Thörl

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Thörl
Wappen Österreichkarte
Wappen von Thörl
Thörl (Österreich)
Thörl
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Bruck-Mürzzuschlag
Kfz-Kennzeichen: BM
Hauptort: Palbersdorf
Fläche: 166,46 km²
Koordinaten: 47° 31′ N, 15° 13′ OKoordinaten: 47° 31′ 1″ N, 15° 13′ 9″ O
Höhe: 638 m ü. A.
Einwohner: 2.295 (1. Jän. 2018)
Postleitzahlen: 8621, 8622, 8623, 8624
Vorwahl: +43 3861
Gemeindekennziffer: 6 21 47
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Palbersdorf 73
8621 Thörl
Website: www.thoerl.gv.at
Politik
Bürgermeister: Günther Wagner (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(15 Mitglieder)
9
3
2
1
Insgesamt 15 Sitze
  • SPÖ: 9
  • ÖVP: 3
  • Freie Unabhängige Liste-Lebenswert: 2
  • FPÖ: 1
Lage der Marktgemeinde Thörl im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag
AflenzBreitenau am HochlantschBruck an der MurKapfenbergKindbergKrieglachLangenwangMariazellMürzzuschlagNeuberg an der MürzPernegg an der MurSankt Barbara im MürztalSankt Lorenzen im MürztalSankt Marein im MürztalSpital am SemmeringStanz im MürztalThörlTragöß-Sankt KathareinTurnauSteiermarkLage der Gemeinde Thörl im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Ortsansicht
Ortsansicht
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Thörl ist eine Marktgemeinde mit 2295 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2018) im Gerichtsbezirk Bruck an der Mur und im politischen Bezirk Bruck-Mürzzuschlag in der Obersteiermark (Österreich). Im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark wurde Thörl am 1. Jänner 2015 mit den Gemeinden Etmißl und St. Ilgen zusammengelegt.[1][2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thörl liegt in der nördlichen Steiermark. Die Fläche umfasst 166,46 Quadratkilometer.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katastralgemeinden und gleichnamige Ortschaften sind (Stand Fläche und Einwohner: 1. Januar 2018[3][4]

  • Etmißl (843,06 ha, 410 Ew.)
  • Fölz (3.698,31 ha, 652 Ew.)
  • Hinterberg (1.163,35 ha, 34 Ew.)
  • Lonschitz (1.046,96 ha, 65 Ew.)
  • Oisching (872,64 ha, 4 Ew.)
  • Palbersdorf (291,45 ha, 626 Ew.)
  • Sankt Ilgen (7.348,85 ha, 269 Ew.)
  • Thörl (1.378,73 ha, 235 Ew.).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wildalpen (Bezirk Liezen) Mariazell Turnau
Nachbargemeinden Aflenz
Tragöß-Sankt Katharein Kapfenberg Turnau

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 1. Jänner 1955 wurde die Gemeinde Fölz bei Thörl eingemeindet.
  • Am 1. Jänner 2015 wurden die Gemeinden Etmißl und St. Ilgen bei Thörl eingemeindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Thörl, um 1850

Schon in der Jungsteinzeit dürften Siedlungen in der Gegend um Thörl bestanden haben. Um 600 n. Chr. zogen slawische Siedler in die Gegend, wovon heute noch einige Ortsnamen zeugen. Während des 8. Jahrhunderts wanderten Bayern ein.

1103 schenkte Herzog Heinrich III. von Kärnten das Aflenztal, in dem auch Thörl liegt, dem Stift St. Lambrecht. 1342 erschien Palbersdorf das erste Mal urkundlich, Thörl (als toer in der aynoed; Thörl in der Einöd) 1345. Die Gegend war damals noch als Einöd bekannt. Die Straßensperre, die dem Ort den Namen gab, bestand damals bereits. Der Gegendname Hinterberg ist sogar schon seit 1253 bekannt.

Im 14. Jahrhundert begann in Thörl die Eisenproduktion. Da das Tal allerdings in Thörl zu eng war, konzentrierte sich der Wohnungsbau auf Palbersdorf.

