Teva

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Teva Pharmaceutical Industries)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Teva Pharmaceutical Industries Ltd.
Logo
Rechtsform Public Company (haftungsbeschränkt)
ISIN IL0006290147
Gründung 1901
Sitz Petach Tikwa IsraelIsrael Israel
Leitung Kåre Schultz, Präsident und CEO
Mitarbeiter 56.960 (31. Dez. 2016)[1]
Umsatz 21,9 Mrd. USD (2016)[1]
Branche Pharmazie
Website www.tevapharm.com

Teva Pharmaceutical Industries Limited (hebräisch טבע תעשיות פרמצבטיות בע"מ) ist ein israelisches Pharmaunternehmen, das weltweit tätig ist. Es gehört zu den 10 führenden Herstellern von Arzneimitteln weltweit und gilt als Weltmarktführer bei Generika.

Der Konzern ist in über 70 Ländern aktiv und erwirtschaftete 2016 global knapp 22 Milliarden US-Dollar Umsatz mit nahezu 57.000 Beschäftigten.[1] Teva ist spezialisiert auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Arzneimitteln wie Spezialtherapeutika, Generika und freiverkäufliche Medikamente (OTC-Arzneimittel) sowie Arzneistoffen.

Das 1901 gegründete Unternehmen ist im TA-100 Index an der Tel Aviv Stock Exchange gelistet und notiert an der New York Stock Exchange (NYSE: TEVA). Es gehört gemäß Forbes Global 2000 zu den 500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt (Stand Mai 2017: Platz 485 mit einer Marktkapitalisierung von 32,4 Milliarden USD).[2]

Der Forschung und Entwicklung am Standort Deutschland kommt eine zentrale Rolle im Konzern zu. Zu Teva Deutschland gehört u. a. Ratiopharm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teva (hebräisch für ‚Natur‘) wurde 1901 in Jerusalem als Drogerie unter dem Namen Salomon, Levin und Elstein Ltd. gegründet und war zunächst ein reines Vertriebsunternehmen für importierte Medikamente. Ab 1930 kam es in der Folge der Einwanderung hochqualifizierter Wissenschaftler nach Israel zur Gründung erster Labore, die Medikamente herstellten; viele dieser Labore gingen später in Teva auf.

Nach einer starken Expansion der Pharmaindustrie ab dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging Teva als eines der ersten Pharmaunternehmen 1951 an die Tel Aviver Börse. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte kam es zu Konzentrations- und Konsolidierungsprozessen; 1976 wurde die Teva Pharmaceutical Industries Ltd. gegründet.

Teva-Fabrik, Kfar Saba, Israel, 2015

International expandiert das Unternehmen seit den 1980er Jahren; der erste Schritt erfolgte in die Vereinigten Staaten. 1982 wurde die Fabrik in Kfar Saba (Ikapharm) von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen,[3] was den Grundstein für die Erschließung des amerikanischen Marktes markiert. In den 1990er Jahren wurde Teva durch weitere Expansion, so der Gründung von Teva Pharmaceutical USA in 1992 und auch Übernahmen in Europa wie 1992 von GRY Pharma und damit verbundenem Markteinstieg in Deutschland,[4] zu einem der 25 weltweit führenden Arzneimittelhersteller.

Teva Canada, Markham, Ontario, 2015

Im Jahr 2000 erfolgte die Übernahme des kanadischen Generikaherstellers Novopharm (seit 2010: Teva Canada). 2004 erwarb Teva die kalifornische Sicor Inc. für 3,4 Milliarden US-Dollar. Im Januar 2006 übernahm Teva das US-amerikanische Pharmazieunternehmen Ivax, das zu den zehn größten Generikaherstellern weltweit gehörte; Teva wurde dadurch Weltmarktführer im Generikamarkt.

Im Januar 2009 wurde die 2008 begonnene Übernahme von Barr Pharmaceuticals, dem global viertgrößten Generikaunternehmen, nebst dessen globalen Beteiligungen wie dem kroatischen Arzneimittelhersteller Pliva und dem deutschen Unternehmen AWD.pharma vollzogen.

