Physikum

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Physikum ist in Deutschland die traditionelle Bezeichnung für die Zwischenprüfung im Rahmen des Medizinstudiums. In ihr spiegelt sich bis heute das Programm der Reformbewegung wider, die im 19. Jahrhundert zur Einrichtung dieser Prüfung führte (siehe dazu die nachfolgenden Kapitel Historische Hintergründe und Sprachliche Hintergründe). Die offizielle Bezeichnung lautet heute erster Abschnitt der ärztlichen Prüfung (Bezeichnung nach alter Approbationsordnung: Ärztliche Vorprüfung), die Bezeichnung Physikum wird jedoch inoffiziell auch heute noch viel verwendet. Es stellt die erste umfassende Prüfung im Rahmen des Medizinstudiums nach der deutschen Approbationsordnung für Ärzte dar. Die Prüfung findet nach vier Semestern Regelstudienzeit statt und umfasst einen schriftlichen und einen mündlichen Teil.

Inhalte und Regelungen der Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Studienfach Humanmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der schriftliche Teil ist im Studiengang Humanmedizin in Form einer deutschlandweit einheitlichen Prüfung zu bearbeiten. Die inhaltliche Ausrichtung der Prüfungen, die Vorbereitung der Unterlagen und die Auswertung erfolgen zentral im Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen, dem IMPP. Die Meldung zum Examen und die Entscheidung über die Zulassung erfolgen dezentral bei den Landesprüfungsämtern (LPÄ). Diese Ämter führen auch die Prüfungen durch und informieren die Prüfungsteilnehmer über die Ergebnisse. Die Prüfung umfasst 320 Single-Choice-Fragen aus den Fächern Physiologie/Physik (80 Fragen) und Biochemie/Chemie (80 Fragen) am ersten Tag, sowie Anatomie/Biologie (100 Fragen) und Medizinische Psychologie/Soziologie (60 Fragen) am zweiten Tag. Der Prüfling hat je vier Stunden Zeit für die Bearbeitung der Fragen.

Der mündliche Teil (eigentlich: mündlich-praktischer Teil) umfasst nach der neuen Approbationsordnung die Fächer Anatomie, Physiologie und Biochemie/Molekularbiologie. Nach der alten Approbationsordnung wurden zwei mündliche Prüfungsfächer ausgelost (Anatomie, Biochemie, Physiologie, Medizinische Psychologie/Medizinische Soziologie). Der eigentlichen Prüfung geht unmittelbar ein halbstündiger praktischer Vortermin voraus. Die mündliche Prüfung wird von den Hochschullehrern der Universität abgehalten, an der der Prüfling studiert. Die Approbationsordnung sieht bis zu vier Prüflinge je Prüfungsgruppe vor und legt eine Prüfungsdauer zwischen 45 Minuten und einer Stunde je Prüfling fest. In der Regel wird die Prüfung in Dreiergruppen abgenommen und dauert entsprechend bis zu drei Stunden zuzüglich eventueller Pausen (Pausen werden nicht auf die Prüfungsdauer angerechnet).

Das erfolgreiche Bestehen des Physikums beendet den vorklinischen Teil des Medizinstudiums und leitet in den klinischen Teil über. An einigen Universitäten, die Modell- und Reformstudiengänge durchführen, wird das Physikum durch andere Prüfungen ersetzt.

Für das Studienfach Veterinärmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Physikum im Studiengang der Veterinärmedizin findet ebenfalls nach dem vierten Semester statt. Geprüft werden die Fächer Tierzucht und Genetik, Biochemie, Physiologie, Anatomie, Histologie und Embryologie. Die Prüfungen erstrecken sich über einen Zeitraum von acht bis zehn Wochen und werden alle in mündlicher, zum Teil auch in praktischer Form abgelegt. Die Fächer Chemie, Physik, Zoologie und Botanik werden bereits im Vorphysikum nach dem zweiten Semester geprüft.

Für das Studienfach Zahnmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Physikum (offiziell: die Zahnärztliche Vorprüfung) im Studium der Zahnmedizin kann frühestens nach dem fünften Semester abgelegt werden und umfasst die Fächer Anatomie, Physiologie, Biochemie und Zahnersatzkunde. Diese Fächer werden separat mündlich geprüft, Zahnersatzkunde ist zudem mit einer mehrere Tage dauernden praktischen Prüfung verbunden. Die Fächer Chemie, Physik und Biologie werden im Rahmen des Vorphysikums (offiziell: der Naturwissenschaftlichen Vorprüfung) frühestens nach dem zweiten Semester mündlich geprüft.

Historische Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Physikum ist einerseits der traditionelle Name einer konkreten Prüfung. Er beinhaltet andererseits aber auch ein Programm und spiegelt damit einen Plan für die Gestaltung der medizinischen Ausbildung – einschließlich der Prüfungen – sowie den Aufbau und die inhaltliche Fundierung der medizinischen Wissenschaft insgesamt wider.

Die Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Naturwissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Neuzeit entwickelte sich die Physik[1][2] aus antiker und mittelalterlicher Naturphilosophie und aus einer technisch-handwerklichen Tradition zu einer mathematischen und experimentellen Naturwissenschaft. Sie verselbständigte sich als Fachgebiet und grenzte sich gegen andere Disziplinen ab. Die Klassische Physik des 19. Jahrhunderts basierte auf der Überzeugung, dass man prinzipiell das gesamte Naturgeschehen auf mechanischer Grundlage beschreiben und erklären könne.[3] Durch die wachsenden Erfolge der Physik im Erklären, Beherrschen und Nutzbarmachen von Naturphänomenen - wie sie auch in der zunehmenden Industrialisierung sichtbar wurden - wurde sie allmählich zu einer Leitdisziplin für die gesamten Naturwissenschaften und die Technik, die sich methodisch nach ihr ausrichteten und ebenfalls effizienter wurden. Die so umgestalteten Naturwissenschaften gewannen im 19. Jahrhundert zunehmend Einfluss auch auf die medizinische Wissenschaft, die sich und ihre Forschung immer mehr an ihnen orientierte[4].

