Ulcinj

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Ulcinj
Улцињ
Ulqin / Ulqini
Wappen von Ulcinj
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Über dieses Bild
Basisdaten
Staat: Montenegro
Koordinaten: 41° 55′ N, 19° 12′ O41.92444444444419.2033333333337Koordinaten: 41° 55′ 28″ N, 19° 12′ 12″ O
Höhe: m. i. J.
Einwohner: 19.921 (2011)
Telefonvorwahl: (+382) 030
Kfz-Kennzeichen: UL
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Nazif Cungu
Webpräsenz:

Ulcinj (kyrillisch Улцињ; albanisch Ulqin/Ulqini; italienisch Dulcigno) ist die südlichste Stadt Montenegros und liegt an der Adria nahe der Grenze zu Albanien.

Ulcinj hat eine sehenswerte Altstadt. Unmittelbar in der Nähe befindet sich der „kleine Stadtstrand“ (mont. Mala Plaža, alb. Plazhi i vogël). Das Stadtbild zeigt die osmanische Vergangenheit, zahlreiche Moscheen verteilen sich über die ganze Stadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten namentlich bekannten Bewohner der Gegend um Ulcinj waren die Illyrer. In der Antike bestand eine Siedlung griechischer Kolonisten, die – so haben archäologische Grabungen ergeben – im 5. Jahrhundert v. Chr. zur Stadt erweitert wurde. In der Zeit des Hellenismus stand der Ort unter dem Einfluss der verschiedenen kurzlebigen illyrischen Königreiche und gelangte 163 v. Chr. als Olcinium (= Stadt der Olcinjaten, ein illyrischer Stamm) unter römische Herrschaft. Unter diesem Namen wird Ulcinj bei Plinius dem Älteren in der Naturalis historia zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Während der römischen Herrschaft war Ulcinj eine befestigte Siedlung römischer Bürger. Sie hatte den status eines oppidum civium Romanorum und wurde später municipium – also eine eigenständige Stadt römischen Rechts.

Nach der Teilung des Römischen Reiches fiel Ulcinj mit der Provinz Praevallis an Ostrom und die Bewohner nahmen das Christentum an. In der Spätantike war Ulcinj Bischofssitz; das Bistum existierte mit Unterbrechungen bis zum Beginn der Türkenherrschaft im 16. Jahrhundert.

Ulcinj 1573
Blick auf die Altstadt
Uhrturm mit Vorstadt
Zweisprachiges Straßenschild in Ulcinj (montenegrinisch/albanisch)

Ulcinj gehörte im 9. und 10. Jahrhundert und dann wieder im 12. Jahrhundert zu den serbischen Reichen Duklja und Raszien und kurz auch zum Nemanjiden-Staat. Es wurde zu einem bedeutenden Handels- und Seefahrtszentrum des serbischen Staates. Nach 1355 übernahmen die Balšići die Herrschaft über die Stadt. Mehrfach stand Ulcinj auch unter venezianischer Herrschaft, meist war die Stadt jedoch faktisch unabhängig. Ihre Einwohner, die Dulcinoten (ital.) waren gefürchtete Piraten in der Adria. Von 1571 bis 1880 war Ulcinj Teil des Osmanischen Reiches. Eine 1718 unter Feldmarschall Johann Matthias von der Schulenburg begonnene Belagerung durch venezianische Truppen – zur See und zu Land – wurde aufgrund des Frieden von Passarowitz wieder aufgehoben.

Im Krieg mit der Türkei eroberte Montenegro am 20. Januar 1878 Ulcinj. Beim Abschluss des Vorfriedens von San Stefano wurde Ulcinj von den Russen aber wieder der Hohen Pforte zugestanden, während Montenegro nur ein paar Dörfer am Shkodrasee bekam. Der Berliner Kongress revidierte die Vereinbarungen von San Stefano auch in Bezug auf Ulcinj und sprach die Stadt Montenegro zu. Der Sultan weigerte sich aber die Stadt zu räumen. Erst nach Intervention der Großmächte, unter anderem durch eine gemeinsame Flottendemonstration vor der türkischen Küste, gaben die Osmanen nach. Am 30. November 1880 wurde Ulcinj nach langem diplomatischen Hin und Her endgültig dem Fürstentum Montenegro angeschlossen.

Seit 2008 ist Ulcinj die Bezirkspartnerstadt des 23. Wiener Gemeindebezirks Liesing. Der entsprechenden schriftlichen Vereinbarung waren vier Jahre kultureller und infrastruktureller Zusammenarbeit mit dem südlichsten Gemeindebezirk der österreichischen Hauptstadt vorangegangen.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Stadt hat 19.921 Einwohner. Sie sind zum Großteil Muslime, Minderheiten bekennen sie sich zur katholischen oder zur orthodoxen Kirche.

Zur Volkszählung von 2011 hatte die Gemeinde Ulcinj 19.921 Einwohner, von denen sich 14.076 (70,66 %) als Albaner, 2.478 (12,44 %) als Montenegriner, 1.145 (5,75 %) als Serben, 770 (3,87 %) als ethnische Muslime und 449 (2,25 %) als Bosniaken bezeichneten. Daneben leben in der Gemeinde noch weitere kleinere Bevölkerungsgruppen.

Tourismus[Bearbeiten]

Markt in Ulcinj
Ulcinj und die Mündung der Bojana
Zweisprachige Beschilderung (montenegrinisch/albanisch)

Ulcinj ist eine touristisch gut erschlossene Stadt mit einer Vielzahl von Hotels und Pensionen. Außerhalb der Stadt beginnt der „Große Strand“ (mont. Velika Plaža / alb. Plazhi i madh), der sich bis zur albanischen Grenze mit einer Länge von 13 Kilometern erstreckt. Somit ist dies der längste Sandstrand an der östlichen Adriaküste. Dazu gehört auch das FKK-Gebiet auf der Insel Ada an der Mündung des Flusses Bojana. Vor dem Jugoslawienkrieg war Ulcinj ein beliebtes Reiseziel für Deutsche, Italiener, Franzosen und Engländer.

Vor allem seit den 1990er Jahren machen Albaner aus dem Kosovo einen großen Teil der Touristen in Ulcinj aus. Auch die Diaspora-Albaner wissen Ulcinj bis heute als Urlaubsziel zu schätzen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bartl: Die Dulcignoten. Piraterie und Handelsschiffahrt im Adriaraum (18. Jahrhundert). In: Südosteuropa unter dem Halbmond. Untersuchungen über Geschichte und Kultur der südosteuropäischen Völker während der Türkenzeit. Prof. Georg Stadtmüller zum 65. Geburtstag gewidmet. München 1975, S. 17–27.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ulcinj – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiener Rathauskorrespondenz vom 28. Oktober 2008