1849 wurde Thörl in die Gemeinde Aflenz eingebunden, 1915 sollte diese wegen divergierender Interessen wieder aufgeteilt werden, was wegen des Ersten Weltkrieges auf 1919 verschoben wurde.

1893 wurde die Thörlerbahn eröffnet, welche Kapfenberg mit Turnau verband. Vor allem die ansässige Eisenindustrie profitierte stark davon. Geplant war auch eine Verlängerung bis zur Mariazellerbahn, um die Südbahn mit der Westbahn zu verbinden, dies wurde aber nie realisiert.

1945, zum Ende des Zweiten Weltkriegs, marschierten Soldaten der Roten Armee ein und blieben, bis Thörl noch im selben Jahr der britischen Besatzungszone zufiel.

1955 vereinigten sich die Gemeinden Thörl und Fölz, außerdem erhielt Thörl das Recht, ein Wappen zu führen.

1959 wurde der Personenverkehr auf der Bahnstrecke eingestellt, fünf Jahre später wurde der Abschnitt von Seebach nach Seewiesen, einem Ortsteil von Turnau, stillgelegt, 1990 auch der Abschnitt von Aflenz nach Seebach. 1991 startete der Verein Thörlerbahn ein Museumsbahn-Projekt, welches auch gut angenommen wurde. Als allerdings 1995 die Eisenindustrie wegen einer Bankenpleite in den Konkurs schlitterte, verlor der Betreiber der Strecke, die Steiermärkischen Landesbahnen, den größten Frachtkunden und musste den Betrieb einstellen. Der Verein durfte danach noch bis 1997 die Strecke befahren. Die Gleise der Thörlerbahn wurden 2003/04 abgetragen, von Thörl bis Kapfenberg wurde die Strecke durch einen Radweg ersetzt.

1994 wurde die Gemeinde wegen ihrer Leistungen, wie zum Beispiel Bau von Haupt- und Volksschule, Hallenbad und Gemeindewegen, zur Marktgemeinde erhoben.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die evangelische Glaubensgemeinschaft bestand bereits zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine Predigtstation in Thörl, sie wurde am 29. Juni 1914 geweiht.

Am 21. Juni 1964 wurde auch die katholische Kirche eingeweiht, die Aflenzer Expositur Thörl wurde zu einer selbständigen Pfarre erhoben. Das Grundstück für die Kirche wurde von Johann III. von Pengg gestiftet. Bis dahin diente die Barbarakapelle im Schloss Thörl als Gottesdienstraum.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2015
Wahlbeteiligung: 80,93 %
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
51,70 %
(-11,73 %p)
21,27 %
(-8,77 %p)
11,27 %
(+4,94 %p)
13,39 %
(n. k.)
2010

2015


Durch die Gemeindefusion verloren alle Gemeinderäte mit 31. Dezember 2014 ihre Funktionen. Bis 24. April 2015 übernahm ein Regierungskommissär mit zwei Beiräten aufgrund einer bescheidmäßigen Bestellung durch das Land Steiermark die Geschäfte der Gemeindeführung.

Nach der Gemeinderatswahl vom 22. März 2015 wurde bei der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 24. April 2015 Günther Wagner zum ersten Bürgermeister der neuen Marktgemeinde Thörl gewählt. Zur Vizebürgermeisterin wurde Margit Peßl und zur Gemeindekassierin Martina Krenn gewählt.[5]

Der Gemeinderat der Marktgemeinde Thörl hat 15 Mitglieder:

Bürgermeister Günther Wagner (SPÖ) hat sein Gemeinderatsmandat zurückgelegt und verrichtet sein Amt als Volksbügermeister.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei der drei Vorgängergemeinden hatten je ein Gemeindewappen. Wegen der Gemeindezusammenlegung verloren diese mit 1. Jänner 2015 ihre offizielle Gültigkeit, die Neuverleihung für die Fusionsgemeinde erfolgte bisher nicht (Stand: Ende 2017).
Das 1955 verliehen Wappen von Thörl nahm Bezug auf die das Ortsbild beherrschende Ruine Schachenstein und auf die große Bedeutung der Thörler Werke in der metallverarbeitenden Industrie.[6]

Regionalpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thörl ist Mitglied in der 2. Dezember 2009 gegründeten Regionext-Kleinregion Hochschwab Süd,[7] und in der LEADER-Region Mariazellerland–Mürztal.[8]

Bezüglich der Gemeindestrukturreform der Steiermark 2010–2015 führte die Gemeinde zum einen Gespräche mit Bruck und Kapfenberg (große Lösung),[9] zum Anderen war auch eine Fusion mit Etmißl und Sankt Ilgen im Gespräch,[10][11] oder eine weitergehende Fusion mit Aflenz Kurort/Aflenz Land sowie Turnau (Sechser-Lösung).[12] Eine Fusion mit den beiden Städten wurde von der Etmißler[13] wie auch von der St.-Ilgner[14] Lokalpolitik abgelehnt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismusverband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde bildet gemeinsam mit Aflenz den TourismusverbandHochschwab“. Dessen Sitz ist die Gemeinde Aflenz.[15]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thörl liegt an der Mariazeller Straße B 20, welche die wichtigste Verbindung zwischen Kapfenberg im Mürztal und dem Wallfahrtsort Mariazell sowie im weiteren Verlauf auch Sankt Pölten darstellt.

Die Gleise der Thörlerbahn wurden 2003/04 abgetragen, von Thörl bis Kapfenberg wurde die Strecke durch einen Radweg ersetzt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joh. Pengg AG – Drahtwerk

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindegebiet von Thörl befinden sich:

  • Kinderbetreuung
    • Gemeindekindergarten Etmißl
    • Gemeindekindergarten Thörl
    • eine Tagesmutter
  • Schulen

Viele Jugendliche besuchen weiterführende Schulen in Kapfenberg und Bruck an der Mur.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Thörl

Am Ortseingang befindet sich Schloss Thörl, welches früher als „Tor“ zum Ort diente. Daher auch der Name des Ortes. Das Schloss gehört der Hempel-Hubersting Privatstiftung. Im Gemeindegebiet von Thörl liegt die Ruine der Burg Schachenstein. Am Fuß der Ruine Schachenstein liegt das so genannte „Alte Haus“, das heute von den Thörler Landsknechten für Veranstaltungen genutzt wird.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter von Thörl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Riegler, Gemeinde Thörl (Hrsgb.): Geschichte der Gemeinde Thörl, Eigenverlag, Hausmannstätten/Graz 1994, ISBN 3-901202-10-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thörl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Steiermärkische Gemeindestrukturreform.
  2. § 3 Abs. 1 Z 7 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. ZDB-ID 705127-x. S. 2.
  3. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2018 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2018), (Excel)
  4. Katastralgemeinden Stmk. 2015 (Excel-Datei, 128 KB); abgerufen am 29. Juli 2015)
  5. Gemeindevertretung, auf www.thoerl.gv.at, abgerufen am 28. November 2015
  6. Die Geschichte von Thörl auf der Webseite der Gemeinde, abgerufen am 28. Dezember 2017
  7. Konstituierende Sitzung der Kleinregion Hochschwab Süd. Raumplanung Steiermark | News.
  8. LAG Mariazellerland-Mürztal, netzwerk-land.at
  9. Wird Thörl Stadtteil oder Kleinregion? kleinezeitung.at, 4. Oktober 2012.
  10. Die neue Gemeindestruktur der Steiermark. Liste Endversion A01, 2012 (pdf, gemeindestrukturreform.steiermark.at; 97 kB).
  11. Karte Grafik, Teil 2, Nr. 42 in Die neue Steiermark. kleinezeitung.at, 21. Jänner 2013. Stand der Karten 22. Jänner 2013
  12. ÖVP Aflenz Kurort will 3er oder 6er Lösung, oevp-aflenz.at, 14/11/2012
  13. Aktuelles für Gemeindebürger, etmissl.at, abgerufen 3. Mai 2013
  14. Gemeindestrukturreform, st-ilgen.at, abgerufen 3. Mai 2013
  15. Grazer Zeitung, Amtsblatt für die Steiermark. 30. Dezember 2014, 210. Jahrgang, 52. Stück. Nr. 306. ZDB-ID 1291268-2 S. 626.