Schwalmtal (Niederrhein)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schwalmtal
Schwalmtal (Niederrhein)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schwalmtal hervorgehoben
Koordinaten: 51° 13′ N, 6° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Kreis: Viersen
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 48,11 km2
Einwohner: 19.145 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 398 Einwohner je km2
Postleitzahl: 41366
Vorwahl: 02163
Kfz-Kennzeichen: VIE, KK
Gemeindeschlüssel: 05 1 66 024
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Markt 20
41366 Schwalmtal
Webpräsenz: www.schwalmtal.de
Bürgermeister: Michael Pesch (CDU)
Lage der Gemeinde Schwalmtal im Kreis Viersen
Kreis ViersenNordrhein-WestfalenKreis KleveKreis WeselDuisburgKrefeldRhein-Kreis NeussMönchengladbachKreis HeinsbergNiederlandeNettetalTönisvorstGrefrathNiederkrüchtenBrüggenViersenWillichKempenSchwalmtalKarte
Über dieses Bild
Marktplatz in Waldniel

Die Gemeinde Schwalmtal liegt am Niederrhein im Westen des Landes Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Viersen im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Räumliche Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwalmtal ist in den östlichen Teil des Naturparks Maas-Schwalm-Nette integriert. Umgeben ist Schwalmtal von einer typisch niederrheinischen Landschaft. Nur rund 6 km² des insgesamt gut 48 km² großen Gemeindegebietes sind bebaut. Namensgeber für die Gemeinde war der Fluss Schwalm. Das Schwalmtal wird auch das „Tal der Mühlen“ genannt (siehe hier).

Gemeindegebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwalmtal besteht aus folgenden Ortsteilen:

  • Amern (etwa 8000 Einwohner)
  • Berg (etwa 140 Einwohner)
  • Birgen (etwa 60 Einwohner)
  • Brüggener Hütte
  • Dilkrath (ca. 1200 Einwohner)
  • Eicken (etwa 80 Einwohner)
  • End (etwa 130 Einwohner)
  • Eschenrath (etwa 90 Einwohner)
  • Felderseite
  • Fischeln (etwa 130 Einwohner)
  • Geneschen
  • Hagen
  • Hahn
  • Hehler (etwa 500 Einwohner)
  • Heidend
  • Hochfeld (etwa 12 Einwohner)
  • Hostert (etwa 30 Einwohner)
  • Kasend
  • Kranenbruch
  • Krinsend
  • Leloh (etwa 100 Einwohner; Fläche etwa 0,8 km²)
  • Linde (etwa 200 Einwohner)
  • Lüttelforst, ein Waldhufendorf, verläuft rund vier Kilometer parallel zur Schwalm (rund 620 Einwohner), mit Jakobuskirche
  • Naphausen (etwa 100 Einwohner)
  • Papelter Hof
  • Renneperstraße
  • Rösler-Siedlung (etwa 210 Einwohner)
  • Schagen
  • Schier
  • St. Anton
  • St. Georg
  • Stöcken (etwa 40 Einwohner)
  • Ungerath
  • Vogelsrath
  • Waldniel (etwa 11.000 Einwohner)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Schwalmtal entstand am 1. Januar 1970 im Zuge der kommunalen Neugliederung. Dabei wurden die bis dahin rechtlich selbständigen Gemeinden Waldniel und Amern zur Gemeinde Schwalmtal zusammengefasst.[2]

Gefundene steinzeitliche Siedlungsreste werden auf das Jahr 2000 v. Chr. datiert. Urkundliche Erwähnungen gehen zurück bis auf das Jahr 1020 für Waldniel und das 12. Jahrhundert für Amern.

Die spätere Gemeinde Waldniel wurde im Jahr 1915 aus den Gemeinden Burgwaldniel, Kirspelwaldniel und Lüttelforst gebildet. Die Gemeinde Amern entstand 1928 mit der Zusammenlegung von Amern St. Georg mit Dilkrath. Im Jahr 1936 wurden Unteramern und Oberamern zusammengelegt.

Am 28. Februar 1945 nahmen Soldaten der 84. US-Infanteriedivision – nach Kämpfen um Eicken, Ungerath und Hochfeld – Schwalmtal ein. Von dort aus rückten sie weiter nach Boisheim und Dülken vor.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[4]
Wahlbeteiligung: 52,5 % (2009: 53,8 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
56,0 %
17,8 %
20,9 %
5,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+4,7 %p
-2,4 %p
+5,4 %p
-7,7 %p

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 34 Sitze, die seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 folgendermaßen verteilt sind:

  • CDU: 19 Sitze (+ 1)
  • SPD: 7 Sitze (+ 2)
  • GRÜNE: 6 Sitze (- 1)
  • FDP: 2 Sitze (– 2)

Schwalmtal wird zurzeit von der CDU regiert. Bürgermeister ist Michael Pesch. Er wurde im Mai 2014 mit 60,29 % der Stimmen gewählt. Erster Stellvertreter ist Kurt van de Flierdt (CDU), zweite Stellvertreterin ist Klaudia Foest (GRÜNE).