Im März 2010 kaufte Teva den deutschen Generikahersteller Ratiopharm für über 3,6 Milliarden Euro.[5] Durch diese Übernahme, die im August 2010 von der EU-Kommission unter Auflagen genehmigt wurde,[6] wurde Teva Marktführer auf dem europäischen Markt für Generika.[7] Beinahe Zeitgleich wurde das Arzneimittelwerk Dresden (AWD.pharma) mit Sitz im Radebeul Wasa Park geschlossen (Der Vorgang dauerte bis Ende 2012).

Im Oktober 2011 übernahm Teva das US-Pharmaunternehmen Cephalon. Im November 2011 wurde die Gründung des Joint Ventures PGT Healthcare mit Procter & Gamble verkündet, das im OTC-Bereich in allen Märkten abseits der Vereinigten Staaten aktiv sein soll.[8]

2015 übernahm Teva das Generikageschäft des irischen Pharmakonzerns Allergan für 40,5 Milliarden US-Dollar – 33,75 Milliarden Dollar in bar, der Rest in Aktien, wodurch Allergan rund 10 Prozent der Anteile an Teva erhielt.[9][10]

2017 geriet Teva in Schwierigkeiten. Schon zu Jahresbeginn fielen die Aktien, Im August wurde ein Stellenabbau von 7000 Mitarbeitern, 350 in Israel, angekündigt. Im Oktober verlor der Konzern einen Patentstreit gegen Mylan vor dem britischen OGH.[11][12]

Leiter

Zeitraum CEO
1976–2002 Eli Hurvitz
2002–2007 Israel Makov
2007 – Mai 2012 Shlomo Yanai
Mai 2012 – Oktober 2013 Jeremy Levin
Februar 2014 – Februar 2017 Erez Vigodman
Februar 2017 – Oktober 2017 Yizhak Peterburg (interim)[13]
seit 1. November 2017[14] Kåre Schultz

Produkte und Märkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teva ist in zwei Segmenten tätig:[1]

Generische Arzneimittel (generic medicines)
Neben Generika umfasst dieses Segment das OTC-Geschäft, das Arzneistoffgeschäft und das Fertigungsgeschäft in Zusammenhang mit dem Joint Venture mit Procter & Gamble. Im Jahr 2016 trug es 55 % zum Konzernumsatz bei; 38 % der Umsätze des Segments wurden in den Vereinigten Staaten, 30 % in Europa und 32 % im Rest der Welt erzielt.
Spezialmedikamente (speciality medicines)
Dieses Segment umfasst im Kern das Zentralnervensystem betreffende Medikamente wie Copaxone (Multiple Sklerose) und Azilect (Parkinson-Krankheit) sowie Mittel zur Behandlung von Atemwegserkrankungen. Es umfasst ferner Produkte in anderen therapeutischen Bereichen wie der Onkologie und der Frauengesundheit. Der Umsatzanteil belief sich 2016 auf 40 %.

Zusätzlich zu diesen beiden Segmenten ist Teva u. a. als Distributor für Drittanbieter tätig, deren Produkte sie in den Vereinigten Staaten, in Israel und in Ungarn vertreiben.[1]

Die Produkte des Unternehmens werden in über 120 Ländern vertrieben. Sie werden unter den Marken Teva, AWD, Ivax, Gry, Ratiopharm, CT und AbZ vertrieben.[15]

Seit 2006 gilt Teva als Weltmarktführer der Generikahersteller.[16][17]

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 31. Dezember 2016 wurden rund 81,7 % der Stammaktien in Form von American Depositary Shares (ADS, Aktienzertifikate) durch 3183 Aktionäre gehalten, im Wesentlichen durch US-Bürger bzw. -Unternehmen.[1]

