mitbegründern der CDU in Berlin.

Im Auftrag der US-amerikanischen Militärregierung in Berlin baute er eine Verwaltungsgerichtsbarkeit auf. 1948 wurde er Richter am Bizonalen Deutschen Obergericht in Köln.

1949 wurde Paulus van Husen von der nordrhein-westfälischen Regierung Arnold (CDU) zum ersten Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster berufen, in der Folge Präsident des 1952 errichteten Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen. 1959 ging van Husen in den Ruhestand.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„...es geht darum, aufzudecken, daß die Selbständigkeit der Gerichte in Deutschland ein Schein ist, hinter dem eine andere rechtliche und oft auch tatsächliche Wirklichkeit steht. Dieser Schein ist historisch entstanden. Man hat sich an ihn gewöhnt... Die Gewaltentrennung im heutigen staatsrechtlichen Sinne besagt, daß Legislative, Exekutive und Rechtsprechung von verschiedenen Organen wahrzunehmen sind. Daraus folgt zunächst, daß diese Organe selbständig sein müssen, d. h. ihr Eigenleben in sich tragen, ohne in ihrem Seinsbestand von einer der anderen Gewalten abzuhängen... Diese [die deutsche] Justizverwaltung ist aber... im wesentlichsten Teil, nämlich in der Spitze, den Gerichten entzogen und in die Hand der Exekutive gelegt. Das hebt... den Seinsbestand der Dritten Gewalt auf und macht ihn zur Fiktion trotz Anerkennung im Grundgesetz und in den Landesverfassungen...“ (Paulus van Husen).[10]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesetz über die Verwaltungsgerichtsbarkeit in Bayern, Württemberg-Baden und Hessen. Mit Kommentar. Poeschel, Stuttgart 1947.
  • Entwurf für eine bundeseinheitliche Verwaltungsgerichtsordnung, 1950.
  • Die Entfesselung der Dritten Gewalt. In: Archiv des öffentlichen Rechts (AöR) 78 (1952/53), S. 49–62.[10]
  • Erinnerungen eines Juristen vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik Deutschland. Herausgegeben von Karl-Joseph Hummel unter Mitarbeit von Bernhard Frings (= Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen, Bd. 53). Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-75687-9.
  • Manfred Lütz, Paulus van Husen: Als der Wagen nicht kam. Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand. Herder, Freiburg 2019, ISBN 978-3-451-38421-9 (Lebenserinnerungen von Paulus van Husen, ausgewählt von Manfred Lütz).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Schindler: Paulus van Husen im Kreisauer Kreis. Verfassungsrechtliche und verfassungspolitische Beiträge zu den Plänen der Kreisauer für einen Neuaufbau Deutschlands (= Rechts- und staatswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft, N. F., Bd. 78). Schöningh, Paderborn 1996, (zugleich: Diss. unter dem Titel: Die verfassungsrechtlichen und verfassungspolitischen Vorstellungen von Paulus van Husen im Kreisauer Kreis, Universität Hamburg 1995) (Digitalisat).
  • Karl-Joseph Hummel: Paulus van Husen (1891–1971). In: Friedrich Gerhard Hohmann (Hrsg.): Westfälische Lebensbilder 19 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen). Neue Folge 16. Aschendorff, Münster 2015, ISBN 978-3-402-15117-4, S. 189–224.
  • Rudolf Morsey: Adenauers mühsame Suche nach einem „Staatssekretär des Äußeren“ 1949/50: Zwei Angebote an und zwei Absagen von Paulus van Husen. In: Werner J. Patzelt, Martin Sebaldt, Uwe Kranenpohl (Hrsg.): Res publica semper reformanda. Wissenschaft und politische Bildung im Dienste des Gemeinwohls. VS, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15393-3, S. 347–359.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Schindler: Paulus van Husen im Kreisauer Kreis. Schöningh, Paderborn 1996, S. 17.
  2. Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Paulus van Husen, abgerufen am 19. März 2019.
  3. Rudolf Morsey: Adenauers mühsame Suche nach einem „Staatssekretär des Äußeren“ 1949/50: Zwei Angebote an und zwei Absagen von Paulus van Husen. In: Werner J. Patzelt, Martin Sebaldt, Uwe Kranenpohl (Hrsg.): Res publica semper reformanda. Wissenschaft und politische Bildung im Dienste des Gemeinwohls. VS, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, S. 347–359, hier S. 349.
  4. Ger van Roon: Neuordnung im Widerstand. Der Kreisauer Kreis innerhalb der deutschen Widerstandsbewegung. Oldenbourg, München 1967, S. 195.
  5. Frank Schindler: Paulus van Husen im Kreisauer Kreis. Schöningh, Paderborn 1996, S. 17–18.
  6. Albrecht von Moltke: Die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Kreisauer Kreises innerhalb der deutschen Widerstandsbewegung. Müller Botermann, Köln 1989, ISBN 3-924361-73-8, S. 60.
  7. Frank Schindler: Paulus van Husen im Kreisauer Kreis. Schöningh, Paderborn 1996, S. 19.
  8. Frank Schindler: Paulus van Husen im Kreisauer Kreis. Schöningh, Paderborn 1996, S. 20.
  9. Frank Schindler: Paulus van Husen im Kreisauer Kreis. Schöningh, Paderborn 1996, S. 21.
  10. a b Paulus van Husen: Die Entfesselung der Dritten Gewalt. Abgerufen am 19. August 2019.