Johann T’Serclaes von Tilly

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Johann T’Serclaes von Tilly, Stich von Pieter de Jode d. Ä. nach Anthonis van Dyck

Johann (auch Johannes oder Jean) T’Serclaes von Tilly (* Februar 1559 auf Schloss Tilly, im Herzogtum Brabant; † 30. April 1632 in Ingolstadt) war ein belgischer Graf der während des Dreißigjährigen Kriegs als oberster Heerführer sowohl der Katholischen Liga als auch ab 1630 der kaiserlichen Armee fungierte.

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzestandbild in der Feldherrnhalle zu München

Johann T’Serclaes Tilly wurde im Februar 1559 auf Schloss Tilly, Gemeinde Villers-la-Ville in Brabant, 30 km südöstlich von Brüssel im heutigen Belgien geboren, das seit 1522 Teil der Spanischen Niederlande war. Sein Vater war Martin T’Serclaes auf Montigny und Balatre († 1597), Seneschall der Grafschaft Namur, General und kaiserlicher Hofkriegsrat. Seine Mutter Dorothea von Schierstedt war Tochter Meinhards des Älteren von Schierstedt, einem königlich ungarischen Hofmarschall, und der Dorothea von Gersdorff. Seine Eltern hatten am 12. Oktober 1552 auf Görzke geheiratet.

Die Familie der T’Serclaes de Tilly war ein altes niederländisches Adelsgeschlecht vom Stammhaus Tilly im Herzogtum Brabant, das mit Johann dem Älteren T’Serclaes auf Tilly († 1473) eine ununterbrochene Stammreihe begann. Johanns Großvater väterlicherseits war Jakob T’Serclais, auf Montigny († 1555), Erb-Seneschall der Grafschaft Namur, Ehemann der Maria de Bossime (Bossimel) auf Balatre, Tochter des Sieur de Bossimel, einem Erb-Seneschall der Grafschaft Namur und der Mabille de Crehen.

Johann hatte drei Geschwister: Margareta († 1634), in erster Ehe verbunden mit Jobst Heinrich von Witzleben, Vicomte d'Upigny; in zweiter Ehe mit Edmund Freiherr von Schwarzenberg auf Bierset. Eine weitere Schwester, Maria, starb 1642.[1]

Sein älterer Bruder war Jakob T’Serclaes de Tilly (* Schloss Tilly, um 1555; † vor 1626), Erb-Erb-Seneschall der Grafschaft Namur, der mit Johann am 13. September 1622 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde.[2]

Jakob war verehelicht mit Dorothea Gräfin von Ostfriesland, Tochter des Maximilian Graf von Ostfriesland (dessen Mutter Dorothea eine Tochter Kaisers Maximilian I. war) und dessen Gemahlin, Barbara de Lalaing, Gräfin von Hochstraden. Jakobs Sohn und Johanns Neffe, Werner t´Zerclaes Graf von Tilly zu Preitenegg (* um 1595; † 30. Januar 1651), erhielt nach dem Tod von Johann T´Serclaes von Tilly dessen Besitz in Bayern und das böhmische Inkolat. Deren Nachfahren waren:

  • Ernst Emmerich T´Serclaes Graf von Tilly († 22. April 1675) war in erster Ehe verehelicht mit Klara Katharina Gräfin von Lamberg (Adelsgeschlecht); in zweiter Ehe mit Maria Anna Theresia Freiin von Hasslang;
  • Der Sohn aus erster Ehe Anton Ferdinand Johann T´Serclaes Graf von Tilly starb unverehelicht 1663 auf einer Reise nach Venedig,
  • Ferdinand Lorenz Franz Xaver T´Serclaes Graf von Tilly starb am 30. Januar 1724 als letzter männlicher bekannter Namensträger unverehelicht.
  • Seine Schwester die letzte der bayerischen Linie derer von Tilly, Maria Anna Katharina von Tilly-Montfort, welche 1692 Anton Graf von Montfort (Adelsgeschlecht) († 1706) ehelichte, starb am 21. Juli 1744 auf Schloss Tilly in Breitenbrunn (Oberpfalz)
  • Elisabeth Appolonia Gräfin von Tilly (* vor 1629; † Prag (Pfarrei Maria Schein) am 14. August 1653), in erster Ehe verehelicht mit Christoph Ferdinand Popel Freiherr von Lobkowitz (Adelsgeschlecht), auf Bilin, Landeshauptmann der Festung Glogau, Präsident der Schlesischen Kammer, dann Obersthofmeister und Statthalter in Königreich Böhmen; in zweiter Ehe 1661 mit Wilhelm Albrecht Graf von Kolowrat-Krakowsky, auf Teinitzl, Oberstburggraf in Prag.[3]

