Zweiter Punischer Krieg

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Die Reiche der Römer und Karthager vor dem Zweiten Punischen Krieg

Der Zweite Punische Krieg wurde von 218 v. Chr. bis 201 v. Chr. zwischen Rom und Karthago ausgetragen. „Punier“ (lateinisch Puni oder Poeni) ist die römische Bezeichnung für die Karthager. Der karthagische Feldherr Hannibal aus dem Geschlecht der Barkiden brachte Rom zunächst durch eine Reihe taktisch geschickt geführter Schlachten an den Rand der Niederlage. Die Römer gingen daraufhin zu einem langjährigen Abnutzungskrieg über und trugen den Krieg erfolgreich auf karthagisches Territorium. Schließlich siegten sie endgültig in der Schlacht von Zama unter ihrem Feldherrn Scipio dem Älteren. Der Krieg entschied den Kampf der beiden Städte um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum endgültig zugunsten Roms.

Quellenlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der vollständigen Zerstörung Karthagos im Dritten Punischen Krieg im Jahr 146 v. Chr. existieren keine historischen Quellen, die den Kriegsverlauf und dessen Hintergründe aus karthagischer Sicht beschreiben. Historiker können sich daher nur auf Werke griechischer und römischer Autoren der Antike – vor allem des Polybios und Livius – stützen und müssen diese vorsichtig interpretieren: Die großen Niederlagen, die das römische Reich im Laufe des Zweiten Punischen Krieges erlitt, wurden durch römische Historiker so interpretiert, dass sie die römische politische und soziale Ordnung grundsätzlich nicht in Frage stellten. Auch in den katastrophalen Niederlagen musste Roms Größe belegt und ein Sündenbock gefunden werden. Das gilt insbesondere für die verheerende Niederlage, die Rom in der Schlacht von Cannae erlitt. Verschiedene Geschichtswerke über Hannibal, die einen pro-karthagischen Standpunkt vertraten, sind hingegen verloren gegangen. Dazu zählen die Werke des Sosylos und des Silenos von Kaleakte.

Situation vor Kriegsbeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Punischen Krieg musste Karthago seine Besitzungen auf Sizilien und später auch auf Sardinien und Korsika an Rom abtreten. Karthago konnte sich nun grundsätzlich entscheiden, ob es sich auf eine Rolle als nordafrikanische Regionalmacht beschränken wollte oder versuchte, die Gebietsverluste zu kompensieren, indem es in Regionen expandierte, in denen Rom noch nicht präsent war. Karthago wählte die zweite Option. Hamilkar Barkas, der bereits im Ersten Punischen Krieg und im Söldnerkrieg karthagische Truppen befehligt hatte, wurde zum Oberbefehlshaber ernannt und erhielt den Auftrag, Territorium auf der Iberischen Halbinsel für Karthago zu erobern.[1] Karthago besaß im Süden der Halbinsel bereits einzelne Stützpunkte. Hamilkar besiegte mehrere iberische Stämme und erzielte erhebliche Geländegewinne in Westandalusien, am unteren und mittleren Guadalquivir. Als karthagisches Machtzentrum in dieser Region gründete er die Stadt Akra Leuke, die Pedro Barceló in der Nähe der Bergwerke von Castulo vermutet.[2] Besonders aktiv tat sich bei dem Kolonisierungsunternehmen in Westandalusien die Familie der Barkiden hervor: Hamilkar Barkas und dessen Söhne Hannibal Barkas und Hasdrubal Barkas sowie der Schwiegersohn Hasdrubal der Schöne.

In Rom wurde diese Entwicklung aufmerksam beobachtet. Cassius Dio berichtet von einer römischen Gesandtschaft bei Hamilkar und scheint dabei auf eine karthagofreundliche Quelle zurückzugreifen.[3] Demnach erkundigte sich die Gesandtschaft nach den Plänen Hamilkars, der erwiderte, Karthago müsse die Mittel für die römischen Kriegskontributionen aufbringen.[4] Rom war zu dieser Zeit damit beschäftigt, sein Herrschaftsgebiet in Oberitalien zu festigen, mit dem Südufer des Po als Grenzlinie. Hasdrubal, Hamilkars Schwiegersohn und Nachfolger, dehnte das karthagische Einflussgebiet bis zur Mittelmeerküste aus und gründete im Jahre 227 v. Chr. die Stadt Carthago Nova (Cartagena), die in der Folge Akra Leuke als Zentrum der barkidischen Macht in Spanien ablöste. Das tangierte Roms Interessen. Die italische Wirtschaft war auf freien Zugang zu allen Mittelmeerhäfen angewiesen, und der römische Senatsadel war bereit, die Interessen der italischen Kaufmannsaristokratie zu vertreten.[5]

