Volvo 760

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Volvo
Volvo 760 (1982–1987)
Volvo 760 (1982–1987)
760
Produktionszeitraum: 1982–1990
Klasse: Obere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
2,3–2,9 Liter
(115–134 kW)[1]
Dieselmotoren:
2,4 Liter
(80–90 kW)
Länge: 4790–4800 mm
Breite: 1750–1760 mm
Höhe: 1410–1435 mm
Radstand: 2770 mm
Leergewicht: 1360–1510 kg
Vorgängermodell Volvo 260
Nachfolgemodell Volvo 960

Der Volvo 760 war ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse aus der 700er-Serie des schwedischen Autoherstellers Volvo.

Das kantige Design des 760 war vom hauseigenen Designer Jan Wilsgaard entworfen worden und lehnte sich deutlich an damalige amerikanische Autos wie Chevrolet Caprice und Cadillac Seville an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1982 erschien als Nachfolger des Volvo 264 der 760, für den ein gegenüber dem Vorgänger auf "unter 0,4" verringerter cw-Wert genannt wurde.[2]

Volvo 760 GLE, Heckansicht in Ursprungsausführung (1982–1987)

Der 115 kW (156 PS) starke Sechszylinder-Benzin-Einspritzmotor B28E war vom Vorgänger übernommen worden. Bei diesem auch als PRV-Motor bezeichneten Triebwerk handelte es sich um eine Gemeinschaftsentwicklung von Peugeot, Renault und Volvo. Ebenfalls erhältlich war ein Sechszylinder-Turbodiesel mit 2,4 Liter Hubraum und 80 kW (109 PS), der die Bezeichnung D24T trug und von VW stammte. Der 760 Turbodiesel galt lange als Europas schnellster Personenwagen mit Dieselmotor. Er benötigte für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h mit Schaltgetriebe lediglich 11 Sekunden. Dies war für die damalige Zeit mit ihren sehr trägen Dieselautos revolutionär.

Mitte 1983 erschien der 760 Turbo, ein Vierzylinder-Benziner mit Turbolader, der über 2,3 Liter Hubraum und 134 kW (182 PS) verfügte.

Innenraum

Im Frühjahr 1984 erschien als preisgünstigere Ergänzung der 740, der nur mit Vierzylinder-Benzinmotoren, aber auch mit dem Sechszylinder-Turbodiesel geliefert wurde. Die traditionelle Systematik der Volvo-Modellbezeichnungen, nach der die Endziffern „60“ oder „40“ für Sechs- respektive Vierzylinder-Benzinmotoren standen, galt daher seit 1983 nicht mehr. Der 740 hatte neben schwächeren Motoren im Vergleich zum 760 zudem eine wesentlich einfachere Ausstattung, z. B. weniger Chromzierleisten. Ein Schiebedach, Leichtmetallfelgen oder elektrische Fensterheber gab es nur gegen Aufpreis.

Anfang 1985 erschien der 760 als Kombi. Intern trug dieser Fünftürer die Bezeichnung 765, während die Limousine die interne Bezeichnung 764 hatte (Viertürer). Ebenfalls 1985 brachte Volvo im 760 mit Turbomotor B23ET gegen Aufpreis eine elektronisch geregelte Traktions- und Anti-Schleuderkontrolle auf den Markt. Drehzahlsensoren an den Rädern erfassen ein Durchdrehen der angetriebenen Hinterräder und regeln dann eine Reduzierung der Motorleistung. Das Antiblockiersystem von Bosch wurde im Jahr 1984 eingeführt.

Zum Modelljahr 1987 wurde das Diesel-Aggregat D24T gründlich überarbeitet und mit einem anderen Turbolader, einem Ladeluftkühler und einem Ölkühler ausgerüstet; durch diese und weitere Maßnahmen wurde der jetzt intern D24TIC genannte Motor mit zuerst 85 kW (115 PS) und später 90 kW (122 PS) durchzugskräftiger und robuster.

Modellpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herbst 1987 erhielt die 760-Reihe ein Facelift. Die Fahrzeugfront (mit Motorhaube aus Aluminiumblech), die Räder (Felgen) und die Innenausstattung wurden geändert. Zudem wurde die Einspritzanlage überarbeitet und die Fahrzeuge bekamen einen größeren, 80 Liter fassenden Treibstofftank (die Kombi-Modelle behielten den nur 60 Liter fassenden Tank).

Armaturentafel mit RDS-Radio

Wichtigste Änderung war die geteilte Mehrlenker-Hinterachse Multilink, die allerdings nur für die Limousinen verwendet wurde. Mit dieser Hinterachse ausgerüstete Fahrzeuge besitzen eine sehr gute Straßenlage verbunden mit ausgezeichnetem Fahrkomfort.

