Sløborn

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Fernsehserie
OriginaltitelSløborn
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch, Dänisch
Jahr2020
Länge47–60 Minuten
Episoden8 in 1 Staffel
GenreDystopie, Drama
RegieChristian Alvart,
Adolfo Kolmerer
IdeeChristian Alvart
DrehbuchChristian Alvart,
Erol Yesilkaya,
Henner Schulte-Holtey,
Siegfried Kamml,
Arend Remmers
ProduktionChristian Alvart,
Timm Oberwelland,
Siegfried Kamml
MusikChristoph Schauer,
Max Filges
KameraChristian Alvart,
Christian Huck
SchnittMarc Hofmeister,
Robert Hauser,
William James
Erstveröffentlichung23. Juli 2020 auf ZDF (Mediathek)
Besetzung

Sløborn ist eine deutsche Fernsehserie, die von Syrreal Entertainment, dem ZDF, Tobis Film und Nordisk Film produziert wurde.[1] Die Serie stammt aus der Feder von Christian Alvart, der als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Kameramann fungierte. In den Hauptrollen spielen Emily Kusche und Wotan Wilke Möhring. Sløborn hatte seine Fernsehpremiere mit einer Ausstrahlung von vier Episoden bei ZDFneo am 23. Juli 2020.[2] Noch am selben Tag wurde die komplette Staffel in der ZDFmediathek erstveröffentlicht. Am 24. Juli erschien die Serie auf Blu-ray und DVD.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sløborn ist eine (fiktive) deutsche Nordseeinsel nahe der Grenze zu Dänemark. Während in den Medien von einer im Ausland auftretenden ansteckenden Krankheit, der Taubengrippe berichtet wird, spielen sich dort alltägliche Szenen ab: Die 15-jährige Evelin Kern bemerkt, dass sie von ihrem Lehrer Milan Gruber schwanger ist; ihre Eltern wollen sich trennen, unter anderem weil ihre Mutter ein Hotelprojekt vor der Küste Sløborns umsetzen, ihr Vater aber in Berlin als Wissenschaftler arbeiten möchte. Zu den Besuchern der touristisch geprägten Insel zählt der bekannte Autor Nikolai Wagner, der hier auf Einladung der Buchhändlerin Merit Ponz weilt, um eine Lesung zu halten. Wagner arbeitet an einem neuen Roman. Er ist pleite, kämpft mit seiner Drogenabhängigkeit und leidet unter einer Schreibblockade. Der Däne Magnus Fisker kehrt zurück nach Sløborn, um ein Rehabilitierungsprojekt mit straffällig gewordenen Jugendlichen zu leiten und mit diesen ein baufälliges Gehöft herzurichten. Evelin setzt sich für ihren Mitschüler Hermann, den Sohn des örtlichen Polizisten ein, der von seinen Mitschülern gemobbt wird.

Als ein Segelboot an der Küste der Insel strandet, finden die Jugendlichen Fiete, Louis und Ole an Bord die Leichen eines amerikanischen Paares. Sie stehlen die Wertsachen und Handys des Paares und verlassen das Boot. Auf dem Handy findet Fiete Aufnahmen, die belegen, dass das Paar an der Taubengrippe erkrankt und gestorben ist. Kurz darauf zeigen auch die drei Teenager erste Symptome. Sie kommen ins Krankenhaus und sterben. Auch weitere Bewohner der Insel, die Kontakt mit den Infizierten hatten, erkranken. Sløborn wird abgeriegelt, es werden unter anderem Blutuntersuchungen, die Pflicht zum Tragen von Masken und eine von der Bundeswehr restriktiv durchgesetzte Ausgangssperre angeordnet. Bei Evelin wird eine mutierte Variante des Virus festgestellt. Ihr Liebhaber Gruber stirbt, jedoch ist sie scheinbar trotz leichter Symptome immun. Für weitere Untersuchungen wird sie deshalb von der Insel ausgeflogen.

