Tourismus in Montenegro

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Herceg Novi - Altes Stadttor
Altstadt von Ulcinj
Über 2000 Jahre alter Olivenbaum in Bar
Ausläufer des Skutarisees
Nationalpark Biogradska Gora
Der Crno jezero im Durmitor-Gebirge

Der Tourismus in Montenegro ist einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Der kleine Balkanstaat ist ein mediterranes Land mit einem reichen architektonischen und kulturellen Erbe, einer Vielfalt an Landschaften und Klimazonen, sowie einem weitgehend erhaltenen Ökosystem. Durch seine natürliche Ausstattung eignet es sich daher für sehr viele Arten von Tourismus, so dass man bestrebt ist, Montenegro zu einem klassischen Tourismusziel auszubauen.
Montenegro gilt als eines der am schnellsten wachsenden touristischen Reiseziele. Im Jahr 2012 besuchten 1,44 Millionen Touristen Montenegro, die 9,15 Mio. Übernachtungen generierten (dies entspricht einer Steigerung von 5 % im Vergleich zum Vorjahr). Hierdurch wurden (im Jahr 2009) ca. 569 Mio. Euro Einnahmen aus dem Fremdenverkehr erzielt (Steigerung von 18,5 % im Vergleich zu 2007). Während vor dem Jugoslawienkrieg die Reisegäste auch verstärkt aus dem deutschsprachigen Raum hierher kamen, sind es heutzutage hauptsächlich Gäste aus Osteuropa (vor allem aus Russland) sowie aus dem benachbarten Serbien und Bosnien und Herzegowina (s. u.).

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Fast alle wirtschaftlichen Aktivitäten in Montenegro zielen auf die Erleichterung der Tourismusentwicklung ab. Die Regierung möchte 'grüne Investitionen', also die optimale Nutzung der unbebauten Teile der Küste, wie Jaz Beach (bei Budva), Velika Plaža, Ada Bojana und Buljarica anregen. Solche Investitionen könnten die touristische Attraktivität Montenegros nach den Balkankriegen der 1990er Jahre wiederherstellen, so dass sich eine in hohem Maße wettbewerbsfähige Destination für den nachhaltigen Qualitätstourismus entwickeln kann. Auch internationale Investitionen wie Porto Montenegro, Aman Resorts (Sveti Stefan, Milocer, Königinnenstrand) und Orascom Development (Luštica-Halbinsel) sind eröffnet bzw. auf dem Weg der Realisierung.

Auf Grund seiner vielfältigen natürlichen und kulturellen Potenziale kann Montenegro als Ziel mit ganzjährigen Tourismusangeboten vermarktet werden. Daher gilt der Tourismus-Masterplan Montenegros bis 2020 als Wegbereiter für ein nationales Entwicklungsprogramm für einen nachhaltigen Naturtourismus, mit neuen Infrastrukturen und Dienstleistungen, insbesondere in den Bereichen Wandern und Radfahren. Die Realisierung eines ersten 3-Jahres-Programmes wurde 2007 gestartet. 2011 wurde das Projekt „Wilderness Hiking & Biking“ vom Deutschen Reiseverband (DRV) mit dem EcoTrophea international ausgezeichnet. Bereits im Folgejahr befand sich ein weiteres Projekt aus Montenegro unter den Top 5 für die EcoTrophea 2012. Die Unterkünfte "Ferienwohnungen Utjeha.me" im gleichnamigen Ferienort Utjeha in der Gemeinde Bar. Der Beherbergungsbetrieb wurde als erste Unterkunft in Montenegro mit dem Europäischen Umweltzeichen EU-Ecolabel ausgezeichnet und nimmt damit die Vorreiter- und Vorbildfunktion für nachhaltige Unterkünfte in Montenegro ein.

2010 wurde das Land vom World Travel and Tourism Council (WTTC) für seine Bemühungen in der Kategorie „Destination Stewardship“ unter die drei Finalisten des „Tourism for Tomorrow“-Awards gewählt.

Das größte Problem des montenegrinischen Tourismus sind noch unzureichende Flugverbindungen von den wichtigsten Quellmärkten. Die beiden internationalen Zielflughäfen sind jene von Tivat und Podgorica. Die Straßen-Infrastruktur hingegen hat sich in den vergangenen 5 Jahren gut entwickelt. Mit der montenegrinischen Eisenbahn kommt man seit 2011 nicht nur von der Küste (Bar) über die Hauptstadt (Podgorica) bis in den Norden (Kolasin, Bijelo Polje) sondern auch nach Niksic in der westlichen Richtung.

