Janis Joplin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Janis Joplin

Janis Lyn Joplin (* 19. Januar 1943 in Port Arthur, Texas; † 4. Oktober 1970 in Los Angeles) war eine US-amerikanische Sängerin.

Leben[Bearbeiten]

Joplin wurde als Tochter von Seth Ward Joplin, einem Mitarbeiter der Ölgesellschaft Texaco, und Dorothy Joplin (geb. East), die ihrerseits eine Gesangsausbildung abgebrochen hatte und als Büroangestellte arbeitete, geboren und hatte zwei jüngere Geschwister, Michael und Laura.

In ihrer Kindheit wandte sie sich der Kunst (besonders Gedichten) zu und las viel. Obwohl sie im Kirchenchor sang, dachte niemand an eine spätere Karriere als Musikerin. Ihre Mutter Dorothy setzte auf das Talent ihrer älteren Tochter im Zeichnen und sorgte dafür, dass sie privaten Kunstunterricht bekam. Nach ausgiebiger Lektüre des Time Magazine begann Janis Joplin, Blues- und Folk-Musik für sich zu entdecken. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte sie 1958 im Halfway House.

Nachdem sie 1960 ihren Highschool-Abschluss bestanden hatte, ging sie im Alter von 17 Jahren von zu Hause fort, um Sängerin zu werden. Sie versuchte sich an einigen Colleges, brach aber das Studium immer vorzeitig ab. Ein Jahr später hatte sie ein wenig Geld verdient und zog nach Los Angeles.

Janis Joplin sang, unter anderem begleitet von Jorma Kaukonen (Gitarrist von Jefferson Airplane), mit 18 Jahren in Kneipen und Folk-Clubs. Autodidaktisch geschult durch Schallplatten von Leadbelly (Huddie Ledbetter), Odetta Holmes und Bessie Smith, ihrem größten Vorbild, avancierte sie mit ihrem hemmungslosen, bis dahin für eine weiße Sängerin einzigartigen Gesangsstil zur „Queen des (weißen) Bluesrock“.

Nachdem Janis Joplin 1962 in Louisiana als Kellnerin gearbeitet hatte, kehrte sie bald nach Texas zurück, um in Austin ihr Appartement, das später als The Ghetto bekannt wurde, zu beziehen. Am College in Austin fiel sie wegen ihrer Kleidung als Außenseiterin auf.[1]

1965 trat sie mit der Jazzband von Dick Oxtot auf. 1966 rief Chet Helms, der Manager von Big Brother and the Holding Company, bei ihr an und teilte ihr mit, dass die Band eine Sängerin suche.

Big Brother and the Holding Company[Bearbeiten]

Im Jahre 1966 begann Joplins Karriere, als sie nach San Francisco zog und sich besagter Band anschloss, mit der sie 1967 erfolgreich beim Monterey Pop Festival auftrat, dadurch einen Plattenvertrag bei Mainstream von Bob Shad erhielt und dort Big Brother & the Holding Company Featuring Janis Joplin herausbrachte.

1968 folgte für Columbia Records Cheap Thrills (Frontcover von Robert Crumb). Das zweite Album enthielt schon viele ihrer legendär gewordenen Stücke wie die Coverversion von Erma Franklins Piece of My Heart oder Ball and Chain. Nach den Studioaufnahmen reiste Janis Joplin nach Nepal, wo sie sich im Herbst 1968 für eine Weile in Kathmandu (Liedzeile in Cry Baby: „… Honey, the road'll even end in Kathmandu“) aufhielt.

Kozmic Blues Band[Bearbeiten]

Ende 1968 trennte sich Joplin von der Band und stellte zusammen mit ihrer Plattenfirma eine größere Band zusammen, die lange keinen Namen trug, aber nach dem folgenden, dritten Joplin-Album Kozmic Blues Band genannt wurde. Der Grund dafür war der Ehrgeiz von Janis Joplin, mit einer professionellen Band mit Funk- und Blues-Instrumenten neue Musikrichtungen zu erschließen und nicht zuletzt professioneller zu arbeiten. Dies wurde unter anderem von der Musikzeitschrift Rolling Stone als Verrat an den Idealen der Rockmusik empfunden. Tatsächlich lief die Zusammenarbeit mit der Band nicht sehr gut, da sich die Musiker vorher nicht kannten und Janis Joplin wenig Erfahrung sowohl als Band-Leader als auch mit dem Arrangieren von Liedern hatte.