Flüsse der iberischen Halbinsel

Der oftmals romfreundliche Geschichtsschreiber[6] Polybios unterstellt den Barkiden eine gegen Rom gerichtete Spitze in ihrer Spanienpolitik. Karthago habe die neue Provinz vor allem für einen Revanchekrieg gegen Rom gewonnen. Entschieden dagegen spricht allerdings der sogenannte Ebro-Vertrag, ein Feldherrnvertrag, den Hasdrubal im Jahre 226 v. Chr. mit den Römern abgeschlossen hatte. In diesem wurde ein Fluss namens Iber als Grenze zwischen der römischen und der karthagischen Interessensphäre in Hispania festgesetzt. Die Lage dieses Flusses wird in der Forschung seit langer Zeit diskutiert. Laut Pedro Barceló kann damit keineswegs der Ebro gemeint sein: Die antiken Quellen stimmen Barceló zufolge darin überein, dass der Iber ein Fluss südlich von Sagunt war. „Da die Identifikation und Lage Sagunts zweifelsfrei feststeht, ist folglich die Stadt als Konstante und der nicht näher bezeichnete Fluß als Variable einzustufen.“[7] Für die Identifikation des Iber mit dem Río Segura spreche auch der archäologische Befund; Münzfunde und Spuren karthagischer Militärlager belegten eine karthagische Präsenz nur südlich des Segura. Auch das vom Guadalquivir und vom Segura begrenzte Territorium sei gewaltig und übersteige das Gebiet, welches Karthago effektiv kontrollierte. Ein von Rom zugestandenes karthagisches Interessengebiet, das bis zum Ebro reichte, sei einerseits fiktiv, andererseits ein unverständlicher Verzicht auf Roms Handelsinteressen an der iberischen Küste.[7] Klaus Bringmann dagegen identifiziert mit der Mehrheit der derzeitigen Forscher den Iber klar mit dem Ebro und hält darüber hinaus die Vereinbarung dieser Grenzlinie für den einzigen Vertragsinhalt. Polybios etwa stellt ausdrücklich fest, dass Sagunt südlich des Ebro gelegen habe. Die römische Annalistik habe diesen Sachverhalt aber im Nachhinein verdunkelt. Denn wie sich herausstellte, band der Ebro-Vertrag nach karthagischer Rechtsauffassung ohnehin nur den Feldherrn Hasdrubal und nicht den karthagischen Staat. Er war also nach Hasdrubals Tod ohnehin nichts mehr wert. Die römische Annalistik habe nachträglich (nach Kriegsende) versucht, den Ebro-Vertrag so umzuinterpretieren, dass Hannibals Angriff auf Sagunt einen Bruch dieses Vertrage darstellte.[8] Franz Hampl meinte, dass beide Seiten in dem Ebro-Vertrag nicht mehr gesehen hätten als „nützliche oder notwendige Fixierungen der augenblicklichen Zustände“, über die man in Zukunft hinweggehen würde, sobald das strategisch sinnvoll war.[9]

Über das römische Interesse an einem erneuten Krieg mit den Puniern kann nur spekuliert werden: Vermutlich bestand in erster Linie ein spezielles Interesse an der prosperierenden Iberischen Halbinsel und nicht an einem groß angelegten Krieg im gesamten westlichen Mittelmeer. Die Römer wandten eine ähnliche diplomatische Strategie wie im Ersten Punischen Krieg an, indem sie eine einzelne Stadt als Anlass für einen Krieg vorschoben. Die Stadt Sagunt lag weit südlich des Ebro und damit in dem Karthago zugesprochenen Gebiet (die Identifikation von Iber und Ebro vorausgesetzt). Sie sah sich durch die Expansion Karthagos bedroht und rief Rom um Hilfe an. Dann kam es zu Konflikten zwischen Sagunt und Nachbarstämmen unter karthagischer Herrschaft, und jetzt war Sagunt in der Tat im Visier Karthagos. Die Saguntiner hatten womöglich darauf spekuliert, mit einem aggressiven Agieren gegenüber den Nachbarn eine karthagische Reaktion und damit wiederum Roms Intervention zugunsten Sagunts herbeizuführen – eine fatale Fehleinschätzung.[10] Als sich der karthagische General Hannibal, der seinem ermordeten Schwager Hasdrubal nachgefolgt war, an die Eroberung Sagunts machte, versuchten römische Gesandte, ihm dies zu verbieten: Die Stadt sei angeblich mit Rom verbündet. Tatsächlich unternahmen die Römer während der acht Monate langen Belagerung nichts zugunsten ihrer vermeintlichen Alliierten und warteten ab, bis Sagunt 219 v. Chr. gefallen war. Bringmann interpretiert das Verhalten beider Seiten so: Hannibal ließ es auf den Krieg mit Rom ankommen, weil er nicht akzeptierte, dass Rom als Schutzmacht Sagunts die karthagische Einnahme der ihm zugesprochenen Interessensphäre südlich des Ebro störte. Rom andererseits war in Illyrien militärisch engagiert und deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht zum Krieg mit Karthago imstande.[11] Hannibal habe die Situation Roms richtig eingeschätzt – die diplomatische Initiative Roms zugunsten Sagunts war nur ein Bluff. Dieser Erfolg verführte ihn dann, so Bringmann, den Ebro zu überschreiten und das karthagische Territorium bis zu den Pyrenäen auszudehnen. Nach karthagischer Rechtsauffassung hatte der Ebro-Vertrag ohnehin nur Hasdrubal gebunden und verpflichtete Hannibal zu nichts.[12]

Nun drohte Rom den Puniern mit Krieg, sollte ihnen Hannibal nicht ausgeliefert werden. Zimmermann meint sogar, dass der Senat den Fall Sagunts in Kauf genommen habe, weil dieses Ereignis sich weder von Karthago rückgängig machen ließ, noch von Rom akzeptiert werden konnte, und so ließ sich der geplante und erwünschte Krieg vor der eigenen Bevölkerung als gerecht und unvermeidlich deklarieren.[13]

Die Ratsherren von Karthago lehnten die Auslieferung Hannibals ab, woraufhin die römische Kriegserklärung erfolgte.

Kriegsverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Überschreitung des Ebro bis zur Schlacht von Cannae (218–216 v. Chr.)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hannibals Feldzug gegen die Römer

Im Vergleich zum Beginn des letzten Krieges hatten sich die militärischen Voraussetzungen der beiden Kontrahenten faktisch umgekehrt: Rom war nun die beherrschende maritime Macht, während Karthago in Spanien zur Landmacht geworden war. Damals war der Krieg letztlich durch die stärkere römische Flotte entschieden worden, so dass Hannibal vor einem Dilemma stand, da sich nichts an diesem Ungleichgewicht geändert hatte. Deshalb entschied er sich für eine offensive Strategie, in der dieser Nachteil nicht zum Tragen kam: Um einem Angriff auf Spanien oder Nordafrika zuvorzukommen, plante Hannibal den Einmarsch in Italien.[14] Das karthagische Gebiet in Nordafrika und Spanien beschrieb einen Bogen von fast 2000 Kilometern Küstenlinie im westlichen Mittelmeer, und Rom als überlegene Seemacht konnte nach Belieben seine Angriffsziele wählen, Karthago aber nicht überall mit Truppen präsent sein.[15]

Nach Klaus Zimmermann war eine Invasion in Italien auf dem Landweg für Hannibal die einzige Option, wenn er den Krieg nicht in Afrika führen wollte; für die Invasion auf dem Seeweg besaß Karthago seit der Niederlage im Ersten Punischen Krieg keine Kapazitäten mehr. Das Besondere sei aber, dass Hannibal mit seinem Heer nicht den direkten Weg an der Küste entlang wählte, sondern durch das Hinterland und über die Alpen. So wich er einerseits einer Begegnung mit römischen Truppen zunächst aus, andererseits waren die keltischen Stämme Oberitaliens potentielle Verbündete, die sich seinem Heer womöglich anschließen würden.[14]

Hannibal war seit der Belagerung von Sagunt klar, dass der Krieg mit Rom bevorstand. Er schickte Emissäre nach Südfrankreich, in die Alpen und nach Oberitalien, um bei den jeweiligen Bevölkerungen um Unterstützung zu werben. Die Reaktionen waren positiv.[16] Dennoch war schon der Zug über die Pyrenäen von zahlreichen Kämpfen gegen die einheimischen Stämme bestimmt. Die Kelten in Südfrankreich konnte Hannibal größtenteils überzeugen, dass er sie nicht als Gegner betrachten würde, nur an der Rhone leistete ein keltischer Stamm kurzen und vergeblichen Widerstand.[17] Schließlich machten sich die Karthager mit wahrscheinlich 50.000 Fußsoldaten, 9000 Reitern und 37 Elefanten an die Überquerung der Alpen.

Die römische Strategie war darauf gerichtet, Karthago die Kriegsschauplätze vorzugeben:[16]

  • Der Konsul Titus Sempronius Longus brach mit seiner Flotte Richtung Nordafrika auf;
  • Sein Amtskollege Publius Cornelius Scipio sollte Hannibal in Iberien stellen, und nachdem er von dessen Ebroübergang erfuhr, versuchte er, Hannibal an der Rhone abzufangen. Ende August 218 erreicht die römische Flotte die Mündung der Rhone; aber Hannibals Armee hatte den Strom weiter im Landesinneren überquert. Während Scipio versuchte, seinen Gegner an der Rhone zu stellen, zog sich dieser immer weiter flussaufwärts zurück.

Erst jetzt erkannte Scipio, dass Hannibal über die Alpen nach Italien vorstoßen wollte. Er schickte daraufhin seinen Bruder Gnaeus Cornelius Scipio Calvus mit einem Teil seines Heeres nach Iberien. Selbst schiffte er sich mit dem anderen Teil seiner Truppen ein, um die Karthager nach der Alpenüberquerung in der Po-Ebene zu erwarten.[16]

Nach differierenden Angaben von Polybios und Titus Livius überquerte Hannibal vermutlich die Alpen über das Rhonetal und/oder der Isère.[18] Der Übergang über das Gebirge war für Hannibals Truppen sehr verlustreich. Die Elefanten an der Spitze, stiegen Reiter und Fußsoldaten in einem langen Heerzug ins Gebirge auf. Unter der Annahme, dass auf den engen Gebirgspfaden zwei Reiter oder zwei Fußgänger nebeneinander Platz hatten, überschlägt Jakob Seibert die Länge eines solchen Heerzuges auf 20 km und erwägt, dass Hannibal die Armee teilte und die Alpen in zwei Kolonnen überquerte. So ließen sich die Unstimmigkeiten zwischen Polybios und Livius erklären:[19]

  • durch das Tal von Isère und Arc zu einem der Mont-Cenis-Pässe (nach Polybios);
  • durch das Tal der Durance (nach Livius).

Der keltische Stamm der Allobroger bedrängte die Karthager während des Aufstiegs.[18] Auf der Passhöhe ruhte das Heer zwei Tage lang; nach antiken Quellen war es bereits Oktober/November (Untergang der Plejaden), und als der Abstieg begann, setzte auch der Schneefall ein. Die antiken Quellen berichten von hohen Verlusten; nach Polybios verlor Hannibal sein halbes Heer, nach Livius sogar zwei Drittel. Seibert hält diese Angaben für weit übertrieben.[20] Ende 218 v. Chr. erreichte Hannibal schließlich die Po-Ebene. Die Region wurde zu dieser Zeit von Stammesfehden unter den Kelten und Aufständen gegen Rom erschüttert. Hannibal gelang es, zahlreiche der Stämme militärisch oder diplomatisch an sich zu binden.[21]

Beim Gefecht am Fluss Ticinus kam es zu einem ersten kurzen Gefecht zwischen den Truppen Hannibals und Scipios. Die an den Flügeln eingesetzte numidische Reiterei konnte der römischen Seite schwere Verluste zufügen. Scipio entkam verwundet. Seine Reiterei war so geschwächt worden, dass er keine Schlacht mehr wagte. Der Sieg war für die Karthager auch psychologisch wichtig; weitere Stämme boten ihm nun ihre Unterstützung an.[22] Hannibal zog weiter hinter den Römern her und bot eine Schlacht an. Doch Scipio zögerte, was zur Folge hatte, dass 1000 keltische Infanteristen und etwa 200 Reiter das römische Heer verließen.[22] Am Fluss Trebia traf Hannibal im Dezember auf die vereinigten konsularischen Heere des Scipio und des Sempronius. Den Karthagern gelang ein überragender Sieg, während die Römer hohe Verluste zu verzeichnen hatten.[23] Hier gab es auch den einzigen kriegsrelevanten Einsatz der punischen Elefanten auf Hannibals Feldzug.[24]

217 v. Chr. zog Hannibal weiter nach Süden. Die beiden Konsuln dieses Jahres versuchten, dem karthagischen Heer den Zugang nach Mittelitalien zu verlegen: Gnaeus Servilius Geminus und Gaius Flaminius bezogen Stellungen bei Arezzo und Rimini. Aber Hannibal, von Einheimischen beraten, zog mit seinem Heer stattdessen durch Etrurien. Sein Plan war es nun, die Armee des Flaminius aus ihrer Stellung bei Arezzo herauszulocken, bevor sie sich mit der Armee des Geminus vereinigte. Um dies zu erreichen, zog Hannibal brandschatzend nahe an Arezzo vorbei Richtung Rom und erreichte sein Ziel: Flaminius verließ seine Position und nahm die Verfolgung auf.[25]

Bei nebligem Wetter erlitt die römische Armee in der Schlacht am Trasimenischen See eine verheerende Niederlage. Der unerfahrene Konsul hatte die Aufklärung des Geländes vernachlässigt. Ein Talkessel wurde zur Falle, aus dem nur 6000 Mann ausbrechen konnten. 15.000 Römer fielen, unter ihnen Flaminius. Ebenso viele Legionäre gerieten in Gefangenschaft. Großzügig entließ Hannibal daraufhin die gefangenen römischen Bundesgenossen, da er nicht mit ihnen, sondern mit Rom Krieg führen wolle. Damit erhoffte er sich, die Italier zum Überlaufen bewegen zu können.[26] Unterdessen nahte sich Servilius mit seinem Heer, und um seinen Amtskollegen Flaminius schnellstmöglich zu unterstützen, schickte er ihm seine eigene Kavallerie entgegen, 4000 Reiter. Diese wurde aber von Hannibals Lanzenkämpfern und Reitern abgefangen und teils vernichtet, teils gefangen genommen. Seine starke Reiterei gab Hannibal nach diesen römischen Niederlagen einen erheblichen strategischen Vorteil.[27]

Der römische Senat veranlasste die Wahl eines Diktators, um Hannibal aufzuhalten: Quintus Fabius Maximus Verrucosus, der zwei Legionen erhielt. Wider Erwarten versuchte Hannibal keine Belagerung Roms, sondern zog durch Umbrien ins Picenum und zur Adriaküste. Bei einer Belagerung hätte Hannibal die Stärke seiner Kavallerie nichts gebracht, der er seine bisherigen Erfolge verdankte, und er wäre bald in Versorgungsprobleme geraten.[28]

Maximus hatte aus dem Schicksal seiner Vorgänger gelernt und nahm eine Schlacht bei Aecae in Apulien, die Hannibal ihm anbot, nicht an. Er ließ es geschehen, dass die Karthager brandschatzend durch die Ebene von Capua zogen und so aller Welt demonstrierten, dass sie die Überlegenen waren. Denn noch hatte keiner der römischen Bundesgenossen die Seite gewechselt, insofern ging Hannibals Plan nicht auf. Hannibals Heer zog beutebeladen in Richtung Campanien, um am Fluss Volturnus (heute Volturno) das Winterquartier aufzuschlagen. An einem Pass wollte Maximus den Gegner zur Schlacht zwingen. Doch Hannibal entkam mit einer Kriegslist und zog nach Gerunium. Hier richtete er sein Winterquartier ein.[29] Dem römischen Magister equitum Marcus Minucius Rufus gelangen kleine Erfolge gegen die im Raum Gerunium fouragierenden Punier. Mittlerweile hatte sich die Stimmung in Rom gegen den Diktator gewandt, der als Cunctator (Zauderer) verspottet wurde. Die römische Volksversammlung hatte sich von Rufus’ unbedeutenden Erfolgen blenden lassen und ernannte ihn deshalb verfassungswidrig zum zweiten Diktator. Die Wahl sorgte für Unstimmigkeiten zwischen den beiden Feldherren. Als Hannibal aus seinem Quartier ausbrach und Rufus’ Truppen bedrängte, drohte dessen Vernichtung. Doch es gelang Maximus, Rufus zu Hilfe zu eilen, woraufhin Hannibal wieder in sein Lager zurückkehrte. Allerdings rückte Rufus nach seiner Schlappe freiwillig wieder ins zweite Glied zurück. Wenig später endete die Amtszeit der Diktatoren.[30]

216 v. Chr. wollte Hannibal die Römer zur Schlacht zwingen und eroberte deshalb die Magazine der Stadt Cannae, ein für Rom wichtiges Lebensmitteldepot. Rom hatte mittlerweile eine neue gewaltige Armee zusammengezogen. Die beiden Konsuln Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro erhielten den Auftrag, eine Entscheidungsschlacht gegen Hannibal zu wagen. Sie geboten über etwa 80.000 Fußsoldaten und 6000 Reiter, während Hannibal nur über 40.000 Infanteristen und 10.000 Kavalleristen verfügte. Problematisch für die römische Armee war aber die unterschiedliche Taktik ihrer beiden Feldherrn: Während Paullus zu einem vorsichtigen Vorgehen gegen die Punier riet, drängte Varro auf ein offensives Vorgehen. „Aus römischer Sicht musste es darauf ankommen, die feindliche Infanterie im Zentrum zu zerschlagen, bevor sich die kavalleristische Überlegenheit des Gegners auf den Flügeln auswirken konnte.“[31] Hannibal dagegen musste versuchen, den massiv überlegenen römischen Fußtruppen so lange Widerstand zu leisten, bis seine Reiterei an den Flügeln ihre Wirkung entfalten konnte.[31]