Wappen, Flagge und Dienstsiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Schwalmtal führt gemäß Genehmigungsurkunde des Regierungspräsidenten in Düsseldorf vom 8. April 1971 ein Wappen, eine Flagge in der Form eines Banners und ein Dienstsiegel.

Wappenbeschreibung
„Das Wappen, gespalten, zeigt vorn in Blau den Erzengel Michael, dessen Haar, Kettenpanzer und Strümpfe golden (gelb), dessen Heiligenschein, Gesicht, Flügel und Rock silbern (weiß) tingiert sind und der einem schwarzen Drachen eine rote Lanze in den Rachen stößt; hinten in Silber (weiß) drei blaue Balken.“[5]
Bedeutung

Das Wappen der Gemeinde Schwalmtal setzt sich aus Teilen der Wappen von den beiden ursprünglichen Gemeinden Amern und Waldniel zusammen. Die vordere Hälfte des Wappens enthält eine Abbildung des Erzengels Michael. Sankt Michael ist der Patron der Waldnieler Pfarrkirche.

Die drei blauen Balken in Silber auf der hinteren Hälfte sind einem Siegel aus dem Jahre 1267 der Herren von Ambere entnommen, die als Gründer von Ober- und Unteramern gelten.

Flaggenbeschreibung
„Die Flagge der Gemeinde (Banner) zeigt die Farben Weiß - Blau im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift mit dem Wappen der Gemeinde etwas oberhalb der Mitte.“[5]
Dienstsiegel

Das Dienstsiegel der Gemeinde Schwalmtal enthält die Umschrift:
„Gemeinde Schwalmtal, Kreis Viersen“ und zeigt im Siegelbild im Schild das Wappen der Gemeinde in folgender Tingierung: „Gespalten, vorn in Schwarz ein weißer Erzengel Michael, der einem weißen Drachen eine weiße Lanze in den Rachen stößt; hinten in Weiß drei schwarze Balken.“[5]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstadt von Schwalmtal ist seit 1985 die etwa 3.600 Einwohner zählende Stadt Ganges in Südfrankreich. Im Rahmen der Partnerschaft findet jedes Jahr ein Schüleraustausch beider Städte statt. Das 25-jährige Jubiläum wurde 2010 in Ganges gefeiert.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühlrather Mühle am Hariksee

Das Naherholungsgebiet Hariksee hat mit der Mühlrather Mühle von 1447 die älteste Wassermühle am Niederrhein.

Der Ortsteil Waldniel hat das 1936 von dem Kölner Architekten Theodor Merrill[7] für den Unternehmer Josef Kaiser erbaute „Haus Clee“ zu bieten, in dem sich heute die Geschäftsführung der Bethanien Kinder- und Jugenddörfer befindet.[8] Es wurde auf den Grundmauern des vorherigen kleinen Schlosses erbaut. Die Geschichte von „Haus Clee“ reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Letzter adeliger Besitzer war Eduard Rosbach, der den Park anlegen und auch das Insel-Schlösschen erbauen ließ.

Der Mühlenturm in Amern

Der „Schwalmtaldom“, wie der Volksmund die neugotische Pfarrkirche St. Michael in Waldniel nennt, wurde in den Jahren 1879 bis 1883 erbaut und liegt unmittelbar am historischen Marktplatz im Ortskern. Insgesamt gibt es in Schwalmtal über 130 Baudenkmäler.

Im Ortsteil Amern ist der alte Mühlenturm aus dem frühen 19. Jahrhundert einen Besuch wert. Am Wochenende finden hier Wechselausstellungen statt, ansonsten kann der Mühlenturm für Feiern gemietet werden.

Mit den „Schwalmtalzupfern“ hat Schwalmtal Europas größtes Gitarrenorchester. Überregional bekannt ist auch die Gitarrenband „Jester Hat“. Die ebenfalls weit über die Grenzen Schwalmtals hinaus bekannte Theater-AG des Gymnasiums St. Wolfhelm erreichte 1999 mit der Aufführung des Broadway-Musicals „Der Mann von La Mancha“ den ersten Platz beim Niederrheinischen Amateur-Theater in Xanten. In der Theater-AG sammelte auch Charlotte Roche während ihrer Schulzeit erste Bühnenerfahrungen. Für kulturelle Veranstaltungen wie Musicals und Kabaretts bietet die Achim-Besgen-Halle ca. 500 Sitzplätze.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Industriestandort Schwalmtal war in früheren Zeiten, vor allem auf Grund der Nähe zu Mönchengladbach und Krefeld, von der Textilindustrie geprägt. Seit einigen Jahren siedeln sich verstärkt Unternehmen aus dem IT-Sektor in Schwalmtal an. Heute sind Schwerpunkte der Industrielandschaft