Die Medizinalreformbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit der bürgerlichen Revolution von 1848/1849 entstand auch eine Medizinalreformbewegung. Ihre Träger waren vor allem junge Privatdozenten der (damaligen) Berliner Kaiser-Wilhelms-Universität wie Rudolf Virchow, der später, nach dem weitgehenden Scheitern der Revolution, im politisch liberaleren Würzburg und anschließend wieder in Berlin als medizinischer Grundlagenforscher, Hochschullehrer, Anthropologe, Herausgeber von Fachzeitschriften, Wissenschaftsorganisator, Abgeordneter und führender Bildungspolitiker tätig war und als Pionier der Pathophysiologie Weltruhm erlangte.[5][6] Er gab auch ab Anfang Juni 1848 eine medizinisch-politische Zeitschrift mit dem Titel Medicinische Reform heraus, deren Erscheinen jedoch auf politischen Druck hin bereits nach etwa dreizehn Monaten eingestellt werden musste.[7] Im 19. Jahrhundert waren eine humane und politisch liberale Einstellung und Fortschrittsglaube zumeist verbunden mit einem an den Naturwissenschaften orientierten und der Philosophie gegenüber feindlichen Denken.[8] Der Materialist Virchow war der Überzeugung, die - am Ideal der zeitgenössischen Physik ausgerichtete - Naturwissenschaft sollte an die Stelle traditioneller Philosophie treten. Ihre Inhalte sollten mit intensiven Bemühungen durch Volksbildung und Hochschulausbildung vermittelt werden. Eine auf diese Weise gesehene und erklärte "Natur" sollte zum Vorbild für die Gesellschaft als Ganzes werden. Insbesondere eine moderne, auf der zeitgenössischen Naturwissenschaft aufbauende Medizin kam dabei zusammen mit Bildungsinstitutionen eine Schlüsselrolle zu: Sie sollten effizienter werden und gleichzeitig allen Menschen zugute kommen und so als Vermittler zwischen der "Natur" und der Gesellschaft Wohlergehen und Fortschritt bringen.[9] Virchow hatte bereits in seiner ersten öffentlichen Rede im Jahr 1845 (Über das Bedürfnis und die Richtigkeit einer Medizin vom mechanischen Standpunkt) sein medizinisches Grundsatzprogramm skizziert: Das Leben war für ihn im Wesentlichen Aktivität der Zelle und unterliegt allgemeinen physikalischen und chemischen Gesetzen. Für die Forschung (und Ausbildung) forderte er Tierexperimente, Leichenöffnungen und klinische Beobachtungen. Zunächst standen in der Reformbewegung sozialmedizinische Anliegen im Vordergrund, ausgelöst durch Virchows Erfahrungen, als er im Regierungsauftrag eine Epidemie (damals als "Typhus" bezeichnet, nach heutiger Einschätzung von Fleckfieber) in Oberschlesien untersuchte und als durch mangelnde Hygiene und Bildung der Bevölkerung verursacht beschrieb. Zu den wichtigsten Forderungen der Reformer gehörten jedoch auch die Umgestaltung des Medizinstudiums und eine einheitliche akademische Ausbildung für alle Ärzte (es gab damals mehrere verschiedene Klassen von Ärzten), die den modernen Anforderungen der zunehmend naturwissenschaftlich orientierten Medizin gerecht werden sollten. Das Idealbild, das den Akteuren der Reformbewegung vorschwebte, war das des Arztes als Naturforscher. Er sollte alle Phänomene zu Naturgesetzen reduzieren können. Somit wurde eine Medizin angestrebt, die sich nicht in erster Linie als Kunst verwirklicht, sondern als angewandte Naturwissenschaft.

Die Studienreform: Das Physikum entsteht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während mit dem Scheitern der Revolution viele weitreichende Projekte der Reformer zum großen Teil in Vergessenheit gerieten, wurden in der Folgezeit doch weitreichende Schritte zur Neuorganisation der Ausbildung unternommen. Im Zuge dieser Umgestaltung wurde im Jahr 1861 im Königreich Preußen das zuvor bestehende Tentamen philosophicum als die entscheidende Zwischenprüfung, die die vorklinische von der klinischen Ausbildung trennte, durch das neue Tentamen physicum ersetzt. (Zur Bedeutung der Ausdrücke siehe das nachfolgende Kapitel Sprachliche Hintergründe.) Damit wurden die geisteswissenschaftlichen Fachgebiete aus dem Lehrinhalt entfernt und der Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern ausgebaut. Gleichzeitig wurde auch der Fächerkanon im nachfolgenden klinischen Studienabschnitt erheblich erweitert[10][11][12][13][14]. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches im Jahr 1871, in dem Preußen dominierte, wurde die Regelung im gesamten Reich eingeführt.

Bei der früheren Prüfung Tentamen philosophicum ist Philosophie nicht im Sinne eines Einzelfachgebietes im heutigen universitären Lehrbetrieb zu verstehen, sondern in einem traditionellen Sinne von umfassender wissenschaftlicher Bildung, Universalwissenschaft und Allgemeinbildung[15] (siehe dazu auch das Artikel-Kapitel Wissenschaftsgeschichtliche Aspekte der Philosophie).

Sprachliche Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die traditionelle internationale Wissenschaftssprache im westlichen Europa war seit dem frühen Mittelalter das Latein[16][17] (siehe dazu auch die Artikel und Artikel-Kapitel Bildungswesen des Frühmittelalters, Die Mittelalterliche Universität und Sprachgeschichte des Lateins).

