Sputnik (Nachrichtenportal)

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Logo von Sputnik (in der deutschsprachigen Ausgabe ohne Schriftzug)

Sputnik (russisch „Weggefährte“ oder „Begleiter“) ist der Name eines international tätigen, mehrsprachigen Radiosenders und Nachrichtenportals des staatlichen russischen Medienunternehmens Rossija Sewodnja, das auch den Fernsehkanal Russia Today betreibt.[1] In der deutschsprachigen Ausgabe firmiert das Portal seit 2020 als einzige Ausnahme unter SNA (Sputnik News Agency).

Generaldirektor Dmitri Kisseljow sagte bei der Gründung 2014, der Dienst richte sich an ein Auditorium, das „alternative Meinungen“ suche.[2] Auf seiner deutschsprachigen Seite wirbt das Portal mit der Aussage: „Sputnik berichtet über das, worüber andere schweigen.“ Sputnik zeige den Weg „zu einer multipolaren Welt, die auf der Achtung der nationalen Interessen, Kultur, Geschichte und Traditionen eines jeden Landes aufgebaut ist.“[1] Kritiker sehen den Sender als Werkzeug der russischen Regierung, um eigene Propaganda in anderen Ländern zu verbreiten.[1][3]

Organisation und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sputnik ist seit dem 10. November 2014 im Netz. Es gab 2015 an, Redaktionen an 130 Standorten in 34 Ländern zu haben und in 30 Sprachen zu senden.[4]

Sputnik übernahm unter anderem die Mitarbeiter der Nachrichtenagentur RIA Novosti und des ehemaligen Auslandsrundfunks Stimme Russlands, dessen Programm kurzzeitig unter dem Sendenamen Radio Sputnik firmierte. RIA Novosti war Russlands internationale Nachrichtenagentur, bis sie 2013 aufgelöst wurde. Auf Anordnung des Präsidenten wurde am 9. Dezember 2013 die neue Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja gegründet, mit Dmitri Kisseljow als Generaldirektor.[5][6]

Das Investitionsbudget soll 2015 15,4 Milliarden Rubel (etwa 263,2 Millionen Euro) betragen haben, 41 Prozent mehr als 2014. Für „Sputnik News“ sollen zusätzlich 6,48 Milliarden Rubel vorgesehen gewesen sein.[1] Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung kontaktierte Sputnik Mitte 2015 deutsche Sender mit dem Wunsch, Sendezeit zu erwerben. In dem Schreiben, das von Sputniknews als echt bestätigt worden sei, hieß es, Sputnik wolle „die Zuhörerschaft in Deutschland erweitern“ und biete „alternative Nachrichteninhalte zum Weltgeschehen“. Ein deutscher Sender (Stand: 2. September 2015) habe die Sputnik-Inhalte übernommen: Mega Radio SNA.[7][8]

Am 8. Dezember 2020 wurde die deutschsprachige Website als bisher einzige einem Rebranding unterzogen. Die Adresse wechselte von 'de.sputniknews.com' zu 'snanews.de'. In diesem Zuge wurde der Name 'Sputnik' gegen 'SNA' (Sputnik News Agency) ausgetauscht. Nach eigenen Angaben[9] ist SNA Teil der aus Steuermitteln der Russischen Föderation finanzierten internationalen Mediengruppe „Rossija Sewodnja“, die eine breite Palette von Informations- und Medienseiten sowie Radiosendungen und News-Feeds umfasst, die unter anderem auf Russisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Chinesisch, Spanisch, in arabischen Sprachen und auf Farsi berichten. Mit Ausnahme der deutschsprachigen Website treten alle anderen 29 Sprachversionen weiterhin unter dem Label "Sputnik" auf (Stand Juli 2021).

Mediale Reichweite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meedia-Chefredakteur Stefan Winterbauer rechnet Sputnik News, mit etwa 600.000 Social-Media-Interaktionen im Februar 2016, zu den erfolgreichsten „sogenannten Alternativmedien“ „aus einem rechten Paralleluniversum“. Er vermutet dabei auch viele Russlanddeutsche unter den deutschen Konsumenten.[4] Bei der medialen Durchdringung im deutschsprachigen Raum hat Sputnik seit 2015 gegenüber dem, angeblich erfolgreicheren, Fernsehsender RT in den Sozialen Netzwerken Marktanteile verloren.[10] Durch geschickte Suchmaschinenoptimierung habe es Sputnik News dennoch geschafft, seine Google-News-Ergebnisse höher zu platzieren.[1]

