Tourismus in Frankreich

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Die Abtei Mont Saint Michel, UNESCO-Welterbe

Der Tourismus in Frankreich spielt eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Rund eine Million Menschen arbeiten im Tourismussektor; dort werden rund zehn Prozent des Bruttosozialproduktes erwirtschaftet. Frankreich galt 2010 mit 76 Millionen ausländischen Besuchern als das wichtigste Touristenziel der Welt. Paris und sein Umland (Île de France), die Mittelmeerküste (z.B. Côte d’Azur) und die französischen Alpen sind wichtige Urlaubsregionen. Das Land hat 41 UNESCO-Welterbestätten (2015).[1] Etwa 20 Prozent der ausländischen Besucher 2010 waren Deutsche; Iren und Briten zusammen 16 Prozent.[2] Zwei Drittel der Einnahmen wurden mit inländischen Besuchern erzielt.[3]

Geschichte des Tourismus in Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Promenade des Anglais in Nizza

Erster bedeutender Fremdenverkehrsort war Hyères an der Mittelmeerküste zwischen Marseille und Nizza.[4] Reiche Engländer kamen ab etwa 1750 als Kurgäste für einige Wochen im Winter. Die 1822 in Nizza angelegte breite Uferstraße trägt noch heute den Namen Promenade des Anglais (Engländerpromenade). Auch reiche Russen kamen, manche ab 1896 mit dem Wien-Nizza-Cannes-Express. Nach dem Ersten Weltkrieg begann der Sommertourismus an den Küsten. Der Inlandstourismus nahm ab 1936 zu, als die Gewerkschaften in den Matignon-Verträgen den Anspruch auf einen zweiwöchigen Erholungsurlaub durchsetzen konnten.[5]

Nach den ersten Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix wurden die Skigebiete in Frankreich entwickelt; der Wintersport nahm zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg kauften viele Franzosen Zweitwohnungen, um sie selbst zu nutzen oder zu vermieten. Binnenmigranten versuchten, im Heimatort ein Haus oder eine Wohnung zu behalten. Noch heute urlauben 90 Prozent der Franzosen im eigenen Land.[6] In den 1950er Jahren „erfanden“ Franzosen den Cluburlaub und gründeten den Club Med. Große Appartementblocks wurden am Meer - z.B. in La Grande-Motte - und in den Bergen - zum Beispiel bei Tignes oder La Plagne gebaut.

Reiseziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paris[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Paris bzw. seinem Umland liegen die neun meistbesuchten touristischen Ziele des Landes. Hier vermischen sich Geschäftstourismus und Kulturtourismus: Louvre,[7] Eiffelturm und das Centre Georges Pompidou zählen zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten; die meisten Besucher landesweit hat das östlich von Paris gelegene Disneyland Paris; ebenfalls in der Hauptstadtregion liegt das Schloss Versailles. Die Metropole bietet Hotelpaläste wie das Hôtel Ritz, das Hôtel de Crillon oder das Hôtel Lutetia, daneben Museen, Kirchen, Opernhäuser, Theater, Revues und große Konzertgebäude. Hier ruhen Prominente auf dem Père Lachaise; Messen und Modenschauen finden statt, im Mai/Juni das French Open. Die höchste Wertschöpfung erreicht die Stadt durch Besucher aus Japan und der Arabischen Halbinsel.

Französische Provinz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Küste: Frankreich hat eine Küstenlänge von etwa 3.120 Kilometern. Vielerorts gibt es im Sommer Badetourismus. Vielbesucht ist die Mittelmeerküste (und Korsika); auch in der Bretagne, der Normandie und an der Atlantikküste (der südliche Teil heißt Biskaya) gibt es Orte, die Badende und Wassersportler (z.B. Surfer und Segler) anlocken.

Orte mit historischer Bedeutung: Geschichtlich Interessierte können zum Beispiel etwa 400 Schlösser der Loire besuchen. Die Höhle von Lascaux in Aquitanien steht für die Anfänge menschlicher Besiedelung. Das Beinhaus von Douaumont und viele andere Gedenkstätten in der Region Lothringen um Verdun erinnern an den Ersten Weltkrieg. Hunderte deutsche Soldatenfriedhöfe beider Weltkriege werden vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gepflegt. Es gibt die Wege der Erinnerung an Schlachten des Ersten Weltkrieges; vier Routen sind markiert.[8] Menschen mit Interesse an der Römerzeit kommen nach Alesia in Burgund; ebenfalls in Burgund wird in Guédelon eine Burg mit den Mitteln des Mittelalters wiederaufgebaut. Ein weiteres Ziel für diese Zeit sind die Katharerburgen im Languedoc-Roussillon. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges wird lebendig in der U-Boot-Reparaturwerft Brest am Atlantik; verschiedene Küstenorte in der Normandie erinnern an die alliierte Landung in der Normandie, die Operation Overlord. Weitere Ziele der Militärgeschichte sind der Atlantikwall und die Maginot-Linie.

Technik: Eisenbahnfreunde können die Korsische Schmalspurbahn oder die Touristenbahn im Cotentin entdecken. Wer sich für Luftfahrt interessiert, kann das Musée de l’air et de l’espace bei Paris besichtigen.

Kunst und Kultur: Wer sich für Malerei interessiert, kann das Atelier von Claude Monet in Giverny in der Normandie besuchen oder auf den Spuren von Pablo Picasso nach Antibes fahren. Auch das Festival von Avignon lockt Besucher an. Cineasten fahren zu den Internationalen Filmfestspielen von Cannes oder nach Deauville zum Festival des amerikanischen Films.

Sport: Wer das Rafting liebt, kann in die Verdonschlucht fahren. Seit 1903 begeistert die Tour de France während dreier Wochen im Juli die Nation. Die Armada Rouen findet alle fünf Jahre statt und zieht Fans von Großseglern an.

Medizintourismus: Kururlauber nutzen die Möglichkeiten zur Thalassotherapie.

Rucksacktourismus: Es gibt Hunderttausende Campingplätze besonders am Mittelmeer.

Fahrten mit Hausbooten sind auf dem 240 Kilometer langen Canal du Midi und auf weiteren 8000 Kilometern Wasserwegen möglich; ein Motorboot-Führerschein ist nicht nötig.

Pilger: Lourdes an der französisch-spanischen Grenze ist einer der weltweit meistbesuchten Wallfahrtsorte. Pilger auf dem Jakobsweg haben die Wahl zwischen der Via Podiensis, der Via Turonensis und der Via Tolosana.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Pletsch, Hansjörg Dongus und Henrik Uterwedde: Frankreich. Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik. WBG, Darmstadt 2003, 2. Aufl. ISBN 3-534-11691-7, S. 268–278.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung auf der Seite der französischen Botschaft in Berlin, abgerufen am 22. August 2015
  2. Statistik der französischen Statistikamtes INSEE, abgerufen am 8. Dezember 2012
  3. france.fr, abgerufen am 30. Dezember 2012
  4. Pletsch (2004), S. 268
  5. Pletsch (2003), S. 270
  6. Pletsch (2003), S. 272
  7. 8,3 Millionen Besucher 2010 lt. INSEE, abgerufen am 8. Dezember 2012
  8. Weltkriegs-Tourismus in Frankreich: Schwarze Kreuze für die Deutschen. spiegel.de, 13. März 2014, abgerufen am 23. Juli 2014