Wegen der kulturellen Überlegenheit des antiken Griechenlands im Allgemeinen, sowie insbesondere gerade auch auf dem Gebiet der Medizin,[18] wurde eine große Zahl von Wörtern und insbesondere Fachwörtern im Altertum von den Römern aus dem klassischen Griechischen in die lateinische Sprache entlehnt und somit – mit lateinischen Buchstaben und Wortendungen – Teil dieser Wissenschaftssprache (siehe dazu auch die Artikel Medizin des Altertums und Medizinersprache).

Lateinisch tentamentum und (als Kurzform) tentamen bedeuten "Probe" und "Versuch".

Altgriechisch physis bedeutet "Natur". Davon wird das Adjektiv physikos gebildet. Entlehnt ins Lateinische wird daraus physicus. Wird es mit einem Substantiv grammatikalisch neutralen Geschlechts wie tentamen verbunden, erhält es als Endung -um.

Zusammengestellt im Ausdruck tentamen physicum bedeutet es wörtlich "zur Natur gehörige / auf die Natur bezogene / die Natur betreffende Probe" und wird als Fachausdruck verwendet im Sinne von "Die Naturwissenschaften (bzw. naturwissenschaftlichen Grundlagen der Medizin) betreffende Untersuchung (der Fähigkeiten der Studierenden)".

Beim heutigen Ausdruck Physikum handelt es sich also um eine in der universitären Umgangssprache entstandene Abkürzung, die als solche sprachlich eigentlich keinen Sinn ergibt, weil das zu diesem Adjektiv gehörende Substantiv fallengelassen wurde.

Die heutige Schreibweise mit k (das es im Lateinischen nicht gibt) statt c ist das Ergebnis der Eindeutschung.

Kritik und Gegenbewegungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausrichtung der Medizinerausbildung, wie die Reformbewegung diese im 19. Jahrhundert in den Grundstrukturen bis heute festlegte (siehe oben das Kapitel Historische Hintergründe), findet nicht nur Zustimmung. An dem historischen Prozess, der zu der Studienreform mit der Einrichtung der neuen Prüfung führte und der sich gewissermaßen in der Institution und dem programmatischen Begriff des Physikums kristallisiert, wurde und wird vielmehr von verschiedener Seite fundamentale und scharfe Kritik geübt. Diese bezieht sich zum einen auf fehlende Schulung von Denken, Wahrnehmung und Kommunikation, die aus der weitgehenden Entfernung philosophischer (im engeren Sinne) und anderer nicht-naturwissenschaftlicher Inhalte aus der Medizinerausbildung resultierte. Zum anderen wird die nur noch an den Naturwissenschaften geschulte, durch die Ausbildung eingeübte und so zur unreflektierten Gewohnheit gewordene Sichtweise der Absolventen auf Menschen, Gesundheit und menschliches Leiden als unangemessen verurteilt. Die einseitige Ausrichtung der Medizin auf eine ausschließlich naturwissenschaftliche Basis, die eine zentrale Intention der Akteure der Medizinalreform war und mit der Studienreform im 19. Jahrhundert erfolgreich umgesetzt wurde, wird dabei als eine verhängnisvolle Fehlentwicklung der gesamten Medizinischen Wissenschaft gesehen, die negative, teils sogar katastrophale Auswirkungen auf Denken und Handeln der forschenden und therapierenden Ärzte in Vergangenheit und Gegenwart nach sich gezogen habe. Solche Kritik wird häufig von Psychiatern formuliert, denen man traditionell eine größere Neigung zu philosophischen Gedankengängen zuschreibt als anderen Medizinern[19].

Kritik aus der Sicht der Psychiatriegeschichtsforschung und der Psychiatriereformbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Zweig dieser Kritik erwächst aus der Sicht der Psychiatriegeschichtsforschung und Psychiatriereformbewegung des 20. Jahrhunderts. So macht der lange an der Universität Witten/Herdecke lehrende Psychiater und Geisteswissenschaftler Klaus Dörner[20] in seinem im Jahr 1978 erstmals erschienenen Lehrbuch diese Neuausrichtung für die nachfolgende Dehumanisierung der Psychiatrie insgesamt verantwortlich. Dörner zufolge manifestierte diese sich mit einer dem neuzeitlichen naturwissenschaftlichen Denken entstammenden Sichtweise auf den – in diesem Fall psychisch schwer – kranken Menschen als Objekt (statt als Mitmensch und damit Subjekt) bereits in der psychiatrischen Wissenschaft selber, bevor sie dann in der von ihr begründeten ärztlichen Praxis zu unmenschlichem Handeln an den Patienten führte, das in den Psychiatrieverbrechen zur Zeit der NS-Diktatur nur sein Extrem fand[21]. Die betreffenden Ärzte handelten also keineswegs nur als Handlanger verbrecherischer Machthaber, sondern: Die Psychiatrie wurde aus sich heraus mörderisch[22]. Gegen die genannten Gewalttaten zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, den er als Vernichtungskrieg nach außen und innen bezeichnet, regte sich Widerstand lediglich von wenigen Ärzten und Vertretern der Kirchen [23]. Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass bereits der zu seiner Zeit sehr einflussreiche Arzt und Goethe-Freund C. W. Hufeland zum Beginn der Industrialisierung prophezeite: Der Arzt, der ein Menschenleben wertet oder auch nur vergleicht, "wird der gefährlichste Mensch im Staate"; angesichts dessen ihn tiefer Schrecken befalle[24]. Erst eine Re-Philosophierung der Fachwissenschaft durch eine Reihe von Autoren, die mit einem ungewöhnlich weiten geistigen Horizont ausgestattet waren, ermöglichte später eine schrittweise Humanisierung des ärztlichen Denkens und nachfolgend auch der psychiatrischen Praxis. Die beiden Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1965) waren der Zeitraum, dem wir so viele philosophische Beiträge zur Psychiatrie verdanken, dass es zum ersten Mal seit Gründung der Psychiatrie wieder zu einem Gleichgewicht zwischen medizinischen und philosophischen Beiträgen gekommen ist, wie jede wirkliche Psychiatrie ihn offensichtlich braucht... Dieser ersten Nachkriegsgeneration sei zu danken, dass sie das einzige ihr Mögliche getan hat, nämlich durch philosophische Rückbesinnung auf den Anfang der Psychiatrie diese von der Einseitigkeit der Medizinisierung zu befreien... Von diesen Vordenkern mit ihren vielen phänomenologischen, hermeneutischen, existenzphilosophischen und philosophisch-anthropologischen Denkansätzen, die es zum Teil erst noch zu beerben gilt, nennt er dreizehn Psychiater und zwei Philosophen mit Namen.[25]