Einzigartig war das gegen Aufpreis erhältliche Volvo-Radio vom Typ SR-701: Dieses verfügte als erstes Autoradio weltweit über die neue Verkehrsfunk- und Informationstechnik RDS und konnte mit einem dazu erhältlichen Kassettenabspielgerät sowie einem 120-W-Verstärker mit Lautsprecherausstattung ergänzt werden.

Im Herbst 1989 wurden weitere Änderungen eingeführt, wobei die Limousine neue Rückleuchten bekam. Die technische sowie elektrische Ausstattung wurde teilweise schon auf den Stand des kommenden 960 gebracht (u. a. Antiblockiersystem). Die Sechszylinder-Modelle gab es mit Ausnahme von 1982 und 1983 nur mit 3+1-Automatikgetriebe, während alle handgeschalteten 760er-Versionen der Turbo-Benziner- und Turbodiesel-Modelle über ein Viergang-Getriebe M46 mit zuschaltbarem Overdrive verfügten.

Im Spätsommer 1990 wurde der 760 durch den Nachfolger 960 ersetzt. Eine wesentliche Änderung war die Ablösung des ausgereizten PRV-Motors, der bereits im Sommer 1974 mit dem Volvo 264 präsentiert worden war. An seine Stelle trat ein von Volvo und Porsche zusammen entwickelter 6-Zylinder-Benzin-Reihenmotor.[3] Die Optik der Front des 760 im Modelljahr 1988 wurde für den Volvo 960 weitgehend übernommen. Eine stärkere Überarbeitung erfolgte hingegen im Bereich der C-Säule und der Heckpartie der Viertürer.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Volvo 760 wurde unter anderem in skandinavischen Regierungskreisen gefahren und neben Volvo 200, Citroën CX und Peugeot 604 auch im Staatsfuhrpark der DDR eingesetzt. Aber auch in der Volksrepublik Polen und in Spanien wurden gepanzerte Volvo 760 als Staatskarossen eingesetzt.

Für Repräsentationszwecke war auch ein als „Volvo 760 Executive“ bezeichnetes Modell erhältlich. Bei diesem handelte es sich um eine verlängerte Version der 760-Limousine. Die Fahrzeuge waren um 16 cm länger als die Basisversion und wurden von der Karosseriefabrik Yngve Nilssons Karosseri AB in Laholm hergestellt. Hierzu wurden fertige Fahrzeuge aus dem Volvo-Werk Kalmar nach Laholm gebracht, wo sie aufgeschnitten und verlängert wurden.

Für den Staats-Fuhrpark der DDR entstanden etwa zehn Fahrzeuge dieser Art, die auch bei Nilsson hergestellt wurden. Allerdings waren diese Varianten mit einer Länge von sechs Metern nochmals deutlich länger und verfügten über ein zusätzliches Fenster in der Mitte. Die  Fahrzeuge hatten keine Leder-, sondern immer eine Velours-Ausstattung, da Leder in der DDR als minderwertig galt, weil Kunstleder z. B. im Trabant serienmäßig verbaut war. Hochwertiger Stoff war hingegen ein Luxusgut. Der Innenraum unterschied sich ansonsten nur durch eine zusätzliche Sitzbank und Leselampen vom normalen 760 GLE. Angetrieben wurde die Limousine von einem V6-Motor mit 170 PS. Daneben gab es in der DDR auch Landaulet-Varianten des 760, also hinten offene Limousinen, die bei Paraden eingesetzt wurden und eine Handvoll extralange Kombis.[4]

1986 wurde von der schwedischen Firma Mellberg Custom and Design der Prototyp eines Volvo 760 Cabriolet mit zwei Türen, aber unverändertem Radstand und ohne Überrollbügel, vorgestellt. Von dem Fahrzeug wurden schließlich nur zwei Exemplare gebaut.

Henryk M. Broder verwendete im Rahmen der Sendung Entweder Broder – Die Deutschland-Safari einen bunt lackierten Volvo 760.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Günther, Matthias Pfannmüller: Volvo Typenkunde – Personenwagen ab 1927. 2. Auflage. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011. ISBN 978-3-7688-3367-7. S. 75–76.
  2. https://www.auto-motor-und-sport.de/oldtimer/volvo-700-740-760-staerken-schwaechen/ , abgerufen am 20. August 2019.
  3. auto-motor-und-sport.de vom 9. Dezember 2017, insbesondere Abschnitt "Pehr beeindruckend", abgerufen am 20. August 2019.
  4. LexiCar: Staatsbesuch aus der DDR – Honeckers Volvo 760 GLE. Abgerufen am 13. Januar 2016.
  5. FAZ vom 7. November 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volvo 760 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien