4. Armee (Wehrmacht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Truppenverbandsabzeichen der 4. Armee

Die 4. Armee / Armeeoberkommando 4 (AOK 4) war ein Großverband des Heeres der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Sie war Oberkommando jeweils wechselnder Armeekorps sowie zahlreicher Spezialtruppen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die 4. Armee wurde am 1. August 1939 aus dem Heeresgruppenkommando 6 in Hannover gebildet. Oberbefehlshaber war General der Artillerie Günther von Kluge. Die ersten Kampfhandlungen der 4. Armee fanden im Polenfeldzug als Teil der Heeresgruppe Nord unter Generaloberst Fedor von Bock statt. Die 4. Armee bestand aus dem II. und III. Armeekorps, jedes mit zwei Infanteriedivisionen, dem XIX. Armeekorps mit zwei motorisierten und einer Panzerdivision, dem I. Grenzschutzkorps mit einer Infanteriedivision und zwei Infanteriedivisionen als Reserve. Die Armee hatte Befehl, den polnischen Korridor zu nehmen und auf diese Weise eine Verbindung von Ostpreußen mit dem übrigen Gebiet des deutschen Reiches zu schaffen. Ein Teil der 4. Armee stieß weiter südlich nach Pommerellen vor und verband sich mit anderen deutschen Truppen bei Warschau.

Während des Westfeldzugs stieß die 4. Armee als Teil der Heeresgruppe A unter Generaloberst Gerd von Rundstedt aus dem Rheinland nach Belgien vor. Zusammen mit anderen deutschen Armeen durchbrach die 4. Armee die Dijle-Linie und vollendete die Einschließung der alliierten Streitkräfte in der Schlacht um Dünkirchen. Generalmajor Erwin Rommel, damals unter Kluge, trug mit der 7. Panzer-Division zu dessen Siegen bei. Kluge, bis dato Generaloberst, wurde zusammen mit zwölf anderen am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall ernannt.

Die 4. Armee wurde zu Beginn des Unternehmens Barbarossa von 1941 von Bocks Heeresgruppe Mitte unterstellt. Ihr erstes Ziel war es, so viele sowjetische Truppen wie möglich im Raum Minsk einzukesseln. Es gelang, zwei sowjetische Armeen einzukesseln und zu vernichten. Darauf nahm die 4. Armee an der Kesselschlacht bei Smolensk teil, bei der ebenfalls zahlreiche sowjetische Truppen vernichtet wurden. Diese Erfolge führten unter anderem zu der Annahme, dass die Sowjetunion besiegt sei. Jedoch führten schlechte Straßenverhältnisse dazu, dass die Heeresgruppe angehalten wurde und mit ihr die 4. Armee. Während der Schlacht um Moskau kam sie im Dezember 1941 bis auf wenige Kilometer an die Stadt heran, bevor sie von sowjetischen Gegenangriffen zum Rückzug gezwungen wurde. Am 19. Dezember 1941 reichte Kluge gemeinsam mit von Bock und Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch seine Ablösung ein. Kluge wurde durch General der Gebirgstruppe Ludwig Kübler ersetzt.

Nach dem Beginn der Operation Blau erlebten die 4. Armee und die ganze Heeresgruppe Mitte keine größeren Kämpfe, weil die meisten Truppen im Süden konzentriert worden waren. Als jedoch die Heeresgruppe Mitte seit 1943 auf der ganzen Linie im Rückzug begriffen war, musste auch die 4. Armee ihre Truppen zurückverlegen und stand den Herbst und Winter 1943/44 über in ständigen Abwehrkämpfen an bzw. nahe der Pantherstellung am Dnjepr bei Orscha („Rollbahnschlachten“). Als einziger Großverband der Wehrmacht schaffte es die 4. Armee, ihre Positionen den Winter und Frühsommer 1944 über zu halten. Während der sowjetischen Operation Bagration kam es zur Vernichtung dieses Heeresverbandes in der Kesselschlacht bei Minsk. Dabei gerieten die meisten Kommandeure in sowjetische Gefangenschaft oder wurden getötet. Die 4. Armee musste daher im Juli und August 1944 unter der Federführung von General der Infanterie Friedrich Hoßbach neu aufgestellt werden.

Während der Schlacht um Ostpreußen Anfang 1945 wurde der größte Teil der Armee in Ostpreußen abgeschnitten, Teile der eingeschlossenen Truppen konnten über die Ostsee nach Pommern evakuiert werden, wo sie der Armee Ostpreußen unterstellt wurden. Am 7. April 1945 wurde die 4. Armee aufgelöst, aus ihrem Stab entstand später die 21. Armee. Der letzte Befehlshaber war General der Infanterie Friedrich-Wilhelm Müller.

Das Archiv der 4. Armee, die 1945 Heiligenbeil verteidigte, wurde 2004 in einem Wald in der Nähe der Stadt aufgefunden.[1]

Oberbefehlshaber[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 2. Die Landstreitkräfte 1–5. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1973, ISBN 3-7648-0871-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Koenigsberger Express Das Niemandsland gibt ein Geheimnis preis. Koenigsberger Express, Ausg. 7, 2004