Kritik aus der Sicht der Wissenschaftstheorie, empirischen Kulturwissenschaft und Wissenschaftsgeschichte mit Bezug zur Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch grundsätzlicher und in der Konsequenz vernichtender ist die Kritik an dem ausbildungsbedingten Mangel an geistigen Schlüsselqualifikationen, den Folgen mangelnder spezifischer geistiger Schulung, die durch philosophische Bildung möglich wäre und – nach Ansicht der betreffenden Autoren – erfolgen müsste, die aus der Sicht der Wissenschaftstheorie – also eines modernen Zweiges der Philosophie, die die Medizinalreform aus dem Studium eliminierte – mit direktem Bezug zur therapeutischen und forschenden Praxis formuliert wird.

Wissenschaftstheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

So attestiert[26] der an der Universität Kassel lehrende deutsche Psychiater, Psychoanalytiker und Philosoph Rolf-Peter Warsitz – der als approbierter Arzt, Lehranalytiker und Hochschullehrer sowie durch seine doppelte wissenschaftliche Qualifikation als promovierter Mediziner und Geisteswissenschaftler über eine ungewöhnliche geistige Blickweite verfügt – klinisch tätigen Ärzten allgemein eine notorische Allergie gegen alle Erkenntnistheorie, also gegen eine geistige Disziplin, deren Notwendigkeit bereits in der Antike mindestens 2200 Jahre[27] vor der Verbannung der Philosophie aus der Medizinerausbildung in Deutschland erkannt und die daher damals bewusst kultiviert wurde. Von dieser Kritik nimmt er auch seine psychoanalytischen Fachkollegen ausdrücklich nicht aus. Er geht weiter von einer im Jahr 1974 erstmals veröffentlichten Abhandlung[28] des französischen Philosophen Louis Althusser aus – der wiederum seinerseits unter anderem durch die Psychoanalys gedanklich geprägt war – und übernimmt von dem argentinischen Psychiater und Psychoanalytiker Jorge Canestri[29], der sich auch mithilfe von Studien auf den Gebieten Neurowissenschaft, Linguistik und Epistemologie um einen Brückenschlag zwischen Disziplinen bemüht, dessen Konzept einer impliziten Philosophie. Nach Warsitz' Ausführungen ist die Folge solcher fehlenden Neigung, Schulung und Übung bei Praktikern, Forschern und Theoretikern, dass sie sich das Zustandekommen dessen, was sie als "Wissen" gelernt haben und ansehen, sowie der geistigen Modelle, die ihren Vorstellungen und ihrem praktischen Handeln zugrunde liegen, nicht bewusst machen. Konfrontiert mit von den ihren abweichenden Vorstellungen anderer (z. B. Ärzte oder Wissenschaftler) oder mit Sachverhalten, die sich in ihre – unbewusst bleibenden – Modelle der Wirklichkeit nicht einfügen lassen, können sie daher aus – ausbildungsbedingter – intellektueller Hilflosigkeit in der Regel nur reflexhaft mit Beharren, Abwehr, Ausblenden oder Ignorieren reagieren (...Man versteht dann immer nur das, was sich im eigenen Horizont zeigt, ...solange jene Vorurteilsstruktur des Verstehens nicht in Frage gestellt bzw. reflektiert wird...). Dieses intellektuelle Defizit zeitigt dann aber verheerende Folgen für die Kommunikation innerhalb der Ärzteschaft und mit anderen Personengruppen und kann schließlich die Qualität ärztlichen Handelns entscheidend limitieren, mit entsprechenden – letztlich durch die Studienreform des 19. Jahrhunderts, die das Physikum hervorbrachte, verursachten – Folgen für medizinische Fachpersonen, Patienten und Gesellschaft.

Empirische Kulturwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Blick auf die Versorgung – psychisch – Kranker kam die heute an der Universität Stanford lehrende US-amerikanische Kulturanthropologin Tanya M. Luhrmann auf empirischem Wege zu vergleichbaren Ergebnissen. Am Beispiel Nordamerikas, wo ähnliche historische Prozesse die medizinische Ausbildung formten wie in Europa, untersuchte sie mit Methoden der Sozialwissenschaften (z. B. Interviews) und der Ethnologie (z. B. der in diesem Fachgebiet maßgeblichen Teilnehmenden Beobachtung[30]), wie sich eine Ausbildung auf dem Gebiet der Therapie psychisch Kranker auf deren Absolventen auswirkt. Sie beobachtete und verglich dabei die beiden grundsätzlich verschiedenen Richtungen, eine an biologischen Modellen orientierte medikamentöse Behandlungsweise einerseits und eine an psychologischen Modellen orientierte psychodynamische und verbalen Behandlungsweise (in ihrem Fall die Psychoanalyse) andererseits (im amerikanischen Englischen verwendet man dafür den Oberbegriff psychiatry, während man im Deutschen auch terminologisch zwischen einerseits Psychiatrie und andererseits Psychotherapie unterscheidet). Eines ihrer Resultate war dabei, dass die Absolventen aufgrund der sehr einseitigen geistigen Prägung durch die Modelle und Fachsprache ihrer jeweiligen Methode und mangels eines grundsätzlichen Reflexionsvermögens nicht in der Lage waren, sich in die Gedankenwelt der jeweils anderen Richtung hineinzuversetzen, miteinander sinnvoll zu kommunizieren und zum Wohle der Patienten ergebnisorientiert zu kooperieren, wofür sie stattdessen plädiert [31].

Wissenschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Blick auf die wissenschaftliche Forschung gelangte der britische Quantenphysiker und Nobelpreisträger Paul Dirac durch eigene Erfahrung und Reflexion über die Wissenschaftsgeschichte zu ähnlichen Einsichten. In einem im Jahr 1972 vor Fachkollegen gehaltenen Vortrag wies er am Beispiel seines eigenen Faches, zu dessen Fortschritt er selber maßgeblich beigetragen hatte, der Physik, darauf hin, dass die Geschichte der Wissenschaft auch eine Geschichte der Überwindung von – gerade tiefverwurzelten und konzeptionellen – Vorurteilen ist und dass das Festhalten an Vorurteilen, die als solche nicht erkannt und verstanden, sondern stattdessen mit dauerhaft gültigen Beschreibungen einer objektiv erfassten Realität verwechselt werden, Verbesserungen zwangsläufig entgegenstehen muss[32]. Ein solches mit einer Tatsache verwechseltes Vorurteil führte ihn auch selber in die Irre[33] und behinderte ihn so in seiner Arbeit, durch die er schließlich unerwartete Ergebnisse gewann.

Von solchen durch mangelnde philosophische Bildung verursachten Vorurteilen und ihrer fortschritthemmenden Wirkung wird in der Wissenschaftsgeschichte mehrfach in verschiedenen Fachgebieten berichtet, nicht zuletzt auch in der Medizin, wo Vorurteile direkt oder indirekt Menschenleben kosten können, wie unter anderem an einem bekannten Beispiel aus der Geburtshilfe deutlich wird[34], an dem auch der von seiner Theorie fest überzeugte Pathologe Rudolf Virchow – als einer der prominentesten und einflussreichsten Mediziner seiner Zeit – nicht unbeteiligt war[35], der die Entfernung der Philosophie aus der Ärzteausbildung so erfolgreich betrieben hatte (siehe oben das Kapitel Historische Hintergründe).

Gegenbewegung: Wieder ein Philosophicum - ein Projekt an der Universität Würzburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Gegenbewegung gegen den kritisierten historischen Prozess wurde im Jahr 2010 an der medizinischen Fakultät der Universität Würzburg mit ausdrücklichem Bezug auf die ehemalige Tradition des Tentamen philosophicum – zunächst auf fakultativer Basis – eine Vorlesung mit dem Titel Philosophicum eingerichtet. Diese Lehrveranstaltung wird von Dozenten der medizinischen und der philosophischen Fakultät gemeinsam organisiert und abgehalten und soll Studierenden wie auch therapeutisch Tätigen zu einer vertieften Besinnung auf vor allem ethische Fragen ihrer (zukünftigen) Praxis verhelfen[36].

Kritik an der Klassischen Physik, neue Entwicklungen in der Physik, neue Sichtweisen auf die Natur und Gegenentwürfe für ein naturwissenschaftliches Fundament der Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Medizinalreformer des 19. Jahrhunderts waren beeindruckt von den naturwissenschaftlichen Fortschritten der jüngeren Vergangenheit und der Physikalischen Wissenschaft ihrer Zeit, die zur Leitwissenschaft geworden war. Sie erhoben diese zu ihrem Ideal und wollten sie zum - einzigen - Fundament ihres Faches machen, was mit der Studienreform auch geschah und die Medizin - einschließlich Ausbildung und Prüfungswesen - bis heute tiefgreifend prägt (siehe das Kapitel Historische Hintergründe). Die Physik des 19. Jahrhunderts wird häufig als Klassische Physik bezeichnet, um sie gegen die Moderne Physik abzugrenzen, die auch durch um die Wende zum 20. Jahrhunderts einsetzende neue Entwicklungen geformt wurde (siehe dazu den Artikel Geschichte der Physik).

Reduktionismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Grundsatzprogramm bestand darin, letztlich alle Phänomene auf einfache Grundtatsachen reduzieren zu können. Gegen ein solches wissenschaftliches Programm des Reduktionismus wurden und werden jedoch seitdem von Philosophen und auch Physikern grundsätzliche Einwände erhoben. Unter anderem besagt das Konzept der sogenannten starken Emergenz, dass es Phänomene gibt, die grundsätzlich niemals aus zugrundeliegenden Tatsachen hergeleitet, erklärt oder vorausgesagt werden können. Eine besonders radikale Position dieser Art vertritt zum Beispiel der US-amerikanische Quantenphysiker und Nobelpreisträger Robert Laughlin, die er auch in seinem im Jahr 2005 erstmals erschienenen Buch popularisierte, das in der deutschen Ausgabe den programmatischen Titel Abschied von der Weltformel trägt[37].

Quantenphysik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Entwicklung der Quantenphysik erweiterten sich nicht nur Rechen- und Handlungsmöglichkeiten der Physik erheblich, sondern sie führte auch zu grundlegend neuen Sichtweisen auf die Natur[38], wie sie besonders der auch philosophisch geprägte und interessierte deutsche Quantenphysiker, Nobelpreisträger und Hochschullehrer Werner Heisenberg[39][40] und seine Schüler (zum Beispiel Hans-Peter Dürr und Carl Friedrich von Weizsäcker, sowie dessen Schüler Thomas Görnitz) formulierten.

Sein Zeitgenosse, der österreichische Quantenphysiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger widmete ein ganzes Buch neuen Betrachtungsweisen, die sich aus der Quantenphysik für die Biologie ergeben[41].