Die Band hatte ihren bekanntesten Auftritt im Jahre 1969 beim Woodstock-Festival. Janis Joplin war bei diesem Auftritt jedoch stark alkoholisiert, wirkte aufgeschwemmt, verbraucht und ihre Stimme brach oft. Ihre Plattenfirma verweigerte aus diesem Grund anfänglich die Erlaubnis, diesen Auftritt filmisch in der Dokumentation Woodstock zu zeigen. Allerdings machte sie eine Bemerkung über die Hippiebewegung, die später oft zitiert wurde: „Früher waren wir nur wenige, jetzt gibt es Massen und Massen und Massen von uns.“

Die Aufnahmen des Woodstockauftrittes wurden teilweise erst auf Box of Pearls (1999 bei Sony) bzw. vorher größtenteils 1993 auf einer posthumen CD (siehe Diskografie) durch die Firma ITM veröffentlicht.

1969 trat Janis Joplin im Fernsehen bei Ed Sullivan und Dick Cavett auf. Die Interviews mit Dick Cavett sind auf dem posthum veröffentlichten Album „Janis“ verewigt. Ebenfalls 1969 begab sich die Kozmic Blues Band auf eine zweimonatige Europa-Tournee. Ihr einziges Konzert in Deutschland fand am 12. April 1969 in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Unterliederbach statt. Auf der offiziellen Homepage ist unter dem Datum 12. April 1969 vermerkt: „Kozmic Blues: two concerts in Frankfurt“.[2] Nach Ende des von der Agentur Lippmann & Rau veranstalteten Konzerts forderte Joplin die Zuhörer auf, zu bleiben, weil nun noch eine Aufzeichnung des amerikanischen Fernsehens folgte. Mitschnitte dieses „zweiten Konzerts“, bei dem sie die Fans animierte, auf die Bühne zu kommen, sind in der Filmdokumentation Janis (1975) zu sehen. Der Titel „Raise Your Hand“ auf der posthum veröffentlichten LP Farewell Song wurde während des Frankfurter Konzerts live aufgenommen.

Zusätzlich nahm Joplin 1969 ihre zweite LP für Columbia (I Got Dem 'Ol Kozmic Blues Again, Mama) auf und wurde in Tampa, Florida inhaftiert, da sie einen Polizisten beleidigt hatte. Bei der nachfolgenden Gerichtsverhandlung bezeichnete ein Gericht Joplins Verhalten als freie Meinungsäußerung und ließ die Anklage fallen. Sie wurde aber nach ihrem Konzert in der Curtis Hall wegen obszöner Sprache und Fluchens auf der Bühne zu einer Geldstrafe verurteilt.

Im Januar 1970 löste sich die Band auf. Um von ihrer Sucht nach Alkohol, Heroin, Aufputschmitteln und anderen Drogen loszukommen, plante Joplin einen Urlaub in Südamerika und reiste zum Karneval nach Rio de Janeiro.

Full Tilt Boogie Band und Joplins Tod[Bearbeiten]

Janis Joplins 1965er Porsche 356 SC Cabriolet

Zurück in Kalifornien nahm Joplin ihren unsteten Lebenswandel wieder auf. Im April 1970 wurde ihre dritte Band, Full Tilt Boogie zusammengestellt. Diese stellte sich für sie als Glücksgriff heraus. Emotional und musikalisch harmonierte dieses Team. Road-Manager John Cooke: „Die Jungs suchten eine Band, die eine Heimat war. Sie wussten, dass Janis der Boss war und sie mochten sich alle auf Anhieb.“ Janis Joplin schien endgültig ihren Musikstil gefunden zu haben. Die Lieder mit der Full Tilt Boogie Band sollten ihre erfolgreichsten werden. Im Sommer 1970 trat sie im Festival Express Train auf.

