Gotthard Heinrici

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Lagebesprechung zwischen Generalfeldmarschall Günther von Kluge (links) und Gotthard Heinrici, Mitte 1943

Gotthard Heinrici (* 25. Dezember 1886 in Gumbinnen; † 13. Dezember 1971 in Waiblingen) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generaloberst im Zweiten Weltkrieg sowie Kommandeur von Großverbänden des Heeres auf verschiedenen Kriegsschauplätzen. Heinrici galt als einer der wenigen Abwehrexperten der Wehrmacht.

Leben[Bearbeiten]

Kaiserreich und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Geboren als einziger Sohn des Pfarrers Paul Heinrici und dessen Ehefrau Gisela, geb. von Rauchhaupt (die einer alten preußischen Adelsfamilie entstammte, die bereits seit dem 12. Jahrhundert immer wieder Soldaten hervorgebracht hatte), trat Heinrici am 8. März 1905 als Fahnenjunker in das 6. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 95 ein und erhielt eine Offiziersausbildung. Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt war sein Cousin, desgleichen der Verhaltensforscher Otto Koehler, mit dem er gemeinsam im Pfarrhaus von Gumbinnen aufwuchs. Am 18. August 1906 erfolgte seine Ernennung zum Leutnant. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er am 17. Februar 1914 zum Oberleutnant befördert.

Heinrici kämpfte zunächst an der Ostfront, wo er an der Schlacht bei Tannenberg teilnahm. Am 18. Juni 1915 erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann und ab 1916 war er als Kompanie- und Bataillonsführer in der Schlacht um Verdun beteiligt. Nach einer schweren Verwundung wurde er in den Stabsdienst versetzt. Bis Kriegsende war er Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 203. Infanteriedivision. Während des Krieges wurde Heinrici elfmal ausgezeichnet, unter anderem mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes und dem Ritterkreuz des Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

Anfang 1919 kam er zum Infanterie-Regiment Nr. 95 zurück und ging kurz darauf im Februar 1919 mit einer Freiwilligen-Division zum Grenzschutz Ost um dort eingesetzt zu werden.

1920 wurde er in die Reichswehr übernommen, die ersten Jahre beim Stab der 1. Division. Ab dem 1. September 1924 war er Kompaniechef der 14. Kompanie im 13. (Württembergisches) Infanterie-Regiment, ab dem 1. Februar 1926 als Major. Seit Herbst 1927 wurde er für drei Jahre im Truppenamt (TA) des Reichswehrministerium in der Heeres-Organisations-Abteilung (T2) eingesetzt, ab dem 1. August 1930 als Oberstleutnant. Seit Herbst 1930 als Bataillonskommandeur des III. Bataillons im 3. (Preußisches) Infanterie-Regiment eingesetzt, wurde Heinrici zum 1. Oktober 1932 als Ia in den Stab des Gruppenkommandos 1 in Berlin versetzt.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Seit dem 1. März 1933 war Heinrici im Rang eines Oberst als Abteilungsleiter im Reichswehrministerium, später Reichskriegsministerium, eingesetzt. Am 1. Januar 1936 erfolgte die Beförderung zum Generalmajor. Mit Wirkung zum 12. Oktober 1937 wurde er zum Kommandeur der 16. Infanterie-Division ernannt und in dieser Aufgabe am 1. März 1938 zum Generalleutnant befördert.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war Heinrici Generalleutnant und mit seiner Division am Westwall eingesetzt. Am 20. April 1940 wurde er zum General der Infanterie befördert und übernahm das Kommando über das XII. Armeekorps, das er im Frankreichfeldzug (Mai/Juni 1940) gegen die Maginotlinie führte (siehe Fall Rot).