Auch auf die Medizin selber werden diese angewendet. So gibt der US-amerikanische Quantenphysiker und Hochschullehrer Fred Alan Wolf[42] in seinem im Jahr 1986 erstmals erschienenen Buch The Body Quantum[43] der Überzeugung Ausdruck, dass für die Erklärung von Leben die moderne Quantenphysik unverzichtbar sei. Nach dieser Überzeugung ist die klassische Physik zwar weiterhin sehr nützlich, um Teilbereiche der Biologie zu verstehen, jedoch nicht in der Lage, den Körper vollständig zu erklären. Dazu und für eine Verbindung von Körper und Geist sowie ein Verständnis der Leib-Seele-Wechselwirkung ist die Quantenphysik notwendig, die schließlich zu einem gesünderen und glücklicheren Leben führen kann[44]. Wolfs Buch wurde von einigen praktizierenden und lehrenden Medizinern enthusiastisch aufgenommen[45]. So wirft der Psychiater, Psychiatriereformer und Hochschullehrer Alfred M. Freedman[46] der Mehrheit seiner forschenden und behandelnden Kollegen vor, weiterhin ein ausschließlich durch die Klassische Physik geprägtes Weltbild beizubehalten bzw. – ungeachtet von Lippenbekenntnissen zu einem ganzheitlichen Konzept – in ihrer Arbeitspraxis doch nur einem biologisch-reduktionistischen Modell oder auch einem psychologischen oder sozialen Reduktionismus anzuhängen. Auch er verweist darauf, „daß die Beschränkungen des klassischen Ansatzes zu entmenschlichenden Vorstellungen vom Menschen geführt haben, die aus der Sicht der modernen Physik kaum zu halten sind“. Und er folgert: „Die klassisch-mechanistische, bruchstückhafte Betrachtungsweise führt unausweichlich darauf hinaus, den Menschen zu zerstückeln und damit das Individuum zu entmenschlichen“. Er äußert die Hoffnung, Wolfs Arbeit werde dem abhelfen, zu einem neuen Denken führen und letztlich einen bislang unerreichbaren Grad von phyischer und psychischer Gesundheit erreichbar werden lassen.[47]

