Georg Kolbe
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Die Zeit von 1933 bis 1945 wird nicht ausreichend gewürdigt. Kolbe war weder ein verfolgter noch (sollte der Eindruck erweckt werden) ein "entarteter" Künstler . Er wurde von den Nazis vielfach geehrt und beauftragt. (Goethe-Plakette, Ehrenmal Stralsund, Ausstellung im Haus der Kunst 1942, Reichsportfeld usw). Welche Skulptur (außer Heine) war noch unliebsam? Fragen über Fragen. Über diese sehr willige Vereinnahmung darf gerne noch ausgeführt werden. --Artmax 15:13, 21. Aug. 2008 (CEST)
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst. |
Georg Kolbe (* 15. April 1877 in Waldheim (Sachsen); † 20. November 1947 in Berlin) war ein figürlicher Bildhauer. Nach ihm ist der Georg-Kolbe-Preis benannt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
Georg Kolbe war das vierte von acht Kindern von Theodor Emil Kolbe und Caroline Ernestine Krappes. Sein Großvater Gottfried Kolbe war Uhrmacher und Musiker gewesen. Georg Kolbes 1873 geborener Bruder Rudolf wurde ein bekannter Architekt und Kunstgewerbler in Leipzig.
Kolbe wurde an der Mal- und Zeichenschule in Dresden sowie in München zum Maler ausgebildet. 1897 ging er nach Paris, um an der Académie Julian zu studieren. Von 1898 bis 1901 lebte er in Rom, wo er unter dem Einfluss Louis Tuaillons im Jahr 1900 zur Bildhauerei fand. Am 13. Februar 1902 heiratete er Benjamine (Ben) van de Meer de Walcheren in Uccle bei Brüssel. Am 19. November 1902 wurde in Leipzig die Tochter Leonore geboren. Nach dem Aufenthalt in Leipzig lebte er seit 1904 in Berlin, seit 1929 im eigenen Atelierhaus im Westend, Sensburger Allee 25 (seit 1950 als Museum zugänglich). Kolbe wurde Mitglied der Berliner Secession ließ sich von dem Kunsthändler Paul Cassirer vertreten. 1905 erhielt er den Villa-Romana-Preis, der mit einem Studienaufenthalt in Florenz verbunden war. Einem größeren Publikum bekannt wurde er 1912 mit der Figur Die Tänzerin, die von der Berliner Nationalgalerie erworben wurde.
Während des 1. Weltkriegs kam Kolbe 1917/1918 als Soldat nach Istanbul, wo er ein Gefallenendenkmal ausführte. 1919 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. In den 1920er-Jahren stand er auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. Seine Werke waren in zahlreichen Einzelausstellungen zu sehen. 1923 heiratete Kolbes Tochter Leonore den Maler Kurt von Keudell. Am 7. Februar 1927 starb seine Frau Ben.
Auch nach 1933 erfuhr der Bildhauer weiterhin Ehrungen wie den Goethepreis der Stadt Frankfurt 1936. Kolbe nahm von 1937 bis 1944 regelmäßig mit Skulpturen an der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst in München teil, die als wichtigste kulturelle Veranstaltung im nationalsozialistischen Deutschland propagiert wurde. [1]
Allerdings wurde sein Heine-Denkmal, das er 1913 für die Stadt Frankfurt am Main geschaffen hatte im Frühjahr 1933 von Hitlerjungen umgestürzt. Es war das erste seiner Art in Deutschland, das öffentlich aufgestellt wurde, was den heftigen Widerspruch von Antisemiten hervorrief. Es überstand die Diktatur und den 2. Weltkrieg aber unter der neutralen Bezeichnung „Frühlingslied“ im Frankfurter Städelschen Kunstinstitut. 1947 wurde es erneut errichtet und mit einem neuen Bildnisrelief Heines versehen. Dieses gilt das letzte Werk Kolbes.
[Bearbeiten] Kolbes Atelierhaus in Berlin
In den Jahren 1928/1929 erbaut Kolbe in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Architekten Ernst Rentsch ein Atelierhaus in der Sensburger Allee in Berlin-Westend. Kurz danach wurde das Nachbarhaus für Kolbes Tochter errichtet. Auffallend an dem Atelierhaus sind die Ziegelbauweise, die ineinander über gehenden, von Tageslicht durchfluteten Räume, die Dachterrasse und der Skulpturenhof und Skulpturengarten inmitten von Kiefern und Laubbäumen.