  • Nahrungsmittelherstellung (Hauptsitz der Kamps-Bäckereikette)
  • Metallverarbeitung: Die einstige Rösler Draht AG (1872 in Essen gegründet) wurde 1994 vom belgischen Drahthersteller Bekaert übernommen, das damals in Waldniel 587 Mitarbeiter beschäftigte. Bekaert produzierte im Werk Waldniel vor allem geschweißte Mattenzäune. 2005 verkaufte Bekaert die gesamte Unternehmensdivision Bekaert Fencing NV an das Investmentunternehmen 'Gilde'.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autobahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwalmtal lässt sich mit dem Auto über die Bundesautobahn 52, Ausfahrten Schwalmtal-Hostert (5) und Schwalmtal (4), oder über die L 371 und die B 221 erreichen.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhöfe in der Nähe sind Mönchengladbach Hauptbahnhof, Viersen, Viersen-Dülken und Viersen-Boisheim, die – bis auf Viersen-Boisheim – per Busverbindungen erreichbar sind.

Früher gab es eine Bahnstrecke Dülken–Brüggen.

Luftverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen Düsseldorf ist in etwa 30 Minuten mit dem Auto erreichbar.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ÖPNV in Schwalmtal wird durch die NEW mobil und aktiv Mönchengladbach und die SWK Mobil betreut. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr zu benutzen.

Innerhalb des Gemeindegebietes wird der „Bürgerbus Schwalmtal e. V.“ betrieben, der auf einer staatlich konzessionierten Buslinie den öffentlichen Personennahverkehr ergänzt. Betreiber ist ebenfalls die NEW mobil und aktiv Mönchengladbach. Alle Bürgerbus-Fahrer sind ehrenamtlich tätig.

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Vereinen TuS Waldniel, SC Waldniel, VSF Amern und DJK Fortuna Dilkrath werden zahlreiche Sportarten gefördert. Darüber hinaus sind der Deutsche Schützenbund und vor allem der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften mit insgesamt elf Vereinen vertreten.

Besondere Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. August 2009 kam es in Schwalmtal zu einem Amoklauf,[10] bei dem ein 72-jähriger Rentner bei einem Gutachtertermin zur Zwangsversteigerung des Hauses seiner Tochter auf Rechtsanwälte und Immobiliengutachter schoss. Dabei tötete er drei Menschen und verletzte einen schwer. Im April 2010 wurde er zu 15 Jahren Haft verurteilt und in eine Psychiatrie eingewiesen.[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willi Arretz (Hrsg.): Heimatbote Schwalmtal. Ausgaben 1990–2009
  • Wanderverein Hehler VN (Hrsg.): Schwalmtal. Bilder erzählen Geschichte. Sutton Verlag, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-671-6.
  • Horst Jungbluth, Helmuth Elsner: Die Schwalm – Tal der Mühlen. Schwalmtal 1989.
  • Andreas Kinast: „Das Kind ist nicht abrichtfähig.“ Euthanasie in der Kinderfachabteilung Waldniel 1941–1943. Reihe: Rheinprovinz, 18. SH-Verlag, Köln 2010, ISBN 3-89498-259-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwalmtal (Niederrhein) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtliche Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 24. Februar 2018. (Hilfe dazu)
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 115.
  3. Hans Kaiser: Vom Rathaus aus den GIs entgegen. In: Rheinische Post (Lokalteil Viersen), 21. Februar 2015, Seite C6. Der Vormarsch erfolgte im Rahmen der Operation Grenade.
  4. Landeswahlleiterin NRW: endgültige Ergebnisse der Kommunalwahl 2014. Abgerufen am 17. Januar 2016.
  5. a b c § 2 der Hauptsatzung der Gemeinde Schwalmtal. Abgerufen am 5. Februar 2018 (PDF; 78 kB).
  6. Verein Freunde der Partnerstadt Ganges e.V..
  7. Wolfram Hagspiel: Köln-Marienburg. J. P. Bachem, Köln 1996, S. 889. (Erwähnung von Haus Clee im Artikel über Merrill)
  8. Homepage www.bethanien-kinderdoerfer.de
  9. rp-online. Januar 2005
  10. Nordrhein-Westfalen: Drei Tote bei Schießerei in Schwalmtal – Kriminalität – Gesellschaft
  11. Amoklauf in Schwalmtal: Gericht verurteilt 72-Jährigen zu 15 Jahren Haft. In: Spiegel Online. 13. April 2010, abgerufen am 9. Juni 2018.