Einen ähnlichen Versuch unternahm in seinen Büchern[48] aus der Perspektive des praktischen Arztes und Hochschullehrers Michael Imhof.[49] Aus frustrierenden Erfahrungen in seiner langjährigen Tätigkeit als Oberarzt an der Chirurgischen Klinik der Universität Würzburg heraus zielt er darauf ab, aus Ansätzen der modernen Naturwissenschaft wie der Quantenphysik (besonders Heisenberg’scher Prägung), verbunden mit den Ideen einer Anzahl philosophischer Autoren (Carl Friedrich von Weizsäcker, Nicolai Hartmann und andere), der Medizin ein neues geistiges Fundament zu geben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Physikum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • www.impp.de Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen in Mainz; dieses stellt zentral deutschlandweit die schriftlichen Fragen des Physikums.
  • Artikel über das Würzburger Projekt einer Philosophicum betitelten Vorlesung für Mediziner auf dem Informationsportal des Thieme-Verlages.
  • Informationen über das Projekt Philosophicum auf dem Informationsportal des Würzburger Universitätsklinikums.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mainzer, Klaus / Carrier, Martin: Artikel Physik. In: Enzyklopädie der Philosophie und Wissenschaftsgeschichte. Band 6, 2016, Seiten 302 - 311; hier v. a. Seiten 302 und 304.
  2. Hoffmann, Dieter: Artikel Geschichte der Physik. In: Lexikon der Physik. Band 2. Spektrum Verlag, Heidelberg 1999, ISBN 3-86025-292-5.
  3. Kilian, Ulrich / Weber, Christian: Artikel Klassische Physik. In: Lexikon der Physik. Band 3. Spektrum Verlag, Heidelberg 1999, ISBN 3-86025-293-3.
  4. Wolfgang U. Eckart: Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin. Seiten 175 und 185ff.
  5. Andrea, Christian: Artikel Virchow, Rudolf. In: Enzyklopädie Medizingeschichte, Seiten 1445 – 47.
  6. Mann, Gunter: Rudolf Virchow (1821 - 1902). In: Klassiker der Medizin. Band 2, Seiten 203 - 215.
  7. Scheuthauer, Gustav: Artikel Virchow, Rudolf V. In: Haberling / Hübotter / Vierordt: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Band 5. Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien 1934, Seiten 768 – 772; hier: S. 768.
  8. Klaus Dörner: Wege der Psychiatrie, Seite 701.
  9. Nach E.-H. Ackerknecht, Materialien zu Geschichte der Medizinalreform.
  10. Harig, Georg / Schneck, Peter: Geschichte der Medizin. Verlag Gesundheit, Berlin 1990, ISBN 3-333-00465-8, Seite 211f.
  11. Witte, Wilfried: Artikel Reform, medizinische (1848/49). In: Enzyklopädie Medizingeschichte, Seiten 1221-23.
  12. Bleker, Johanna: Der gefährdete Körper in der Gesellschaft. Ansätze zu einer sozialen Medizin zur Zeit der bürgerlichen Revolution in Deutschland. In: Imhof, Arthur E.: Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute. C. H. Beck, München 1983, ISBN 978-3-406-09191-9, S. 226 - 242; hier besonders S. 235.
  13. Maio, Giovanni: Artikel Ausbildung, ärztliche (Neuzeit). In: Enzyklopädie Medizingeschichte, Seiten 122f.
  14. Klaus Dörner: Wege der Psychiatrie, Seite 701.
  15. Mittelstraß, Jürgen: Artikel Philosophie. In: Enzyklopädie der Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 6, 2016, S. 195-203.
  16. "Die der lateinischen Sprache mächtig waren und sich die lateinische Bildung angeeignet hatten, bildeten eine geistige Gemeinschaft, welche alle politischen und Volksgrenzen übergriff; sie waren auch die Träger der lateinischen Literatur..." Aus: Brunhölzl, Franz: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Band I. W. Fink, München 1975, ISBN 3-7705-1113-1, Seite 12 (Hervorhebung im Originaltext).
  17. "Durch mehr als eineinhalb Jahrtausend ist Latein die abendländische Wissenschaftssprache gewesen. Deshalb gab es für die damaligen Studenten keine Schwierigkeiten der Verständigung... Die Wissenschaften, die im westlichen Teil des Römischen Reiches gepflegt wurden, gingen mit dessen Untergang im 5. Jahrhundert keineswegs verloren. Vielmehr wurden sie von den neuen Völkern nicht nur sorgfältig bewahrt, sondern noch durch Jahrhunderte in lateinischer Sprache weiterentwickelt. So hat das Lateinische nicht nur an der Ausbildung der Terminologie, sondern auch an der Entwicklung der Grundbegriffe fast aller Wissenschaften mitgearbeitet; damit besitzen wir im Latein nicht nur den Schlüssel zur Sprache, sondern auch zur Geschichte der europäischen Wissenschaften..." Aus: Vossen, Carl: Mutter Latein und ihre Töchter. 13. Auflage. Stein-Verlag, Düsseldorf 1992, ISBN 3-87784-029-9, Seite 28.
  18. Villey, Raymond: Kapitel Die Medizin in Rom: Galen. In: Illustrierte Geschichte der Medizin. Band 2, Seiten 411-439.
  19. "...Seine Arbeit aber legt dem Psychiater die Beschäftigung mit der Natur des menschlichen Geistes und grundsätzlichen philosophischen Problemen nahe. Nicht von ungefähr ist etwa Theodor Ziehen von der Psychiatrie zur Psychologie, von der Medizinischen zur Philosophischen Fakultät übergewechselt. Psychiater und Neurologen wie Monakow, Weizsäcker, Jaspers repräsentieren einen besonderen Typ des >Iatros philosophos< als Gegenpol gewissermaßen zu einer amnderen Gruppe, die sich auf die Anatomie, die Biologie im weitesten Sinne stützt..." Eulner, Hans-Heinz: Die Entwicklung der medizinischen Spezialfächer an den Universitäten des deutschen Sprachgebietes. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1970, ISBN 3-432-01655-7. / Der griechische Ausdruck bedeutet wörtlich weisheitsliebender Heiler oder Philosophenarzt.
  20. Er ist in beiden Gebieten promoviert. / Die biographischen Informationen finden sich im Anhang zum genannten Buch.
  21. Klaus Dörner: Wege der Psychiatrie, Seiten 702 – 705.
  22. Klaus Dörner, ibidem, Seite 704.
  23. "...Wir lernen: Heilen und Vernichten können zwei Seiten derselben Medaille sein..., ein Weitblick, den zur Tatzeit nur wenige Psychiater (Ewald, Göttingen; Müller, Lemgo; Jaspersen, Bethel) und Kirchenleute (von Galen, von Bodelschwingh, Braune, Wurm) hatten,"
  24. Klaus Dörner, ibidem, Seite 705. / Er gibt als Literaturquelle an: Hufeland, C.[hristoph] W.[ilhelm]: "Die Verhältnisse des Arztes." Journal der Praktischen Arzneykunde und Wundarzneykunst. Band 23 (3), 1806, Seiten 5 - 36.
  25. "So sei hier wenigstens an einige Psychiater der Nachkriegsgeneration... erinnert: von Baeyer, Kisker, Häfner, Kulenkampff, Bosch, Binswanger, von Gebsattel, Wulff, Frankl und Gross, im weiteren Sinne auch Buber und Levinas und auch die polnischen Psychiater Kempinski, Orwid und Szymusik."/ Klaus Dörner: Wege der Psychiatrie, Seite 706f.
