Wildalpen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wildalpen
Wappen Österreichkarte
Wappen von Wildalpen
Wildalpen (Österreich)
Wildalpen
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Liezen
Kfz-Kennzeichen: LI
Fläche: 203,12 km²
Koordinaten: 47° 39′ N, 14° 59′ OKoordinaten: 47° 39′ 0″ N, 14° 59′ 0″ O
Höhe: 609 m ü. A.
Einwohner: 447 (1. Jän. 2021)
Postleitzahl: 8924
Vorwahl: 03636
Gemeindekennziffer: 6 12 51
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Wildalpen 91
8924 Wildalpen
Website: www.wildalpen.at
Politik
Bürgermeisterin: Karin Gulas (SPÖ)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2020)
(9 Mitglieder)
7
2
Insgesamt 9 Sitze
Lage von Wildalpen im Bezirk Liezen
Aich (Expositur Gröbming)Gröbming (Expositur Gröbming)Haus (Expositur Gröbming)Michaelerberg-Pruggern (Expositur Gröbming)Mitterberg-Sankt Martin (Expositur Gröbming)Öblarn (Expositur Gröbming)Ramsau am Dachstein (Expositur Gröbming)Schladming (Expositur Gröbming)Sölk (Expositur Gröbming)AdmontAigen im EnnstalAltausseeAltenmarkt bei Sankt GallenArdningBad AusseeBad MitterndorfGaishorn am SeeGrundlseeIrdning-DonnersbachtalLandlLassingLiezenRottenmannSankt Gallen (Steiermark)SelzthalStainach-PürggTriebenWildalpenWörschachSteiermarkÜbersichtskarte der Gemeinden im gesamten Bezirk Liezen
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Wildalpen001.jpg
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Wildalpen ist eine österreichische Gemeinde mit 447 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2021) im steirischen Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Liezen. Die Bevölkerungsdichte der Gemeinde beträgt nur 2,3 Einwohner pro km² und ist somit eine der niedrigsten in ganz Österreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Wildalpen selbst liegt am Nordfuß des Hochschwabmassivs im Salzatal, direkt an der Salza. Die Ausdehnung der Gemeinde erreicht jedoch eine Fläche von 203,12 km², was ungefähr der halben Stadt Wien entspricht, beiderseits der Salza, im Hochschwab wie in den Lassingalpen. Wildalpen ist ein bekanntes Jagd- und Forstgebiet. Es gibt (Hoch)-Wild verschiedener Arten.

In Wildalpen fand etwa 4000 v. Chr. der größte Bergsturz der Hochschwabgruppe statt. Eine gewaltige Felsmasse brach vom Ebenstein und Brandstein ab und sackte nach Norden ab. In weiterer Folge zerlegte sich die Sturzmasse und donnerte als Sturzstrom bis über den heutigen Ort Wildalpen hinaus in das Salzatal.[1][2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet besteht aus einer Katastralgemeinde.

Ortschaften der Gemeinde sind

  • Breitengries
  • Brunn
  • Drei Keuschen
  • Fachwerk
  • Fischerau
  • Hinterwildalpen
  • Holzäpfeltal
  • Hopfgarten
  • Klaus
  • Kühbachau
  • Lichtenegg
  • Poschenhöh
  • Rothmoos
  • Rothwald
  • Säusenbach
  • Schneckengraben
  • Schreiereng
  • Winterhöh

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Göstling an der Ybbs (Bez. Scheibbs, ) Gaming (Bez. Scheibbs, )
Landl Nachbargemeinden Mariazell (Bez. Bruck-Mürzzuschlag)
Eisenerz (Bez. Leoben) Tragöß-Sankt Katharein (Bez. Bruck-Mürzzuschlag) Thörl (Bez. Bruck-Mürzzuschlag)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedelung erfolgte von dem im Jahr 1072 gegründeten Stift Admont aus. Die Eisenverarbeitung brachte dem Ort bis zum Abzug der Innerberger Hauptgewerkschaft 1838 Wohlstand. Die Aufhebung der Grundherrschaften erfolgte 1848. Die Ortsgemeinde als autonome Körperschaft entstand 1850.

