Berlin Alexanderplatz (Fernsehverfilmung)

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Filmdaten
Deutscher Titel Berlin Alexanderplatz
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland, Italien
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1980
Länge 13 Folgen + Epilog:
ca. 930 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch Rainer Werner Fassbinder
Produktion Peter Märthesheimer, Günter Rohrbach, Gunther Witte
Musik Peer Raben
Kamera Xaver Schwarzenberger
Schnitt Juliane Lorenz
Besetzung

Berlin Alexanderplatz ist eine 14-teilige deutsche Fernsehverfilmung der Bavaria/RAI im Auftrag des WDR von 1980.

Es handelt sich um eine Literaturverfilmung des Romans Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin durch Rainer Werner Fassbinder in 13 Teilen und einem Epilog.

Handlung[Bearbeiten]

Nach vier Jahren Gefängnis wegen Totschlags an seiner ehemaligen Freundin Ida wird Franz Biberkopf 1928 aus der Strafanstalt Berlin Tegel entlassen. Seine anfänglichen Potenzprobleme bekommt er nach einer versuchten Vergewaltigung in den Griff. So geht er darauf mit der Polin Lina eine Beziehung ein.

Bestrebt, ein ehrliches Leben zu beginnen, versucht sich Franz in verschiedenen Tätigkeiten. Schließlich wird seine Gutmütigkeit von Linas "Onkel" (ein Freund ihrer Familie), mit dem er zusammen arbeitet, für die Erpressung einer Witwe ausgenutzt, die wiederum Franz dafür mitverantwortlich macht. Gekränkt zieht er sich zurück und beginnt, dem Alkoholkonsum zu frönen.

Zurück im Leben, macht Franz Bekanntschaft mit dem Kleinganoven Reinhold. Da dieser nicht lange mit ein und derselben Frau verweilen kann, nimmt sich Franz dieses Problems an. Zuerst durch Beziehungen zu den Damen – dann, bei der Dritten, durch den Versuch, Reinhold von seiner Methode abzubringen.

Unabsichtlich wird Franz in einen Diebstahl verwickelt und sitzt nach der Tat mit Reinhold in einem Auto. Dieser schmeißt Franz aus dem Fahrzeug, sodass er überfahren wird und seinen rechten Arm verliert. Seine ehemalige Freundin Eva sowie deren Lebensgefährte und Zuhälter Herbert pflegen ihn anschließend gesund.

Kaum zurück im normalen Leben, lernt Franz wieder einen Kriminellen - Willy - kennen. Für diesen arbeitet Franz nun und erwirbt damit ein kleines Vermögen.

Eva bringt ihn mit einem Mädchen zusammen - von Franz "Mieze“ genannt - die seine neue große Liebe wird. Ohne sein anfängliches Wissen geht sie auf den Strich, um ihn finanziell zu entlasten, was er mit gespaltenen Gefühlen akzeptiert als er dies realisiert.

Reinhold tötet das Mädchen, und Franz wird wegen Mordes in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Episoden[Bearbeiten]