Stand Februar 2017 waren folgende Großaktionäre bekannt: Das irische Pharmaunternehmen Allergan besaß ADSs entsprechend ca. 9,9 % der ausstehenden Aktien von Teva, die einer im August 2016 getroffenen Aktionärsvereinbarung mit bestimmten Beschränkungen für Allergan einschließlich eines einjährigen Übertragungsverbots für die Teva-Aktien unterliegen. Die US-Investmentgesellschaft Capital Research und Management Company hielt 5,9 % und FMR LLC (Fidelity) etwa 6,5 % der ausstehenden Aktien in Form von ADSs. Nach den veröffentlichten Kenntnissen von Teva besaß kein anderer Aktionär 5 % oder mehr der Stammaktien.[1]

Mit Stand Februar 2017 hielten die Direktoren und Vorstandsmitglieder von Teva insgesamt 0,6 % der Stammaktien.[1]

Teva Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produktion in Ulm, 2012

Teva hat in Deutschland seinen Hauptsitz in Ulm, wo das gesamte Generikageschäft gebündelt wurde. Weitere Standorte sind Blaubeuren und Berlin.[18] Etwa 1600 der insgesamt rund 3100 Beschäftigten in Deutschland sind in der Produktion und der Qualitätssicherung tätig.[19] Die Produktpalette umfasst insbesondere Arzneimittel in den Bereichen Neurologie, Schmerz und Onkologie. Teva ist in Deutschland Marktführer im Multiple-Sklerose-Markt und am europäischen Generikamarkt führend.

Der in Deutschland ansässigen Forschung und Entwicklung kommt innerhalb des Konzerns eine hohe weltweite Bedeutung zu. So ist Ulm Sitz der globalen Forschung und Entwicklung für OTC-Produkte sowie für alle Entwicklungsaktivitäten zu neuen Generikaversionen für Gesamteuropa, Südkorea und Japan. Dafür wurde in Ulm das Global Technology Center als globales Kompetenzzentrum errichtet und im März 2016 offiziell eröffnet.[20]

Zu Teva Deutschland gehören insgesamt neun Gesellschaften (Stand Juni 2017), so neben der Teva GmbH auch die AbZ-Pharma GmbH mit der Marke CT Arzneimittel sowie die Ratiopharm GmbH.

Struktur von Teva Deutschland per 31. Dezember 2015:[21]

  • Teva Health GmbH – Verwaltung (deutsches Mutterunternehmen)
    • Merckle GmbH – Produktion
      • Ratiopharm GmbH – Vertrieb Generika und OTC, Forschung und Entwicklung
      • Teva Biotech GmbH – Produktion
      • Transpharm Logistik GmbH – Logistik
    • Teva GmbH – Vertrieb der Spezialmedikamente
      • AbZ-Pharma GmbH – Vertrieb Generika und OTC
      • Teva Pharma GmbH – Forschung und Entwicklung (im August 2016 auf die Teva GmbH verschmolzen)[22]
  • Pliva Real Estate GmbH – Immobilienverwaltung
    • Ratiopharm Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG – Immobilienverwaltung (Komplementär: Teva B.V., Niederlande)

Nachdem der Generalmanager Sven Dethlefs im September 2013 zum Mutterkonzern gewechselt hat, übernahm Markus Leyck Dieken die Leitung des Deutschlandgeschäfts.[23] Aufgrund des Wechsels von Leyck Dieken in eine globale Konzernfunktion übernahm im Juni 2017 Christoph Stoller, bislang COO für Tevas europäisches Generikageschäft, die Interimsgeschäftsführung bei Teva Deutschland.[24]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teva zog u. a. aufgrund mehrerer Übernahmen, die Investoren als zu teuer bezeichneten, Kritik auf sich. Dies führte im Februar 2017 mit zum sofortigen Rücktritt des CEO Erez Vigodman, der auch persönlich in die Kritik geriet.[25]

