Steckenkräuter

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Steckenkräuter
Riesenfenchel (Ferula communis)

Riesenfenchel (Ferula communis)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Steckenkräuter
Wissenschaftlicher Name
Ferula
L.

Die Steckenkräuter (Ferula wird volksetymologisch von lateinisch: ferire für "schlagen" hergeleitet, denn es ist verbürgt, dass der leichte, trockene Stecken zum Schlagen verwendet wurde; die wahre Herkunft des Namens ist jedoch nicht bekannt.[1]), sie werden auch Rutenkräuter oder Riesenfenchel genannt, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die 170 bis 185 Arten sind hauptsächlich im Mittelmeerraum von Nordafrika bis Südwest- und in Zentralasien verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration von (1-13) Ferula tunetana und (14-15) Ferula longipes
Habitus und Blätter des Riesenfenchels (Ferula communis)
Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen von Ferula gummosa
Verzweigter Gesamtblütenstand, der aus doppeldoldigigen Teilblütenständen zusammengesetzt ist, des Riesenfenchels (Ferula communis)
Doppelachänen des Riesenfenchels (Ferula communis)

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steckenkraut-Arten sind mehrjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen, es finden sich sowohl hapaxanthe Arten, die nur einmal in ihrem Leben blühen, wie auch pollakanthe Arten, die jährlich Blüten tragen. Einige Arten erreichen Wuchshöhen von bis zu 4 Metern. Auffällig ist der knoblauchähnliche Geruch der meisten Arten. Alle Steckenkraut-Arten haben Pfahlwurzeln, die zumeist verholzt sind. Der Stängel ist verzweigt und an der Basis häufig mit alten Fasern aus den Blattscheiden umhüllt.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert.[2] Die oft breite Blattscheide umhüllt oft den Stängel; bei manchen Arten sind die Blattscheiden sehr haltbar und zerfasern. Die zusammengesetzten Blattspreiten sind und zwei- bis vierfach gefiedert oder zwei- bis vierfach eingeschnitten.[2]

Blütenstände, Blüten und Früchte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In doppeldoldigen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen. In der Regel sind keine Hüllblätter (Hüllchen) vorhanden, kommen aber bei einigen Arten vor.[2]

Bei einigen Arten gibt es an einem Exemplar eingeschlechtige (rein männliche) und zwittrige Blüten. Die Blüten sind fünfzählig und radiärsymmetrisch.[2] Die fünf Kronblätter sind gelb oder blassgelb (selten grünlich-gelb) und oval bis lanzettförmig mit einer angeschärften Spitze. Der Griffel ist konisch, zur Basis hin manchmal erweitert oder gelappt. Der unterständige Fruchtknoten ist zweikammerig.

Es werden zweiteilige Zerfallfrüchte (Doppelachänen) von elliptischer Form gebildet, bei denen die lateralen Rippen geflügelt sind. Die Samen sind abgeflacht oder leicht konkav.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Ferula wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Synonyme für Ferula L. sind Buniotrinia Stapf & Wettst., Leutea Pimenov, Merwia B.Fedtsch., Narthex Falc., Schumannia Kuntze, Scorodosma Bunge, Soranthus Ledeb., Euryangium Kauffm., Sumbulus H.Reinsch, Talassia Korovin.[2][3][4]

Steckenkraut-Arten sind in Nordafrika, Zentral- und Südwestasien sowie im Mittelmeerraum verbreitet. Es gibt auch Arten im nördlichen Indien. In der Volksrepublik China kommen 26 Arten vor, sieben davon nur dort.[2] In der Türkei kommen 20 Arten vor, elf davon nur dort. Das Zentrum der Artenvielfalt ist Zentral- sowie Südwestasien.

Asant (Ferula assa-foetida)
Riesenfenchel (Ferula communis)
Riesenfenchel (Ferula communis), fruchtend
Habitus und doppeldoldige Blütenstände von Ferula linkii
Habitus und doppeldoldige Blütenstände von Ferula ovina

Es gibt etwa 170 bis 185 Ferula-Arten:[2][3][4]

Silphium auf einer Münze von Kyrene
  • Silphium, eine in Libyen vorkommende Pflanze, war vermutlich eine Art der Gattung Ferula (Ferula historica). Sie ist wohl ausgestorben.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferula persica liefert das Serapinharz.[5]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renata Kurzyna-Młynik, Alexei A. Oskolski, Stephen R. Downie, Rafał Kopacz, Aneta Wojewódzka, Krzysztof Spalik: Phylogenetic position of the genus Ferula (Apiaceae) and its placement in tribe Scandiceae as inferred from nrDNA ITS sequence variation. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 274, 2008, S. 47–66. doi:10.1007/s00606-008-0022-2 PDF. (Abschnitt Systematik)
  • She Menglan (佘孟兰 Sheh Meng-lan), Mark F. Watson: Ferula, S. 174 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 14 - Apiaceae through Ericaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2005. ISBN 1-930723-41-5 (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
  • Zeynep Elibol, Yusuf Menemen, Mehmet Sağiroğlu, Hayri Duman, Fen Edebiyat: A molecular phylogenetic study on some Turkish Ferula L. (Apiaceae) species using nrDNA its sequences. In: Pakistan Journal of Botany, Volume 44, Issue 2, 2012, S. 589–594: Volltext-PDF. (Abschnitt Systematik)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser Verlag, 3. Aufl. 1989. ISBN 3764323906, S. 247.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag She Menglan (佘孟兰 Sheh Meng-lan), Mark F. Watson: Ferula, S. 174 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 14 - Apiaceae through Ericaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2005, ISBN 1-930723-41-5.
  3. a b Ferula im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen im 25. Mai 2014.
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh R. Hand, 2011: Apiaceae.: Ferula Datenblatt In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  5. Dieter Lehmann: Zwei wundärztliche Rezeptbücher des 15. Jahrhunderts vom Oberrhein. Teil I: Text und Glossar. Horst Wellm, Pattensen/Han. 1985, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 34), ISBN 3-921456-63-0, S. 254.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steckenkräuter (Ferula) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marcin Piwczyński, Dominika WyborskaJoanna Gołębiewska, Radosław Puchałka: Phylogenetic positions of seven poorly known species of Ferula (Apiaceae) with remarks on the phylogenetic utility of the plastid trnH-psbA , trnS-trnG , and atpB-rbcL intergenic spacers. In: Systematics and Biodiversity März 2018. doi:10.1080/14772000.2018.1442374
  • Mehrnoush Panahi, Łukasz Banasiak, Marcin Piwczyński, Radosław Puchałka, Alexei A. Oskolski,

Krzysztof Spalik: Phylogenetic relationships among Dorema, Ferula and Leutea (Apiaceae: Scandiceae: Ferulinae) inferred from nrDNA ITS and cpDNA noncoding sequences. In: Taxon 64, Issue 4, August 2015. doi:10.12705/644.8