Am 2. August kam es zur Schlacht von Cannae. Die Römer griffen das karthagische Zentrum an, worauf Hannibal die Mitte seiner Infanteristen langsam zurückweichen ließ, sodass die römischen Fußsoldaten schließlich halbmondförmig umstellt waren. Gleichzeitig überflügelte die karthagische Kavallerie die römische Reiterei, vernichtete diese und stand nun im Rücken der gegnerischen Infanterie. Die zahlenmäßig immer noch überlegenen Römer waren umzingelt und wurden auf engstem Raum zusammengedrängt. Die Römer wurden vernichtend geschlagen, der Konsul Paullus fiel im Kampf. Fast 60.000 römische Legionäre fielen in der Schlacht.[32] Cannae ging in die Kriegsgeschichte als Musterbeispiel einer Umfassungsschlacht ein und ist an Militärakademien bis heute Unterrichtsthema.

Hannibals Kriegsziel war die Reduzierung Roms auf eine latinische Mittelmacht. Dazu galt es aber zunächst, das starke Bundesgenossensystem Roms zu zerstören. Deshalb marschierte Hannibal nach dem Triumph von Cannae auch nicht gegen Rom, wozu seine militärischen Kapazitäten auch kaum gereicht hätten.[33] Wiederum wurden die Kriegsgefangenen der römischen Alliierten entlassen. Tatsächlich traten auch einige Gemeinden in der Folgezeit zu Hannibal über, doch blieb der Kern des römischen Machtbereichs erhalten. Entscheidend war, dass Rom zu keinem Zeitpunkt bereit war, über einen Frieden mit Hannibal zu verhandeln. Schon bald sollte sich erweisen, dass Hannibal trotz seiner drei großen Siege auf dem Schlachtfeld nur wenige Optionen hatte.

Von der Schlacht von Cannae bis zum Fall Capuas (216–211 v. Chr.)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Stadt, die nach Cannae zu Hannibal überging, war Capua. In den folgenden Jahren war er damit beschäftigt, in zahlreichen Scharmützeln und Belagerungen den römischen Einfluss in Italien zu untergraben. Wichtige Städte wie Neapel und Nola blieben aber den Römern treu und verhinderten, dass Hannibal einen geschlossenen Machtraum in Süditalien errichten konnte. Rom erholte sich von den erlittenen Verlusten. Man wagte nicht, Hannibal eine größere Schlacht zu liefern, aber war auf den anderen Kriegsschauplätzen aktiv und sorgte so dafür, dass Karthago Hannibal keinen Nachschub schicken konnte.[34]

Der karthagische Feldherr konnte allerdings einige diplomatische Erfolge erzielen: Er schloss 215 v. Chr. ein Bündnis mit dem Makedonenkönig Philipp V., das sich aber als wenig effektiv erweisen sollte. In der mächtigen griechischen Stadt Syrakus auf Sizilien kam es nach dem Tod Hierons II. zu einem Umschwung zu Gunsten Karthagos. Hierons Enkel Hieronymous erhielt von den Puniern das Versprechen der Herrschaft über die ganze Insel. Des Weiteren stellte sich in Nordafrika der ostnumidische König Massinissa auf die Seite Karthagos, während sich sein westnumidischer Rivale Syphax mit Rom verbündete.

Karthago versuchte, nach seinen Erfolgen in Italien in seinen alten Besitzungen wieder Fuß zu fassen: Auf Sardinien erlitten die Karthager aber eine vernichtende Niederlage. Um dem neuen Verbündeten Syrakus zur Hilfe zu kommen, landeten auf Hannibals Rat starke karthagische Kräfte auf Sizilien, doch setzten sich die römischen Truppen unter Marcus Claudius Marcellus durch und eroberten 212 v. Chr. Syrakus (zusätzliche Bekanntheit errang dieser Sieg durch die Tötung des Archimedes).

Bereits vor Hannibals Alpenübergang hatte Publius Cornelius Scipio seinen Bruder Gnaeus mit einem Heer nach Nordspanien geschickt. Dieser konnte sich nach seiner Landung in Empúries nördlich des Ebro festsetzen. Nach der verlorenen Schlacht an der Trebia brachte Publius seinem Bruder Verstärkungen mit. In diesem einen Punkt war Hannibals Strategie nicht voll aufgegangen, da die barkidische Basis in Spanien nun doch von römischen Truppen bedroht wurde. Bis 211 v. Chr. konnten die beiden Scipionen den römischen Einfluss nach Süden ausdehnen. Dann gelang es Hasdrubal Barkas, die Heere der Römer zu trennen und sie in zwei aufeinander folgenden Schlachten zu schlagen, wobei Publius und Gnaeus den Tod fanden. Trotz dieses Erfolges sah sich Hasdrubal jedoch nicht in der Lage, die Römer völlig aus Spanien zu vertreiben.

212 v. Chr. gelang es Hannibal, Tarent für seine Seite zu gewinnen. Die Stadtfestung wurde aber nach wie vor von den Römern gehalten, so dass Hannibal zu einer langwierigen Belagerung gezwungen war. Währenddessen wurden seine Alliierten in Capua von römischen Truppen eingeschlossen. Zwischen beiden Schauplätzen hin- und hergerissen, unternahm Hannibal 211 v. Chr. schließlich einen Scheinangriff auf Rom, um Capua zu retten („Hannibal ante portas“). Noch vor seiner Rückkehr musste Capua nach langer Belagerung kapitulieren und wurde für den Seitenwechsel grausam bestraft (Zweite Schlacht von Capua).[35] Hannibal konnte somit die Stadt nicht vor dem Fall bewahren, was schwere politische Auswirkungen für ihn nach sich zog: Hannibal war angetreten, um Roms Einfluss auf die Italiker zu beenden, und war nun nicht in der Lage gewesen, seinen wichtigsten Verbündeten zu schützen. Dies wurde von antiken Historikern wohl zu Recht als die Peripetie (Umschwung) des Krieges angesehen. Jedenfalls verringerten danach die Römer ihre Kontingente.