Politische Ausrichtung und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julian Hans schrieb in der Süddeutschen Zeitung, Sputnik sei ein neuer Versuch, russische Staatspropaganda in Deutschland zu verbreiten.[7] Nach Ansicht des Moskauer ARD-Hörfunkkorrespondenten Markus Sambale sehe sich Wladimir Putin in einem Informationskrieg mit dem Westen, den er mit der Pressefreiheit widersprechenden Mitteln führe.[11] Die FAZ kritisierte, Interviewpartner würden bei Sputnik emotional aufgeladenen Suggestivfragen ausgesetzt, deren Beantwortung sie zu missverständlichen Antworten verführe.[1]

Ein Bericht über eine erfundene Vergewaltigung einer russischstämmigen Schülerin durch Migranten in Berlin (der Fall Lisa) wurde maßgeblich von Sputnik verbreitet, was zu beträchtlicher Unruhe unter Russlanddeutschen bis hin zu Demonstrationen mit mehreren hundert Teilnehmern auch vor dem Kanzleramt führte. Die Falschbehauptungen wurden in der Folge auch von rechtsextremen Kreisen aufgegriffen und gegen Flüchtlinge und die Migrationspolitik der Bundesregierung instrumentalisiert.[12][13] Der russische Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow unterstellte den deutschen Ermittlungsbehörden, eine Vergewaltigung zu vertuschen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte daraufhin seinen russischen Amtskollegen scharf und warnte davor, die wahrheitswidrigen Berichte für „politische Propaganda“ zu instrumentalisieren.[14] Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, erklärte in diesem Zusammenhang, seit der Gründung des Nachrichtenportals Sputnik im Jahr 2014 gebe es eine massive Propaganda mit häufig ausländerfeindlicher und rechtsradikaler Ausrichtung; die sozialen Medien würden vom Kreml systematisch zur Stimmungsmache genutzt.[15]

Im Zusammenhang mit dem Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union hatten, nach Einschätzung angesehener Pressemedien, Sputnik und Russia Today in ihrer Berichterstattung Anfang Februar 2016 systematisch die „Out“-Position unterstützt.[16][17] Befürworter des EU-Austritts wurden doppelt so häufig zitiert wie Gegner, ihre Stellungnahmen wurden auffälliger positioniert (z. B. in der Überschrift) und ihnen wurde in den Artikeln mehr Raum gegeben. Warnungen, der EU-Austritt könne sich negativ auf die Wirtschaft auswirken, wurden in redaktionellen Kommentaren u. a. als „Panikmache“ bezeichnet. Texte enthielten Wertungen und Pejorativa, etwa die Behauptung, David Cameron suche „verzweifelt“ nach einer Einigung mit EU-Vertretern oder der ausgehandelte Kompromiss im Februar bedeute für Cameron einen „ernsthaften Schritt abwärts“.[18]

In einer im August 2016 veröffentlichten Studie des Center for European Policy Analysis über den Einfluss des Sputnik in Ost- und Zentraleuropa wird dessen Vorgehensweise als „einseitige Feindseligkeit gegenüber dem Mainstream“ beschrieben. Sputnik gewähre den Protest-, Anti-Establishment- und pro-russischen Abgeordneten in diesen Ländern eine überproportionale Berichterstattung; dies sei systematisch, und selbst wenn es sich um Mainstream-Politiker handele, würden nur diejenigen Kommentare ausgewählt, die die Darstellung eines korrupten, dekadenten und russophoben Westens weiter untermauerten.[19]

Der französische Präsident Emmanuel Macron griff bei seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die russischen Medien Sputnik und Russia Today (RT) an. Macron sagte, ihre Mitarbeiter seien keine Journalisten, sondern „Werkzeuge der Einflussnahme und der Propaganda – der falschen Propaganda“. Macron begründete damit, warum er ihren Mitarbeitern keinen Zugang zu seinem Wahlkampf gewährt hatte. Er erinnerte außerdem daran, dass RT und Sputnik Unwahrheiten über sein Privatleben verbreitet hatten, nämlich dass er homosexuell sei.[20][21]

Der amerikanische Journalist Andrew Feinberg war mehrere Monate lang für Sputnik als Korrespondent im Weißen Haus tätig, bevor er im Mai 2017 entlassen wurde. Nach seinem Zeugnis diente seine Arbeit nicht dazu, die Geschehnisse korrekt zu beschreiben, sondern primär dazu, die US-Politik als heuchlerisch oder zweifelhaft darzustellen. Zum endgültigen Zerwürfnis sei es über seine Weigerung gekommen, offensichtlich haltlosen Unterstellungen gegen Hillary Clinton nachzugehen.[22]

Das Bundesamt für Verfassungsschutz führt in seinem Jahresbericht für 2018 aus, dass Sputnik einer der wichtigsten Akteure bei der verschleierten und subtilen Beeinflussung der deutschen Öffentlichkeit durch russische Staatsmedien sei.[23]