Reiseziele[Bearbeiten]

Nördliche Küstenregion[Bearbeiten]

Diese bemerkenswerte Küstenregion ist derzeit für Touristen in Montenegro von besonderem Interesse. Die montenegrinische Adriaküste ist insgesamt 295 km lang, wovon 72 km Strände sind, und die einige alte, gut erhaltene Städte vorweisen kann. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten entlang der Nordküste sind:

Südliche Küstenregion[Bearbeiten]

Die südliche Küstenregion Montenegro gilt als einer der großen "Neuentdeckungen" unter den ausländischen Touristen. Im Januar 2010 verkündete die New York Times, dass die südliche Küste um Ulcinj - einschließlich Velika Plaža, Ada Bojana und dem Hotel Mediteran Ulcinj - zu den "Top 31 Places to Go in 2010", als Teil einer weltweiten Rangliste der Tourismusdestinationen, gehöre.

Die südliche Küstenregion, mit Ulcinj als Hauptzentrum, ist u. a. beliebt auf Grund ihrer kilometerlangen Sandstrände (Blaue Flagge), den Öko-Adventure-Aktivitäten, alter Festungsstädte und ihres pulsierenden Nachtlebens. Die hauptsächlichen Ziele sind:

  • Die Altstadt von Ulcinj mit ihren markanten Zinnen und Zyklopenmauern, ihrem pulsierenden Nachtleben, der Küstenpromenade, sowie dem längsten unberührten Strand Montenegros (13 km), der Velika Plaža.
  • Die Altstadt von Bar (Stari Bar) als "lebendiges Museum".
  • Die Insel Ada Bojana im äußersten Süden Montenegros mit ihren berühmten Flussrestaurants, die täglich frische Meeresfrüchte aus den angrenzenden Gewässern servieren (16 km südlich von Ulcinj).
  • Der Kiesstrand und die massiven Olivenhaine von Valdanos (bei Ulcinj).
  • Der Strand, die Seehöhlen und die Kiefernharzluft an der 'Ladies Beach', der seit Generationen bei Einheimischen bekannt ist für Kuren gegen Unfruchtbarkeit und andere Beschwerden.
  • Der einzige montenegrinische Tiefwasserhafen und Handelshafen in Bar.
  • Der Strand und die Bucht von Utjeha "Uvala Maslina" (Olivenbucht), die südlichstes Bucht der Gemeinde Bar (Blaue Flagge)
  • Der Skutarisee ist der größte See des Balkans und zudem Naturschutzgebiet, dient als eines der größten Nistplätze für Zugvögel auf dem europäischen Kontinent (u. a. Pelikane).
  • Strände, Burgen, Inseln und Dörfer am Skutarisee

Zentrale Region[Bearbeiten]

Obwohl es das am dichtesten besiedelte Gebiet Montenegros ist, hat die zentrale Region weniger touristische Attraktionen. Bemerkenswert sind:

  • das Kloster Ostrog, ein berühmter Wallfahrtsort
  • archäologische Überreste von Duklja (Doclea) aus der römischen Zeit (am Stadtrand von Podgorica)
  • Cetinje, die historische Hauptstadt von Montenegro
  • der Berg Lovćen im gleichnamigen Nationalpark sowie das Mausoleum von Petar II. Petrović-Njegoš, das eine weite Panorama-Aussicht auf die umliegende Landschaft sowie auf die Bucht von Kotor und das Mittelmeer bietet.

Nördliches Bergland[Bearbeiten]

Die nördliche Region ist das Zentrum des montenegrinischen Bergtourismus. Hier befinden sich Skigebiete und es ist für seine unberührte Natur beliebt. Der gesamte Bereich des Durmitor-Massivs und der Canyon der Tara sind als Bestandteil geschützter Nationalparks auch Stätten des UNESCO-Welterbes.

Reiseziele im Norden sind:

  • Die Stadt Žabljak im Durmitor-Gebirge, dem beliebtesten Reiseziel abseits der montenegrinischen Küste.
  • Die Tara-Schlucht, der tiefste Canyon Europas und nach dem Grand Canyon die zweittiefste Schlucht der Welt. Der Fluss ist ein beliebtes Ziel für den Rafting-Tourismus.
  • der Nationalpark Biogradska Gora, dem weitestgehend unberührten Urwald (mit dem Biogradsko jezero) und ausgedehnten Wander- und Mountainbikestrecken.
  • Die Stadt Kolašin, ein weiteres beliebtes Ausflugsziel in der Nähe des Biogradska Gora Nationalparks, mit dem Skiresort "Kolasin 1450" am Bjelasica-Gebirge.
  • Die Stadt Plužine, am Ufer des Piva-Sees gelegen, mit vielfältigen Angeboten für Naturliebhaber.
  • Die Stadt Plav, Ausgangsort zum jüngsten Nationalpark Prokletije.

Touristische Ankünfte und Übernachtungen (nach Kommunen bzw. Herkunftsland)[Bearbeiten]

90,4% aller Touristen Montenegros verbrachten 2012 ihren Urlaub in einer der sechs Küstengemeinden. Dies waren sogar 96,8% aller Übernachtungen. Dabei lag die durchschnittliche Übernachtungsdauer 2012 an der Küste bei ca. 7 Nächten, in den anderen Regionen hingegen bei nur 2-3 Übernachtungen. Eine Ausnahme bildete 2011 die alte historische Hauptstadt Cetinje, die auf ca. 5 Nächte kam. Spitzenreiter war die Gemeinde Tivat, die 2012 auf knapp 9 Übernachtungen kam.

