Schwarzenau (Schwarzach am Main)

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Schwarzenau
Koordinaten: 49° 48′ 22″ N, 10° 12′ 52″ O
Höhe: 194 m ü. NN
Eingemeindung: 1. April 1971
Postleitzahl: 97359
Vorwahl: 09324
Karte
Lage von Schwarzenau (fett) innerhalb des Schwarzacher Gemeindegebietes
Bild von Schwarzenau

Schwarzenau ist ein Ortsteil des Marktes Schwarzach am Main im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzenau liegt westlich von Schwarzach am Main bei km 298,5 am Maindreieck. Südlich des Ortes verläuft in Ost-West-Richtung die Staatsstraße St 2450, die zu der Bundesstraße 22 östlich des Mains führt. Drei Kilometer südlich von Schwarzenau verläuft die Bundesautobahn 3, zu der dort an der Anschlussstelle Kitzingen-Schwarzach eine Auffahrtmöglichkeit besteht. Die nächste größere Stadt ist das 17 km westlich gelegene Würzburg.

Für die Freizeitschifffahrt gibt es in Schwarzenau einen kleinen geschützten Sportboothafen mit 25 Liegeplätzen für Kleinfahrzeuge, Steganlagen und einer Slipstelle.

Schwarzenau bildet naturräumlich das westliche Ende der sogenannten Schwarzacher Talweitung (auch Schwarzacher Becken). Es handelt sich um eine beckenartige Flusstalweitung, die durch die Mainzuflüsse Schwarzach, Castellbach und Silberbach gebildet wird. Sie ist Teil des Mittleren Maintals der Haupteinheit Mainfränkische Platten.

Durch Schwarzenau verläuft der Fränkische Marienweg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Besiedlungen auf dem Schwarzenauer Ortsgebiet gab es bereits in der Bronzezeit und der jüngeren Latènezeit. Die etwa 0,75 Hektar große Siedlung befand sich zwischen dem Mainfrankenhof und der St.-Laurentius-Kirche an der heutigen Alten Straße und ist als Bodendenkmal geschützt.[1]:7 In der römischen Kaiserzeit kam der Weinbau in die Gegend. Die erste bekannte Erwähnung von Schwarzenau war im Jahr 1074 im Rahmen einer Schenkung eines Weinbergs an Abt Egbert von Münsterschwarzach durch den Würzburger Bischof Adalbero von Würzburg. Die Entstehung des Ortes hängt vermutlich mit einer Furt durch den Main zusammen, über die ein alter Handelsweg von Bamberg nach Würzburg führte. Schwarzenau war in der Folgezeit im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter, auf die auch der Bau der Kirche und des Schlosses zurückgeht.[2]

Das bayerische Urkataster zeigt Schwarzenau in den 1810er Jahren als ein typisches Straßendorf mit 42 regelmäßig angelegten, nahezu gleichgroßen Schollen oder Gehöften. Die zugehörigen Wirtschaftsflächen in der Umgegend sind, wohl durch Erbfolge, stark zersiedelt.[3] Am südlichsten Ende des Ortes sind an beiden Ufern des Mains Anlegestege zu erkennen.[3] In einer Darstellung einige Jahrzehnte später ist die Fährverbindung weiter nördlich, etwa auf der Höhe der Ortsmitte eingezeichnet.[4]

Am 1. April 1971 wurde Schwarzenau im Rahmen der Gemeindegebietsreform Ortsteil von Schwarzach am Main.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Mittelpunkt des Ortes bildet die Laurentiuskirche an der Stadtschwarzacher Straße. Sie war im Mittelalter Teil der Urpfarrei Gerlachshausen, ehe sie 1609 selbstständig wurde. Dominiert wird der Bau von einem sogenannten Julius-Echter-Turm, der auf die Dorfherrschaft des Valentin Echter verweist. Ein Stiftungsrelief im Vorraum zeigt Valentin mit seiner Frau Ottilie.

