BMW Sauber F1

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Dieser Artikel beschreibt das ehemalige Formel-1-Werksteam von BMW, für das gleichnamige Team 2010 siehe Sauber Motorsport
BMW Sauber F1
BMW Sauber F1 Team logo.svg
Name BMW Sauber F1 Team
Unternehmen BMW Sauber AG [1]
Unternehmenssitz Hinwil (CH) / München (D)
Teamchef DeutschlandDeutschland Mario Theissen (d.f.)
Statistik
Erster Grand Prix Bahrain 2006
Letzter Grand Prix Abu Dhabi 2009
Gefahrene Rennen 70
Konstrukteurs-WM 0 – bestes Ergebnis: 2. (2007)
Fahrer-WM 0 – bestes Ergebnis: 4. (2008)
Rennsiege 1
Pole Positions 1
Schnellste Runden 2
Punkte 308

Das BMW Sauber F1 Team war ein deutscher Formel-1-Rennstall und das Werksteam des Automobilherstellers BMW. Es war von 2006 bis 2009 in der höchsten Motorsportklasse vertreten und ging aus dem schweizerischen Vorgängerteam Sauber hervor. Hauptsitz und Produktionsstandort war Hinwil in der Schweiz, die Motoren wurden in München gefertigt. Nach der Saison 2009 zog sich BMW aus der Formel 1 zurück und verkaufte seine Anteile von 80 Prozent am Team an den ursprünglichen Besitzer Peter Sauber.

BMW war bereits in den 1980er Jahren als Motorenlieferant in der Formel 1 aufgetreten. Mit Nelson Piquet und dem Brabham-Team wurde BMW 1983 Weltmeister – als erste im Turbo-Zeitalter. Wiederaufgenommen wurde dieses Engagement etwa 15 Jahre später, als BMW von 2000 bis 2005 Williams mit Motoren belieferte. Siehe dazu auch BMW Motorsport.

Geschichte[Bearbeiten]

BMW Sauber F1, 2006

BMW übernahm[2] zum 1. Januar 2006 die Mehrheit am ehemaligen Rennstall von Peter Sauber und gründete damit sein eigenes Werksteam.[2] Der Name „Sauber“ wurde dabei weiter im Teamnamen belassen. Auch der Standort Hinwil des vormaligen Sauber-Teams wurde beibehalten sowie der Großteil der Sauber-Mannschaft übernommen. Peter Sauber blieb beim BMW Sauber F1 Team weiterhin als Berater tätig.

BMW hatte sich nach der Saison 2005 vom bisherigen Partner Williams getrennt und führt sein Formel-1-Engagement nun mit einem eigenen Team fort.

Als erster Fahrer wurde Nick Heidfeld aus der bisherigen Partnerschaft mit Williams verpflichtet. Als zweiten Fahrer bestätigte das Team den ehemaligen Sauber-Fahrer und Weltmeister von 1997 Jacques Villeneuve am 1. Dezember 2005. Testfahrer des Teams war Robert Kubica. Der Pole übernahm beim Großen Preis von Ungarn das Steuer von Villeneuve und bestritt alle weiteren Rennen der Saison 2006. Bei seinem Debüt wurde Kubica disqualifiziert, da sein Auto zwei Kilogramm zu leicht war. Das Team verlor damit Platz sieben und zwei WM-Punkte. Nick Heidfeld kam als Dritter ins Ziel und feierte so den ersten Podestplatz des jungen Teams. Nach diesem Rennen wurde der laufende Vertrag mit Villeneuve mit sofortiger Wirkung im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst und Kubica für die weiteren Rennen als zweiter Fahrer eingesetzt.

Erster Pole in der Formel 1: Robert Kubica
Der P86-V8-Motor von 2006

Am 10. September 2006 fuhr das BMW Sauber F1 Team mit Robert Kubica beim Großen Preis von Italien in Monza erneut auf das Podest. Teamkollege Nick Heidfeld landete auf dem achten Platz und holte einen weiteren WM-Punkt für das Team. Mit einem guten Abschneiden im Qualifying hatten die Fahrer des BMW-Sauber-F1-Teams den Grundstein für das gute Rennresultat gelegt. Heidfeld platzierte sich als Dritter in der zweiten Startreihe, Kubica ging als Sechster ins Rennen. Im Verlauf seiner ersten Saison fuhr das BMW Sauber F1 Team 2006 insgesamt 15 Mal in die Punkteränge. Mit 36 WM-Zählern belegte das Team den fünften Platz in der Konstrukteurswertung.

2007 fuhr das BMW Sauber F1 Team erneut mit Nick Heidfeld und Robert Kubica und konnte sich in den ersten Rennen als drittes Top-Team etablieren.

Während der Saison verließ Test- und Ersatzfahrer Sebastian Vettel das Team, um bei Toro Rosso ab dem Großen Preis von Ungarn Stammfahrer Scott Speed zu ersetzen.

Bei dem für die Saison 2008 verwendeten Chassis F1.08 handelte es sich um eine Evolution des Vorjahresmodells F1.07.[3]

Das erste Rennen der Saison 2008 konnte Nick Heidfeld auf dem zweiten Platz beenden. Robert Kubica, der in der Qualifikation noch einen sensationellen zweiten Rang errungen hatte, musste das Rennen nach einer Kollision mit Williams-Pilot Kazuki Nakajima vorzeitig beenden. Im zweiten Rennen der Saison 2008 bestätigte das BMW Sauber F1 Team dieses Resultat und belegte mit Robert Kubica wiederum den zweiten Rang. Beim Qualifying zum dritten Saison-Rennen in Bahrain errang das BMW Sauber F1 Team mit Robert Kubica ihre erste Pole-Position in der Formel 1. Das Rennen beendete das BMW Sauber F1 Team mit Robert Kubica auf Rang 3 und Nick Heidfeld auf Rang 4. Damit rückte das Team in der Konstrukteurswertung dank seiner Konstanz erstmals vorläufig auf den 1. Platz vor.

Der spätere Rennsieger Robert Kubica beim Großen Preis von Kanada 2008

Am 8. Juni 2008 beim Grand Prix von Kanada in Montreal gelang Robert Kubica der erste Formel-1-Sieg für das BMW Sauber F1 Team. Zweiter wurde Nick Heidfeld. Das Team beendete die Saison als 3. in der Konstrukteurswertung mit 135 Punkten.

In der Saison 2009 konnte das Team nicht mehr an die starken Vorjahresleistungen anknüpfen und holte in den ersten zehn Rennen (bis zum Großen Preis von Ungarn) lediglich acht Punkte. Am 29. Juli 2009 gab BMW daraufhin den Ausstieg aus der Formel 1 zum Ende der Rennsaison 2009 bekannt.[4]

Am 15. September 2009 gab BMW bekannt, mit der zunächst als „eine in der Schweiz ansässige Stiftung“ angepriesenen Qadbak Investments Ltd eine Einigung über den Verkauf des BMW Sauber F1 Teams erzielt zu haben.[5] Wenige Tage später geriet Qadbak Investments Ltd, bei der es sich in Wirklichkeit um eine auf den Jungferninseln eingetragenen Gesellschaft[6][7][8] handelt und die bereits mit dem Kauf des englischen Fußballvereins Notts County für Aufsehen sorgte, wegen der Unklarheit über die Herkunft des Geldes sowie einer vom Handlungsbevollmächtigten der Qadbak Investments Ltd abgesessenen Gefängnisstrafe wegen Versicherungsbetrugs in die Negativschlagzeilen.[8][9] Laut Medienberichten bestand Unklarheit, ob der Verkauf des BMW Sauber F1 Teams an Qadbak Investments Ltd überhaupt zustande gekommen war. Ebenfalls bestanden Zweifel an der Echtheit der von Qadbak Investments Ltd genannten Namen von Investoren.[10] Peter Trembling und Russell King, Direktor bzw. Handlungsbevollmächtigter von Qadbak Investments Ltd, versuchten auf ähnliche Weise bereits rund vier Jahre zuvor mittels der auf Jersey registrierten und mittlerweile in Liquidation befindlichen „Belgravia Group“ den damaligen Rennstall Jordan sowie den englischen Fußballverein Newcastle United zu übernehmen.[11]

Nick Heidfeld beim Großen Preis der Türkei 2009

Am 27. November 2009 gab BMW bekannt, dass Peter Sauber das Team zurückkauft – unter der Bedingung, dass das Team einen Startplatz für die Formel-1-Saison 2010 erhält. Der im September 2009 angekündigte Verkauf an Qadbak wurde damit nicht vollzogen. Die Vereinbarung mit Peter Sauber sah unter anderem einen Stellenabbau von 388 auf rund 250 Arbeitsplätze vor.[12]

Am 3. Dezember 2009 wurde das bisherige BMW Sauber F1 Team durch die FIA als Teilnehmer für die Saison 2010 bestätigt. Durch den Rückzug von Toyota Racing war ein Platz frei geworden. Das Team von Peter Sauber war dadurch in der Saison 2010 im Starterfeld vertreten[13] und zunächst unter dem bisherigen Namen BMW Sauber F1 Team gemeldet. Die Namensänderung erfolgte im Saisonverlauf.