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Ausbildung an einer Jesuitenschule wählte Tilly die Soldatenlaufbahn. Als gebürtiger Untertan der spanischen Krone trat er zunächst in deren Kriegsdienste, wo er unter Alessandro Farnese (1545–1592) das Kriegshandwerk erlernte. Später wechselte er unter die lothringische Fahne, 1598 zur kaiserlichen Armee. Er kämpfte 1600 als Oberstleutnant in Ungarn unter General Giorgio Basta gegen Aufständische und in den Türkenkriegen gegen die Osmanen; 1601 stieg er zum Generalfeldwachtmeister auf und wurde Obrist eines Wallonenregiments. 1604 erhielt er die Ernennung zum Feldzeugmeister, im Jahr darauf jene zum Feldmarschall. Unter Ernennung zum Generalleutnant übertrug ihm 1610 Herzog Maximilian I. von Bayern die Führung der ligistischen Heereskontingente sowie die Reorganisation des bayerischen Heerwesens.

Im November 1630 erhielt Tilly neben seinem Kommando als Heerführer der katholischen Liga die Ernennung zum Generalleutnant der kaiserlichen Truppen. Damit trat er die Nachfolge Wallensteins an, der im August als kaiserlicher Generaloberstfeldhauptmann abgesetzt worden war. Trotz der gesteigerten Machtfülle besaß Tilly jedoch nie die militärische Entscheidungsfreiheit eines Generalissimus', wie sie Wallenstein innegehabt hatte (und der sie nach Tillys Tod, 1632, erneut innehatte); Tilly blieb stets den Weisungen der Kriegsräte in Wien und München unterworfen.

Im Dreißigjährigen Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tilly in zeitgenössischer Rüstung

Beim Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) begann für Graf Tilly eine steile Karriere als Feldherr der Katholischen Liga. Er kämpfte am 8. November 1620 in der Schlacht am Weißen Berg, gemeinsam mit dem kaiserlichen Feldmarschall Charles Bonaventure de Longueval, und unterwarf das westliche Böhmen mit der Eroberung von Pilsen im März 1621. Dann wandte er sich mit einem Söldnerheer gegen Graf Peter Ernst II. von Mansfeld, der die evangelischen Pfälzer Stammlande (zunächst die Oberpfalz) gegen den kaiserlich-bayerisch-katholischen Gegenschlag verteidigte. Nachdem Tilly im Sommer 1621 monatelang von Mansfeld bei Waidhaus im Oberpfälzer Wald aufgehalten worden war,[4] folgte er seinem Gegner im Herbst 1621 in die Rheinpfalz nach. Am 27. April 1622 wurde Tilly in der Schlacht bei Mingolsheim von Peter Ernst II. von Mansfeld geschlagen, besiegte dann aber den Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach am 6. Mai in der Schlacht bei Wimpfen.

Am 20. Juni triumphierte er in der Schlacht bei Höchst über Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und eroberte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal (Pfalz). Es folgte ein erneuter Sieg über den „tollen Halberstädter“ am 5. und 6. August 1623 in der Schlacht bei Stadtlohn. Daraufhin gab Bayerns Herrscher, Maximilian I. (seit Februar 1623 Kurfürst) dem bis dahin ohne Besitz gebliebene Johann von Tilly am 2. Mai 1624 die Oberpfälzer Grundherrschaft über Preitenegg mit dem Markt Breitenbrunn als Lehen (ab 1635 Reichsgrafschaft Breitenegg).