  26. Warsitz, Rolf-Peter: "Die Psychoanalyse zwischen den Methodologien der Wissenschaft." In: Psyche. Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen. Herausgegeben von Margarete Mitscherlich. 51. Jahrgang, Heft 2, Februar 1997, Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1997, ISSN 0033-2623, Seiten 121 – 142.
  27. Dokumentiert ist das in den Schriften Platons, dessen Lebenszeit mit 428/7 – 348/7 vor Christus angesetzt wird, und denen des Aristoteles, der sein Schüler war: "Ihren historischen Ursprung haben erkenntnistheoretische Bemühungen in der zuerst von Platon unter der Titelfrage >was ist Erkenntnis/Wissen (episteme)?< (Theait. 145e) diskutierten Unterscheidung zwischen ^Wissen, Glauben (^Glaube (philosophisch)) und ^Meinung sowie in der Aristotelischen Unterscheidung unterschiedlicher Formen des Wissens (Met. A1. 980a21 – 981b13)...". Jürgen Mittelstraß, Artikel Erkenntnistheorie. In: Enzyklopädie der Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 2, 2005. / Die in dem Zitat verwendeten Abkürzungen beziehen sich auf den Dialog (in Dialogform verfasste Abhandlung) Theaitetos, die inhaltlich dem Spätwerk des Philosophen zugeordnet wird, sowie auf die Metaphysik betitelte Textsammlung. / Für die biographischen Informationen siehe: Gatzemeier, Matthias: Artikel Platon. In: Enzyklopädie der Philosophie und Wissenschaftstheorie, Band 6, 2016, Seiten 330 - 341.
  28. Althusser, Louis: Philosophie und spontane Philosophie der Wissenschaftler. Schriften, Band 4. Argument Verlag, Hamburg 1985.
  29. In der französischen Wikipedia findet sich ein Artikel über ihn.
  30. Sie nahm, obwohl bereits promovierte Wissenschaftlerin in ihrem eigenen Fachgebiet, an entsprechenden Ausbildungen teil und unterzog sich auch selber einer Psychoanalyse.
  31. Lurmann, Tanya M.: Of two minds. The growing disorder in American psychiatry. Knopf, New York 2000, ISBN 0-679-42191-2.
  32. Dirac, Paul A. M.: "Development of the physicist's conception of nature." In: Mehra, Jagdish (Herausgeber): The physicist's conception of nature. – Symposium on the Development of the physicist's conception of nature in the twentieth century. Held at the International centre for theoretical Physics, Miramare, Trieste, Italy, 18 – 25 September 1972. D. Reidel, Dordrecht – Holland / Boston – USA 1973, ISBN 90-277-0345-0, Seiten 1 – 14.
  33. Im Original: ...led me astray...: ibidem, Seite 12.
  34. "...Semmelweis, den die Todesfälle durch Puerperalfieber entsetzt hatten, wurde erst posthum als Retter der Mütter populär. In der I. Wiener Gebärklinik (zuständig für die Ausbildung von Medizinstudenten) starben 1841-1846 fast 10%, in der II. Wiener Gebärklinik (an der Hebammenunterricht erteilt wurde) dagegen rund 3,4% der Gebärenden. In manchen Monaten tötete das Kindbettfieber jede fünfte, in anderen fast jede dritte Patientin..." Barbara I. Tshisuaka: Artikel Semmelweis, Ignaz Philipp. In: Enzyklopädie Medizingeschichte, Seiten 1319f.
  35. "...Als Reaktion auf Höchst wichtige Erfahrungen über die Aetiologie der in Gebäranstalten epidemischen Puerperalfieber ... nahm sich G. A. Michaelis, Gynäkologe in Kiel, das Leben. Ansonsten wurde der Inhalt der Veröff. entweder nicht beachtet oder, wie z. B. von J. Klein, R. Virchow, F. Scanzoni, J. Y. Simpson, strikt abgelehnt. Um zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in den Geburtskliniken Europas anzuregen, schrieb. S. Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers (Budapest, Wien, Leipzig 1861). Doch auch dieses Buch des Pioniers der -> Antisepsis verfehlte – möglichersweise wegen ungeschickter Datenpräsentation und stilistischer Mängel – die erhoffte Wirkung auf seine Zielgruppe. 1862 grassierte in Europa wieder eine Kindbettfieberepidemie, die für fast 20 % der betroffenen Frauen tödlich endete." B. Tshisuaka, ibidem, Seite 1320.
  36. Siehe dazu die beiden im Anhang zu diesem Artikel angegebenen elektronischen Informationsquellen.
  37. Laughlin, Robert Betts: A different universe: reinventing physics from the bottom down. Basic books, New York 2005, ISBN 978-0-465-03829-2. / Deutsche Ausgabe: Abschied von der Weltformel: die Neuerfindung der Physik. Aus dem Amerikanischen von Helmut Reuter. Piper, München und Zürich 2007, ISBN 978-3-492-04718-0.
  38. "...Sowohl die konkreten Einzelergebnisse der Quantentheorie als auch die aus ihr abgeleiteten philosophischen Konsequenzen haben zu einer wesentlichen Veränderung und Erweiterung unseres physikalischen Weltbildes beigetragen..." Simonyi, Karoly: Kulturgeschichte der Physik. Von den Anfängen bis heute. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-8171-1651-9, Seite 471.
  39. "Neben seiner physikalischen Forschung veröffentlichte Heisenberg philosophische und allgemein verständliche Schriften, in denen er sich mit dem Wandel in den Grundlagen der exakten Naturwissenschaften im 20. Jahrhundert auseinandersetzte." Mainzer, Klaus: Artikel Heisenberg, Werner. In: Enzyklopädie der Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 3. 2008, Seiten 328 – 330.
  40. "Heisenberg ist einer der führenden theoretischen Physiker des 20. Jahrhunderts... Er hat bedeutende Beiträge zur Physik der Atomhülle, des Atomkerns und der Elementarteilchen erbracht, und auch seine Naturphilosophie zählt zu den großen Leistungen dieses Jahtrhunderts." Simonyi, Karoly: Kulturgeschichte der Physik. Von den Anfängen bis heute. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-8171-1651-9, Seite 440.
  41. Schrödinger, Erwin: What is Life? Cambridge 1945. / Deutsch als: Was ist Leben? Bern 1946.
  42. In der englischsprachigen Wikipedia findet sich ein Artikel über ihn.
  43. Wolf, Fred Alan: The Body Quantum. Youniverse Seminars 1986. / Deutsche Ausgabe: Körper, Geist und neue Physik. Eine Synthese der neuesten Erkenntnisse von Medizin und moderner Naturwissenschaft. Eine Entdeckungsreise in den menschlichen Körper und sein wunderbares Funktionieren. Scherz Verlag, Bern etc. 1989.
  44. Einleitung zu Körper, Geist und Neue Physik, besonders Seiten 17 – 26.
  45. Siehe das Vorwort und Geleitwort zum Buch.
  46. In der englischsprachigen Wikipedia findet sich ein Artikel über ihn.
  47. Nach Freedmans Geleitwort zu Körper, Geist und Neue Physik auf den Seiten 11 - 14.
  48. Die große Krankheit der Zeit oder Grundlagen einer Medizinphilosophie. Königshausen & Neumann, Würzburg 1997, ISBN 978-3-8260-1441-3. / Was ist Krankheit? Röll Verlag, Dettelbach 2001, ISBN 3-89754-180-7. / Operation Gesundheit: über Risiken und Nebenwirkungen der modernen Medizin. Pattloch, München 2009 / Krankheit und Zeit: eine Philosophie der Medizin. Pabst Science Publishers, Lengerich 2018, ISBN 978-3-95853-366-0.
  49. Biographische Informationen finden sich in den Vorworten zu seinen Büchern und auf seinem eigenen elektronischen Informationsportal.