Trabrennbahn Karlshorst

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Eingang zum Gelände der Trabrennbahn

Die Trabrennbahn Karlshorst ist eine historische 37 Hektar große Anlage für Pferderennen im Berliner Bezirk Lichtenberg, Ortsteil Karlshorst. Sie liegt an der Treskowallee in der Nähe des S-Bahnhofs Karlshorst. Die Rennbahn ist nach dem Vorwerk Karlshorst die älteste Ansiedlung in der Umgebung des heutigen Karlshorst. Sie wird nach und nach zu einem Pferdesportpark ausgebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trabrennbahn (hier noch als Hindernisrennbahn) und Hotel "Fürstenhaus" (1899)
Besucher auf der Pferderennbahn in Karlshorst (1910)

19. Jahrhundert bis April 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem nahen Vorwerk Carlshorst wurden schon seit 1862 Armee-Jagd-Rennen durchgeführt. Die hierfür genutzte Rennbahn diente auch als Ausweichparcours für die in Charlottenburg vorhandene Hindernisbahn. So fand in Karlshorst 1884 das erste öffentliche Pferderennen statt.[1] Die eigentliche Rennbahn Karlshorst entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf einem etwa 1,2 Quadratkilometer großen Gelände, welches der Gutsbesitzer Sigismund von Treskow 1893 verkaufte. Der Verein für Hindernisrennen aus Charlottenburg suchte zu dieser Zeit ein neues Gelände, wobei sich der Standort Karlshorst gegen Zehlendorf, Kaulsdorf und Tempelhof durchsetzte. Die Kritiker hätten die neue Hindernis-Rennbahn lieber verkehrsgünstig in Zehlendorf zwischen Berlin und Potsdam gesehen, denn Karlshorst hatte zu dieser Zeit noch nicht einmal eine Eisenbahnanbindung. Nach Plänen der Architekten Johannes Lange (Hochbauten), Rudolph Jürgens (Landschaftsanlagen) und Martin Haller (sporttechnische Gestaltung) entstand jedoch 1893/1894 die Galopprennbahn für Hindernis- oder Jagdrennen.

Reiterdenkmal von Willibald Fritsch (1925)

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der 1990er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 wurde die Anlage auf Anordnung des sowjetischen Stadtkommandanten Generaloberst Bersarin zur Trabrennbahn umgebaut und flächenmäßig etwa auf das Doppelte vergrößert. Während der deutschen Teilung war dies die einzige Trabrennbahn in der DDR und wurde vom Volkseigenen Betrieb Trabergestüte und Trabrennbahn betrieben.[1] Nach der Wiedervereinigung verpachtete die Treuhandanstalt die Reitsportanlage Karlshorst an den Trabrennverein Mariendorf (TVM), der bereits die Trabrennbahn Mariendorf verwaltete. Dadurch gab es vier Renntage pro Woche, zwei auf jeder Bahn.

Nach dem Jahr 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den wirtschaftlichen Niedergang des Pferderennsports Anfang der 2000er Jahre zog sich der TVM zurück. Im Jahr 2004 wurde das Rennbahngelände Karlshorst zum Verkauf ausgeschrieben. Nachdem die TLG Immobilien, eine Nachfolgeeinrichtung der Treuhandanstalt, das Areal geteilt hatte, konnte die eine Hälfte an den neu gegründeten Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e.V. und die andere Hälfte als Bauland verkauft werden. Das Bauland entstand durch Abriss einiger Stallgebäude, des Casinos und der Reithalle und ist inzwischen weitestgehend mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut[1], die den Siedlungsbereich Carlsgarten bilden.

Das verbliebene Areal von circa 3,7 Quadratkilometer wird engagiert vom Verein betreut. Die Erfolge der Arbeit zeigten sich in steigenden Besucherzahlen, in steigenden Wettumsätzen und dem Auftreten von Sponsoren. Das Konzept war von Anfang an „volksnah“ und auf die Masse der Besucher ausgerichtet. So kann man zum Beispiel für wenig Geld Anteile an Rennpferden erwerben und so zu einem Bruchteil der Kosten Mitbesitzer werden. Es existiert eine Fahrschule für Traber, in der jedermann Unterricht nehmen kann. Neben den regelmäßigen wöchentlichen Renntagen gab es im Herbst 2007 eine Großveranstaltung mit über 30 römischen Kampfwagen, Legionären und Ben Hur. Das wichtigste Rennen im Jahr ist das Bersarin-Erinnerungsrennen. Der Verein und die Marketingagentur GPM LiveMarketing setzen alle Kraft daran, die Trabrennbahn auch für Großveranstaltungen attraktiv zu machen. Hierfür sind unter anderem die Deutsch-Russischen Festtage ein Vorzeigeprojekt geworden, das im Jahr 2008 mehr als 110.000 Besucher hatte.