Zunächst blieb Tilly mit seinem Heer in Niedersachsen, wo er die gewaltsame Restitution (Rekatholisierung) der evangelisch-lutherischen Bistümer und Klöster an die katholische Kirche und die Jesuiten ins Werk setzte und den niedersächsischen Reichskreis zum Kampf zwang. Er belagerte und eroberte in dieser Zeit mehrere Städte. Am 30. Maijul./ 9. Juni 1626greg. ergriffen Tillys hungernde Söldner plündernd und mordend von der Stadt Münden Besitz.[5] Kurz darauf ließ er Göttingen belagern und beschießen, um Lösegeld zu erpressen. Von Harzer Bergleuten erzwungen, ließ er die Leine umleiten und versuchte, alle Wasserzufuhren zu sperren. Anfang August 1626 war die Belagerung erfolgreich abgeschlossen und Tilly konnte als Sieger einziehen.

Am 27. August 1626 schlug er den Dänenkönig Christian IV. (Dänemark und Norwegen) in der Schlacht bei Lutter am Barenberge. Nachdem schon 1627 der kaiserliche Feldherr Wallenstein die dänischen Festlandterritorien, Schleswig-Holstein und Jütland, besetzt hatte, zwangen Tilly und Wallenstein den Dänenherrscher schließlich am 12. Maijul./ 22. Mai 1629greg. zum Abschluss des Friedens von Lübeck.

In seiner Doppelrolle als ligistischer und kaiserlicher militärischer Oberbefehlshaber seit 1630 besorgte er die Durchführung des Restitutionsedikts in Norddeutschland. 1631 fand die Einnahme Neubrandenburgs unter grausamem Gemetzel statt. Da seine Truppen nicht schlagkräftig genug waren, um weiter ungefährdet vorzugehen, schloss sich Tilly mit dem größten Teil seines Heeres Gottfried Heinrich zu Pappenheim an, der Magdeburg belagerte. Es gelang ihm nicht, Gustav II. Adolf (Schweden) Vordringen in Pommern zu verhindern. Tilly überschritt an der Fähre Westerhüsen die Elbe und bezog im Freihof des Dorfes Westerhüsen Quartier.

Das Massaker von Magdeburg 1631[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. Mai 1631 eroberte Tilly die Stadt Magdeburg. Ein Brand verwandelte sie in einen Trümmerhaufen. Die Verwüstungen der Stadt gingen so weit, dass Magdeburg als Sinnbild für Zerstörung und Grausamkeit als „Magdeburgisieren“ in die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges einging. Bei der Erstürmung Magdeburgs, den anschließenden Gewaltexzessen und Bränden verloren 20.000 (nach einigen Quellen 30.000) Bürger ihr Leben, wobei besonders die Truppen von Gottfried Heinrich zu Pappenheim wüteten. Nach der Katastrophe wurden von den einst 35.000 Einwohnern noch 449 gezählt. Diese Magdeburger Hochzeit gilt als das größte und schlimmste Massaker des Dreißigjährigen Krieges und bildete damit zugleich einen Wendepunkt in der Kriegführung. Die Ereignisse lösten eine bis dahin nicht da gewesene Gewalteskalation im weiteren Kriegsverlauf aus.[6][7][8]

Graf Tilly konnte sich an der Niederelbe gegen die Angriffe des Königs der Schweden nicht behaupten, fiel in das Kurfürstentum Sachsen ein, und ließ es durch seine Söldner plündern und verwüsten. Hierdurch trieb er den sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. zum Bündnis mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf, deren vereinigtem Heer er am 17. September 1631 in der Schlacht bei Breitenfeld unterlag. Tilly wurde verwundet, sein Heer löste sich in marodierende Haufen auf. Nun eilte er nach Halberstadt, wo er Verstärkungen an sich zog, und brach dann nach dem von den evangelisch-lutherischen Schweden bedrohten Kurfürstentum Bayern auf. Am 9. März 1632 besiegten Kaiserliche Söldner unter seinem Befehl in der Schlacht bei Bamberg schwedische Einheiten unter dem Befehl des Feldherrn Gustaf Graf Horn.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medaille auf den Tod Tillys mit rückseitiger Aufschrift: „Der Kirche Schwert und Schild – Ingolstadt 1632“ (HGM)
Denkmal des Feldherrn Johann T’Serclaes von Tilly in Altötting/Bayern