Vom Fall Capuas bis zur Schlacht von Zama (211–202 v. Chr.)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hannibal gab seine Sache auf dem italienischen Schauplatz nicht auf und erhielt neue Mittel und Truppen aus Karthago. In den folgenden Jahren zog er quer durch Süditalien, wo es zu zahlreichen Gefechten und Belagerungen kam. Keine Seite konnte dabei aber einen entscheidenden Vorteil erringen.

Scipio Africanus Major

In Spanien hatte der gleichnamige Sohn des gefallenen Publius Cornelius Scipio das Kommando über die verbliebenen römischen Truppen übernommen. Der 25-Jährige, der später den Ehrennamen Scipio Africanus Major tragen sollte, wurde mit den Vollmachten eines Konsuls ausgestattet, obwohl er noch nie ein vergleichbares Amt bekleidet hatte. Es gelang ihm im Jahr 209 v. Chr., die karthagische Regionalhauptstadt Carthago Nova (Cartagena) im Handstreich zu erobern.

Immerhin war es Hasdrubal Barkas gelungen, wie sein Bruder Hannibal die Alpen zu überqueren, um diesem dringend benötigten Nachschub zu bringen. Die Vereinigung der karthagischen Heere misslang aber durch taktische Fehler Hasdrubals. Durch eine unnötige Belagerung der Stadt Placenta, dem heutigen Piacenza, verlor er wertvolle Zeit. Zudem fielen den Römern die Boten in die Hände, mit denen er seinem Bruder den Plan zur Vereinigung der beiden Heere mitteilte. Nach einem siebentägigen Gewaltmarsch stellte der römische Konsul Claudius Nero das Heer Hasdrubals im Jahre 207 v. Chr. In der Schlacht am Metaurus verlor Hasdrubal sein Leben und Hannibal die letzte Hoffnung, das Kriegsglück noch zu seinen Gunsten zu wenden. Der Kopf des Bruders wurde Hannibal in sein Heerlager geschickt.

Der junge Scipio errang schließlich 206 v. Chr. einen entscheidenden Sieg in Spanien über Hannibals jüngsten Bruder Mago, was diesen im Folgejahr zur Aufgabe der Iberischen Halbinsel zwang. Der Numidierkönig Massinissa wandte sich daraufhin gegen seine bisherigen karthagischen Verbündeten. Scipio entschied sich zur Invasion Nordafrikas und schlug die Karthager in einer Feldschlacht. Diese riefen nun ihren noch immer in offener Feldschlacht unbesiegten Feldherrn Hannibal aus Italien zurück.

Scipio drang weiter auf Karthago vor und 202 v. Chr. trafen sein Heer und das Hannibals bei Zama aufeinander. Die Karthager verfügten über mehr Infanteristen als die Römer, doch fehlte ihnen nach dem Überlaufen des Massinissa die benötigte Kavallerie, mit der Hannibal zuvor seine großen Siege erringen konnte. So endete in der Schlacht von Zama die Rolle Karthagos als Großmacht.

Der Krieg in Iberien (218–206 v. Chr.)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem missglückten Abfangversuch Publius Cornelius Scipios an der Rhone schickte dieser seinen Bruder Gnaeus mit einem Teil des Heeres nach Iberien. Dort landete er bei Emporion, nördlich des Ebro. Die nächsten Wochen und Monate verbrachte er damit, das Gebiet zwischen dem Ebro und den Pyrenäen zu einer Basis für künftige Operationen im Süden Iberiens auszubauen. Schon recht früh sicherten ihm die dort ansässigen iberischen Stämme ihre Unterstützung zu. Bald kam es zur ersten Schlacht mit Hanno, dem karthagischen Kommandanten der Gebiete nördlich des Ebro. In einer Schlacht konnte Gnaeus Hanno besiegen, was einen Abfall vieler weiterer iberischer Stämme nördlich des Ebros zur Folge hatte.

Während des Winters erhielt Hasdrubal unterdessen Unterstützung aus Afrika. Im nächsten Jahr marschierte er nach Norden, um sich Gnaeus zu stellen. Dieser ging jedoch nicht auf eine Landschlacht ein und schickte seine Schiffe zur Ebromündung, wo es zum Gefecht mit der karthagischen Flotte kam. Die Römer errangen einen großen Sieg. Rund 25 von den 40 karthagischen Schiffen wurden versenkt oder fielen in die Hände der Römer.

Im Jahr 217 v. Chr. schickte der römische Senat Gnaeus’ Bruder Publius Cornelius Scipio mit 20 Schiffen nach Iberien. In den folgenden Jahren schafften es die Scipionen, weitere Stämme zum Überlaufen zu bewegen, jedoch unternahmen sie bis zum Jahr 211 keine weiteren großen Offensiven südlich des Ebro, schlichtweg aus dem Grund, dass ihre Armee den Karthagern zahlenmäßig unterlegen war. Im Winter 212/11 v. Chr. wurden die Armeen der beiden Brüder durch 20.000 Keltiberer verstärkt. Mit diesen neuen Truppen wollten die Scipionen nun große Operationen auch südlich des Ebros durchführen. Jedoch machten die Brüder den Fehler, ihre Armeen aufzuteilen. So führte Gnaeus ein Drittel des Heeres gegen Hasdrubal Barkas und Publius den Rest gegen Mago und Hasdrubal, den Sohn des Gisko. So waren die beiden Römer ihren karthagischen Kontrahenten stark unterlegen. Publius verlor in der folgenden Schlacht gegen die Karthager und ihre iberischen Verbündeten nicht nur einen Großteil seiner Armee, sondern auch sein Leben. Als diese Nachricht bei Gnaeus eintraf, desertierten daraufhin viele seiner iberischen Verbündeten und er musste sich zurückziehen. Er wurde jedoch von den Karthagern eingeholt und erfuhr dasselbe Schicksal wie sein Bruder. So konnten die Punier ihre verlorenen Gebiete südlich des Ebro in den kommenden Wochen zurückerobern.