2019 zählte der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV) Frank Überall Sputnik zu den „Propagandainstrumenten des Kremls“.[24]

Auch während der COVID-19-Pandemie gehörte Sputnik zu den russischen Medien, die propagandistisch eingefärbte Darstellungen und Falschnachrichten im Ausland weitergaben. So verbreitete das Nachrichtenportal über Facebook und Twitter die falsche Information, wonach zur Vorbeugung von Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 „Händewaschen nichts nutzt“. Der englische Dienst von Sputnik warnte vor „autoritären Trends“ in Europa im Gefolge der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Felix-Emeric Tota: Propagandakanal „Sputnik News“: Diese Nachrichten sind ganz nach Putins Geschmack. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. Juni 2018]).
  2. Hubertus Volmer: „Medienkrieg mit dem Westen: Russland bringt Sputnik an den Start“, n-tv, 12. November 2014. Abfragedatum: 31. Dezember 2014.
  3. Frank Rauschendorf: Sputnik – Russland in der Nachrichten-Offensive. Auf: Arte.tv, 12. Februar 2015.
  4. a b Kopp, Sputnik, Epoch Times & Co: Nachrichten aus einem rechten Paralleluniversum › Meedia. Abgerufen am 12. Juni 2018.
  5. Указ о мерах по повышению эффективности деятельности государственных СМИ. In: Kremlin.ru. Abgerufen am 21. Januar 2018 (russisch).
  6. Путин ликвидировал РИА Новости. In: Lenta. 9. Dezember 2013, abgerufen am 21. Januar 2018 (russisch).
  7. a b Julian Hans: Russische Propaganda in Deutschland: Liniengrüße aus Moskau. In: sueddeutsche.de 2. September 2015.
  8. „Mega Radio SNA startet auf DAB+“, rein-hoeren.de, 17. Februar 2015.
  9. SNA Nachrichten – Eilmeldungen, Schlagzeilen & News aktuell. Abgerufen am 10. Dezember 2020.
  10. http://www.russland.news/bald-eine-million-follower-fuer-deutschsprachige-russland-nachrichten/
  11. „Operation ‚Sputnik‘. Putins Medienoffensive“ (Memento vom 2. Januar 2015 im Internet Archive), WDR 2, 11. November 2014. Abfragedatum: 17. Januar 2020.
  12. Katja Bauer: Erfundene Vergewaltigung Der „Fall Lisa“ und sein bitteres Nachspiel, Stuttgarter Nachrichten vom 20. Juni 2017
  13. Felicitas von Lovenberg (Herausgeberin): Wir haben die Wahl: Warum wir gerade jetzt für unsere Freiheit einstehen sollten, Piper Verlag, München 2017, ISBN 978-3-492-97838-5, E-Book ohne Seitenzahl, zweite Seite des von Stefan Orth verfassten Beitrages Fauler Hering
  14. Berlin: Steinmeier weist Lawrow in die Schranken. In: Die Zeit. 27. Januar 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 14. November 2017]).
  15. Die Welt: „Man hat die reingelassen. Und uns gibt man nichts!“, Artikel über die Beeinflussung von Russlanddeutschen durch russische Medien, 31. Januar 2016, abgerufen am 4. Februar 2017
  16. Ivan Nechepurenko und Neil MacFarquhar: Despite Russia's Somber Facade, Glimpses of Joy Over E.U. Referendum. In: The New York Times, 24. Juni 2016.
  17. Ben Judah: Those who call for Brexit are handing European power to the Kremlin. In: The Independent, 9. März 2016.
  18. Ben Nimmo: Lobbying for Brexit: How the Kremlin's media are distorting the UK's debate (Memento vom 26. Juni 2016 im Internet Archive). In: The Institute for Statecraft, 13. Februar 2016.
  19. CEPA: Winning the Information War, erschienen im August 2016, darin: Case study: Sputnik, S. 37 ff. (englisch, pdf)
  20. spiegel.de 30. Mai 2017
  21. zeit.de 24. Februar 2017: Macron ist schwul, NOT! (Rekonstruktion einer Fake-News)
  22. My Life at a Russian Propaganda Network. In: POLITICO Magazine. (politico.com [abgerufen am 25. August 2017]).
  23. Bundesamt für Verfassungsschutz, Verfassungsschutzbericht 2018, Berlin 2019, Seite 287
  24. Wir geben uns für Propaganda nicht her. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. April 2019, S. 15.
  25. Thomas Gutschker: Desinformation aus Russland: „Händewaschen nutzt nichts“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. April 2020, abgerufen am selben Tag.