Am 15. April 1632 wurde Tilly während der Schlacht bei Rain am Lech, bei der Verteidigung des Lechübergangs der rechte Oberschenkel durch eine etwa 90 Gramm schwere Kugel eines Doppelhakens zerschmettert (und nicht etwa vom Geschoss eines Falken, wie von einem zeitgenössischen Chronisten irrtümlich behauptet).[9] Die Wunde heilte schlecht und löste eine Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) aus.[10] Tilly starb am 30. April 1632 in Ingolstadt. Sein Leichnam wurde zunächst in der Ingolstädter Jesuitenkirche bestattet. 1652 wurden die sterblichen Überreste nach Altötting überführt und liegen dort in einem gefensterten Sarg sichtbar in der Tilly-Gruft der Stiftspfarrkirche St. Philipp und Jakob. Sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Gnadenkapelle (Altötting).

Charakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Publikationen wird vielfach über seine Person berichtet, ohne sein Wesen wirklich zu ergründen. Graf Tilly war von mittlerer Statur, hager und lebte in mönchischer Abgeschiedenheit. Er soll scharfe Gesichtszüge und große buschige graue Augenbrauen gehabt haben. Aufwand und äußere Ehrenbezeugungen soll er abgelehnt, in seiner Umgebung auf strenge Disziplin und Einhaltung der Hierarchie geachtet haben. Ob ihn das Leid der Mitmenschen während der Grausamkeiten und Besitzumschichtungen des Dreißigjährigen Krieges berührten, ist unbekannt.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Wirken ist in hohem Maße umstritten. Vor allem von evangelisch-lutherischer Seite werden ihm die von seinen Truppen begangenen schweren Kriegsverbrechen angelastet. Spätere katholische Schriftsteller[11] haben versucht ihn zu entlasten. Von dem Vorwurf, Tilly habe die Zerstörung Magdeburgs gewollt, entlasteten ihn auch die katholischen Autoren Heising[12] und Wittich.[13]

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiterstandbild auf dem Kapellplatz in Altötting

Die Erinnerung an sein Leben ist nicht verblasst und beschäftigt die Menschen bis heute. Im Jahr 1843 wurde ihm in der Feldherrnhalle zu München eine Statue errichtet. Ein weiteres Denkmal steht seit 1914 auf dem Rathausplatz von Rain, der Stadt, in deren unmittelbarer Umgebung er seine tödliche Verwundung erlitt. Eine mittlerweile aufgelöste Bundeswehrkaserne im Gemeindegebiet von Oberhausen bei Neuburg a.d. Donau (1959–1994; jetzt als zivile Siedlung „Kreut“ genutzt) führte den Namen Tilly-Kaserne. In Freistadt, Oberösterreich, gibt es nach wie vor eine Tilly-Kaserne, die eine Kompanie eines Panzerstabsbataillons beherbergt. Im Jahre 2005 wurde ein Reiterstandbild Tillys auf dem Kapellplatz in Altötting aufgestellt. Zu erwähnen sei noch der Ort Tillisburg mit Schloss Tillisburg nahe St. Florian in Oberösterreich. In Deutschland gibt es in der Oberpfalz einen kleinen Grenzübergang mit dem Namen Tillyschanze, dort kann man eine ehemalige Feldbefestigung besichtigen.