Eine dauerhafte Sicherung des Rennbetriebs durch Ansiedlung der Berliner Polizeireiterstaffel in Karlshorst bahnte sich 2009 an, als ein Mietvertrag mit der Bundespolizei konkret verhandelt wurde.[1] Kurzfristig ist der mögliche Standort für die Reiterstaffel jedoch nach Stahnsdorf verlegt worden,[2] und das denkmalgeschützte Karlshorster Gelände hat seitdem mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Der weitere Betrieb der Rennbahn wird auch durch französische Trabrennfreunde gesichert. Trabrennsport ist in Frankreich sehr populär. Ein französischer Wettanbieter investiert in manche Renntage, die Rennen aus Karlshorst werden dann live im französischen Fernsehen übertragen.[3]

Ein im März 2011 angestoßenes Wirtschaftsförderungsprojekt, zu je 50 Prozent aus Mitteln des EU-Fonds für regionale Entwicklung und der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Struktur (mit jährlich etwa 100.000 Euro) finanziert, soll nun den Pferdesportpark auf eine breite Basis stellen, um den langfristigen Erhalt zu sichern. Die Gewinnung von Investoren, die infrastrukturelle Entwicklung des Geländes samt dem Bau einer Reithalle, eines Pferdehofs, eines Jugendhotels mit möglichst autarker Energieversorgung durch eine Biogasanlage stehen auf der Agenda des Projektteams.[4]

2016 erwarb die Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost ein ca. 10.000 m² großes bis dahin brachliegendes Teilstück der Anlage. Dort soll bis 2018 ein Reittherapiezentrum entstehen.[5]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monatlich gibt es durchschnittlich zwei Rennveranstaltungen auf der Trabrennbahn (Stand 2016).[6]

Jedes Jahr im Juni finden auf der Trabrennbahn die Deutsch-Russischen Festtage statt. Im August 2013 wurde auf der Trabrennbahn Weltmeisterschaft der Islandpferde veranstaltet, zu der eine Woche bis zu 13.000 Besucher täglich kamen. Aufgrund des großen Erfolges wird eine Bewerbung für die Island-Pferde-WM 2019 diskutiert.[7]

2014 gastierte die Zombie Run Tour auf der Trabrennbahn.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd von Ende: Berliner Pferderennsport. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-088-5.
  • Michael Laschke: Die Baumeister : Architekten der Rennbahn Karlshorst. Kulturring, Berlin 2009, ISBN 978-3-9812995-0-2. (Heft 3 der Karlshorster Beiträge zur Geschichte und Kultur)
  • Die Rennbahnanlagen in Carlshorst bei Berlin. In: Deutsche Bauzeitung. Jg. 30, Nr. 88 (31. Oktober 1896), S. 549–553 und Nr. 90 (7. November 1896), S. 561–562. (PDF des Jahresbandes, 132 MB)
  • Michael Lasche/Walter Fauck: Die Rennbahn. Von der Treskowschen Rennbahn zum Pferdesportpark, Kulturring Berlin, ISBN 978-3-9814590-7-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trabrennbahn Karlshorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Neue Pferde für die Trabrennbahn - Die Reiterstaffel des Bundes könnte das Überleben der Anlage in Karlshorst sichern - Artikel in der Berliner Zeitung vom 25./26. April 2009
  2. Tobias Reichelt: Neuer Standort. Reiterstaffel der Bundespolizei zieht nach Stahnsdorf. 25 Pferde, 37 Polizeibeamte, sechs Tierpfleger, ein Azubi und ein Hufschmied – die Reiterstaffel der Bundespolizei soll mit ihrem gesamten Tross nach Stahnsdorf umziehen. Artikel im Tagesspiegel vom 12. Oktober 2010; abgerufen am 22. März 2012
  3. www.berliner-woche.de, vom 18. April 2016, abgerufen am 25. April 2016
  4. Mehr als eine Trabrennbahn. Bezirk hat große Pläne für den Pferdesportpark Karlshorst. In: Berliner Woche für Lichtenberg Nordost vom 21. März 2012
  5. www.berliner-woche.de, vom 18. April 2016, abgerufen am 25. April 2016
  6. Rennberichte 2016
  7. www.berliner-woche.de, vom 18. April 2016, abgerufen am 25. April 2016
  8. Zombie Run Berlin auf berlin.de, abgerufen am 25. April 2016

Koordinaten: 52° 28′ 35″ N, 13° 31′ 29″ O