Angermuseum

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Das Angermuseum (im März 2007, nach Beginn der Bauarbeiten)

Das städtische Angermuseum befindet sich in der Erfurter Waage, dem ehemaligen kurmainzischen Packhof in der Innenstadt Erfurts am Anger 18. Es wurde 1886 auf Initiative der Bürgerschaft gegründet und baute seine Gemäldesammlung auf dem ihm übertragenen Nachlass von Friedrich Nerly dem Älteren auf.

Geschichte[Bearbeiten]

1912 übernahm der spätere Reichskunstwart Edwin Redslob die Museumsleitung, danach Walter Kaesbach. Seine Blütezeit erlebte das Museum in den Zwanziger Jahren unter dem langjährigen Direktor Herbert Kunze.

1935 zog die Bibliothek aus dem Angermuseum aus, wodurch dieses nun über das gesamte Gebäude verfügen konnte. 1937 wurde „Entartete Kunst“ aus dem Museum entfernt, nachdem vorher eine entsprechende Ausstellung gelaufen war. Ab 1944 ruhte der Museumsbetrieb, die Kunstwerke wurden wegen des Luftkriegs ausgelagert. Am 19. Februar 1945 kam es durch einen britischen Bombenangriff auf die Erfurter Innenstadt zu schweren Beschädigungen am Bau des Angermuseums.[1]

Am 1. Juni 2010 wurde das Museum nach fünfjährigen Renovierungsarbeiten als Kunstmuseum der Landeshauptstadt mit der Sonderausstellung Natalja Gontscharowa. Zwischen russischer Tradition und europäischer Moderne in Zusammenarbeit mit der Tretjakow-Galerie Moskau wiedereröffnet. Zu einer Kontroverse kam es im Vorfeld der Wiedereröffnung, da sich im Fundus des Museums auch die Kunstsammlung Heinz Dietel befindet, die dem Besitzer 1975 durch DDR-Behörden abgepresst worden war.[2][3]

Bestände[Bearbeiten]

Heute wird das Museum von der Vereinigung der Erfurter Museumsfreunde e. V. und dem Verein für Kunst und Kunstgewerbe mitgetragen und besitzt neben der Gemäldegalerie ausgedehntes graphisches und kunsthandwerkliches Material sowie eine umfangreiche Sammlung mittelalterlicher Kunst mit Werken aus der Blütezeit der Erfurter Kunst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, darunter vier Altartafeln der Augustinerkirche und Sandsteinskulpturen aus der Werkstatt des Meisters des Severinsarkophags. Acht Tafelgemälde, darunter die kleine Tafel Christus als guter Hirte (um 1540/50) sowie die Gemälde Lasset die Kindlein zu mir kommen (um 1535) und Heilige Nacht (um 1540), und ein Flügelaltar werden Cranach und der Cranach-Werkstatt zugeschrieben.

Im Erdgeschoss des Museums befindet sich der Heckelraum – ein kleiner, gewölbter Raum, den Erich Heckel 1922 bis 1924 auf Einladung des Angermuseums ausmalte. Die von Heckel geschaffenen Wandmalereien, die nachträglich den Titel Lebensstufen erhielten, gelten als die wichtigsten erhaltenen Wandbilder des deutschen Expressionismus.

Direktoren[Bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ruth und Eberhard Menzel:Zweckbau ziert barocke Fassade. Häuser und ihre Geschichte: Angermuseum. In: Thüringische Landeszeitung, 12. Juni 2010.
  2. „Upset“ und sehr enttäuscht. Kunstsammlung Dietel: Stadt schweigt. In: Thüringische Landeszeitung, 10. Juni 2010.
  3. Stefan Koldehoff: Ausgeplündert durch die DDR. In: Die Zeit. 21. Januar 2010.

50.97555555555611.034166666667Koordinaten: 50° 58′ 32″ N, 11° 2′ 3″ O