Polanica-Zdrój

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Polanica-Zdrój
Wappen von Polanica-Zdrój
Polanica-Zdrój (Polen)
Polanica-Zdrój
Polanica-Zdrój
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Kłodzko
Fläche: 17,22 km²
Geographische Lage: 50° 24′ N, 16° 31′ OKoordinaten: 50° 24′ 0″ N, 16° 31′ 0″ O
Höhe: 420 m n.p.m.
Einwohner: 6575
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 57-320
Telefonvorwahl: (+48) 74
Kfz-Kennzeichen: DKL
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Kłodzko–Kudowa Zdrój
Nächster int. Flughafen: Breslau
Prag
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Einwohner: 6575
(30. Jun. 2015)[1]
Gemeindenummer (GUS): 0208051
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Jerzy Terlecki[2]
Adresse: ul. Jarosława Dąbrowskiego 3
57-320 Polanica-Zdrój
Webpräsenz: www.polanica.pl



Polanica-Zdrój [pɔla'ɲiʦa 'zdruɪ̯] (deutsch Altheide-Bad, in der Umgangssprache Bad Altheide; tschechisch Starý Bor, Staré Pustiny bzw. Stará Hejda[3]) ist ein Kurort im Powiat Kłodzki (Kreis Glatz) in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtpanorama an der Reinerzer Weistritz
Kurort Bad Altheide um 1924

Die Ortschaft liegt in Niederschlesien, zwölf Kilometer südwestlich der Kreisstadt Kłodzko (Glatz) am Südhang des Heuscheuergebirges. Es wird von der Reinerzer Weistritz (Bystrzyca Dusznicka) durchflossen, deren Uferstraße die Kurpromenade bildet. Durch seine windgeschützte Lage und die waldreiche Umgebung hat es ein mildes und gesundes Klima.

Westlich erstreckt sich das Höllental (Piekielna Dolina), welches geographisch das Heuscheuer- und das Habelschwerdter Gebirge trennt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Sanatorium im Kurpark
Straßenzug

Das spätere Altheide wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet und erstmals 1347 unter der Ortsbezeichnung zu der Hayde als Besitz der Herren von Glaubitz (Glubos) erwähnt. Es gehörte von Anfang an zum Glatzer Land, das bis mit dem es seine politische und kirchliche Zugehörigkeit teilte. 1556 entstand nördlich des Dorfes die Siedlung Neuheide; ab dieser Zeit wurde das bisherige Heyde als Altheide bezeichnet.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war eine Hälfte des Dorfes im Besitz verschiedener Familien, zuletzt der Herren von Ullersdorf, die sie mit einer Mühle und sechs Häuslerstellen 1538 an die Stadt Glatz verkauften. Die der Familie Seidlitz von Lazan gehörende andere Hälfte des Dorfes fiel 1494 an Herzog Heinrich d. Ä. von Münsterberg, der zugleich Graf von Glatz war. Er schenkte diese Besitzungen im selben Jahr dem Glatzer Augustinerstift.

Der dem Augustinerstift gehörende Anteil ging 1597 an das Glatzer Jesuitenkolleg über, das den Besitz erweiterte, einen Gutshof und weitere Siedlerstellen errichtete und die landwirtschaftlichen Methoden verbesserte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Altheide 1645 durch die Schweden zerstört. 1650 errichteten die Jesuiten ein Haus, das als Erholungsstätte für Ordensangehörige diente. Nach einem Brand wurde es 1706–1707 wieder aufgebaut und zu einem Schlösschen erweitert.

Nach den Schlesischen Kriegen kam Altheide zusammen mit der Grafschaft Glatz 1763 mit dem Hubertusburger Frieden an Preußen, das nach der Auflösung des Jesuitenordens 1783 den jesuitischen Grundbesitz enteignete. Das Altheider Stiftsgut wurde 1788 an den preußischen Staatsminister Friedrich Wilhelm Graf von Reden veräußert. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Altheide seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Glatz eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb.

1827 verkauften die Reden'schen Erben die Altheider Besitzungen an den Glatzer Kaufmann Josef Grolms, der 1828 die ersten bescheidenen Badeeinrichtungen einrichtete. Nach weiteren kurzfristigen Besitzerwechseln erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein weiterer Ausbau des Badebetriebs. Nachdem Altheide 1890 mit der Linie Glatz-Rückers Eisenbahnanschluss erhielt, stieg die Zahl der Kurgäste und Erholungssuchenden deutlich an. Bereits 1874 wurde der Amtsbezirk Altheide eingerichtet, zu dem auch die Landgemeinde Neuheide gehörte

Die Blütezeit von Altheide begann 1904, als der Breslauer Brauereibesitzer Kommerzienrat Georg Haase das Bad erwarb und gleichzeitig die Aktiengesellschaft Badeverwaltung Altheide AG gründete. Durch die nachfolgenden Investitionen wandelte sich das Dorf Altheide zu einem modernen Kurort. Neben einem starken wirtschaftlichen Aufschwung nahm auch die gesellschaftliche Bedeutung zu. Mit der Stromversorgung, dem Straßen- und Wegebau, der Anlage von Wanderwegen und dem Bau von Sportstätten sowie einer katholischen und einer evangelischen Kirche wurde eine neue Infrastruktur geschaffen, die die Grundlage für die weitere wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand der einheimischen Bevölkerung durch neu entstandene Arbeitsplätze bildete. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde Altheide als Herzheilbad eines der bekanntesten schlesischen Kurbäder, das sich in der Zwischenkriegszeit noch weiter entwickelte. Besondere wirtschaftliche Bedeutung erlangte die nach dem Ersten Weltkrieg gegründete Glasfabrik Kristallglas-Hüttenwerke Franz Wittwer, in der bis 1929 der Glaskünstler Konrad Tag als Graveur tätig war.

Bis 1945 gehörte Altheide zum Landkreis Glatz im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Altheide von Zerstörungen verschont. Seine Sanatorien dienten teilweise als Kriegslazarette. Nach Kriegsende wurde Altheide im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Altheide zunächst die Ortsbezeichnung Puszczyków-Zdrój ein, die dann 1946 anlässlich der Erhebung der Ortschaft zur Stadt in Polanica-Zdrój abgeändert wurde. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht schon vorher geflohen war, von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner hatten zum Teil der polnischen ethnischen Minderheit in an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie angehört und waren nach Kriegsende an ihren Heimatorten vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auszuwandern.

Erster polnischer Bürgermeister wurde Kazimierz Dąbrowski. Ab den 1950er Jahren entwickelte sich Polanica-Zdrój zu einem beliebten Ferienort. Bis 1974 gehörte es zur Woiwodschaft Breslau und danach bis 1998 zur Woiwodschaft Wałbrzych (deutsch Waldenburg).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1789 0443 [4]
1816 0490
1825 0313 in vier Anteilen[4]
1880 0527
1885 0560 [5]
1905 0742 [4]
1910 1.538
1933 3.436 [5]
1939 3.953 [5]
1950 4.482
1961 5.210 [4]
1970 5.385 [4]
1978 7.399

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt Polanica-Zdrój gehören die ehemals selbständigen Ortschaften:

Kurgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neues Kurhaus (heute Sanatorium Wielka Pieniawa), 1912
Mineralquelle

Obwohl die Altheider Sauerbrunnen schon 1625 durch den Glatzer Geschichtsschreiber Aelurius beschrieben wurden, erfolgte deren Erschließung erst im 19. Jahrhundert. Der Besitzer Josef Grolms errichtete 1828 ein hölzernes Badehaus mit acht Badewannen. 1904 wurden zwei neue Quellen erbohrt. In kurzer Zeit entstanden moderne Bade- und Parkanlagen, ein Sanatorium, zahlreiche neue Pensionen und das mondäne Kurhaus (heute Wielka Pieniawa). Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Wandel- und Trinkhalle, ein neues Badehaus, das Kurtheater, das Kleine Kurhaus und das Kurkasino errichtet.