Sie wird in eine Klinik nach Kiel gebracht, wo sie auf andere Patienten trifft, an denen offenbar Forschungen zur Herstellung eines Gegenmittels vorgenommen werden sollen, die zum Tod der Patienten führen. In Panik flieht Evelin aus der Klinik. Sie trifft auf ihren Vater, der sie mit nach Berlin in sein Labor nehmen möchte. Sie misstraut auch ihm, flieht aus seinem Auto und kehrt mithilfe eines Fischerbootes zurück nach Sløborn. Dort formiert sich unter den Bewohnern der Insel Widerstand gegen die massiven Eingriffe in ihre Grundrechte. Gemeinsam mit Hermann findet Evelin heraus, dass die Insel evakuiert werden soll, um alle Verdachtsfälle des Infektionsherdes, ob angesteckt oder nicht vom Rest der Bevölkerung zu isolieren. Für die bislang nicht infizierten Bewohner von Sløborn bedeutet dies die sichere Ansteckung und damit den Tod, vermutet Evelin. Sie entzieht sich deswegen mit ihren Geschwistern der Evakuierung, ebenso wie Magnus Fisker und seine Jugendgruppe. Fisker widersetzt sich der Bundeswehr und wird erschossen, so dass Evelin, ihre Brüder, Nikolai Wagner, der auf der Insel seinen Roman vollendet hat, und die Gruppe Jugendlicher als einzige auf der Insel verbleiben. Das Schicksal der evakuierten Bewohner wird nicht aufgeklärt.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie trug ursprünglich den Arbeitstitel „Slow Burn“ (englisch für langsames Verbrennen), da dieser laut Autor und Regisseur Christian Alvart die Idee hinter der Serie, eine Katastrophe in Zeitlupe zu erzählen, verdeutlicht. Daraus entwickelte sich schließlich der finale Name Sløborn, der durch den Buchstaben „Ø“ den Handlungsort im Grenzgebiet zu Dänemark zeigen soll.[3] Das Serienkonzept wurde auf vier Staffeln ausgelegt.[4]

Die Dreharbeiten fanden ab dem 28. August 2019 unter anderem auf der ostfriesischen Insel Norderney und im polnischen Badeort Sopot statt. Einige Szenen entstanden bei dem ehemaligen Torpedowaffenplatz Hexengrund der Luftwaffen-Munitionsanstalt 3/I an der Putziger Wiek, einem Teil der Danziger Bucht nahe Gdynia.[5]

In der Postproduktion vom Dezember 2019 bis Ende Mai 2020 wurden auch einige Verweise auf die aktuelle COVID-19-Pandemie und deren Begleiterscheinungen thematisiert. So wurden etwa Hinweise zur aktuellen Lage angedeutet wie: „Soll ich jetzt etwa Desinfektionsmittel trinken?“[6] Die Überlegung seitens des ZDF, die Serie aufgrund der aktuellen Pandemie zu einem späteren Zeitpunkt auszustrahlen, wurde jedoch verworfen.[7]

Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Original­titel Regie Drehbuch
1 Ankunft Christian Alvart Christian Alvart, Erol Yesilkaya
2 Wirt Christian Alvart Christian Alvart, Henner Schulte-Holtey
3 Komplizen Adolfo Kolmerer Christian Alvart, Henner Schulte-Holtey
4 Wahrscheinlichkeiten Adolfo Kolmerer Christian Alvart, Henner Schulte-Holtey
5 Gegenwehr Adolfo Kolmerer Christian Alvart, Siegfried Kamml
6 Landunter Adolfo Kolmerer Christian Alvart
7 Widerstand Christian Alvart Christian Alvart, Erol Yesilkaya
8 Zuflucht Christian Alvart Christian Alvart, Arend Remmers
Am 23. Juli 2020 wurden alle Episoden der Staffel in der ZDFmediathek veröffentlicht.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Folge von Sløborn erreichte bei der Erstausstrahlung am 23. Juli 2020 in der Hauptsendezeit von ZDFneo 0,69 Millionen Zuschauer. Das entsprach einem Marktanteil von 2,4 Prozent. Die weiteren Folgen erreichten am 23. Juli 2,2, 1,6 und 1,5 Prozent Marktanteil.[8] "Bei keiner anderen Sendung wurde die Reichweite im Nachhinein so stark nach oben korrigiert wie bei der ZDFneo-Serie. Um bis zu 180.000 Zuschauer fiel sie höher aus - das macht dann schon einen großen Unterschied. Die stärkste Episode erreichte somit nun 690.000 Zuschauer, weitere Folgen lagen nur knapp dahinter. Und auch am Freitag konnte die Marke von einer halben Million Zuschauer nun sehr deutlich überschritten werden. Das half wieder dem Marktanteil, der am späten Abend auf mehr als drei Prozent anstieg."[8]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Serie ist großes Event-Kino mit Gänsehaut-Effekt.“

Peter Osteried für Cineman vom 23. Juli 2020

„Aufregende, vielperspektivische, bittere und schmerzhafte acht Folgen (die ersten sieben Folgen 45 Minuten, 60 Minuten der Showdown in der achten), die wir in unserer Gegenwart leider sehr präzise nachvollziehen können und aus denen wir auch vieles lernen sollten. „Sløborn“: ein Muss.“

Viola Bolduan in Echo Online vom 22. Juli 2020

„Manchmal wirkt ‚Sløborn‘ wie eine mit talentierten Schauspielern und herzzerreißenden Konflikten vollgestopfte Teenagerserie, die eher zufällig in die Kulisse einer Seuchenkatastrophe geraten ist. Doch nach und nach rückt Alvart die Mechanismen einer zunehmend hysterisierten Gemeinschaft ins Zentrum des Geschehens – und auch ein paar hochinteressante, sogar komische erwachsene Figuren.“

Wolfgang Höbel in Der Spiegel vom 23. Juli 2020

„Die deutsch-skandinavische Koproduktion ‚Sløborn‘ nähert sich insofern der Tradition britischer Krimidramen wie ‚Broadchurch‘, ‚The Bay‘ oder jüngst ‚Flesh and Blood‘, die gerade deshalb exzellent unterhalten, weil die Autoren Konflikte aus der Psychologie der Figuren beziehen und ihnen, egal ob Protagonist oder Antagonist, Schwächen ebenso wie Erkenntnisprozesse zugestehen. Auch muss sich die Zuschauerschaft darauf einstellen, dass nicht allen Sympathiefiguren ein glückliches Ende vergönnt ist. Auch ein Merkmal dessen, was, der langen Praxis US-amerikanischer Fernsehwissenschaftler folgend, als Qualitätsserie eingestuft wird.“

Harald Keller in Frankfurter Rundschau.de aktualisiert am 24. Juli 2020

„Großes Kino. Acht Stunden lang.“

Elmar Krekeler in der Welt vom 23. Juli 2020

„‚Sløborn‘ kommt mit Warnhinweis ins Programm. […] Die hier gezeigte ‚Pflicht zum Widerstand‘, die Bürgerwehren, der dystopische Verlauf wirken dennoch wie aus dem Katalog der Verschwörungsmythen von rechts. Was noch ins Auge fällt, ist die Bildpräsenz der Automarke mit dem Stern. Ohne Mercedes geht auf der Insel der Todgeweihten wenig. Wen es beruhigt: Bei allem Geballer auf Sløborn bleibt eins bestehen – deutsche Wertarbeit. Die Serie selbst fällt krachend in sich zusammen.“

Heike Huperz in FAZ.net aktualisiert am 23. Juli 2020

„Eine tödliche Taubengrippe, die die Menschheit in Angst und Schrecken versetzt, eine Staatsmacht, die die Isolierung mit Gewalt durchsetzt: Die Serie Sløborn wurde lange vor der Corona-Pandemie geschrieben und gedreht. Und doch erlebt man das ein oder andere Dé­jà-vu in dieser ZDF-Serie, die extrem professionell produziert ist.“

Claudia Tieschky in der Videokolumne von Süddeutsche Zeitung vom 26. Juli 2020

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sløborn, TV-Serie, 2019–2020 | Crew United. Abgerufen am 23. Juli 2020.
  2. Series | ZDF Enterprises. Abgerufen am 23. Juli 2020.
  3. Kino Plus: Kino+ #308 | Sløborn, Out of Play, Yummy (ab 1:40:15) auf YouTube, 24. Juli 2020, abgerufen am 24. Juli 2020.
  4. Kino Plus: Kino+ #308 | Sløborn, Out of Play, Yummy (ab 1:46:00) auf YouTube, 24. Juli 2020, abgerufen am 25. Juli 2020.
  5. Torpedownia z Babich Dołów dorobiła się dublerki – Zagra w niemieckim serialu „Sloborn“, aufgerufen am 27. Juli 2020 (polnisch)
  6. Heike Hupertz: Im Virusnahkampf wird gemetzelt; FAZ.net, aktualisiert am 23. Juli 2020; abgerufen am 24. Juli 2020
  7. Claudia Tieschky: Nein, das ist nicht die Serie zu Corona; Süddeutsche.de vom 22. Juli 2020; abgerufen am 24. Juli 2020
  8. a b Sløborn deutlich erfolgreicher als gedacht aufgerufen am 27. Juli 2020