Bar (Montenegro)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bar
Бар
Wappen von Bar (Montenegro)
Bar (Montenegro) (Montenegro)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Montenegro
Koordinaten: 42° 6′ N, 19° 6′ O42.10222222222219.1005555555564Koordinaten: 42° 6′ 8″ N, 19° 6′ 2″ O
Höhe: m. i. J.
Fläche: 598 km²
Einwohner: 13.700 (2003)
Bevölkerungsdichte: 23 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+382) 030
Kfz-Kennzeichen: BR
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Zarko Pavicevic (DPS)
Webpräsenz:
Sonstiges
Schutzpatron: Hl. Jovan Vladimir (Johannes Wladimir)

Bar (serbisch-kyrillisch Бар; italienisch Antivari; albanisch Tivari/Tivar) liegt an der montenegrinischen Adriaküste. Die Stadt hat einen bedeutenden Seehafen. Von hier verkehren Fähren nach Bari und Ancona in Italien. Der Hafen ist gleichfalls Ausgangspunkt der über Podgorica nach Belgrad führenden Bahnstrecke Belgrad–Bar. Die Stadt liegt an der adriatischen Küstenstraße. Es ist geplant, ab 2009 eine Autobahn von Bar nach Boljare an der serbischen Grenze zu bauen. Neben dem Handel ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Bars. Südlich der Bucht befindet sich ein großes Tanklager.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Stadt selbst hat etwa 13.700 Einwohner. Sie ist Sitz des katholischen Erzbistums Bar.

Zur Volkszählung von 2011 hatte die Gemeinde Bar 42.048 Einwohner, von denen sich 19.553 (46,5 %) als Montenegriner, 10.656 (25,34 %) als Serben, 3.236 (7,7 %) als Muslime, 2.515 (5,98 %) als Albaner und 2.153 (5,12 %) als Bosniaken bezeichneten. Daneben leben in der Stadt noch weitere kleinere Bevölkerungsgruppen, darunter Kroaten und Roma.

Geschichte[Bearbeiten]

Ruinen in der verlassenen Altstadt
Palais am Hafen
Alter Olivenbaum von Mirovica

In der Antike war die Umgebung Bars von den Illyrern besiedelt. Zu Zeiten der Römer existierte noch keine Stadt, Kaiser Justinian ließ jedoch im 6. Jahrhundert ein älteres Kastell wiederaufbauen, nachdem die Gegend von den Serben verheert worden war. Im 9. Jahrhundert ist Bar als Antibarium erstmals urkundlich erwähnt und es erfolgte die Gründung des Bistums. Bar wurde im späten 10. Jahrhundert zu einem der Zentren des inzwischen slawisch besiedelten Fürstentums (Doclea) Zeta, das sich im 11. und 12. Jahrhundert schrittweise von der byzantinischen Herrschaft löste.

Die letzte Periode der byzantinischen Herrschaft datiert in die Jahre 1166 bis 1183. Danach eroberte Stefan Nemanja die adriatische Küste, und Bar wurde Teil des serbischen Staates der Nemanjiden. Ab dem 14. Jahrhundert wechselte die Stadt häufig den Besitzer. Zeitweise herrschten die Venezianer, die ungarischen oder serbische Könige und Fürsten aus der Familie Balšić über die Stadt. 1443 bis 1571 stand Bar unter der Herrschaft der Republik Venedig, die hier einen Capitano als Regenten einsetzte, der dem Provveditore von Kotor (Cattaro) unterstand. Vom Mittelalter bis zum Ende der venezianischen Herrschaft genoss Bar innere Autonomie, hatte ein eigenes städtisches Statut und prägte eigene Münzen.

1528 wurde Bar zum ersten Mal von den Osmanen eingenommen, 1571 musste sie ihnen schließlich vollständig überlassen werden, die Stadt blieb über 350 Jahre in osmanischem Besitz.

1877 griffen die Montenegriner Bar an und beschossen die Stadt, die dabei zu großen Teilen zerstört wurde. Auf dem Berliner Kongress 1878 erhielt das Fürstentum Montenegro Bar und Ulcinj zugesprochen und erlangte damit Zugang zum Meer. Bar, das schon seit dem 18. Jahrhundert eine Zeit des Niedergangs erlebte, erholte sich nur schwer von den Kriegsschäden. Die am meisten zerstörten Viertel wurden gar nicht mehr aufgebaut und die Bevölkerung stagnierte bei rund 3000 Einwohnern.

1904 gelang dem Italiener Guglielmo Marconi die drahtlose Funkverbindung zwischen Bar und dem am jenseitigen Adriaufer gelegenen Bari. Am 2. November 1908 erhielt die Stadt mit der Antivari-Bahn nach Virpazar am Skutarisee die erste Bahnverbindung in Montenegro. Im Januar 1916 wurde Bar während des Ersten Weltkriegs von österreichischen Truppen besetzt.

Nach dem Krieg wurde die Stadt Teil Jugoslawiens, und in den 1920er Jahren begann der Fremdenverkehr. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Bar von 1941 an zum italienischen Besatzungsgebiet. Bereits im Juli 1941 begannen in der Umgebung die ersten Widerstandsaktionen jugoslawischer Partisanen.

1959 erhielt die Stadt den Normalspurbahnanschluss nach Titograd (Podgorica), aber erst 1979 wurde die Bahnstrecke Belgrad–Bar fertiggestellt. Die Schmalspurbahn nach Virpazar aus dem Jahre 1908 wurde im Jahr darauf eingestellt.

Im Jahr 1979 wurde Bar durch ein schweres Erdbeben zerstört, die Altstadt danach verlassen und unmittelbar an der Küste eine neue Stadt erbaut.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Nach dem Erdbeben 1979 wurde die auf einem Hügel landeinwärts liegende Altstadt aufgegeben und Bar direkt an der Küste neu erbaut. Das Stadtbild ist geprägt von neuen Wohnblöcken, einigen Hochhäusern und großen Hotelanlagen. Viel Raum nimmt das Hafengelände ein.

In der aufgelassenen Altstadt (Stari Bar) an den Hängen des Rumija-Gebirges wurden inzwischen einige Gebäude restauriert. Sehenswert sind die romanische Markuskirche, die gotische Kirche St. Katharina, der bischöfliche Palast und ein großer Aquädukt an der Nordseite der Stadt. Große Teile der Altstadt sind schon seit dem Beschuss im osmanisch-montenegrinischen Krieg 1877 nur noch Ruinen.

In Bar befindet sich der alte Ölbaum von Mirovica, der mit einem Alter von etwa 2300 Jahren eines der ältesten Exemplare der Region darstellt.

Sport[Bearbeiten]

Bar ist Heimat des 2001 gegründeten Fußballvereins OFK Bar.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Savo Marković: Statuta et leges civitatis Antibari. In: Povijesni prilozi. 21(2002), S. 19-41.
  • Mladen Zagarčanin: Stari Bar. Keramika venecijanskog doba. Koper 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien