Max Slevogt

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Max Slevogt
(Porträt von Emil Orlik, 1917)

Franz Theodor Max Slevogt (* 8. Oktober 1868 in Landshut; † 20. September 1932 in Leinsweiler-Neukastel/Pfalz) war ein deutscher Maler, Grafiker, Illustrator und Bühnenbildner des Impressionismus.

Slevogt nimmt eine besondere Stellung in der Landschaftsmalerei ein. Zusammen mit Lovis Corinth und Max Liebermann gehörte er zu den Vertretern der Freilichtmalerei, die im Gegensatz zur Ateliermalerei direkt vor dem Motiv in der freien Natur arbeiten. Slevogt war Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Selbstbildnis
(Holz, 1915)

Slevogt zog nach dem Tode seines Vaters, des bayerischen Hauptmanns Friedrich von Slevogt, im Jahre 1870 mit seiner Mutter Caroline von Slevogt geb. Lucas, die aus Saarbrücken stammte, nach Würzburg. Dort verbrachte er von 1874 bis 1884 seine Schulzeit. Gelegentlich besuchte er Landau in der Pfalz und die Familie Finkler auf Neukastel.

Von 1884 bis 1889 besuchte er die Akademie der Bildenden Künste München.[1] Dort entstanden die ersten Landschaftsbilder in Neukastel. Seine Lehrer dort waren u. a. Wilhelm von Diez, Gabriel von Hackl, Karl Raupp und Johann Caspar Herterich. 1889 besuchte er die Académie Julian in Paris. Die ersten Bilder, in München entstanden, waren von einem bräunlichen Atelierton bestimmt, der gegen Ende der 1890er Jahre einer impressionistischen Farbenvielfalt wich. Diese wird beispielsweise an dem Hauptwerk Das Champagnerlied, welches auch als Weißer d’Andrade bekannt ist, deutlich.

1890 unternahm Slevogt mit seinem Malerfreund Robert Breyer (1866–1941) eine Studienreise nach Italien. Danach ließ er sich in München als freier Künstler nieder. Zu seinen Vorbildern gehörte neben Wilhelm Leibl auch Arnold Böcklin mit seinen historischen und symbolistischen Themen.

Slevogts Werk ist umfangreich und umfasst nicht nur Tafelbilder, Bühnenbilder und Wandmalerei, sondern auch Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken und Buchillustrationen. Unter seinem Schaffen verstand er nicht nur die Übertragung von visuellen Eindrücken auf die Leinwand, sondern eine auf alle Bereiche übergreifende Entfesselung der Fantasie.

1896 zeichnete er Karikaturen für die Münchner Zeitschriften Simplicissimus und Jugend. Ein Jahr darauf hatte er seine erste Einzelausstellung in Wien.

Er heiratete 1898 Antonie (Nini) Finkler aus Godramstein, die er auch öfter als Motiv seiner Bilder verwendete, wie überhaupt die Darstellung von Familienmitgliedern ein Schwerpunkt seiner Arbeiten war. Slevogt stellte unter anderem seine Schwiegermutter Henriette Finkler geb. Osthoff-Hartmuth aus Steinweiler bei Landau (1838–1917) öfter dar.

1898 besuchte er die Rembrandt-Ausstellung in Amsterdam. Im Jahr darauf beteiligte er sich mit dem Gemälde Danaë an der Ausstellung der Münchner Sezession. Das Bild wurde aber wegen angeblicher Obszönität aus der Ausstellung entfernt. Auf der ersten Ausstellung der Berliner Secession war sein Triptychon Der verlorene Sohn ein großer Erfolg.

Nini am Weinspalier (1911)

1900 reiste er wieder nach Paris, wo er im Deutschen Pavillon der Weltausstellung mit dem Werk Scheherezade vertreten war. Im selben Jahr empfing Slevogt starke Eindrücke von den Bildern von Édouard Manet. 1901 ließ er sich gemeinsam mit Lovis Corinth in Berlin nieder und wurde Mitglied der Berliner Secession. In dieser Zeit war er für den Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck mit Entwürfen für Stollwerck-Sammelbilder tätig und entwarf u. a. „Die wilde Jagd“, die er allerdings nicht signierte.[2]

In der Zeit nach 1900 schuf er einen von fremden Einflüssen freien und in der Materie kompakten Malstil; Komposition und Farbgebung sind dort fest aufeinander abgestimmt. Eine weitere Veränderung kam durch die in Ägypten entstandenen Bilder. Die Farbenmacht des gleißend dargestellten Lichts löste den Eigenwert der Materie endgültig ab. Im selben Jahr wurde er auf Veranlassung des bayerischen Prinzregenten Luitpold zum Professor ernannt. 1903 entstand seine erste Buchillustration Ali Baba und die 40 Räuber, und er malte das berühmt gewordene Bild Das Champagnerlied oder Der Weiße d’Andrade (1902). Es ist eines der Hauptwerke der deutschen Kunst um 1900 und zeigt den berühmten portugiesischen Bariton Francisco d'Andrade, der in Berlin in der Rolle des Don Giovanni Triumphe feierte. Mit ihm hatte sich Max Slevogt angefreundet, denn Slevogt hatte selbst eine gute Stimme und musste sich zwischen Malerei und Gesang entscheiden; eine Zeitlang hatte er sogar Sänger werden wollen. Das Bild heißt Der Weiße d’Andrade, weil es noch zwei weitere Portraitgemälde von Francisco d’Andrade gibt: Der Schwarze d’Andrade (1903, Kunsthalle Hamburg) und Der Rote d'Andrade (1912, Nationalgalerie Berlin).