Nr. Titel Premiere (DE) Länge in min Ereignisse
1 „Die Strafe beginnt“ 12. Oktober 1980 82
  • Entlassung
  • Schwierigkeiten im normalen Leben
  • Schwur auf ein ehrliches Leben
2 „Wie soll man leben, wenn man nicht sterben will“ 13. Oktober 1980 59
  • wirtschaftliche Lage zwingt ihn zum Verkauf des „Völkischen Beobachter“ entgegen seiner Gesinnung
3 „Ein Hammer auf den Kopf kann die Seele verletzen“ 20. Oktober 1980 59
  • Hausierer-Geschäft mit Linas Familienfreund
  • Erpressung
4 „Eine Handvoll Menschen in der Tiefe der Stille“ 27. Oktober 1980 59
  • Beginn der Alkoholkrankheit
5 „Ein Schnitter mit der Gewalt vom lieben Gott“ 3. November 1980 59
  • Kennenlernen von Reinhold
6 „Eine Liebe, das kostet immer viel“ 10. November 1980 58
  • Verwicklung in Diebstahl
7 „Merke: Einen Schwur kann man amputieren“ 17. November 1980 58
  • Verlust des rechten Arms
  • Engagement für die politische Zukunft
8 „Die Sonne wärmt die Haut, die sie manchmal verbrennt“ 24. November 1980 58
  • Kennenlernen von Mieze
  • Liebe zu Mieze
9 „Von den Ewigkeiten zwischen den Vielen und den Wenigen“ 1. Dezember 1980 59
  • Auseinandersetzung mit Reinhold
  • Freundschaft mit Willy
10 „Einsamkeit reißt auch in Mauern Risse des Irrsinns“ 8. Dezember 1980 59
  • Beziehungsprobleme
11 „Wissen ist Macht und Morgenstund hat Gold im Mund“ 15. Dezember 1980 59
  • Rückkehr zur Kriminalität
  • Mieze liebt einen Anderen - Eifersucht
12 „Die Schlange in der Seele der Schlange“ 22. Dezember 1980 59
  • Mieze verzeiht Franz für beinahe Mord
  • Plan Reinholds: Mord an Mieze
13 „Das Äußere und das Innere und das Geheimnis der Angst vor dem Geheimnis“ 29. Dezember 1980 58
  • Aufgabe Biberkopfs
14 „Mein Traum vom Traum des Franz Biberkopf von Alfred Döblin - Ein Epilog“ 29. Dezember 1980 112
  • Einweisung in psychiatrische Klinik

Musik[Bearbeiten]

Die Filmmusik wurde von Peer Raben komponiert. Es werden außerdem einige andere Stücke aus den 20er Jahren innerhalb der Serie gespielt. So kauft sich Franz Biberkopf etwa in Folge 8 ein Grammophon inklusive einer Schallplatte mit dem Lied Liebe Kleine Nachtigall von Richard Tauber, welche im Laufe der Serie des Öfteren in seiner Wohnung läuft.

Im Epilog von Berlin Alexanderplatz läuft, im Gegensatz zu den restlichen Episoden, auch modernere Musik. Etwa Candy Says von The Velvet Underground und Me and Bobby McGee von Janis Joplin sowie Kraftwerks Radioactivity und Leonard Cohens Chelsea Hotel werden dort gespielt. Außerdem hört man unter anderem Operettenlieder wie das Wolgalied und einige fremdsprachige Stücke.

Kritiken[Bearbeiten]

„In seiner umfangreichen Fernsehverfilmung des sprachgewaltigen Romans von Alfred Döblin (1878-1957) collagiert Fassbinder eine faszinierende, äußerst bildstarke Vision von Stadt und Menschen, eine düstere Reise durch die „dunkle Nacht der Seele“, die sich nah an die Vorlage hält, ohne ihr dabei sklavisch zu folgen. Durch eine äußerst differenzierte, vom Roman losgelöste und trotzdem seine Struktur und Atmosphäre bewahrende Dramaturgie wird er dem Werk und seinen vielfältigen Sprachebenen gerecht. Stil und Ton der Inszenierung wechseln häufig, zahlreiche Bildsymbole verweisen auf die unterschwellig vorhandene Passionsgeschichte.“

Lexikon des internationalen Films[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Günter Lamprecht erhielt für seine Darstellung des Franz Biberkopf 1982 den Deutschen Darstellerpreis.

Günter Rohrbach und Peter Märthesheimer erhielten 1981 eine ehrende Anerkennung beim Adolf-Grimme-Preis.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Die Uraufführung fand auf den Filmfestspielen von Venedig außerhalb des Wettbewerbs statt. Das Filmmaterial wurde von der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation für eine DVD-Veröffentlichung restauriert[2] und auf der Berlinale 2007 in einer 15-stündigen Fassung gezeigt.[3] Die DVD-Sammlung erschien am 10. Februar 2007.

Die Verfilmung steht auf der ALL-TIME 100 Movies-Liste des amerikanischen Time magazine.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berlin Alexanderplatz (Fernsehverfilmung) im Lexikon des internationalen Films
  2. Fassbinder Foundation (PDF-Datei; 90 kB)
  3. Fassbinder Foundation
  4. ALL-TIME 100 Movies Webseite des Time magazine. Abgerufen am 2. Juli 2010.