Neben der Kirche erhebt sich das sogenannte Ingelheimische Schloss. Nachdem es ebenfalls in den Händen der Echter aus Mespelbrunn gewesen war, kamen im 18. Jahrhundert die Freiherren von Erthal in den Besitz. Sie errichteten 1721 das Schloss neu. Als „Altes Schloss“ wird dagegen ein stattliches Herrenhaus an der unteren Dorfstraße bezeichnet.[5] Mehrere Bildstöcke befinden sich in der Flur um das Dorf, der künstlerisch wertvollste ist der Mariä Krönungsbildstock am westlichen Ortsrand.

Etwa ein Dutzend Baudenkmale sind in Schwarzenau erhalten, die größtenteils westlich entlang der Mainstraße liegen.[1]:1:3

Mainfähre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schwarzenau bestand lange Zeit eine Fährverbindung über den Main. Wahrscheinlich entstand die Anlage, um den Schwarzenauern den Besuch der Ägidiuskirche in Gerlachshausen zu ermöglichen. Das Fährrecht war während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Händen der jeweiligen Dorfherren. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts überquerte Napoleon Bonaparte die Brücke. Nachdem die Anlage 1839 in eine fliegende Brücke umgewandelt worden war, verlor sie nach dem Bau der Mainbrücke an Bedeutung und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich aufgegeben.

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzenau ist heute Weinbauort im Anbaugebiet Franken. Eine kleine Weinlage existiert um das Dorf, der Wein wird seit dem Jahr 2009 unter dem Namen Schwarzenauer Rosengarten vermarktet. Schwarzenau ist Teil des Bereichs Volkacher Mainschleife, bis 2017 war man im Bereich Maindreieck zusammengefasst. Die Muschelkalkböden um Schwarzenau eignen sich ebenso für den Anbau von Wein, wie die Lage in der Maingauklimazone, die zu den wärmsten Deutschlands gehört.

Bereits seit dem Frühmittelalter betreiben die Menschen um Schwarzenau Weinbau. Die fränkischen Siedler brachten wohl im 7. Jahrhundert die Rebe mit an den Main. Bereits 1074 wurde erstmals Weinbau in Schwarzenau am sogenannten Leitenberg erwähnt. Im Mittelalter gehörte die Region zum größten zusammenhängenden Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich. Die Menschen betrieben zumeist Nebenerwerbsweinbau zur Selbstversorgung, gleichzeitig bildeten sich bereits Exportzentren insbesondere entlang des Maines heraus. Mit 40 Hektar Rebenfläche wurden die Schwarzenauer Weine zumeist von der einheimischen Bevölkerung konsumiert.

Der Weinbau erlebte nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen umfassenden Niedergang. Vor allem klimatisch weniger begünstige Lagen gab man vollständig auf. Zusätzlich erschwerte das Aufkommen von Schädlingen wie der Reblaus den Anbau, sodass nach 1902 kein Weinbau mehr in Schwarzenau betrieben wurde. Konsolidieren konnte sich die Weinbauregion Franken erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Einsatz von Düngern und verbesserte Anbaumethoden hatten dazu ebenso beigetragen wie die Organisation in Genossenschaften und die Flurbereinigung der 1970er Jahre.[6] Um das Weinbaurecht nicht zu verlieren, rekultivierte ein Schwarzenauer Privatmann einen kleinen Teil der ehemaligen Rebfläche.

Weinlage[7] Größe 2013 Himmelsrichtung Hangneigung Hauptrebsorten Großlage
Rosengarten 0,2 ha[8] Süden unklar Müller-Thurgau Volkacher Kirchberg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ambrosi, Bernhard Breuer: Deutsche Vinothek: Franken. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford2 1993.
  • Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schwarzenau (Schwarzach am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b LfD-Liste für Schwarzach am Main (.pdf)
  2. Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 41.
  3. a b Schwarzenau auf BayernAtlas Klassik um 1810
  4. Schwarzenau auf BayernAtlas Klassik um 1840
  5. Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 42.
  6. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 50–52.
  7. Regierung von Unterfranken: Weinbergslagen in Bayern gegliedert nach Bereichen, PDF-Datei, abgerufen am 16. Mai 2019.
  8. Infranken: Schwarzach hat wieder einen eigenen Wein, abgerufen am 21. Mai 2019.