Im Jahr 210 v. Chr. übernahm deshalb der gleichnamige Sohn Publius Cornelius Scipios das Kommando in Iberien. Seine Aufgabe bestand darin, den völlig demotivierten Legionären neuen Mut einzuflößen und die Basis der Römer nördlich des Ebro wieder aufzubauen. Scipios Spione berichteten, dass die Hauptstadt des Punischen Iberiens, Neu-Karthago, nur von einer recht kleinen Garnison bewacht wurde. Zudem befand sich die nächste karthagische Armee etwa 10 Tagesmärsche von der Hauptstadt entfernt. So entschied sich Scipio die reiche Beute versprechende Stadt anzugreifen. Innerhalb von sieben Tagen konnte er von der Ebromündung nach Neu-Karthago gelangen und 209 v. Chr. in einem harten Kampf die Stadt erobern.

Ein Jahr später konnte er Hasdrubal, den Bruder Hannibals, in der Schlacht bei Baecula besiegen, welcher daraufhin zur Unterstützung seines Bruders nach Italien zog. Das Schlachtfeld ließ sich archäologisch auf einem Hügel bei Santo Tomé am linken Ufer des Guadalquivir lokalisieren. Dafür sprechen Kleinfunde, wie Pilum- und Pfeilspitzen, Schleuderbleie und karthagische Münzen.[36]

Bei Ilipa kam es 206 v. Chr. zur Entscheidungsschlacht zwischen den Karthagern und den Römern, in der letztere triumphierten. Nach dieser Niederlage war Iberien für die Punier nicht mehr zu halten. Das Engagement der Römer in Hispanien war für den Krieg wohl mitentscheidend. Nicht nur wurden hier die Kräfte der Punier gebunden, die sonst Hannibal bei seinem Kampf in Italien unterstützt hätten, sondern relativierten die anfänglichen Erfolge der Römer die vernichtenden Niederlagen in Italien in gewissen Maße und trug dazu bei die Stadt am Tiber zu einer Fortführung des Krieges zu motivieren.[37]

Friedensschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Niederlage riet Hannibal dem karthagischen Rat zur Aufnahme von Friedensverhandlungen. Im Namen des römischen Senates führte Scipio die Verhandlungen, die zum Friedensdiktat von 201 v. Chr. führten: Karthago musste die Kriegsflotte bis auf zehn Triremen ausliefern und alle Kriegselefanten aufgeben. Es verlor alle Besitzungen außerhalb Nordafrikas und musste Kontributionen von 10.000 Talenten Silber (360 t Silber) innerhalb von 50 Jahren zahlen. Als Machtdemonstration ließ Scipio Hunderte karthagische Schiffe vor den Toren der Stadt verbrennen.

Am schwerwiegendsten für die politische Zukunft des Punischen Staates sollte sich aber das Verbot der eigenständigen Kriegsführung ohne Erlaubnis Roms erweisen. Gleichzeitig musste Karthago nämlich die Unabhängigkeit des Königreichs Numidien unter dem römischen Verbündeten Massinissa anerkennen, welches in Zukunft nach Belieben gegen seinen Nachbarn vorgehen konnte. Die Punier hatten ihre außenpolitische Souveränität eingebüßt und waren fortan auf den Status einer Mittelmacht begrenzt. Überdies musste Karthago mit Rom ein Bündnis schließen und sich verpflichten, den Römern im Bedarfsfall Kriegshilfe zu leisten.