Totentanz (1896)

1905 erschien Schwarze Szenen bei Bruno Cassirer. Slevogt begann ein Jahr darauf, Bühnenbilder und Kostüme für Max Reinhardts Kammerspiele des Deutschen Theaters zu entwerfen.

1907 und 1908 wurden Slevogts Kinder Nina und Wolfgang geboren. 1909 entstand das Bild Landhaus in Godramstein. Im Auftrag des Prinzregenten Luitpold malte er zwischen 1908 und 1910 eine Reihe von Landschaften, Porträts und Zeremonien, beispielsweise die Seelenmesse der Georgiritter (Mass for the Dead of the Knights of St. George in the Court Church at Munich).

Im Februar 1914 brach er auf zu einer Reise nach Ägypten. Dort entstanden in 40 Tagen 21 Gemälde sowie zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen. Die Ägyptenbilder Slevogts stellen in der Malerei des deutschen Impressionismus einen Höhepunkt dar.[3] Auf der Rückreise machte er Station in Italien. Im Juni ersteigerte er den Landsitz Neukastel, der bis dahin seinen Schwiegereltern gehörte. Das Ensemble heißt nach Erweiterungen durch den neuen Besitzer heute Slevogthof Neukastel.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Max Slevogt als offizieller Kriegsmaler an die Westfront geschickt. Seine Erfahrungen des Kriegs reflektierte er in visionären Bildern. Das Kriegserlebnis wirkte schockierend auf ihn, weshalb er nach neuen Ausdrucksformen suchte, um für die Schrecken des Ersten Weltkriegs angemessene künstlerische Gestaltungsformen zu finden. Im selben Jahr noch wurde er Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. 1917 wurde Slevogt zum Vorsteher eines Meisterateliers für Malerei an die Akademie der Künste in Berlin berufen.

Während seiner Zeit in Berlin wurde Slevogt neben anderen Künstlern, vornehmlich Künstler der Berliner Sezession, von der Fotografin Frieda Riess fotografiert.

Er entwarf 1924 Bühnenbilder für die Aufführung von Mozarts Don Giovanni in der Dresdner Staatsoper. Darüber hinaus arbeitete er an Illustrationen zu Goethes Faust II und malte den Musiksaal seines Sommersitzes Neukastel aus. 1927 entstanden seine Fresken im Bremer Ratskeller. Das Jahr darauf gab es zum 60. Geburtstag Slevogts eine große Ausstellung in der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Von 1931 bis 1932 entstand das religiöse Wandbild Golgatha in der Friedenskirche in Ludwigshafen am Rhein. Es wurde während des Zweiten Weltkriegs durch Bomben vernichtet.

Max Slevogt wurde in der Grabstätte der Familie Finkler auf Neukastel beigesetzt.

Museen[Bearbeiten]

Schloss Villa Ludwigshöhe (Aufnahme 2005)
Slevogthof Neukastel von der Gemeinde Leinsweiler aus (Aufnahme 2002)

Auf dem von Ludwig I. von Bayern erbauten Schloss Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben betreut das Landesmuseum Mainz die Max-Slevogt-Galerie. Neben einer ständigen Ausstellung, die insbesondere Bilder aus dem Nachlass Slevogts zeigt, finden mehrmals jährlich Wechselausstellungen vorwiegend zum Thema Slevogt bzw. Wittelsbacher statt, z. B. vom 20. August bis 26. November 2006 die Sonderausstellung Berliner Impressionismus: Liebermann, Slevogt, Corinth und die Maler der Berliner Secession (in Zusammenarbeit mit der Berliner Nationalgalerie).

Zu besichtigen sind auch die Max-Slevogt-Privat-Gemälderäume auf dem Slevogthof Neukastel in Leinsweiler. Hier schuf Max Slevogt Wand- und Deckengemälde (1924 und 1929), die neben den Fresken im Bremer Ratskeller die einzigen heute noch erhaltenen Wandbilder Slevogts darstellen. Von der Terrasse des Slevogthofes aus hatte der Maler einen weiten Blick in die Rheinebene nach Osten und Süden, den er in einer Reihe von Gemälden und Aquarellen zu verschiedenen Jahreszeiten dokumentierte.

Weitere Werke, u. a. die Ägypten-Bilder, sind in der Galerie Neue Meister in Dresden zu sehen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Prinzregent Luitpold von Bayern, 1908
Mädchen vor dem Löwenkäfig
Orang Utan I (1901, Ölstudie)
  • Totentanz, 1896, Öl auf Leinwand, Museum Georg Schäfer in Schweinfurt
  • Mädchen vor dem Löwenkäfig, 1901, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
  • Orang Utan I, 1901 Saarlandmuseum
  • Zwei Leoparden im Käfig, 1901, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
  • Der Sänger Francisco d’Andrade als Don Giovanni in Mozarts Oper, 1902, Öl auf Leinwand 215 x 160 cm, Alte Nationalgalerie Berlin
  • Dame mit Katze, 1902, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
  • Der Sänger Francisco d’Andrade, Zeitung lesend, 1903, Alte Nationalgalerie Berlin
  • Don Juans Begegnung mit dem steinernen Gast, 1906, Öl auf Karton, 37,2 x 53,2 cm, Alte Nationalgalerie Berlin
  • Heide und Bäume, 1910, Öl auf Leinwand, 70,2 x 60,2 cm, Privatsammlung
  • Unter den Linden, 1913, Hessisches Landesmuseum Darmstadt
  • Der Nil bei Assuan, 1914, Öl auf Leinwand, 73,5 x 96 cm, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
  • Einfahrt in den Hafen von Syrakus, 1914, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
  • Porträt des Julius Freund, 1925, Öl auf Leinwand, Stiftung Stadtmuseum Berlin
  • Portrait der Tänzerin Antonia Mercé genannt „La Argentina“, 1926, Öl auf Leinwand, 100 x 80,5 cm, National Museum Stettin
  • Die Familie des Arztes János Plesch, 1928, Öl auf Leinwand, Jüdisches Museum Berlin
  • Familie Slevogt im Garten von Godramstein, Öl auf Leinwand1, 60 x 200 cm, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
  • Selbstportrait, geschaffen in Slevogts letzten Lebensjahren 1930 oder 1931, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Ehrungen[Bearbeiten]

Die nach Slevogt benannte Max-Slevogt-Medaille wurde 1972 vom damaligen Ministerpräsidenten Helmut Kohl gestiftet und wird seitdem durch den Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz verliehen. Sie geht an bildende Künstler beziehungsweise an Förderer der Bildenden Kunst in Rheinland-Pfalz.

In Landau war der Maler Namensgeber für das Max-Slevogt-Gymnasium. Auch gibt es in mehreren Städten Max-Slevogt-Straßen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Heinsheimer: Erinnerungen an Max Slevogt- Max Slevogt als Lehrer, Künstler und Mensch. (Mit Zeichnungen von Fritz Heinsheimer) St Ingbert /Saar 1968
  • Hans-Jürgen Imiela: Max Slevogt: eine Monographie. Karlsruhe 1968
  • Berthold Roland, Max Slevogt: Pfälzische Landschaften. Hirmer, München 1991, ISBN 3-7774-5520-2
  • Ernst-Gerhard Güse, Hans-Jürgen Imiela, Berthold Roland: Max Slevogt. Gemälde - Aquarelle - Zeichnungen (Ausstellungskatalog). Hatje Cantz Verlag, Saarbrücken/Mainz 1992, ISBN 3-7757-0361-6
  • Bernhard Geil: Die Faust II-Illustrationen von Max Slevogt. Landau 2001
  • Sabine Fehlemann, Nicole Hartje: Max Slevogt - Die Berliner Jahre. Wienand Verlag, Wuppertal/Berlin 2005, ISBN 3-87909-862-X
  • Sigrun Paas, Roland Krischke: Max Slevogt in der Pfalz (Bestandskatalog der Slevogt-Galerie). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2005, ISBN 3-422-06587-3
  • Götz Czymmek, Helga Kessler Aurisch (Hrsg.): Liebermann - Corinth - Slevogt. Die Landschaften. Ausstellungskatalog Köln/Houston. Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-89790-322-7
  • Nicole Hartje-Grave: Slevogt, Franz Theodor Max. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 501 f. (Digitalisat).
  • Ingrid Mössinger (Hg.): Max Slevogt - Malerei und Graphik. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2011, ISBN 978-3-86502-282-0
  • Heike Biedermann; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister (Hg.): Max Slevogt in der Dresdener Galerie. Sandstein Verlag, Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-71-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Max Slevogt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Akademie der Bildenden Künste: Matrikel
  2. Detlef Lorenz: Reklamekunst um 1900. Künstlerlexikon für Sammelbilder. Reimer-Verlag, 2000, ISBN 978-3-496-01220-7
  3. Kommentar im Harenberg-Kunstkalender 2010, Blatt vom 24. Mai 2010, zum Bild Der Nil bei Assuan, Galerie Neue Meister Dresden