Sögel

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sögel
Sögel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sögel hervorgehoben
Koordinaten: 52° 51′ N, 7° 31′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Emsland
Samtgemeinde: Sögel
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 55,2 km²
Einwohner: 7335 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 133 Einwohner je km²
Postleitzahl: 49751
Vorwahl: 05952
Kfz-Kennzeichen: EL
Gemeindeschlüssel: 03 4 54 047
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ludmillenhof
49751 Sögel
Bürgermeister: Irmgard Welling (CDU)
Lage der Gemeinde Sögel im Landkreis Emsland
Niederlande Landkreis Cloppenburg Landkreis Grafschaft Bentheim Landkreis Leer Landkreis Osnabrück Andervenne Bawinkel Beesten Bockhorst Börger Breddenberg Dersum Dörpen Dohren (Emsland) Emsbüren Esterwegen Freren Fresenburg Geeste Gersten Groß Berßen Handrup Haren (Ems) Haselünne Heede (Emsland) Herzlake Hilkenbrook Hüven Klein Berßen Kluse (Emsland) Lähden Lahn (Hümmling) Langen (Emsland) Lathen Lehe (Emsland) Lengerich (Emsland) Lingen (Ems) Lorup Lünne Lünne Meppen Messingen Neubörger Neulehe Niederlangen Oberlangen Papenburg Rastdorf Renkenberge Rhede (Ems) Salzbergen Schapen Sögel Spahnharrenstätte Spelle Stavern Surwold Sustrum Thuine Twist (Emsland) Vrees Walchum Werlte Werpeloh Wettrup WippingenKarte
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Sögel ist eine Gemeinde und der Verwaltungssitz in der Samtgemeinde Sögel im Landkreis Emsland im westlichen Niedersachsen (Deutschland).

Die Gemeinde, die sich über 55,2 km² Fläche erstreckt, hatte Ende des Jahres 2007 etwa 7000 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sögel liegt am Südrand des Hümmlings, eines Geestrückens im Emsland. Östlich von Sögel befindet sich das Quellgebiet der Nordradde, einem Nebenfluss der Ems.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinden Werpeloh und Spahnharrenstätte, im Osten die Gemeinden Werlte und Lahn in der Samtgemeinde Werlte, im Süden die Gemeinden Hüven, Klein Berßen und Groß Berßen und im Westen die Gemeinde Stavern, sowie in der Samtgemeinde Lathen die Gemeinden Lathen und Renkenberge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sögel (alt: Sugila 1000, Soghelen 1150) ist eine uralte Ansiedlung. Sögel wurde um 1000 erstmals im Heberegister des Klosters Corvey erwähnt. Corvey besaß hier im 11. Jahrhundert drei tributpflichtige Höfe. Das Bestimmungswort sugi bedeutet Schwein, Sau. Das Grundwort la, lo, loh steht für Gehölz. Hier befand sich also ein Gehölz für die Eichelmast der Schweine.

Bis 1932 war Sögel Sitz des früheren Amtes und späteren Landkreises Hümmling, der dann mit dem Landkreis Aschendorf zum Landkreis Aschendorf-Hümmling zusammengelegt wurde. Seit 1977 gehört Sögel zum Landkreis Emsland mit Meppen als Kreisstadt.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sögel bestand während des Zweiten Weltkriegs ein Ausweichslager für ausgebombte Emder Familien. Sögel wurde am 9. April 1945 vom kanadischen Lincoln and Welland Regiment eingenommen.[2] Bei einem zuvor geflogenen Bombenangriff starben elf Einwohner und zwei deutsche Soldaten. Eine andere Quelle schreibt: „Zwölf Todesopfer (9 Sögeler Einwohner - darunter 4 Kinder - und 3 deutsche Soldaten) und mehrere Verwundete, von denen noch zwei einige Tage später ihren Verletzungen erlagen, waren zu beklagen.“[3] Am Folgetag führten deutsche Fallschirmjäger einen Gegenangriff auf den Ort durch. Es kam zu Häuserkämpfen in der Innenstadt von Sögel, wobei die kanadische Armee auch Panzer einsetzte. Der Angriff konnte durch die Kanadier abgewehrt werden. Da sie die Unterstützung durch einheimische Zivilisten vermuteten, kam es im Anschluss an die Kämpfe zu Übergriffen kanadischer Soldaten auf diese. Später internierten sie die Zivilbevölkerung in einem Notgefangenenlager und sprengten am folgenden Tag über 70 Häuser entlang der vormaligen Kampflinie.[4] Die kanadische Armee bezeichnete den Kampf um Sögel als einen der für sie schwersten und verlustreichsten während des alliierten Vormarsches in Deutschland.[5] Die knapp gefasste Official Historical Summary der kanadischen Armee nennt Sögel nur in einem Satz zu Vorrücken der 4th Canadian Armoured Division: „On 8 April, it won a bridgehead over the River Ems at Meppen and then pressed forward through Sogel to Friesoythe.“[6]

Sonderwaffenlager in der Lahner Heide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Kalten Krieges wurde ab 1963 zwischen Sögel und der Gemeinde Werlte ein zentrales Atomwaffenlager für das I. Korps der Bundeswehr und das niederländische I. Korps errichtet und vom Heer und der US Army betrieben. Im Februar 1992 wurden die letzten Atomwaffen aus dem Sondermunitionslager Lahn abtransportiert.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden in den Räumen Leer und Aschendorf-Hümmling wurde am 1. Januar 1973 die Gemeinde Eisten in die Gemeinde Sögel eingegliedert.[7] Zum Gebiet der heutigen Gemeinde Sögel gehört auch der größte Teil der ehem. Gemeinde Wahn, die 1941 für die Vergrößerung des Krupp´schen Schießplatzes eingeebnet wurde.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Sögel

(einschließlich des eingemeindeten Ortsteils Eisten)

Jahr Einwohner
1821 1.681
1848 1.979
1871 2.086
1885 1.971
1905 2.367
1925 2.824
1933 3.146
1939 3.526
1946 3.238
1950 3.422
1956 3.163
1961 3.111
1971 3.948
2005 6.729
2013 7.556

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 21 gewählte Mitglieder. Ihm gehören seit der Kommunalwahl am 11. September 2011 zwei Parteien an.[8]

  • CDU – 14 Sitze
  • SPD – 7 Sitz

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Clemenswerth
Ludmillenhof

Sögel ist heute Staatlich anerkannter Erholungsort und wird von Einheimischen für seine idyllische Lage auf dem Hümmling wertgeschätzt. Sögel ist von Wald umgeben und bietet gleichsam Erholungssuchenden wie auch Sportlern ein breites Angebot.

Von überregionaler Bedeutung ist die barocke Schlossanlage Clemenswerth, in der sich acht sternförmig angeordnete kleinere Pavillonhäuser um einen größeren Zentralbau gruppieren. Die einzelnen Bauten sind eingefügt in acht, z. T. doppelreihigen Linden-Alleen und bilden so einen Jagdstern. Errichtet wurde die Anlage in der Zeit von 1737 bis 1749 vom kurfürstlichen Architekten Johann Conrad Schlaun für den Kölner Erzbischof und Kurfürsten, Fürstbischof von Münster und Träger weiterer Titel Clemens August I. von Bayern. Das Jagdschloss Clemenswerth ist das am besten erhaltene barocke Jagd- und Lustschloss seiner Art in Europa. Die sternförmige Anlage ist gekennzeichnet von einzelnen Achsen, die jeweils in eine Allee ragen und vom Zentralpavillon aus nur aus angewinkelter Position aus dem Fenster erblickt werden können. Die unmittelbare Umgebung des Waldes ermöglichte die Jagd. Teil der Anlage sind auch die drei miteinander durch Kanäle verbundenen Schlossteiche, die ebenfalls auf Achsen liegen, sowie der historische Marstall, der heute eine Jugendbildungsstätte beinhaltet.[9] Auch ein Kapuzinerkloster, in dem noch heute einige wenige Patres leben[10], gehört zur Schlosskapelle. Dieser angegliedert ist ein großer Klostergarten. Clemenswerth ist heute Museum mit separater Töpferei und Sitz der Emsländischen Landschaft.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der ehemals herzogliche Ludmillenhof, der heute das Rathaus beherbergt, sowie der alte Amtsbrunnen, das sog. „Sögeler Meer“ und der Heimathof. Im Ortsteil Eisten befindet sich ein kleiner Tierpark.

Überall in der Samtgemeinde gibt es rund 5000 Jahre alte Stein- und Hügelgräber, andere Zeugen aus der Vorzeit und interessante Naturschutzgebiete.

Ein alter Güterbahnhof findet sich an der Emsländischen Eisenbahn, die Gemeinde ist durch Landesstraßen an das Straßennetz angeschlossen. Einen eigenen Personenbahnhof gibt es im Hümmlingort Sögel nicht; hier sind die Bahnhöfe der Umgebung in Meppen oder Lathen anzufahren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sögel geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sögel gestorben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Krater auf dem Mars in der Lunae-Palus-Region mit den Koordinaten 21,6° N, 55,2° W ist nach der Gemeinde Sögel benannt. Sögel hat einen Durchmesser von 30 km.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lehrerverein der Diözese Osnabrück: Der Kreis Lingen. Beiträge zur Heimatkunde des Regierungsbezirks Osnabrück Heft I. Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1905
  • Werner Kaemling: Atlas zur Geschichte Niedersachsens. Gerd J. Holtzmeyer Verlag, Braunschweig 1987, ISBN 3-923722-44-3
  • Hermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes, in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1929
  • Chr. Oberthür, Fr. Busche, Fr. Barth, Heinrich Dünheuft: Heimatkarte des Kreises Lingen mit statistischen Angaben. Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1953
  • Ernst Förstemann, Hermann Jellinghaus (Herausgeber): Altdeutsches Namenbuch. Band II, 1 und 2: Ortsnamen, Bonn 1913/1916 (Nachdruck: Band II, 2, Hildesheim 1967/1983, ISBN 3-487-01733-4)
  • Hans Bahlow: Deutschlands geographische Namenwelt. Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1985, ISBN 3-518-37721-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sögel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. To Sogel and Beyond
  3. [1]
  4. Wege aus dem Chaos, Das Emsland und Niedersachsen 1945–1949, Meppen 1987.
  5. The Maple Leaf, Ausgabe vom 3. Mai 1945.
  6. Seite 279
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 252.
  8. http://www.soegel.de
  9. Jugendbildungsstätte.
  10. www.kapuziner.org
  11. Feature Information im USGS Gazetteer of Planetary Nomenclature: planetarynames.wr.usgs.gov, Stand: 28. Februar 2008.