Fünfundfünfzig Jahre später endete der karthagische Staat im Dritten Punischen Krieg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nigel Bagnall: Rom und Karthago – Der Kampf ums Mittelmeer. Siedler, Berlin 1995, ISBN 3-88680-489-5.
  • Pedro Barceló: Rom und Hispanien vor Ausbruch des 2. Punischen Krieges. In: Hermes 124/1 (1996), S. 45–57.
  • Klaus Bringmann: Der Ebrovertrag, Sagunt und der Weg in den Zweiten Punischen Krieg. In: Klio 83 (2001), S. 369–375.
  • Markus Gerhold: Rom und Karthago zwischen Krieg und Frieden: rechtshistorische Untersuchung zu den römisch-karthagischen Beziehungen zwischen 241 v. Chr. und 149 v. Chr. Peter Lang, Frankfurt/Main 2002, ISBN 3-631-39598-1.
  • Franz Hampl: Zur Vorgeschichte des ersten und zweiten Punischen Krieges. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt Band 1/1 (1972), S. 412–441.
  • Ursula Händl-Sagawe: Der Beginn des 2. Punischen Krieges. Ein historisch-kritischer Kommentar zu Livius Buch 21. (= Münchener Arbeiten zur Alten Geschichte. 9). Ed. Maris, München 1995, ISBN 3-925801-15-4. (Zugleich: München, Univ., Diss., 1992: Ein historisch-kritischer Kommentar zu Livius, Buch 21)
  • Herbert Heftner: Der Aufstieg Roms. Vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall von Karthago (280–146 v. Chr.). 2., verbesserte Auflage. Pustet, Regensburg 2005, ISBN 3-7917-1563-1.
  • Dexter Hoyos (Hrsg.): A Companion to the Punic Wars (= Blackwell Companions to the Ancient World). Wiley, Chichester 2011.
  • Dexter Hoyos: Generals and Annalists: geographic and chronological obscurities in the Scipios’ campaigns in Spain, 218—211 B.C. In: Klio 83/1 (2001), S. 68–92.
  • Dexter Hoyos: The Second Punic War. In: Brian Campbell, Lawrence A. Tritle (Hrsg.): The Oxford Handbook of Warfare in the Classical World. Oxford University Press, New York 2013, S. 688–707.
  • Alfred Klotz: Appians Darstellung des Zweiten Punischen Krieges. Schöningh, Paderborn 1936.
  • Anne Kubler: La mémoire culturelle de la deuxième guerre punique (= Schweizerische Beiträge zur Altertumswissenschaft. Band 45). Schwabe, Basel 2018, ISBN 978-3-7965-3770-7 (zur Nachwirkung im kulturellen Gedächtnis).
  • Karl-Heinz Schwarte: Der Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges – Rechtsfrage und Überlieferung. (= Historia Einzelschriften. 43). Steiner, Wiesbaden 1983, ISBN 3-515-03655-5. (Zugleich: Bonn, Univ., Habil.-Schr., 1980/81)
  • Jakob Seibert: Hannibal. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993, ISBN 3-534-12029-9 (umfassende Darstellung).
  • Klaus Zimmermann: Karthago – Aufstieg und Fall einer Grossmacht. Theiss-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2281-4.
  • Klaus Zimmermann: Rom und Karthago. 3. durchgesehene und aktualisierte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-26025-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Zweiter Punischer Krieg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 42.
  2. Pedro Barceló: Rom und Hispanien vor Ausbruch des 2. Punischen Krieges, 1996, S. 47.
  3. Pedro Barceló: Rom und Hispanien vor Ausbruch des 2. Punischen Krieges, 1996, S. 46. Vgl. Cassius Dio: Römische Geschichte, 12. Buch, Fragment 48.
  4. Pedro Barceló: Rom und Hispanien vor Ausbruch des 2. Punischen Krieges, 1996, S. 46. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 42.
  5. Pedro Barceló: Rom und Hispanien vor Ausbruch des 2. Punischen Krieges, 1996, S. 52.
  6. Pedro Barceló: Kleine römische Geschichte. Sonderausgabe, 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Primus Verlag, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-25096-7, S. 29.
  7. a b Pedro Barceló: Rom und Hispanien vor Ausbruch des 2. Punischen Krieges, 1996, S. 53.
  8. Klaus Bringmann: Der Ebrovertrag, Sagunt und der Weg in den Zweiten Punischen Krieg, 2001, S. 374f. Ebenso Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 49: „Wenn spätere Quellen behaupten, der Ebro-Vertrag habe die Freiheit Sagunts garantiert (Liv. 21,27; App. Iberike 27), so wird man darin den Versuch eines Annalisten sehen, die heikle Frage nach der Legitimität des römischen Eingreifens nachträglich im Sinne Roms zu beantworten.“
  9. Franz Hampl: Zur Vorgeschichte des ersten und zweiten Punischen Krieges. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, 1972, S. 428f.
  10. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 46 und 50.
  11. Klaus Bringmann: Der Ebrovertrag, Sagunt und der Weg in den Zweiten Punischen Krieg, 2001, S. 374f.
  12. Klaus Bringmann: Der Ebrovertrag, Sagunt und der Weg in den Zweiten Punischen Krieg, 2001, S. 374f.
  13. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 60f. Ebenso Franz Hampl: Zur Vorgeschichte des ersten und zweiten Punischen Krieges. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, 1972, S. 433.
  14. a b Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 116.
  15. Dexter Hoyos: The Second Punic War, New York 2013, S. 695.
  16. a b c Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 117.
  17. Jakob Seibert: Die Alpenüberquerung Hannibals. In: Antike Welt 17/4 (1986), S. 44–54, hier S. 45f.
  18. a b Jakob Seibert: Die Alpenüberquerung Hannibals. In: Antike Welt 17/4 (1986), S. 44–54, hier S. 48.
  19. Jakob Seibert: Die Alpenüberquerung Hannibals. In: Antike Welt 17/4 (1986), S. 44–54, hier S. 48 und 54.
  20. Jakob Seibert: Die Alpenüberquerung Hannibals. In: Antike Welt 17/4 (1986), S. 44–54, hier S. 51.
  21. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 118.
  22. a b Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 119.
  23. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 119f.
  24. Dexter Hoyos: The Second Punic War, New York 2013, S. 697.
  25. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 120.
  26. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 120f.
  27. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 121.
  28. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 121f.
  29. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 122f.
  30. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 123f.
  31. a b Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 124.
  32. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 125.
  33. Vgl. John F. Shean: Hannibal’s Mules: The Logistical Limitations of Hannibal’s Army and the Battle of Cannae, 216 B.C. In: Historia: Zeitschrift für Alte Geschichte 45/2 (1996), S. 159–187, hier S. 184: Die karthagische Armee lebte von der Hand in den Mund und hätte während einer Belagerung den eigenen Nachschub nicht organisieren können.
  34. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 126f.
  35. Klaus Zimmermann: Rom und Karthago, Darmstadt 2013, S. 127.
  36. Günther Moosbauer: Archäologisch überlieferte Schlachtfelder der Antike. In: Gustav Adolf Lehmann, Rainer Wiegels (Hrsg.): „Über die Alpen und über den Rhein…“ Beiträge zu den Anfängen und zum Verlauf der römischen Expansion nach Mitteleuropa. De Gruyter, Berlin / Boston 2015, S. 393–403, hier S. 394f.
  37. Zimmermann, Klaus.: Karthago : Aufstieg und Fall einer Grossmacht. Wiss. Buchges, [Darmstadt] 2010, ISBN 978-3-534-22790-7.