In der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld im Oberharz gibt es eine Straße mit dem Namen Tillyschanze. In der Harzstadt Seesen werden während des größten Historienfestes Norddeutschlands, dem Sehusa-Fest, jedes Jahr Schlachtszenen aus dem 30-jährigen Krieg und der Einzug von Tillys Truppen durch das Stadttor nachgestellt.[14]

Bis zum Januar 2009 wurde in der Stiftskirche von Altötting täglich um 7.00 Uhr eine Messe für Tilly gelesen. Ein jeweils eigens dafür eingesetzter Geistlicher tat dies auf Bitten Tillys, der 1632 einen Betrag von 6300 Gulden für dieses Benefizium gespendet hatte, auf dass die Messe „bis in alle Ewigkeit“ für sein Seelenheil gelesen werden sollte. Nach 380 Jahren wurde das Tilly-Benefizium vom Passauer Bischof Wilhelm Schraml abgeschafft, da das von Tilly gespendete Stiftungsvermögen trotz Zinsenerlösen längst aufgebraucht sei.[15]

Die Bezeichnungen Tillyhügel und Tillysee für einen Hügel und See südlich Oldenburg gehen auf das einstige Heerlager Tillys dort zurück.

Östlich vor der Stadtmauer Neubrandenburgs ist die Tilly-Schanzen-Straße. Dort oder zumindest in der Nähe hatte Tilly im März 1631 seine Kanonen in Stellung bringen lassen, durch Schanzen gesichert. Von dort erfolgte das Bombardement gegen das Neue Tor und die nördlich angrenzenden Bereiche der Stadtmauer, das nach drei Tagen zum Erfolg führte.

Blick von Hann. Münden hoch zur Tillyschanze

In Hann. Münden in Niedersachsen gibt es eine Tillyschanze als Aussichtsturm von 1885. In einem kleinen Museumsanbau befindet sich ein Relief des Mündener Bildhauers Gustav Eberlein, das die Verteidigung der Stadt Münden im Dreißigjährigen Krieg zeigt. Eine Büste Tillys fand Aufstellung in der Ruhmeshalle in München.

Das Reduit Tilly, ursprünglich Tillyveste, ist ein Teil des klassizistischen Brückenkopfs der Landesfestung Ingolstadt und beherbergt heute die Abteilung Erster Weltkrieg des Bayerischen Armeemuseums. Auch eine benachbarte Tiefgarage trägt Tillys Namen.

Einmal jährlich findet in Breitenbrunn (Oberpfalz) ein Tillyfest statt. Seit 1989 gedenkt der Ort damit des Feldherrn, der die Herrschaft Breitenbrunn für seine Verdienste von Kurfürst Maximilian I. (Bayern) erhielt. Dort starb am 21. April 1744 mit Maria Theresia Reichsgräfin von Tilly die letzte Namensträgerin des Geschlecht der T’Serclaes von Tilly.[16]

Im Staßfurter Salzlandtheater gibt es den 1550 erbauten „Tilly-Saal“. Im „Tilly-Saal“ verhinderte der Bürgermeister von Staßfurt am 25. Mai 1631, kurz nach der Zerstörung Magdeburgs durch Tillys Truppen, durch geschickte Verhandlungen mit Johann T’Serclaes von Tilly, dass auch seine Stadt der Zerstörung zum Opfer fiel.

Museale Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Tilly in der Feldherrenhalle des Heeresgeschichtlichen Museum, Wien

Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Tilly in die Liste der „berühmtesten, zur immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufgenommen, zu deren Ehren und Andenken auch eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.k. Hofwaffenmuseums (heute: Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde. Die Statue wurde 1866 von dem Bildhauer Josef Anton Gröbmer (1812–1882) aus Carrara-Marmor geschaffen, gewidmet wurde sie von Kaiser Franz Joseph selbst.[17]

Im Heeresgeschichtlichen Museum wird weiters ein Schwert aufbewahrt, das dem Feldherrn Tilly zugeschrieben wird. Zudem ist eine Erinnerungsmedaille auf den Tod Tillys sowie ein Handschreiben des Feldherrn der Öffentlichkeit zugänglich.[18]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rot ein goldgekrönter Löwe belegt mit einem geteilten Herzschild; oben in drei Reihen zu sechs Feldern von Silber und Schwarz geschachtet, unten Gold (Bygaerden). Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken Hals und Kopf eines goldbewehrten silbernen Adlers zwischen offenem rotem Adlerflug. Zu beiden Seiten des Kleinods je eine senkrecht gestellte nach auswärts abfliegende Fahne an goldenem Schaft, rechts das Heroldsschild des Herzschildes, links in Rot ein Türkenkopf im Profil, mit silbern und goldenen Federn besteckter Turban.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anne Dreesbach, Jürgen Wurst, Alexander Langheiter: Johann Tserclaes Graf von Tilly. In: Diess. (Hrsg.): Monachia. Von Carl Theodor von Piloty im Münchner Rathaus. Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 2005, ISBN 3-88645-156-9, S. 133.
  • Albert Heising: Magdeburg nicht durch Tilly zerstört. Zwei historische Abhandlungen. 2. Aufl. Schneider Verlag, Berlin 1854.
  • Antoine C. Hennequin de Villermont: Tilly oder der dreißigjährige Krieg („Tilly ou la guerre de trente ans“, 1859). Verlag Hurter, Schaffhausen 1860.
  • Marcus Junkelmann (Hrsg.): „Der Du gelehrt hast meine Hände den Krieg“. Tilly, Heiliger oder Kriegsverbrecher? Verlag Geiselberger Altötting 2007, ISBN 978-3-87245-036-4 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, Bayerisches Armeemuseum, 1. Mai bis 30. Juli 2007).
  • Michael Kaiser: Politik und Kriegführung. Maximilian von Bayern, Tilly und die Katholische Liga im Dreißigjährigen Krieg. Aschendorff Verlag, Münster 1999, ISBN 3-402-05679-8.
  • Onno Klopp: Tilly im dreißigjährigen Krieg. Cotta, Stuttgart 1861 (2 Bde.).
  • Walter Krüssmann: Ernst von Mansfeld (1580–1626); Grafensohn, Söldnerführer, Kriegsunternehmer gegen Habsburg im Dreißigjährigen Krieg (Historische Forschungen; Bd; 94). Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-13321-5 (zugl. Dissertation, Universität Köln 2007).[19]
  • Wilhelm Lotze: Geschichte der Stadt Münden nebst Umgebung. Mit besonderer Hervorhebung der Begebenheiten des dreißigjährigen und siebenjährigen Krieges. Verlag Wenner, Osnabrück 1975, ISBN 3-87898-086-8 (Nachdr. d. Ausg. Münden 1878).
  • Bernd Rill: Tilly. Feldherr für Kaiser und Reich. Universitas-Verlag, München 1984, ISBN 3-8004-1068-0.
  • Rudolf Saller: Reichsgraf Johann T’Serclaes von Tilly. Chronik über Leben und Laufbahn. Verlag Geiselberger, Altötting 2007, ISBN 978-3-87245-035-7.
  • Guillaume Samsœn de Gérard: Der unerschrockene Feldmarschall. Graf Johann t’Serclaes v. Tilly war nicht der Zerstörer von Magdeburg. Edition Stolz, Freiburg/B. 1984, ISBN 3-923138-18-0.
  • Karl Wittich: Magdeburg, Gustav Adolf und Tilly. Verlag Duncker, Berlin 1874 (2 Bde.).
  • Karl Wittich: Tilly, Johann Tserclaes Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 38, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 314–350.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johann T’Serclaes von Tilly – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Grafen und Fürsten von Tilly a. d. H. der Herren T´Serclaes Die „Bayerischen“ Tillys, PDF-Archiv (Tafel 88) des Historischen Vereins Alt-Tilly e.V.