1910 wurde die II. Wiener Hochquellenwasserleitung in Betrieb genommen. Nach der Annexion Österreichs 1938 kam die Gemeinde zum Reichsgau Steiermark. Von 1945 bis 1955 war Wildalpen Teil der britischen Besatzungszone in Österreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Schauspieler Hans Thimig, dessen Familie ein Sommerhaus in Wildalpen besaß, für kurze Zeit Bürgermeister der Gemeinde.

Im Jahre 2010 kam ein sensationeller Fund ans Tageslicht. In der Arzberghöhle in Wildalpen wurde eine Klinge aus Radiolarit, einem feuersteinähnlichen Gestein, gefunden. Diese wird, durch Radiokarbonbestimmungen an Höhlenbärenresten der Arzberghöhle, auf ein Alter von 29.000 bis 36.000 Jahre geschätzt. Dies beweist, dass der Mensch schon vor etwa 30.000 Jahren im Hochschwabgebiet unterwegs war.[3]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche hl. Barbara mit Pfarrhof in Wildalpen
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Wildalpen

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kajak
  • Rafting
  • Canyoning
  • zahlreiche, gut markierte Wanderwege
  • Kneippweg (beginnt neben dem Hallenbad)
  • Back Country
  • Eisstockschießen im Ortsteil Hinterwildalpen
  • Radfahrmöglichkeiten - Genießer Mountainbike-Route

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berg- und Naturwacht
  • Bergrettungsdienst
  • Brauchtumsgruppe Teufelssee-Pass (Krampus)
  • Elektrizitätsgenossenschaft Wildalpen
  • Elternverein
  • Fremdenverkehrsverein Betriebe
  • Lawinenwarnkommission Wildalpen
  • Motorrad- u. Oldtimerclub
  • Museumsverein
  • Musikkapelle
  • Naturfreunde Österreich Ortsgruppe Wildalpen
  • Pensionistenverein
  • Schützengesellschaft Wildalpen
  • Skiverein Wildalpen
  • Sportklub Wildalpen
  • Steirischer Jagdschutzverein Ortsgruppe Wildalpen
  • Tourismusverband Gesäuse
  • Österr. Kameradschaftsbund Ortsverband Wildalpen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist Wildalpen vor allem als Quellgebiet der II. Wiener Hochquellenwasserleitung. Deshalb ist mehr als die Hälfte des Gemeindegebietes als Quellschutzgebiet unter Naturschutz. Diese Fläche muss aufwendig beforstet werden. Dafür gibt es eigene Magistratsabteilungen der Stadt Wien.

Von hier aus fließen in freiem Gefälle täglich rund 220.000 m³ Wasser nach Wien. In der I. Wiener Hochquellenwasserleitung braucht das Wasser etwa 24 Stunden, in der II. Wiener Hochquellenleitung 36 Stunden, bis es in Wien angelangt ist.

Die Gemeinde Wien ist durch das Wasserwerk und die damit verbundenen Forstbetriebe in der sonst strukturarmen Gegend ein wichtiger Arbeitgeber.

Neben der Gemeinde Wien wurde im Jahr 2002 die Wildalpen Wasserverwertungs GmbH gegründet, Quellwasser der Seisensteinquelle in Flaschen abfüllt und vermarktet. Obwohl die Quelle etwa 1,2 Mio. Liter Wasser pro Jahr liefert, werden dabei nur maximal 650.000 Liter abgefüllt und vermarktet.[4]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freibad Hinterwildalpen
  • Hallenbad mit Sauna
  • Tennisplatz
  • Langlaufloipe im Ortsteil Hopfgarten und Hinterwildalpen
  • Schipiste mit Baby- und Familienlift

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BW

Der Gemeinderat hat 9 Mitglieder.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1977–1987 Ewald Uresch (SPÖ)
  • 1987–2000 Hermann Baumann (SPÖ)
  • 2000–2007 Ewald Uresch (SPÖ)
  • seit 2007 Karin Gulas (SPÖ)[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AUT Wildalpen COA.jpg

Das Gemeindewappen wurde mit Wirkung vom 1. August 1966 verliehen.
Blasonierung (Wappenbeschreibung):

„In einem von Blau und Silber gespaltenen Schild vorn ein silberner Felsberg mit drei Spitzen, aus dem ein blauer Wasserlauf entspringt; hinten ein aufgerichteter schwarzer Steinbock.“

Das vordere Schildfeld deutet die hohen felsigen Berge der Landschaft von Wildalpen an, der blaue Wasserlauf nimmt Bezug auf die II. Wiener Hochquellenleitung, deren Quellgebiet und Wasserschlösser hier liegen. Seit der Mitte der 1930er Jahre lebt in den Bergen um Wildalpen eine starke Steinbockkolonie, die hier wieder heimisch gemacht wurde.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1913: Hans Ziesler - Geschäftsmann, Gastwirt, Bürgermeister
  • 1935: Alois Hofinger - Betriebsleiter, Forstrat
  • 1937: Hugo Thimig (1854–1944) - Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter[11]
  • 1937: Richard Schmitz - Bürgermeister der Stadt Wien
  • 1937: Desiderius Fanta - Oberbaurat
  • 1937: Anton Fischer - Bezirksgendarmerieinspektor, Postenkommandant
  • 1978: Rudolf Fürnweger - Kanzleirat, Bürgermeister von Wildalpen
  • 1981: Ferdinand Bonta - Obermedizinalrat
  • 1981: Michael Häupl - Bürgermeister der Stadt Wien
  • 1993: P. Bernhard Menzel OSB - Pfarrer von Wildalpen
  • 2002: Johann Schnaubelt - Senatsrat, Leiter der Quellenschutzforste der Stadt Wien in Wildalpen
  • 2010: Hermann Baumann - Bürgermeister von Wildalpen
  • 2010: Ewald Uresch - Regierungsrat, Betriebsleiter der Wasserwerke der Stadt Wien in Wildalpen, Bürgermeister von Wildalpen[12]
  • Benedikt Schlömicher - Benediktiner und 66. Abt des Benediktinerstiftes Admont in der Steiermark

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wildalpen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Kellerer-Pirklbauer, Kurt A. Nicolussi, Hermann Kain, Andreas Pilz, Andrea Thurner: Der Bergsturz von Wildalpen (Hochschwab, Steiermark): Neue dendrochronologische Ergebnisse eines Baumfragments aus der Bergsturzablagerung. In: Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark. Band 139, 2009, S. 57–65 (online (PDF) auf ZOBODAT).
  2. Christof Kuhn: Bergstürze in den Alpen
  3. Sensationeller Fund im Naturpark Steirische Eisenwurzen: 30.000 Jahre alte Steinklinge in Wildalpen entdeckt (Memento vom 8. Dezember 2010 im Internet Archive), abgerufen am 13. März 2011
  4. Austria Forum:Wildalpen, abgerufen am 23. März 2010
  5. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2005 in Wildalpen. Land Steiermark, 13. März 2005, abgerufen am 24. Juli 2020.
  6. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Wildalpen. Land Steiermark, 21. März 2010, abgerufen am 24. Juli 2020.
  7. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Wildalpen. Land Steiermark, 22. März 2015, abgerufen am 24. Juli 2020.
  8. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2020 in Wildalpen. Land Steiermark, 28. Juni 2020, abgerufen am 24. Juli 2020.
  9. Karin Gulas Ennstalwiki
  10. Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 18, 1968, S. 139
  11. Alpenländische Wochenschau (22. 5. 1937), S. 5.
  12. Für alle: Festschrift 850 Jahre Wildalpen, 1989, S. 33