Zahlen und Daten[Bearbeiten]

Statistik in der Formel 1[Bearbeiten]

Saison Teamname Chassis Motor Reifen Grand Prix Siege Zweiter Dritter Poles schn. Runden Punkte WM-Rang
2006 BMW Sauber F1 Team BMW Sauber F1.06 BMW P86/6 2.4 V8 Michelin 18 2 36 5.
2007 BMW Sauber F1 Team BMW Sauber F1.07 BMW P86/7 2.4 V8 Bridgestone 17 1 1 101 2.
2008 BMW Sauber F1 Team BMW Sauber F1.08 BMW P86/8 2.4 V8 Bridgestone 18 1 7 3 1 2 135 3.
2009 BMW Sauber F1 Team BMW Sauber F1.09 BMW P86/9 2.4 V8 Bridgestone 17 2 36 6.
Gesamt 70 1 10 6 1 2 308  

Alle Fahrer des BMW Sauber F1 Teams[Bearbeiten]

Name Jahre Grand Prix Punkte Siege Zweiter Dritter Poles SR beste WM-Pos.
DeutschlandDeutschland Nick Heidfeld 2006–2009 70 163 6 2 2 5. (2007)
PolenPolen Robert Kubica 2006–2009 57 137 1 4 4 1 4. (2008)
KanadaKanada Jacques Villeneuve 2006 12 7 15. (2006)
DeutschlandDeutschland Sebastian Vettel 2007 1 1 14. (2007)

Ergebnisse in der Formel 1[Bearbeiten]

Saison Chassis Fahrer Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Punkte Rang
2006 BMW Sauber F1.06     Flag of Bahrain.svg Flag of Malaysia.svg Flag of Australia.svg Flag of San Marino.svg Flag of Europe.svg Flag of Spain.svg Flag of Monaco.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Canada.svg Flag of the United States.svg Flag of France.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Turkey.svg Flag of Italy.svg Flag of the People's Republic of China.svg Flag of Japan.svg Flag of Brazil.svg 36 5.
DeutschlandDeutschland N. Heidfeld 16 12 DNF 4 13 10 8 7 7 7 DNF 8 DNF 3 14 8 7 8 17*
KanadaKanada J. Villeneuve 17 DNF 7 6 12 8 12 14 8 DNF DNF 11 DNF            
PolenPolen R. Kubica                         DSQ 12 3 13 9 9
2007 BMW Sauber F1.07     Flag of Australia.svg Flag of Malaysia.svg Flag of Bahrain.svg Flag of Spain.svg Flag of Monaco.svg Flag of Canada.svg Flag of the United States.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Europe.svg Flag of Hungary.svg Flag of Turkey.svg Flag of Italy.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Japan.svg Flag of the People's Republic of China.svg Flag of Brazil.svg   101 2.
DeutschlandDeutschland N. Heidfeld 09 4 4 4 DNF 6 2 DNF 5 6 6 3 4 4 5 14* 7 6  
PolenPolen R. Kubica 10 DNF 18 6 4 5 DNF INJ 4 4 7 5 8 5 9 7 DNF 5  
DeutschlandDeutschland S. Vettel             8                      
2008 BMW Sauber F1.08     Flag of Australia.svg Flag of Malaysia.svg Flag of Bahrain.svg Flag of Spain.svg Flag of Turkey.svg Flag of Monaco.svg Flag of Canada.svg Flag of France.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Europe.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of Singapore.svg Flag of Japan.svg Flag of the People's Republic of China.svg Flag of Brazil.svg 135 3.
DeutschlandDeutschland N. Heidfeld 03 2 6 4 9 5 14 2 13 2 4 10 9 2 5 6 9 5 10
PolenPolen R. Kubica 04 DNF 2 3 4 4 2 1 5 DNF 7 8 3 6 3 11 2 6 11
2009 BMW Sauber F1.09     Flag of Australia.svg Flag of Malaysia.svg Flag of the People's Republic of China.svg Flag of Bahrain.svg Flag of Spain.svg Flag of Monaco.svg Flag of Turkey.svg Flag of the United Kingdom.svg Flag of Germany.svg Flag of Hungary.svg Flag of Europe.svg Flag of Belgium (civil).svg Flag of Italy.svg Flag of Singapore.svg Flag of Japan.svg Flag of Brazil.svg Flag of the United Arab Emirates.svg   36 6.
DeutschlandDeutschland N. Heidfeld 05 10 2 12 19 7 11 11 15 10 11 11 5 7 DNF 6 DNF 5  
PolenPolen R. Kubica 06 14* DNF 13 18 11 DNF 7 13 14 13 8 4 DNF 8 9 2 10  
Legende
Farbe Abkürzung Bedeutung
Gold Sieg
Silber 2. Platz
Bronze 3. Platz
Grün Platzierung in den Punkten
Blau Klassifiziert außerhalb der Punkteränge
Violett DNF Rennen nicht beendet (did not finish)
NC nicht klassifiziert (not classified)
Rot DNQ nicht qualifiziert (did not qualify)
DNPQ in Vorqualifikation gescheitert (did not pre-qualify)
Schwarz DSQ disqualifiziert (disqualified)
Weiß DNS nicht am Start (did not start)
WD zurückgezogen (withdrawn)
Hellblau PO nur am Training teilgenommen (practiced only)
TD Freitags-Testfahrer (test driver)
ohne DNP nicht am Training teilgenommen (did not practice)
INJ verletzt oder krank (injured)
EX ausgeschlossen (excluded)
DNA nicht erschienen (did not arrive)
C Rennen abgesagt (cancelled)
  keine WM-Teilnahme
sonstige P/fett Pole-Position
SR/kursiv Schnellste Rennrunde
* nicht im Ziel, aufgrund der zurückgelegten Distanz aber gewertet
() Streichresultate
unterstrichen Führender in der Gesamtwertung


Übersicht des letzten Personals[Bearbeiten]

Aufgabenbereich Name
Stammfahrer DeutschlandDeutschland Nick Heidfeld
PolenPolen Robert Kubica
Testfahrer OsterreichÖsterreich Christian Klien
BMW-Motorsportdirektor DeutschlandDeutschland Dr. Mario Theissen
Managing Director OsterreichÖsterreich Walter Riedl
Chefingenieur DeutschlandDeutschland Willy Rampf
Chefdesigner SchweizSchweiz Christoph Zimmermann [14]
Chefaerodynamiker NiederlandeNiederlande Willem Toet
Leiter Antrieb DeutschlandDeutschland Markus Duesmann
Leiter Strömungstechnik (CFD) SchwedenSchweden Torbjoern Larsson
Renningenieur Heidfeld Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Paul Russell
Renningenieur Kubica SpanienSpanien Antonio Cuquerella
Leiter Track Engineering ItalienItalien Giampaolo Dall'Ara
Chefmechaniker Rennteam SchweizSchweiz Amiel Lindesay
Leitender Testingenieur FinnlandFinnland Ossi Oikarinen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag der ehemaligen «BMW SAUBER AG» im Handelsregister des Kantons Zürich
  2. a b http://www.motorsport-total.com/f1/news/2006/01/BMW_Sauber_F1_Team_betritt_die_Formel-1-Buehne_06011703.html
  3. „Der neue BMW Sauber: Evolution statt Revolution“ (Formel1.net am 15. Oktober 2007)
  4. BMW bestätigt Formel-1-Ausstieg
  5. bmw-sauber-f1.com, Medienmitteilung vom 15. September 2009
  6. „Saubers Schleuderkurs - Die Käufer von BMW Sauber stiften Verwirrung“, SonntagsZeitung, 20. September 2009
  7. „Rennstallkäufer nicht sauber“, SonntagsZeitung, 27. September 2009 (Link zum Online-Artikel)
  8. a b The Sun, 24. September 2009
  9. „Mittelsmann von Sauber-Investor vorbestraft“, Tages-Anzeiger, 25. September 2009
  10. „Zweifel an Investor: BMW-Sauber-Nachfolger zittert weiter“, 20 Minuten online, 4. Oktober 2009
  11. „Confusion remains over backers of Notts County“, The Times, 24. September 2009
  12. BMW Sauber F1 Team, Medienmitteilung vom 27. November 2009
  13. „FIA - Sauber's 2010 championship entry secured“ (Formula1.com am 4. Dezember 2009)
  14. “BMW Sauber appoint new chief designer” (Formula1.com am 29. Oktober 2007)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: BMW Sauber – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien