Rafael Seligmann

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Rafael Seligmann (2010)

Rafael Seligmann (geboren 13. Oktober 1947 in Tel Aviv) ist ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Politologe und Zeithistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seligmann wanderte 1957 mit seinen Eltern von Israel nach Deutschland ein und studierte Politikwissenschaft und Geschichte in München und Tel Aviv. Er promovierte 1982 über „Israels Sicherheitspolitik“.

Seligmann schreibt seit 1978 als Redakteur Essays, Kommentare und Kolumnen unter anderem für den Spiegel, die Springer-Blätter B.Z., BILD und Die Welt sowie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die taz und die Jüdische Allgemeine.

1981/82 war er außenpolitischer Berater in der CDU-Bundesgeschäftsstelle in Bonn, von 1985 bis 1991 Dozent für Internationale Beziehungen an der Universität zu München. 1985 gründete Seligmann die Jüdische Zeitung und blieb zwei Jahre deren Chefredakteur.

Seligmann lebt heute als freier Journalist, Publizist und Autor in Berlin. Von Oktober 2004 bis 2009 war Seligmann Chefredakteur der in Deutschland und in den USA erscheinenden englischsprachigen Monatszeitung The Atlantic Times. Seit Anfang 2012 ist er Herausgeber der vier Mal im Jahr erscheinenden englischsprachigen Zeitung Jewish Voice from Germany.

2008 – 2012 befragte Seligmann im Rahmen des „Talk im Elysée“ im Hamburger Hotel „Grand Elysée“ jeweils eine Person des öffentlichen Lebens zu persönlichen und politischen Themen. Gäste waren unter anderem: Maybrit Illner, Huub Stevens, Hildegard Müller und Michel Friedman.

Seligmann kritisierte, dass im Streit um die Mohammed-Karikaturen die Pressefreiheit von Europa nicht offensiver verteidigt wurde. Stattdessen fänden Entschuldigungen bei Islamisten statt. Gleiches habe für ein den Islam herabwürdigendes Zitat in einer Papstrede gegolten, das sich der Papst nie zu eigen gemacht habe. Durch diese Unterwerfung seien die europäischen Werte der Freiheit auf Dauer gefährdet und der radikale Islamismus gewinne.

Seligmann ist Vorstandsmitglied des Vereins „GesichtZeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“.

Grundtendenzen des Werkes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seligmann schreibt in seinen Romanen und Sachbüchern provokant und schonungslos über das deutsch-jüdische Verhältnis. Dieses Verhältnis sei „seine Lebensmelodie, Aufklärung, seine Mission“. Für Seligmann bedeutet das: Kritik in alle Richtungen. Seligmanns Hauptintention: „Mehr Normalität“ im Zusammenleben von Deutschen und Juden. Dafür lohne es sich, bis an die Schmerzgrenze zu gehen.

Nach Auschwitz sind bei den Überlebenden, den Angehörigen und Nachkommen der Opfer und Täter tiefe seelische Verletzungen zurückgeblieben. Diese lassen sich nicht allein durch akademische Debatten heilen. Da braucht es viel Verständnis, aber auch Streit – Streit wie in der Judenschule,“ schrieb er in der Rheinischen Post.

Seligmanns Werk und Schaffen polarisieren – ebenso wie seine Person: Den einen gilt er als „Nestbeschmutzer“ (Allgemeine Jüdische Wochen-Zeitung), den anderen als „Aufklärer“ (Zeit). Seligmann selbst sieht sich als „deutschen Juden“.

Prosaliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit seinem Romandebüt Rubinsteins Versteigerung (1988) schrieb er das erste Werk der Gegenwartsliteratur deutscher Juden, dem noch weitere folgten. Es wurde mit großer Begeisterung, aber auch Ablehnung aufgenommen. In dem 1997 erschienenen Roman Der Musterjude persifliert Seligmann die Medienwelt und die schwierigen deutsch-jüdischen Beziehungen, indem er den Karriereweg eines jüdischen Jeansverkäufers zum gefeierten, tabubrechenden Starjournalisten in absurde Höhen treibt.

Ende 2006 ist „Die Kohle-Saga“ erschienen, eine Familiensaga um eine polnische Einwandererfamilie, in deren Schicksal sich über die Jahrzehnte hinweg die Geschichte des deutschen Steinkohlebergbaus spiegelt, weitgehend identisch mit der Firmengeschichte der Ruhrkohle AG. Die Ruhrkohle AG hat jedem Konzernmitarbeiter eine Ausgabe zukommen lassen.

