Sühne

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Als Sühne (von ahd. suona = Gericht, Urteil, Gerichtsverhandlung, Friedensschluss, ma. auch Mutsühne) wird der Akt bezeichnet, durch den ein Mensch, der schuldig geworden ist, diese Schuld durch eine Ausgleichsleistung aufhebt oder mindert.

Weltliche Ordnung, verwaltungsrechtliche Buße und Strafrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn ein Ungleichgewicht, durch Schaden oder Schuld hervorgerufen, nicht durch direkte Wiedergutmachung auszugleichen ist, wird der Gerechtigkeit Genüge getan, indem der Ausgleich durch verwaltungsrechtliche Buße oder Strafe wiederhergestellt wird. Schuld wird gesühnt, abgetragen, gebüßt, bestraft. Dadurch soll die vom Unrecht betroffene Person Genugtuung erleben.

Sühne wünschen oft auch schuldig gewordene Personen oder Personen, die sich schlicht schuldig fühlen, indem sie sich durch Sonderleistungen oder Verzichte selbst bestrafen.

Sühne in den Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im religiösen Kontext wird mit Sühne oder Buße der Akt bezeichnet, durch den ein Mensch, der das Verhältnis zu seinem Gott durch eine Sünde verletzt hat, wieder mit Gott versöhnt wird.

Die Sühne kann in vielen Religionen vom Gläubigen durch magische Handlungen, kultische Sühneopfer, asketische Übungen oder kultische Reinigungen nach den jeweiligen religiösen Vorschriften geleistet werden.

Der Gottesgemeinde Israels gewährt Gott Versöhnung bei aufrichtiger Reue und Umkehr (Jona 3,5–10 EU, Dan 4,27 EU), Gebet sowie das Geben von Almosen helfen. Gott sieht auf das bußfertige Herz (vgl. Psalm 103 EU, Jes 40,16 EU u. a.) und vergibt auch ohne Opfer, z. B. wie bei Jona in Ninive und König David vor dem Propheten Natan (2 Sam 12,1-24 EU). Gemäß JHWH's Wort in der schriftlichen und mündlichen Jüdischen Bibel, gibt (gab) es keinen Menschen auf Erden der niemals sündigt(e) und insbesondere Menschenopfer sind als Greuel verboten (siehe Akeda). Opfergaben allein −ohne Reue und Umkehr zu Gott− können die Versöhnung mit JHWH nicht bewirken, Reue und Umkehr zu Gott −ohne Opfergaben− dagegen schon. Stellvertretende Sühneleistungen sind nicht wirksam und Erbsünde ist spätere christliche Theologie, die abgelehnt wird.

Im Neuen Testament wird der Opfertod Jesu Christi am Kreuz auf dem Hügel Golgota als das einmalige, vollkommene Sühnopfer verstanden, das Christus stellvertretend für Israel und die Völker dargebracht habe. Gott hat Jesus als „Sühneplatte“ (hebr. kaporet, griech. hilasteerion) hingestellt (Röm 3,25 EU), das entspricht der Deckplatte oder der Bedeckung der Bundeslade, die vom Hohenpriester am Versöhnungstag (Jom Kippur) mit Blut besprengt wurde.[1] Insofern ist es der gnädige christliche Gott selbst, der in sich selbst als Jesus Christus die Sühneleistung erbringt, die kein Mensch (alle Menschen sind und bleiben Sünder) erbringen könne: „Gott versöhnte in Christus die Welt mit sich selbst…“ (2 Kor 5,19 EU).

Diese neutestamentliche Lehre wurde von den Reformatoren (Martin Luther, Ulrich Zwingli, Johannes Calvin u. a.) neu entdeckt und als „Evangelium“ von der „Rechtfertigung des Sünders durch Christus allein und allein aus Gnade“ ins Zentrum der kirchlichen Lehre und des kirchlichen Lebens gerückt. Gleichzeitig wurden durch die Reformatoren alle Praktiken der sogenannten „Werkgerechtigkeit“ verworfen, mit denen man den Versuch unternahm, durch Sühneleistungen „Verdienste“ zu erwerben und Anspruch auf Gnade zu erlangen (etwa durch Werke wie Beten, Fasten, Wallfahrten, Stiftungen, Erwerb von „Ablässen“ usw.).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Sühne – Zitate

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Jankowski: Die grosse Hoffnung. Paulus an die Römer - Eine Auslegung, Alektor Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-88425-069-8