Besondere Verdienste um die Entwicklung des Bades erwarb sich der langjährige Kurdirektor und spätere Hauptmiteigentümer Georg Berlit (1878–1946), der ein Sohn des Bäderunternehmers und Gründers des Luftkurortes Hochwaldhausen Jean Berlit war. Durch die Einberufung von Ärztekommissionen und die Durchführung von Wasseranalysen wies Georg Berlit die Bedeutung der Mineralquellen nach. Durch eine groß angelegte Werbekampagne machte er Altheide in Deutschland und im Ausland bekannt. Während seiner Amtszeit von 1907 bis 1945 stieg die Zahl der Kurgäste von 1000 auf 16.000 pro Jahr an.

Als einziger Kurort im deutschen Sprachraum hatte Altheide die Bezeichnung Bad am Ende des Namens, so dass die amtliche Bezeichnung Altheide Bad lautete.[6][7][8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kurbetrieb in Polanica-Zdrój nach einiger Zeit wieder aufgenommen.

Quellen und Heilanzeigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mineralquellen von Bad Altheide wurden erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt - die Heilwirkung des Wassers der insgesamt fünf Quellen allerdings erst im 19. Jahrhundert weit bekannt, als es auch in entfernteste Orte transportiert wurde. Die Heilquellen sind Kalziumhydrogencarbonat-Säuerlinge mit einem hohen Gehalt an Kohlendioxid. Die alkalischen, kohlensäurereichen Eisenquellen der Quelle Wielka Pieniawa werden zu Trinkkuren und zu Bädern verabreicht. Das Wasser der Quellen Josef I und Josef II als Tafelwasser verwendet, da dieses Wasser besonders appetitanregend und verdauungsfördernd ist.

Zu den Heilanzeigen gehören Herz-, Kreislauf- und Nervenerkrankungen, Stoffwechselstörungen sowie Blutkrankheiten. Weiterhin werden Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates, Atemwegserkrankungen, Rheumatische Erkrankungen, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Gallenblase, Hypertonie und Kardiologische Kinderkrankheiten behandelt.

Hinsichtlich dieser Erkrankungen können u.a. folgende Kurbehandlungen in Bad Altheide angeboten werden: Kohlensäure-, Wirbel-, Sole-, Perlbäder, galvanische Bäder, Paraffinpackungen, Moorpackungen, klassische Massagen, Wassergymnastik, Atemgymnastik, Ergometer-Training, Inhalationen, Jodsalzhöhle, Magnetotherapie, Laser- und Kryotherapie. Auch eine regelmäßige Dialyse ist möglich, da der Kurort über ein Dialysezentrum verfügt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Promenade im Kurpark
  • Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Kościół Wniebowzięcia NMP) wurde 1910 im neobarocken Stil erbaut. Das Altargemälde schuf der aus Schlegel stammende Oswald Völkel, der in München Kirchenmaler war.
  • Das ehemalige Jesuiten-Schlösschen neben der Kirche wurde 1706–1707 vom Glatzer Jesuitenkollegium im Stil des böhmischen Barock erbaut. Seit 1861 diente es als Waisenhaus.
  • Kurpark mit altem Baumbestand und den am Park liegenden Kurhäusern
  • Die Pestkapelle nördlich in Neuheide (Polanica Górna) wurde 1680 errichtet.
  • Marienkapelle von 1843 (Buchenbergkapelle)

Kultur und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schachkreisen wurde Polanica-Zdrój durch das Rubinstein-Gedenkturnier bekannt. Das Festival der Amateurfilme POL-8 findet jährlich statt.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Polanica-Zdrój – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Gminne Jednostki Organizacyjne, abgerufen am 9. März 2015
  3. Marek Šebela, Jiři Fišer: České Názvy hraničních Vrchů, Sídel a vodních toků v Kladsku. In: Kladský Sborník 5, 2003
  4. a b c d e Hugo Weczerka. (Hrsg): Handbuch der historischen Stätten Schlesien. Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 8–9.
  5. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/glatz.html#ew39gltzaltheid
  6. Rolf Jehke, Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945
  7. Henryk Grzybowski, Das Rätsel des Namens Altheide/Polanica (PDF; 8,9 MB), in: „Ziemia Kłodzka“, Nr. 231, Oktober 2013, S. 17–18.
  8. Henryk Grzybowski, Das Rätsel des Namens Altheide/Polanica, in: „Altheider Weihnachtsbrief“, Ausgabe 17, Dezember 2013, S. 115–117. (issuu)