Tangeln

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Tangeln
Gemeinde Beetzendorf
„In Silber ein grüner Schildhauptpfahl, belegt mit einem silbernen Wellenfaden, beseitet von je einem steigenden grünen Eichenblatt“
Koordinaten: 52° 40′ 43″ N, 11° 1′ 44″ O
Höhe: 50 m
Fläche: 19,01 km²
Einwohner: 329 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2009
Eingemeindet nach: Beetzendorf
Postleitzahl: 38489
Vorwahl: 039007
Tangeln (Sachsen-Anhalt)
Tangeln

Lage von Tangeln in Sachsen-Anhalt

Dorfplatz Tangeln
Dorfplatz Tangeln

Tangeln ist ein Ortsteil der Gemeinde Beetzendorf im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Tangeln liegt am Tangelnschen Bach, der bereits nach wenigen Kilometern in die Jeetze mündet. Der Bach, der bei Mellin entspringt, bildet hier ein Hangquellenmoor, das als Flächennaturdenkmal geschützt ist. Teil des Quellgebietes ist der „Taufkessel“, wo der Sage nach Bonifatius heidnische Sachsen getauft haben soll. Der Tangelnsche Bach durchfließt weiterhin das NaturschutzgebietBeetzendorfer Bruchwald und Tangelnscher Bach“. Der Lebensraum vieler seltener Pflanzen- und Tierarten ist auch als FFH-Gebiet ausgewiesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tangeln wurde erstmals 1182 urkundlich erwähnt, als bei der Kirchweihe in Ristedt am 8. November 1182 durch Bischof Tammo von Verden ein Burchardus aus Tangeln zugegen war.[2]

Die erhaltenen Großsteingräber bei Tangeln und Funde aus vor- bzw. frühchristlicher Zeit ließen auf eine weitaus frühere Besiedelung der Umgebung schließen. Die Dorfanlage war hufeisenförmig (Rundling).

Der Historiker Peter P. Rohrlach weist darauf hin, dass sich die Erwähnung von Tangern in der Liste der Burgen in der Altmark im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375, die Johannes Schultze im Register Tangeln zuordnet, tatsächlich „wohl Angern betrifft, dort gab es eine Burg, in Tangeln nicht“.[3] Im Landbuch ist eine Burg Tangern im Besitz der Familie von Eichendorff aufgeführt.[4]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Neuemühle mit der Landgemeinde Tangeln vereinigt.[5]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat Tangeln am 29. Oktober 2008, dass die Gemeinde Tangeln in die Gemeinde Beetzendorf eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2009 in Kraft. Damit wurden Tangeln und Neumühle Ortsteile der Gemeinde Beetzendorf.[6][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 105
1774 169
1789 113
Jahr Einwohner
1798 166
1801 166
1818 105
Jahr Einwohner
1840 317
1864 503
1871 509
Jahr Einwohner
1885 520
1885 271
1895 550
Jahr Einwohner
1900 1562
1905 556
1910 542
Jahr Einwohner
1925 563
1933 521
1939 496
Jahr Einwohner
1946 754
1964 825
1971 828
Jahr Einwohner
1981 721
1993 565
2006 387
Jahr Einwohner
2007 365
2015 344
2018 329

Quellen:[3][8][1] und andere.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Tangeln gehörte zur Pfarrei Ahlum.[9] Heute gehört die Kirchengemeinde zum Pfarrbereich Rohrberg[10] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber ein grüner Schildhauptpfahl, belegt mit einem silbernen Wellenfaden, beseitet von je einem steigenden grünen Eichenblatt.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Tangeln von Südwesten

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kirche des Ortes stammt aus der Zeit um 1500 und gehört zu den sieben „verkehrten“ Kirchen der Altmark, deren Turm nicht nach Westen, sondern nach Osten steht. Die Kirchturmspitze trägt die Jahreszahl 1182.[11] Als eines von wenigen Gebäuden des Ortes blieb der Kirchturm aus Feld- und Backstein bei einer Brandkatastrophe am 27. Dezember 1831 vom Feuer verschont. Die Kirche ist eine Filialkirche der Kirche in Ahlum.
  • Am Tangelschen Bach steht eine Wassermühle, an südlichen Ortsausgang sind Reste einer Turmholländerwindmühle zu finden.

Sprichwort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das plattdeutsche altmärkische Sprichwort „De is nich von Jeeben, de is von Tangeln“ bezieht sich auf die Nachbardörfer Jeeben und Tangeln sowie auf die Verben „jeeben“ (geben) und „tangeln“ (etwas zu ergreifen suchen).[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Wernstedt (* 1940), deutscher Pädagoge und SPD-Politiker, wuchs in Tangeln auf und erforschte die Ortsgeschichte

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Zweiter oder topographischer Theil. In: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. W. Heinrichshofen, Magdeburg 1842, 4. Beschreibung der einzelnen landräthlichen Kreise. XII. des Kreises Salzwedel. 160. Tangeln, S. 348 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA348~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 155–156.
  • Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
  • Joachim Stephan: Die Vogtei Salzwedel. Land und Leute vom Landesausbau bis zur Zeit der Wirren. Dissertation Humboldt-Universität zu Berlin 2003 (= Klaus Neitmann [Hrsg.]: Quellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 17). Peter Lang. Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54808-7.
  • Rolf Wernstedt: Die Schlacht am Tangelnschen Bach und andere Geschichten aus der Tangelner Dorfgeschichte. Dr. Ziethen Verlag, Oschersleben 2009, ISBN 978-3-938380-94-9
  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark. Band 2: L–Z. In: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII; Klaus Neitmann [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 68; Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt. Reihe A. Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts. Band 23). 2 Bände, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, Tangeln nnw Klötze, S. 2190–2193.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tangeln (Beetzendorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf: Einwohner der Ortsteile am 31. Dezember für die Jahre 2015 und 2018. 6. Juni 2019.
  2. Klaus Pacholik: Die Kirche in Ristedt. Klötze 17. Juni 2017, S. 4 (PDF; 4,9 MB [abgerufen am 27. Januar 2018]).
  3. a b Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 2190–2193.
  4. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 63, 452 (uni-potsdam.de).
  5. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 216.
  6. StBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009
  7. Amtsblatt für den Altmarkkreis Salzwedel vom 28. Januar 2009, Nr. 1 (Memento vom 26. Juli 2015 im Internet Archive)
  8. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 155–156.
  9. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 23 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 28. Januar 2018]).
  10. Pfarrbereich Rohrberg. Abgerufen am 28. Januar 2018.
  11. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 484–485.
  12. K. Lehrmann, W. Schmidt: Die Altmark und ihre Bewohner. Beiträge zur altmärkischen Volkskunde. Band 2, S. 341.