Im September 1970 traf sich die Band in den Sunset Sound Studios in Los Angeles für die Aufnahmen zu ihrer dritten Columbia-LP, Pearl. Am 3. Oktober, kurz vor dem Ende der Studioaufnahmen, war Janis Joplin das letzte Mal im Sunset Sound Studio, um Bänder mit Titeln anzuhören, die sie an den folgenden Tagen einsingen sollte. Als sie am nächsten Tag bis nachmittags nicht wie vereinbart im Studio auftauchte, fuhr John Cooke zum Landmark Motel, in dem Janis Joplin seit dem 24. August wohnte, um nach ihr zu sehen. Er sah ihren psychedelisch lackierten Porsche auf dem Parkplatz stehen und ging daraufhin auf ihr Zimmer. Hier fand Cooke sie tot auf dem Fußboden liegend. Nach offiziellen Angaben starb Janis Joplin am 4. Oktober 1970 an einer Überdosis Heroin. Bei dem Titel Buried Alive in the Blues auf dem Album Pearl fehlt die Vokal-Spur, die Janis Joplin am 5. Oktober 1970 einsingen sollte.

Hinterlassenschaft[Bearbeiten]

Kurz vor ihrem Tod hatte sie am 1. Oktober 1970 in Beverly Hills ihr Testament unterzeichnet. Wunschgemäß vertranken 200 Freunde auf einer Party das hinterlassene Bargeld von 1500 Dollar. Der Verbleib ihres sonstigen Vermögens war klar geregelt, wobei im Wesentlichen Eltern und Geschwister bedacht wurden. Insbesondere für die Auszahlungen an Janis' jüngeren Bruder Michael, dem eine gute Ausbildung ermöglicht werden sollte, hatte Anwalt Bob Gordon strenge Anweisungen.

Joplins Leiche wurde verbrannt und die Asche an der kalifornischen Küste (über der Bucht von Marin County) in den Pazifik bestattet.

Das Landmark Motel wurde unmittelbar nach Janis Joplins Tod in Highland Gardens Hotel umbenannt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Neben Jimi Hendrix und Jim Morrison war Janis Joplin eine der zentralen Symbolfiguren der Hippiezeit und der Hippiekultur. Alle drei prägten einen Lebensstil, der im Nachhinein durch „Sex, Drugs and Rock'n'Roll“ und „Live fast, love hard, die young“ gekennzeichnet wurde. Aufgrund ihres frühen Todes wird sie wie andere einflussreiche Musiker, darunter Hendrix und Morrison, zum Klub 27 gezählt.

Die vergebliche Suche nach der wahren Liebe, Zuneigung und Geborgenheit ließ sie zuweilen in depressive Phasen fallen, welche sie durch Heroin, Kokain und Alkohol zu verdrängen versuchte. Durch diese innere Zerrissenheit der Gefühle und ihre Schwierigkeiten, enge menschliche Kontakte aufzubauen, lässt sich ihre Musik verstehen, die gleichzeitig Stolz und Verzweiflung (All is loneliness) ausdrückt.

Trivia[Bearbeiten]

Janis Joplin besuchte im Sommer 1970, kurz vor ihrem Tod, das Grab von Bessie Smith (1894–1937) auf dem Mount Lawn Cemetery in Sharon Hill, Pennsylvania. Als sie dabei angeblich feststellte, dass die von ihr verehrte Bluessängerin anonym beigesetzt worden war, ließ Janis ihr einen Grabstein setzen, der die Inschrift trägt: „The Greatest Blues Singer In The World Will Never Stop Singing – Bessie Smith – 1894–1937“[3] („Die größte Blues-Sängerin der Welt wird niemals aufhören zu singen“). Nach anderen Quellen bezahlte eine Krankenschwester aus Philadelphia eine Hälfte des Grabsteins, und Janis Joplin trug, nachdem man sie telefonisch darum gebeten hatte, die andere Hälfte der Kosten.[4]

Auf sehr vielen Fotos sieht man Janis Joplin mit einer Flasche Southern Comfort. Janis Joplin fragte bei der Herstellerfirma an, ob sie dafür nicht ein wenig Geld bekommen könnte, da dies eine gute Werbung sei. Der Schnapsproduzent willigte ein und überwies ihr 6000 Dollar.

In San Francisco hatte Janis Joplin eine Beziehung mit Country Joe McDonald, der ihr später das Lied Janis widmete.[5] Leonard Cohen schrieb über sie das Lied Chelsea Hotel No. 2.