Im Krieg gegen die Sowjetunion hatte Heinrici das Kommando über das XXXXIII. Armeekorps der Heeresgruppe Mitte, mit dem er an der Kesselschlacht bei Bialystok und Minsk, der Kesselschlacht bei Smolensk und der Schlacht um Moskau teilnahm. Am 18. September 1941 erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Im Winter 1941/1942 übernahm er das Kommando über die 4. Armee, mit der er westlich von Moskau kämpfte und die Front stabilisierte. Am 1. Januar 1943 wurde Heinrici zum Generaloberst befördert. Im Sommer 1943 musste sich Heinrici mit seiner 4. Armee nach Orscha zurückziehen, wo er zunächst die Front stabilisieren konnte, wofür ihm am 24. November 1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen wurde. Während des Rückzuges und den folgenden Monaten griff die sowjetische Westfront in elf aufeinanderfolgenden Schlachten die 4. Armee von Heinrici an. Aufgrund von taktischen Unzulänglichkeiten seitens der Sowjets und guter Führung durch Heinrici kam es zu enormen Verlusten auf Seiten der Roten Armee. Die vergeblichen Angriffe kosteten die Rote Armee mehr als 530.000 Soldaten, die Verluste der 4. Armee beliefen sich auf „nur“ 35.000 Mann, davon 10.000 Tote und Vermisste[1]. Diese Erfolge trugen stark zu Heinricis Ruf als Abwehrspezialist bei. Im Zuge der sowjetischen Operation Bagration wurde die 4. Armee im Sommer 1944 aber in einem Kessel bei Minsk vernichtet und musste neu aufgestellt werden. Heinrici hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits krank gemeldet und das Kommando am 4. Juni 1944 an General der Infanterie Kurt von Tippelskirch übergeben.

Am 17. August 1944 wurde Heinrici zum Kommandeur der 1. Panzerarmee ernannt, die den Kern der Heeresgruppe Nordukraine bildete. Mit dieser musste er sich über Polen und die Slowakei in schweren Rückzugsgefechten immer weiter zurückziehen. Heinrici bestätigte dabei seinen Ruf als Defensivspezialist. Am 3. März 1945 wurden ihm die Schwerter zum Ritterkreuz verliehen.

Im März 1945 wurde Heinrici aufgrund seiner erfolgreichen Defensivtaktiken zum Kommandeur der Heeresgruppe Weichsel ernannt. Mit dieser kämpfte er in der Schlacht um Berlin. Er war der kommandierende Offizier bei der Schlacht um die Seelower Höhen, die trotz des endenden Krieges zu sehr großen sowjetischen Verlusten führte, besonders an Panzern. Während dieser Schlacht trug er einen alten, abgewetzten Schaffellmantel und war dadurch nicht auf Anhieb als General zu erkennen. Da er Rückzüge befohlen hatte, ohne zuvor Hitler um Erlaubnis zu fragen, wurde er am 29. April 1945 seines Postens enthoben und sollte vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Der Befehl dazu wurde aber von Karl Dönitz (den Hitler zu seinem Nachfolger ernannt hatte) ignoriert; Heinrici ergab sich am 28. Mai 1945 britischen Truppen.

Diese letzte Phase seiner militärischen Laufbahn war typisch für Heinricis gespanntes Verhältnis zur nationalsozialistischen Militärführung. Er hatte bereits zuvor mehrfach Befehle ignoriert, auf Rückzügen nur verbrannte Erde zu hinterlassen, so etwa bezüglich der Stadt Smolensk. Deswegen war Heinrici bereits in den Jahren 1942 und 1943 jeweils für zwei Monate seines Kommandos enthoben worden. In beiden Fällen wurde er jedoch auf Grund seiner unverzichtbaren Fähigkeiten zurückgeholt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Heinrici wurde am 19. Mai 1948 aus der britischen Kriegsgefangenschaft entlassen. Danach wohnte er in Endersbach bei Waiblingen. Er verstarb 84-jährig und wurde auf dem Friedhof in Freiburg/Breisgau mit militärischen Ehren beigesetzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Inferno der Autobahnschlachten in Russland, welt.de, abgerufen am 13. Februar 2014
  2. a b c d e f g h i j Rangliste des Deutschen Reichsheeres, Heeres-Personalamt, Mittler & Sohn Berlin 1930, S. 119
  3. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 377