  2. Antoine-Charles Hennequin de Villermont: Tilly oder der dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1632 Schaffhausen 1860, S. 180. Übersetzung des französischen Originals: Tilly ou la Guerre de Trente Ans Paris/Tournai 1860, S. 213
  3. Roman von Procházka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien, Ergänzungsband. Herausgegeben vom Vorstand des Collegium Carolinum (Institut) Forschungsstelle für die böhmischen Länder, R. Oldenbourg Verlag München 1990, ISBN 3-486-54051-3, Tilly (in Böhmen), Seite 136, Berichtigungen zu Roman von Procházka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien, Neustadt an der Aisch 1973, ISBN 3-7686-5002-2, S. 320 und 321, Stammfolge: Tilly (in Böhmen) (T’Serclaes de Tilly).
  4. Dazu ausführlich Walter Krüssmann: Ernst von Mansfeld, S. 277–291, 295–303 und 308–311.
  5. s. Wilhelm Lotze: Geschichte der Stadt Münden, S. 68 ff.
  6. Jan N. Lorenzen: Die Großen Schlachten – Mythen, Menschen, Schicksale, Campus Verlag, Frankfurt/ New York, 2006.
  7. Matthias Puhle (Hrsg.): „… gantz verheeret!“ Magdeburg und der Dreißigjährige Krieg, Mitteldeutscher Verlag, Halle, 1998.
  8. Hannes Schuler, Anne Roerkohl: Die großen Schlachten 2/4: 1631 – Das Massaker von Magdeburg, Fernsehdokumentation, WDR, 2006, abgerufen am 30. September 2015.
  9. Der Jesuitenpater Jakob Balde berichtet in seinem Werk Magnus Tillius Redivivus (1632) fälschlich, eine „einpfundige Kugel […] aus einem schwedischen Geschütz, einem sogenannten Falken“ habe die Verwundung verursacht. Kurfürst Maximilian I. schildert in einem Brief vom 15. April 1632 dagegen richtig, Tilly sei der Schenkel „mit einem Doppelhaggen entzwey geschossen“ (Albert Beierlein: Die Schlacht bei Rain am Lech 14. und. 15. April 1632, S. 43–50, hier S. 50, in: (Vorname unbekannt) Reichenau (Hg.): Schlachtfelder zwischen Alpen und Main, München 1938). Eine Untersuchung des Skeletts anlässlich einer Tilly-Ausstellung in Altötting 2007 bestätigt die Doppelhaken-Verwundung. Die letztlich tödliche, 90 Gramm schwere Kugel war wohl dem Leichnam beigelegt, ging aber im Zweiten Weltkrieg verloren. Vgl. Marcus Junkelmann, Historischer Verein Alt-Tilly u.a.: „Der du gelehrt hast meine Hände den Krieg“: Tilly – Heiliger oder Kriegsverbrecher?, Altötting 2007 (Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung des Historischen Vereins Alt-Tilly und des Bayerischen Armeemuseums in Altötting, 1. Mai bis 30. Juli 2007), S. 38, S. 96 (Bericht des Jesuitenpaters Jakob Balde), S.173, Kommentar zu Abb. 59 (Foto des zerschossenen Skelett-Oberschenkels)
  10. Junkelmann: Tilly – Heiliger oder Kriegsverbrecher?, S. 38
  11. Onno Klopp: Tilly im Dreißigjährigen Krieg und Antoine C. Hennequin de Villermont: Tilly oder der dreissigjährige Krieg.
  12. Albert Heising: Magdeburg nicht durch Tilly zerstört.
  13. Karl Wittich: Magdeburg, Gustav Adolf und Tilly.
  14. Webseite des Seesener Schützenvereins zu „Tillys Kanonieren“ auf dem Sehusa-Fest
  15. Bericht des Bayrischen Rundfunks vom 18. Januar 2012 (Memento vom 27. Juli 2012 im Webarchiv archive.is)
  16. Webseite mit Hintergründen und Entstehungsgeschichte des Tillyfests in Breitenbrunn (Oberpfalz)
  17. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 31.
  18. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien, Bd. 1: Saal I – Von den Anfängen des stehenden Heeres bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, S. 27.
  19. Thematisiert Tillys militärisches Vorgehen gegen Mansfeld im böhmisch-pfälzischen Krieg seit 1620/21.