Im Rahmen der transnationalen politischen Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions wird auch zum Boykott von Teva aufgerufen. So wurde 2014 vermeldet, dass eine britische Apothekergruppe Teva aufgrund des Gaza-Konflikts boykottieren würde.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Teva Pharmaceutical Industries – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Annual Report 2016 nach US-Berichtsstandard Form 20-F. Teva Pharmaceutical Industries Limited, abgerufen am 28. Juni 2017 (PDF; englisch).
  2. #485 Teva Pharmaceutical. In: Forbes: Global 2000, Stand Mai 2017, abgerufen am 28. Juni 2017 (englisch).
  3. M. Pugatsch, M. Teubal, O. Zlotnick: The case of Teva Pharmaceutical Industries. In: Hiroyuki Odagiri (Hrsg.): Intellectual Property Rights, Development, and Catch Up. An International Comparative Study. Oxford University Press, Oxford 2010, ISBN 978-0-19-957475-9, S. 234–235 (englisch).
  4. Geschichte von Teva und Ratiopharm. Website der Teva GmbH, abgerufen am 29. Juni 2017.
  5. Israelischer Pharmakonzern kauft Ratiopharm. In: Spiegel Online, 18. März 2010, abgerufen am 29. Juni 2017.
  6. Mega-Pharma-Deal: EU erlaubt Ratiopharm-Übernahme. In: Spiegel Online, 4. August 2010, abgerufen am 29. Juni 2017.
  7. Teva hat Ratiopharm. n-tv.de, 10. August 2010, abgerufen am 29. Juni 2017.
  8. The Procter & Gamble Company und Teva Pharmaceutical Industries gehen Partnerschaft für Verbrauchergesundheit ein. pharma-zeitung.de, 3. November 2011, abgerufen am 28. Juni 2017.
  9. Teva kauft Generikasparte von Botox-Hersteller Allergan. In: Spiegel Online, 27. Juli 2015, abgerufen am 29. Juni 2017.
  10. Teva übernimmt Actavis-Erbe. apotheke-adhoc.de, 27. Juli 2015, abgerufen am 29. Juni 2017.
  11. Teva Suffers Blow After British High Court Sides With Mylan in Patent Case, Ha-Aretz am 27. Oktober 2017
  12. What Israel Can Learn From Teva's Collapse, Ha-Aretz am 6. November 2017
  13. Teva Appoints Dr. Yitzhak Peterburg as Interim Chief Executive Officer, Succeeding Erez Vigodman. Business Wire, Yahoo Finance, 6. Februar 2017, abgerufen am 1. November 2017 (englisch).
  14. Shoshanna Solomon: Teva’s new CEO Schultz to take post Wednesday. In: The Times of Israel, 31. Oktober 2017, abgerufen am 1. November 2017 (englisch).
  15. APOTHEKE ADHOC: AbZ vertreibt CT-Sortiment
  16. Merck stößt Generika-Geschäft ab. In: Der Tagesspiegel, 14. Mai 2007, abgerufen am 28. Juni 2017.
  17. Vom Medikamentenlieferanten in Israel zum Weltmarktführer für Generika. In: Berliner Morgenpost, 19. März 2010, abgerufen am 28. Juni 2017.
  18. Teva in Deutschland: Standorte. teva.de, abgerufen am 29. Juni 2017.
  19. Unternehmen. teva.de, abgerufen am 29. Juni 2017 (Produktionsstandort Deutschland).
  20. Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2015 der der Teva GmbH. In: Bundesanzeiger, 16. Februar 2017, abgerufen im Unternehmensregister am 29. Juni 2017.
  21. Jahresabschlüsse zum Geschäftsjahr 2015 der betreffenden Gesellschaften. In: Bundesanzeiger, abgerufen im Unternehmensregister am 29. Juni 2017.
  22. Registerbekanntmachung der Löschung vom 8. August 2016. Amtsgericht Ulm, Aktenzeichen: HRB 726775. Abgerufen im Unternehmensregister am 29. Juni 2017.
  23. Ratiopharm-Chef geht zu Teva. apotheke-adhoc.de.
  24. Christoph Stoller übernimmt die Interimsgeschäftsführung bei Teva Deutschland. In: Healthcare Marketing, 26. Juni 2017, abgerufen am 29. Juni 2017.
  25. Chef des Generikariesen Teva nimmt seinen Hut. In: Handelsblatt, 7. Februar 2017, abgerufen am 29. Juni 2017.
  26. Franziska Gerhardt: Britische Apothekergruppe boykottiert Teva. apotheke-adhoc.de, 1. August 2014, abgerufen am 29. Juni 2017.