Saul

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Dieser Artikel behandelt die biblische Person Saul. Für den gleichnamigen König Saul von Ja'udi und andere Bedeutungen von Saul siehe Saul (Begriffsklärung)

Nach der Bibel war Saul (hebr. שָׁאוּל Šāʔûl oder Scha'ul – „der Erbetene“) um 1000 v. Chr. der erste König Israels. Bisher gibt es keine außerbiblischen Zeugnisse für die Existenz dieses Stammesfürsten oder Königs, außer seiner namentlichen Erwähnung im Koran (Sure 2, Vers 247). Die zeitlich genaue Fixierung seiner Regierungszeit ist ebenfalls extrem schwierig.[1]

Biblisches Zeugnis[Bearbeiten]

Saul, der Sohn des Kisch aus Gibea im Gebiet des Stammes Benjamin, markiert mit seiner Herrschaft den Übergang von einem losen Zusammenschluss einzelner Stämme Israels zu einem fest gefügten Staat. Zwar trat er wie die charismatischen Richter vor ihm in einer kritischen Situation als politisch-militärischer Führer in Erscheinung, legte aber im Gegensatz zu ihnen sein Mandat anschließend nicht nieder.

Die biblischen Erzählungen zu Saul finden sich im 1. Buch Samuel (1 Sam 8–31 EU). Danach schlug er die Ammoniter in einer offenen Feldschlacht und befreite damit die von ihnen belagerte Stadt Jabesch in Gilead. Dieses Gebiet scheint zu seinem Stammesgebiet gehört zu haben, denn die Leute von Jabesch begruben später seinen Leichnam und die seiner Söhne „unter einem Tamariskenbaum“ (1 Sam 31,11–13 EU). In der Siegesfreude wurde er anschließend auf der alten Kultstätte Gilgal durch das Volk zum König gewählt, nachdem er zuvor in 1 Sam 10,1 EU vom Propheten Samuel lediglich zum Fürsten (hebr. Nagid) gesalbt worden war. 1 SamEU enthält eine explizite Kritik am israelitischen Königtum, das mit Saul etabliert wurde.

Saul stand in ständigem Konflikt mit den Philistern, der starken Macht der Küstenstädte und der fruchtbaren Ebenen. Er konnte sich trotz zahlreicher Kämpfe nie entscheidend gegen diesen Gegner durchsetzen und vereinte vor allem die Stämme des nördlichen Berglandes (Ephraim), des Ostjordanlandes Gilead und zeitweise auch das Gebiet der großen Städte in der Jesreel-Ebene sowie des davidischen Stammesgebietes Benjamin und Juda.

Er residierte in seinem Heimatort Gibea und begann mit der Schaffung staatlicher Strukturen, die aber erst von seinen Nachfolgern erfolgreich ausgebaut werden konnten. Unter anderem baute er ein kleines, stehendes Söldnerheer auf und ordnete die Vertreibung von Totenbeschwörern und Wahrsagern an. Im kultisch-religiösen Bereich kam es mehrfach zu Unstimmigkeiten mit dem Propheten Samuel, der ihn zunächst zum Nagid gesalbt hatte, ihn schließlich jedoch im Auftrag Gottes verwarf.

Rembrandt: David spielt Harfe vor Saul.

Saul wurde von seinem Sohn Jonatan unterstützt, und auch David, der Krieger aus dem südlichen Bergland konnte bald die Anerkennung des Königs gewinnen und wurde sein Schwiegersohn. Allerdings neidete Saul seinem Schwiegersohn zunehmend dessen Erfolge und Beliebtheit. In seinen durch einen bösen Geist ausgelösten Verstimmungen glaubte er einerseits von Jonatan und David, andererseits von Samuel bedroht zu werden. Nach 1 Sam 16–26 EU trachtete er David wiederholt nach dem Leben. Dabei fiel er selbst zweimal in dessen Hand. Der spätere Thronfolger schonte jedoch das Leben Sauls.

Nach mehreren Scharmützeln und Kämpfen besiegten seine ständigen Widersacher, die Philister, das Heer Israels schließlich beim Gilboa-Gebirge. Dort stürzte sich der König in sein eigenes Schwert, um nicht lebend in die Hände der Feinde zu fallen. Die Philister hängten ihn und Jonatan an den starken Mauern Beth-Scheans auf (1 Sam 31,10 EU). Sein Erbe trat sein Sohn Ischbaal an, der allerdings von Männern Davids (angeblich gegen dessen erklärten Willen) ermordet wurde.

Nach 1 Sam 28 EU zeigte sich Saul am Ende seines Lebens nicht gottesfürchtig, da er vor seiner letzten Schlacht die Hexe von Endor aufsuchte, obwohl das Gesetz den Israeliten dies klar verbot. Der aus dem Scheol gerufene Geist des bereits verstorbenen Propheten Samuel bestätigte nur die bereits erfolgte Verwerfung Sauls und kündigte seinen Tod in der bevorstehenden Schlacht an. Gefasst ging Saul schließlich in den Tod und zu Samuel in den Scheol.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Das erstarkende Stammeskönigtum des Saul und seiner Söhne im Norden bedrohte die Handelswege der Ägypter und die Philisterstädte der Ebene und des Küstengebietes, so dass es zu anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen kam, die für Saul nicht zu gewinnen waren und tödlich endeten.

Die biblischen Episoden um David und Saul, die vermutlich an alte Heldensagen anknüpfen, werden von Kritikern oft als pro-davidische Propaganda aus einer Zeit gewertet, als David bereits das Haus Sauls bei den Nordstämmen beerbt hatte,[2] oder als Umdeutungen aus noch späterer Zeit, als das deuteronomistische Geschichtswerk entstand.

Im Islam[Bearbeiten]

Im Koran findet sich der Verweis auf den ersten König Israels in Sure 2:247ff., wo sein Name jedoch in Tālūt / ‏طالوت‎ umgestaltet ist – wohl als Angleichung an den Namen seines Gegenspielers Dschālūt, oder als Anspielung auf den Wortstamm tāla / ‏طال‎ / ‚groß sein‘ und damit auf seine auch im Koran gerühmte außergewöhnliche Körpergröße. In einer Episode um die Prüfung der israelitischen Truppen an einem Bach nimmt die koranische Darstellung vermutlich Anleihen an eine ähnlich lautende biblische Geschichte um Gideon (Ri 7,4-7 EU).[3]

Musikalische Rezeption[Bearbeiten]

Literarische Rezeption[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Christian Frevel: Grundriss der Geschichte Israels, in: Erich Zenger (u.a.) Einleitung in das Alte Testament, 7., durchges. u. erw. Aufl., Stuttgart 2008, S. 622.
  2. Eugen Drewermann (Das Königreich Gottes in unserer Seele. Predigten über die Bücher Samuel und Könige, München/Zürich 1999, S.106) bezeichnet sie als „… die nachgereichten Darstellungskünste priesterlicher Hofschreiber“.
  3. Reuven Firestone: Ṭālūt. In: Encyclopaedia of Islam. Second Edition. Bd. 10, 2000, S. 168f.
Vorgänger Amt Nachfolger
Samuel (Richter) König des vereinigten Israels
1012–1004 v. Chr.
David