2017 erschien der Roman „Deutsch Meschugge“, eine Satire über die Auswirkungen des Populismus in der deutschen Politik.

Sachliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seligmanns Dissertation aus dem Jahr 1982 mit dem Titel Israels Sicherheitspolitik. Zwischen Selbstbehauptung und Präventivschlag – Eine Fallstudie über Grundlagen und Motive behandelt den Sechstagekrieg zwischen Arabern und Israelis im Jahr 1967. Der Autor betrachtet darin die Vorgeschichte des Konflikts, analysiert wichtige Determinanten der israelischen Sicherheitspolitik und durchleuchtet das vielfältige Spektrum des politischen und militärischen Systems des Staates Israel in den beiden ersten Jahrzehnten seines Bestehens. Das Werk zeichnet den Entscheidungsprozess auf israelischer Seite während der einzelnen Krisen- und Kriegsphasen im Mai/Juni 1967 minutiös nach. Der Autor untersucht im Rahmen der Thematik die Rationalität der israelischen Sicherheitspolitik mit dem Instrument der politisch-strategischen Lehren von Carl von Clausewitz.

In seinem Sachbuch Mit beschränkter Hoffnung setzte er sich 1991, kurz nach der deutschen Wiedervereinigung, mit der Situation der deutschen Juden und der Juden in Deutschland auseinander.

Im Frühjahr 2004 erschien der Essay Hitler. Die Deutschen und ihr Führer. Er behandelt die Frage, warum die Deutschen so lange absolut loyal zu Hitler standen. Seligmanns Antwort, dass diese Loyalität in der „Angst vor der Moderne“ begründet war, wurde heftig diskutiert. In der FAZ z. B. wird es als „bloßes Psychologisieren bei erheblich gestörten Bezügen zur historischen Realität“ bezeichnet. Der grundsätzliche Tenor lautet, dass es ein leicht lesbares Buch mit „viel Effekthascherei“, aber wenig neuen Erkenntnissen sei.

Seligmanns Sachbücher gaben Anlass zu Diskussionen; zum einen über die politischen Intentionen und zum anderen über die geschichtlichen Interpretationen.

Seligmann schrieb das Drehbuch für den zweiteiligen Fernsehfilm Shalom Deutschland (Erstausstrahlung: Frühjahr 1998, ARD).

Jewish Voice from Germany[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2012 gründete Seligmann die Zeitung Jewish Voice from Germany – Die englischsprachige Brücke zwischen Deutschland und den Juden in aller Welt, die sich vorwiegend an ein amerikanisches Publikum richtet. Die Zeitung wird allen Abgeordneten des U.S. Congress, der israelischen Knesset sowie dem kanadischen und australischen Parlament zugestellt. Die Zeitung soll über das jüdische Leben in Deutschland informieren. Sie erscheint vierteljährlich in englischer Sprache und wird überwiegend durch Werbung finanziert. Seligmann ist der Herausgeber. Redakteure sind Hartmut Bomhoff, Michael S. Cullen, Sabine Dultz, Siegfried Guterman, Susanne Mauss (†), Elisabeth Neu. Zu den Autoren zählen unter anderem Moshe Zimmermann, Heribert Prantl, Uwe-Karsten Heye und Heiko Maas. Die Startauflage beträgt 50.000 Exemplare, davon sollen 7.000 in Deutschland verteilt werden. Die erste Ausgabe erschien am 1. Januar 2012.[1][2] Seit 2015 erscheint parallel zur englischen Edition eine deutsche Ausgabe. Sie ist Teil der Tageszeitung DIE WELT.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autograph

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helene Schruff, Hans-Joachim Hahn: Seligmann, Rafael. In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02457-2, S. 461–463.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rafael Seligmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutschlandradio Kultur: „Jewish Voice from Germany“ ab heute auf dem Markt / Rafael Seligmann: Wir sind frei und unabhängig@1@2Vorlage:Toter Link/www.dradio.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. In: Kulturnachrichten. 2. Januar 2012. Abgerufen am 3. Januar 2012.
  2. Sonja Pohlmann: Neue Zeitung über jüdisches Leben. Jenseits des Holocaust. In: Tagesspiegel. 12. Dezember 2011. Abgerufen am 3. Januar 2012.