Kolbe bewohnte das Haus bis zu seinem Tode 1947. Im Jahr 1943 wurde es durch eine Luftmine beschädigt, und Kolbe bezog eine Notunterkunft im schlesischen Sprottau. In seinem Testament bat Kolbe darum, sein Werk in seinem Atelierhaus öffentlich zugänglich zu machen. Aus seinem Nachlass ging 1949 eine Stiftung hervor, die 1950 das Georg-Kolbe-Museum eröffnete. Dieses bewahrte bis zu Beginn der 1960er-Jahre die ursprüngliche Atelier-Atmosphäre des Hauses.
Seit 1978 greift das Museum auf öffentliche Mittel zurück, und das Atelier wurde durch ständige Sonderausstellungen seiner Atmosphäre beraubt. Ein Großteil der 200 Plastiken Kolbes bleibt magaziniert. Neuerwerbungen von Künstlern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nehmen weiteren Ausstellungsraum in Anspruch ("Museumsbetrieb nach modernem Standard", Quelle: Prospekt Georg Kolbe Museum).
Die Architektengruppe AGP (Heidenreich, Meier, Polensky, Zeumer) schuf 1996 in gewolltem Stilbruch einen Erweiterungsbau mit zwei Untergeschossen und direkter Anbindung zum Atelierhaus. Die Ausstellungsfläche wurde dadurch verdoppelt, aber nicht für Kolbes Werk genutzt. Ein neues Depot wurde bereitgestellt.
Etwa 200 Meter vom Kolbehaus in der Sensburger Allee, Richtung Olympiastadion befindet sich der „Georg-Kolbe-Hain“ mit dem Nachguß einer weiblichen Figur am Eingang.
[Bearbeiten] Stilphasen
Kolbe entwickelte seit 1910 seinen eigenen Stil, den er in der Skulptur „Die Tänzerin“ zum Ausdruck brachte. Es folgte eine expressionistische und Mitte der 1920er-Jahre eine impressionistische Phase. Ab den 1930er-Jahren erstellte er seine Figuren überlebensgroß und stehend. Prägend für sein Gesamtwerk sind die natürlichen Figuren im Bewegungsablauf ohne Deformation der Körper, die beim Betrachten eine träumerische Stimmung hervorrufen.
[Bearbeiten] Werke (Auswahl)
Von Georg Kolbe sind 1000 Skulpturen und über 1500 Zeichnungen bekannt, von denen viele der Konfiszierung, der Bombardierung und dem Einschmelzen für Kriegszwecke (Leipzig, Mönchengladbach) zum Opfer fielen.
Kolbes Werke sind einem weiten Kreis zugänglich, weil sie in den Museen Europas, der USA und in Russland vertreten sind.
- 1902 Frauenbildnis (Dresden)
- 1912 Die Tänzerin (Nationalgalerie, Berlin)
- 1913 Heine-Denkmal (Taunus-Anlage, Frankfurt am Main)
- 1917/1918 Kriegerdenkmal für die Begräbnisstätte im Botschaftspark von Therabia (heute Tarabya) auf der europäischen Seite von Istanbul, Türkei. Aus einem fünf Tonnen schweren hellen Muschelkalkblock gestaltete Kolbe einen Engel, auf dessen Knien ein Krieger sein Leben aushaucht.
- 1921 Assunta
- 1924 die Verkündung in den Bürgergärten in Lübeck, eine Replik seines Denkmals für gefallene Buchhändler des Ersten Weltkriegs in Leipzig.
- 1925 Der Morgen und Der Abend, Ceciliengärten, Berlin. Die Statue Der Morgen stand 1929 im Deutschen Pavillon auf der damaligen Weltausstellung in Barcelona
- 1926 Kriegerdenkmal 1914-18 in Buchschlag bei Frankfurt (Main)
- 1926–1947 Beethoven-Denkmal in Frankfurt am Main
- 1927 Badende Frauen (Paar) im Stadtpark von Hamburg. Den Beginn der Achse von der Hindenburgstraße zum Stadtparksee flankieren links und rechts je eine Muschelkalkskulptur einer gebeugten Frau.
- 1930 Rathenau-Brunnen im Volkspark Rehberge in Berlin
- 1933, 1935 Zehnkampfmann und Ruhender Athlet auf dem Olympiagelände Berlin
- 1936 Großer Wächter, überlebensgroße Bronze für eine Kaserne in Lüdenscheid, heute dort in der Innenstadt
- 1945 Der Befreite
- Büsten von Henry van de Velde (1913); Edith von Schrenk (1929); Ferruccio Busoni (1925); Max Slevogt (1929); Hans Prinzhorn (1933); Max Liebermann (1929), Selbstbildnis (1934).
[Bearbeiten] Sammlungen
- Georg-Kolbe-Museum, Berlin-Westend. Im ehemaligen Atelier- und Wohnhaus des Künstlers werden etwa 200 Skulpturen sowie 1500 Zeichnungen und Graphiken aufbewahrt (Sensburger Allee 25, 14055 Berlin).
- Kleine Galerie im Waldheimer Kulturzentrum, Gartenstaße 42, 04736 Waldheim
[Bearbeiten] Galerie
|
Beethoven-Denkmal, Frankfurt |
Kolbes Frauenplastik |
[Bearbeiten] Literatur
- Georg Kolbe: Bildwerke. Vom Künstler ausgewählt (Geleitwort von Richard Scheibe). Leipzig, Insel Verlag 1939 (Insel-Bücherei 422/2)
- Georg-Kolbe-Museum, Berlin (Zusammenstellung): Georg Kolbe – 42 Bildtafeln mit einem Geleitwort von Richard Scheibe. Hans Schwarz Verlag Bayreuth, o. J. (ca. 1965)
- Georg-Kolbe-Museum, Berlin (Hrsg.): Faltblatt mit Lebensdaten sowie Text zur Entwicklung des Stils von Kolbe und zum Atelierhaus. Berlin o. J. (ca. 1980)
- Ursel Berger: Georg Kolbe und der Tanz (Ausstellungskatalog). Berlin, Georg-Kolbe-Museum Berlin 2003
- Ursel Berger: Georg Kolbe - Leben u. Werk, Gebr.Mann Verlag, Berlin 1994
- R. G. Binding: Vom Leben der Plastik. Inhalt und Schönheit des Werkes von Georg Kolbe, H. Rauschenberg Verlag, Stollhamm-Berlin, 1933
- The Dictionary of Art, Vol. 18, MacMillan Publ. Lim. Grove (1996)
- U. Thieme/F. Becker, Allgemeiners Lexikon der Bildenden Künste, Verlag von E. A. Seemann, Leipzig (1927)
[Bearbeiten] Weblinks
- Alte und neue Ansichten seiner Heimatstadt Waldheim, sowie deren Geschichte
- Literatur von und über Georg Kolbe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Informationen zu Georg, Kolbe im BAM-Portal
- Foto: Selbstportrait Georg Kolbe, Bronze, 1934
- Georg-Kolbe-Biographie des Georg-Kolbe-Museums
- Biografie und Werke von Georg Kolbe
- (en) Abbildung zahlreicher Werke von Kolbe in einer englischen Website
- Fotos vom Georg-Kolbe-Denkmal "Adam" auf dem Frankfurter Hauptfriedhof
- Fotos vom Georg-Kolbe Beethovendenkmal in der Taunusanlage in Frankfurt am Main
- Fotos vom Georg-Kolbe Heinrich-Heine-Denkmal in der Taunusanlage in Frankfurt am Main
- Fotos vom Georg-Kolbe Denkmal "Ring der Statuen" im Rothschildpark in Frankfurt am Main
- Foto: Statue "Der Morgen" von Georg Kolbe im Deutschen Pavillon (1929) in Barcelona
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Joseph Goebbels, Der Krieg als moralische und geistige Erprobung - Rede zur Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung 1942 am 04.07.1942
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kolbe, Georg |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 15. April 1877 |
| GEBURTSORT | vermutlich Waldheim, Sachsen, Deutschland |
| STERBEDATUM | 20. November 1947 |
| STERBEORT | Berlin, Deutschland |

