Berlin-Rudow

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Rudow
Ortsteil von Berlin
Berlin Neukölln Britz Buckow Buckow Gropiusstadt Rudow BrandenburgRudow auf der Karte von Neukölln
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 25′ 0″ N, 13° 30′ 0″ O52.41666666666713.5Koordinaten: 52° 25′ 0″ N, 13° 30′ 0″ O
Fläche 11,8 km²
Einwohner 40.999 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 3474 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12353, 12355, 12357
Ortsteilnummer 0804
Verwaltungsbezirk Neukölln

Rudow [ˈʁuːdoː] ist ein Ortsteil im Bezirk Neukölln von Berlin. Früher gehörte auch die Gropiusstadt teilweise zu Rudow; seit dem 5. November 2001 ist sie als eigener Ortsteil ausgegliedert.

Lage[Bearbeiten]

Rudow ist der südlichste Ortsteil des Bezirks Neukölln. Er grenzt im Norden an die Ortsteile Britz und Baumschulenweg, im Westen an Buckow und Gropiusstadt, im Osten an Johannisthal und Altglienicke sowie im Süden an die in Brandenburg liegenden Orte Schönefeld und Großziethen.

Geschichte[Bearbeiten]

Urkundlich wird der Ort erstmals im Jahr 1373 genannt. Grabungsfunde aus der Zeit um oder gar vor 1200 weisen auf eine spätslawische Vorbesiedlung hin, sodass also Ortskontinuität vorliegt. Das ungewöhnliche Straßendorf verfügte über zwei Parallelstraßen, die auf zwei Siedlungskerne hindeuten (heute: Alt-Rudow und Prierosser Straße). Das brandenburgische Namenbuch leitet den Namen von einer polabischen Grundform „Rudov“, zu urslawisch „Ruda“ (= ‚rote Erde‘ oder ‚Eisenstein‘) ab. Letztere Grundform wurde mit der Endung „-ov“ zum Toponym.[1]

Die Besitzverhältnisse waren sehr zersplittert, die Besitzgeschichte sehr kompliziert. 1375 hatte das Dorf 64 Hufen, davon hatte der Pfarrer vier Freihufen und die Kirche eine Freihufe. Nach einem Lehensbrief von Markgraf Otto V. hatte der Ritter Beteke Dierecke 14 freie Hufen (davon waren drei Hufen verpachtet), Gyse Dierecke hatte sieben Freihufen, Heinrich Schenck zehn Freihufen, Claus Duseke acht Hufen, von denen er Abgaben entrichten musste, Bürger Schaum in Cölln hatte zwölf Freihufen, Cüne Dyben fünf Freihufen (von drei Hufen waren Abgaben an Frau Duseke zu entrichten) und drei bäuerlichen Hufen. Außerdem gab es 16 Kossätenhöfe, einen Krug und eine Mühle. Die Wagendienste (zur Burg Mittenwalde), das Ober- und Untergericht und das Patronat über die Kirche waren 1375 noch im Besitz des Markgrafen, allerdings verpfändet an einen Blumenhagen. Die Dorfherrschaft kam 1652 an das kurfürstliche Amt Köpenick. 1671 ging ein Teil, das Gutsvorwerk, an den kurfürstlichen Berater Sigismund v. Heydekamp, bevor König Friedrich I. 1702 Rudow wieder erwarb und in das Amt Köpenick eingliederte. Nach der Auflösung des Amtes Köpenick gehörte Rudow von 1811 bis 1872 zum Amt Mühlenhof.

Vermutlich auf die Söhne des Großen Kurfürsten geht ein um 1680 errichtetes Jagdschloss zurück, die 1704 als eines der vornehmsten Lusthäuser des Königs bezeichnet wurde (Schloss Rudow). Geringe Reste des Komplexes sind im Haus Nr. 48 an der Prierosser Straße noch erhalten, allerdings durch eingreifende Veränderungen kaum noch zu erkennen, außer den Kaminabzügen auf dem barock gewölbten Dach.[2] Mittelpunkt des Dorfes blieb die Dorfkirche, ein aus Feldsteinen ausgeführter rechteckiger Saalbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der allerdings mehrfach – zuletzt 1909 – einschneidend verändert wurde und nach schweren Kriegszerstörungen 1954 seine heutige Form erhielt. Aus der Zeit um 1800 hat sich der charakteristische Dorfkrug Alt-Rudow 59–61 erhalten, während die wohlhabend gewordenen Bauern sich meist im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aufwendige Wohnhausbauten errichten ließen. Ein anschauliches Beispiel hierfür liegt in der Köpenicker Straße 180. Im Jahre 1900 wurde der Bahnhof Rudow an der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn eröffnet, dessen Bahnhofsgebäude noch heute erhalten ist. Der Gutsbezirk wurde 1906 mit der Landgemeinde vereinigt und gehörte zum Kreis Teltow. Auch über die 1920 erfolgte Eingemeindung nach Groß-Berlin hinaus konnte Rudow seinen ländlichen Charakter im Wesentlichen bewahren.

Rudow kam 1945 mit Neukölln zum amerikanischen Sektor. Die Abschnürung von West-Berlin durch die DDR verstärkte die verkehrsungünstige Randlage. Der Bahnhof war seit 1948 Endbahnhof, der Personenverkehr wurde 1955 eingestellt, die Straßenbahn 1966. Der Anschluss an die U-Bahn erfolgte erst mit dem Bau der Gropiusstadt, der U-Bahnhof Rudow wurde 1972 eröffnet.

Seit der Grenzöffnung ist Rudow durch die Nähe zum Flughafen Schönefeld und den Anschluss an den Autobahnzubringer der A 113 zum Berliner Ring bei Altglienicke – insbesondere im Verlauf der Bundesstraße 179 über die Neuköllner Straße und Waltersdorfer Chaussee – erheblich vom Durchgangsverkehr belastet. Zudem sind die Rudower Felder als Stadterweiterungsgebiete für den Neubau von 1700 bis 2000 Wohnungen vorgesehen. Zum Zeitpunkt der letzten West-Berliner Volkszählung 1987 hatte Rudow rund 48.000 Einwohner.

An der Grenze zu Treptow im Osten liegen am Teltowkanal einige Industrieanlagen, wie ein Holzheizkraftwerk der Firma EKT Energie und Kommunal-Technologie GmbH, das große Teile der Gropiusstadt mit Heizwärme und Warmwasser versorgt. Ein beliebtes Ausflugsziel ist die aus einem Trümmerberg entstandene 70 Meter hohe Rudower Höhe am Glashütter Weg mit einer großen Rodelbahn. Vom alten Dorfkern zur Stadtgrenze am Klein-Ziethener Weg verläuft das renaturierte Rudower Fließ. Den südlichsten Zipfel des Ortsteils – und des gesamten Bezirks Neukölln – bildet eine ehemalige Müllkippe, die nach einer parkartigen Umgestaltung den Namen Dörferblick (Höhe 85 m) erhielt.

Am nachstehenden Beispiel der „Kloster-Apotheke“ in Alt-Rudow sind die Veränderungen des Stadtbildes nachzuvollziehen:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Rudow

Parkanlagen[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

  • TSV Rudow 1888
  • CfL Berlin Hockey 1965
  • Rudower Kickers
  • Grün-Weiß Neukölln
  • Sportfreunde Neukölln Rudow
  • BFC Rudow 2006
  • Reiter-Verein Rudow e. V.
  • SV Stern Britz 1889 e. V.

Schulen[Bearbeiten]

  • Grundschule Am Fliederbusch
  • Matthias-Claudius-Grundschule
  • Clay-Oberschule
  • Schliemann-Grundschule
  • Hermann-von-Helmholtz-Oberschule
  • Michael-Ende-Grundschule
  • Hannah-Arendt-Gymnasium
  • Rose-Oehmichen-Grundschule
  • Wetzlar-Grundschule
  • Albert-Einstein-Gymnasium

Prominente Rudower[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lieselott Enders und Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil IV Teltow. 396 S., Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar, 1976
  • Christel Wollmann-Fiedler, Jan Feustel: Alte Dorfkirchen in Berlin, Berlin Edition, Berlin 2001, ISBN 3-81480089-3.
  • Willy Spatz: Der Teltow, 3. Teil, Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow, Verlag von Rob. Rohde, Berlin W, 1912

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Rudow – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch Teil 3 Die Ortsnamen des Teltow. 368 S., Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972 (S.156)
  2. Jagdschloss