Touristische
Region
Gemeinde Ankünfte
2011
Ankünfte
2012
Veränderung
2011/12
Übernachtungen
2011
Übernachtungen
2012
Veränderung
2011/12
Küste Budva 637.578 691.654 +8,48% 3.924.523 4.198.773 +6,99%
Küste Herceg Novi 243.568 229.063 –5,96% 1.915.346 1.815.222 –5,23%
Küste Bar 144.680 155.770 +7,67% 1.130.387 1.219.902 +7,92%
Küste Ulcinj 120.548 124.562 +3,33% 878.305 920.877 +4,85%
Küste Tivat 47.116 44.045 –6,52% 359.278 389.726 +8,47%
Küste Kotor 51.850 56.051 +8,10% 286.116 304.065 +6,27%
Hauptstadt Podgorica 53.480 52.889 –1,11% 103.636 104.728 +1,05%
Gebirge Žabljak 22.486 25.100 +11,63% 53.285 57.123 +7,20%
Gebirge Kolašin 20.209 21.702 +7,39% 40.539 47.103 +16,19%
Sonstige Cetinje 4.257 10.937 +156,92% 22.537 34.466 +52,93%
Sonstige Nikšić 7.854 8.139 +3,63% 16.926 20.647 +21,98%
Sonstige Bijelo Polje 3.874 3.378 –3,48% 13.378 9.444 –29,41%
Sonstige Pljevlja 4.411 3.208 –27,27% 10.160 6.715 –33,91%
Gebirge Rožaje 1.630 1.643 +0,80% 5.001 5.403 +8,04%
Sonstige Mojkovac 2.393 2.803 +17,13% 3.039 3.982 +31,03%
Sonstige Danilovgrad 903 1.927 +113,40% 1.825 3.961 +117,04%
Gebirge Plužine 2.438 1.913 –21,53% 3.148 3.465 +10,07%
Sonstige Berane 1.758 2.210 +25,71% 2.209 2.917 +32,05%
Gebirge Plav 1.609 1.649 +2,49% 4.366 2.122 –51,40%
Gebirge Andrijevica 806 496 –38,46% 1.118 595 –46,78%
Gebirge Šavnik 6 - - 49 - -
Montenegro Insgesamt 1.373.454 1.439.500 +4,81% 8.775.171 9.151.236 +4,29%

Die durchschnittliche Übernachtungsdauer war 2012 bei allen Nationalitäten ähnlich und lag bei 5 bis 7 Nächten. Lediglich die Italiener kamen, wie schon im Vorjahr, nur auf 4,2 Übernachtungen, während die Russen mit 8,2 Übernachtungen (2011: 7,3) am längsten blieben.

Herkunft Ankünfte
2011
Ankünfte
2012
Veränderung
2011/12
Übernachtungen
2011
Übernachtungen
2012
Veränderung
2011/12
SerbienSerbien Serbien 301.094 337.245 +12,01% 2.165.529 2.353.370 +8,67%
RusslandRussland Russland 243.647 244.924 +0,52% 1.988.533 1.791.616 –10,99%
Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina 95.271 97.497 +2,28% 679.317 750.341 +9,47%
PolenPolen Polen 39.131 39.544 +1,04% 196.888 214.927 +8,39%
DeutschlandDeutschland Deutschland 32.648 33.427 +2,33% 184.984 182.724 –1,24%
TschechienTschechien Tschechien 26.847 24.702 –8,68% 174.634 171.107 –2,06%
FrankreichFrankreich Frankreich 33.122 28.336 –16,89% 167.215 152.395 –9,72%
AlbanienAlbanien Albanien 27.428 27.388 –0,15% 159.811 162.323 +1,55%
MazedonienMazedonien Mazedonien 24.564 22.605 –8,67% 158.469 144.084 –9,98%
ItalienItalien Italien 36.113 34.403 –4,97% 151.366 143.938 –5,16%
RumänienRumänien Rumänien 23.108 22.923 –0,81% 118.313 142.281 +16,85%
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 19.369 23.904 +18,97% 102.229 139.546 +26,74%
Sonstiges Ausland 325.670 300.352 +8,43% 1.707.878 1.657.992 +3,01%
Ausland insgesamt 1.264.163 1.201.099 +5,25% 8.143.007 7.818.803 +4,15%
MontenegroMontenegro Montenegro 175.337 172.355 –1,73% 1.008.229 956.368 –5,42%
Insgesamt 1.373.454 1.439.500 +4,81% 8.775.171 9.151.236 +4,29%

Quelle: Statistical office of Montenegro

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Montenegro – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Montenegro

Weblinks[Bearbeiten]