Posthume Auszeichnung[Bearbeiten]

Im Jahr 1995 wurde Janis Joplin in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[6]

Am 4. November 2013 wurde auf dem Walk of Fame in Hollywood der 2510. Stern enthüllt, er trägt Joplins Namen. Bei der Zeremonie waren neben Angehörigen und Fans auch ihr Entdecker Clive Davis sowie Kris Kristofferson, der noch einmal „Me and Bobby McGee“ sang, anwesend.[7]

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Janis Joplin/Diskografie
  • 1967: Big Brother & the Holding Company featuring Janis Joplin
  • 1968: Cheap Thrills
  • 1969: I Got Dem Ol' Kozmic Blues Again, Mama!
  • 1971: Pearl[8]
  • 1972: Live
  • 1973: Greatest Hits
  • 1975: Janis (Soundtrack)
  • 1982: Farewell Song
  • 1993: Janis Joplin live at Woodstock August 17, 1969
  • 1999: Box of Pearls (Alben 1–4 mit Zusatztracks sowie CD 5 „Rare Pearls“)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ellis Amburn: Pearl. The obsessions and passions of Janis Joplin; a portrait. Warner Books, New York 1995, ISBN 0-7515-0856-X.
  • Gottfried Blumenstein: Janis Joplin. Biographie einer Rocksängerin. Musikverlag Lied der Zeit, Berlin 1988, ISBN 3-7332-0040-3.
  • Axel von Cossart (Hrsg.): Janis Joplin. Revolte, Musik, Legende. Voco-Edition, Köln 1991, ISBN 3-926566-00-0.
  • David Dalton: Piece of My Heart. A portrait of Janis Joplin. Da Capo Press, New York 1991, ISBN 0-306-80446-8.
  • Thomas Dittrich: Janis Joplin. Asche ins Meer. In: Siegfried Schmidt-Joos (Hrsg.): Am Ende des Regenbogens. Judy Garland, Billie Holiday, Edith Piaf, Janis Joplin. Ullstein, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-548-36516-7.
  • Alice Echols: Janis Joplin. Piece of My Heart; die Biographie. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15435-9.
  • Myra Friedman: Die Story von Janis Joplin. („Buried Alive“). Hannibal-Verlag, St. Andrä-Wördern 2002, ISBN 3-85445-169-5.
  • Heinz Geuen: Janis Joplin. Hemmungslos das Leben spüren. 2. Aufl. Econ Ullstein List Verlag, München 2001, ISBN 3-548-60185-5.
  • Laura Joplin (Janis' Schwester): Love, Janis. Ein wildes kurzes Leben; Biographie mit unveröffentlichten Briefen. Heyne, München 1995, ISBN 3-453-09207-4.
  • Deborah Landau: Janis Joplin. Her life and times. Warner Books, New York 1974.
  • Ingeborg Schober: Janis Joplin. Dtv, München, 2002, ISBN 3-423-31065-0.

Filme[Bearbeiten]

  • 1974: Janis – The Janis-Joplin-Story, Regie: H. Alk, S. Findlay, USA
  • 1979: The Rose, USA (die fiktive Geschichte ist an die Biografie Janis Joplins angelehnt)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Janis Joplin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.
Gesprochene Wikipedia Dieser Artikel ist als Audiodatei verfügbar:
Speichern | Informationen | 13:01 min (7,24 MB) Text der gesprochenen Version
Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Hendrickson: Janis Joplin: A Cry Cutting Through Time. In: The Washington Post, 5. Mai 1998 (englisch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLaura Joplin: Concert Dates. In: officialjanis.com (Offizielle Janis Joplin Homepage). 2006, abgerufen am 18. Januar 2009.
  3. Fotografie des Grabes von Bessie Smith und Kurzbiografie bei Find A Grave
  4. Myra Friedman: Die Story von Janis Joplin 1992, S. 268
  5. Janis Joplin bei Country Joe's Place, abgerufen am 11. September 2014
  6. Rock and Roll Hall of Fame Janis Joplin in der Rock and Roll Hall of Fame
  7. [1] Posthume Ehrung für Janis Joplin
  8. Pearl auf Platz 125 in den 500 größten Alben des Rolling Stone