Bundeskanzleramt (Berlin)

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Bei geradem Blick auf den Haupteingang fällt die Symmetrie auf: Seitenflügel – Haupteingang – Seitenflügel
Bei geradem Blick auf den Haupteingang fällt die Symmetrie auf: Seitenflügel – Haupteingang – Seitenflügel

Im Rahmen des Umzugs der deutschen Bundesregierung von Bonn nach Berlin zog das Bundeskanzleramt der Bundesrepublik Deutschland 2001 in einen Neubau in der „Band des Bundes“ genannten Gebäudegruppe im Spreebogen, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Architektur

Bundeskanzleramt, vom Reichstag aus gesehen
Bundeskanzleramt, vom Reichstag aus gesehen
Die große Freitreppe
Die große Freitreppe
Internationaler Konferenzsaal
Internationaler Konferenzsaal
Pressesaalfoyer mit der Kanzlergalerie
Pressesaalfoyer mit der Kanzlergalerie
Blick auf den Kanzlergarten zur Spree hinaus
Blick auf den Kanzlergarten zur Spree hinaus
Im Bundeskanzleramt ausgestelltes Faksimile von Willy Brandts Urkunde für den Friedensnobelpreis 1971
Im Bundeskanzleramt ausgestelltes Faksimile von Willy Brandts Urkunde für den Friedensnobelpreis 1971

[Bearbeiten] Aufbau

Das gleichermaßen spektakuläre wie umstrittene monumentale Gebäudeensemble des neuen Bundeskanzleramtes wurde von den Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank in der Amtszeit von Kanzler Helmut Kohl (1982–1998) entworfen. Nach dem ersten Spatenstich am 4. Februar 1997 und knapp vierjähriger Bauzeit konnte das Gebäude am 2. Mai 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder bezogen werden, wodurch der Regierungsumzug nach Berlin abgeschlossen wurde. Das bebaute Grundstück ist mit Hubschrauberlandeplatz und Kanzlerpark 73.000 m² groß. Mit einer Gesamtfläche von 12.000 m² und einer Höhe von 36 m übertrifft das Gebäude die Berliner Traufhöhe von 22 m und ist eines der größten Regierungshauptquartiere der Welt (achtmal so groß wie das Weiße Haus in Washington D.C.).

Das exotisch anmutende Gebäude hat eine moderne, weitgehend verglaste Außenfläche, bedient sich jedoch auch ausgiebig Stilelementen der Postmoderne. Die großflächig benutzten Farben sollen jeweils eine eigene, genau festgelegte Symbolwirkung haben. Absichtlich arbeiten die politischen Beamten und der Stab des Bundeskanzlers räumlich über der Verwaltung.

Auf dem Ehrenhof, der vom Leitungsbau und den zwei Bürotrakten gebildet wird, befindet sich die Skulptur „Berlin“ des baskischen Bildhauers und Zeichners Eduardo Chillida, vier Säulen, die mit Bäumen bepflanzt sind, Fahnenmasten und ein den Haupteingang überspannendes Zeltdach. Der Ehrenhof wird unter anderem zum Empfang von Staatsgästen genutzt.

Im Leitungsbau, der von zwei Büroflügeln flankiert wird, gibt es neun Ebenen:

  • Erdgeschoss: Foyer mit einer großen Treppenanlage für Fototermine mit Gästen.
  • 1. Stock: Internationaler Konferenzraum mit 32 Plätzen, Dolmetscherkabinen und Regieräumen. Inforaum mit Bühne, Sitzplätze für 200 Journalisten.
  • 2. und 3. Stock: Technik- und Funktionsräume (Küche, Weinkeller, Blumenkühlraum usw.)
  • 4. Stock: „Geheim-Etage“ mit abhörsicherem Raum für den Krisenstab, Planungszentrum und Archiv.
  • 5. Stock: Großer Bankettsaal für Empfänge und Festessen. Loggien in Richtung Osten und Westen. Büro des Staatsministers.
  • 6. Stock: Kleiner Kabinettsaal mit Dolmetscherkabinen und Großer Kabinettsaal. Beide Säle sind gleich groß. Büro des Staatsministers.
  • 7. Stock: Arbeitszimmer des Bundeskanzlers mit Fenstern Richtung Reichstag und Brandenburger Tor. Sekretariat. Büro des Kanzleramtchefs.
  • Zwischen 7. und 8. Stock: „Skylobby“.
  • 8. Stock: Kanzlerapartment mit Wohnraum, integrierter Küche und Schlafzimmer im Süden. Büro des Kulturstaatsministers im Norden.

In den Seitenflügeln befinden sich 300 Büros von je 20 m² und 13 Wintergärten. Im südlichen Bürotrakt gibt es eine Kantine mit Fenstern zur Spree. Im nördlichen Bürotrakt findet sich der Presse- und Personaleingang neben der separaten Hauptwache.

Kritisiert werden im neuen Bundeskanzleramt die zum Teil langen Wege. Es gibt jedoch nicht nur eine sehr gute elektronische Kommunikation, sondern auch ein Rohrpostsystem für den Aktenversand. Es werden Besuchergruppen zugelassen, wenngleich unter äußerst hohen Sicherheitsstandards (Eingangskontrolle wie am Flughafen, Ausweiskontrolle, zuvor angefertigte Namenslisten, Begleitung jeder Besuchergruppe durch BKA-Beamte).

Im rückwärtigen Teil des Bundeskanzleramtgeländes jenseits der Spree befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz für Regierungsgäste, der über eine doppelstöckige Brücke (Fußgänger und Fahrzeuge) erreichbar ist.

[Bearbeiten] Kunst im Kanzleramt

Das Kanzleramt beherbergt nicht nur bedeutende Kunstwerke der Klassischen Moderne, sondern auch Werke zeitgenössischer deutscher und internationaler Künstler.

Das Hauptwerk im Kanzleramt bildet die monumentale Eisenskulptur Berlin des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida. Die 5,5 m hohe und 87,5 Tonnen schwere Skulptur weckt mit ihren zwei sich beinahe berührenden Armen Assoziationen wie Annäherung, Teilung und Vereinigung, was als beabsichtigte politische Symbolik verstanden werden kann. Die Skulptur nimmt eine ähnliche Stellung wie Henry Moores Large Two Forms des Bonner Kanzleramtes ein und ist von ähnlicher Symbolik.

Der innere Eingangsbereich wurde künstlerisch durch den Maler Markus Lüpertz mitgestaltet, der das zentrale Treppenhaus in sechs verschiedene „Farbräume“ verwandelte, deren Farben bestimmte klassische Tugenden symbolisieren sollen: Blau (Weisheit), Umbra (als Löwenfarbe für Kraft und Stärke), Rot (Tapferkeit), Ocker-Gold (Gerechtigkeit) und Grün/Weiß (Klugheit). Außerdem schuf Lüpertz die ebenfalls im Eingangbereich stehende Skulptur Die Philosophin als Inbegriff des nachdenklichen Menschen. Als weitere große Skulptur im Innenbereich kann das Große weiße Kopfzeichen des Künstlers Rainer Kriester genannt werden.

Im Kanzleramt befinden sich darüber hinaus zahlreiche bedeutende Gemälde, zum Teil als Ankäufe oder Leihgaben. Aus dem Bonner Kanzleramt stammen das Orientalische Märchen von August Macke und der für den Kabinettssaal ausgewählte Sonntag des Bergbauern von Ernst Ludwig Kirchner. Im Pressesaal befindet sich die dreiteilige Arbeit Augenbilder von Ernst Wilhelm Nay, die auf der Kasseler Documenta III im Jahre 1964 für Aufsehen sorgten.

In der ersten Etage befindet sich die Galerie der bisherigen Bundeskanzler. Die Idee einer Portraitreihe hatte Helmut Schmidt im Jahre 1976. Daraufhin wählten die ehemaligen Bundeskanzler ein Portrait, das dann von Kanzleramt angekauft wurde:

[Bearbeiten] Nutzung

Das Gebäude verfügt neben den Arbeitsräumen auch über 200 m² große Wohnräume für den Bundeskanzler, wobei der größte Teil der Fläche von zwei Repräsentationsräumen eingenommen wird, während für die tatsächliche Wohnnutzung nur ca. 28 m² zur Verfügung stehen. Wie aber auch schon beim Kanzlerbungalow in Bonn ist die Nutzung durch den aktuellen Kanzler nicht festgelegt. So zieht es Kanzlerin Angela Merkel vor, weiter in ihrer privaten Wohnung gegenüber der Museumsinsel zu wohnen. Ihr Vorgänger Gerhard Schröder (1998–2005), der das neue Kanzleramt als erster Bundeskanzler bezog, benutzte die Räumlichkeiten auch nur während der Arbeitswochen, während seine Familie weiterhin in Hannover wohnte.

[Bearbeiten] Haustechnik

Das Gebäude hat eine hocheffiziente Energieversorgung, durch die das Gebäude bei Bedarf autark versorgt werden kann. Im Keller des Bundeskanzleramtes ist ein modernes Blockheizkraftwerk, das mit Biodiesel betrieben wird, installiert. Zudem verfügt das Blockheizkraftwerk über eine Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung, sodass damit im Sommer auch das Kanzleramt klimatisiert werden kann. Überschüssige Wärme des Blockheizkraftwerkes wird in einem Salzstock in 300 Metern Tiefe unterhalb des Reichstags zwischengespeichert.

Auf dem Dach des Kanzleramtes ist eine Photovoltaikanlage mit circa 1300 m² Solarmodulfläche installiert. Die Module haben eine elektrische Nennleistung von etwa 150 kWpeak. Die erzeugte Energie wird von insgesamt 90 Wechselrichtern in Wechselstrom umgewandelt und dezentral in das Hausnetz des Bundeskanzleramtes eingespeist. Zusätzlich bezogener Strom ist ausschließlich Ökostrom von Vattenfall Europe und wird aus einem Mix von Wasserkraft, Biomasse und Solarenergie hergestellt.

Grundlegende Voraussetzung für eine autarke Energieversorgung ist eine energiesparende Anlagentechnik. Im Bereich der Klimatisierung sind für die insgesamt 280.000 m³/h Außenluftleistung hocheffiziente multifunktionale Wärmerückgewinnungssysteme im Einsatz, bei denen indirekte adiabate Verdunstungskühlungen integriert sind. Insgesamt werden dadurch folgende Leistungseinsparungen erzielt:

  • 2040 kW: Verminderte Wärmeerzeugungsleistung durch Wärmerückgewinnung
  • 660 kW: Verminderte Kältemaschinenleistung durch Kälterückgewinnung/adiabate Kühlung
  • 220 kW: Verminderte Elektroanschlussleistung durch effiziente Technik

Grundsätzliches Ziel der Wärmerückgewinnung ist die Minimierung des Primärenergieverbrauchs. Dabei stehen neben den energiewirtschaftlichen Bedürfnissen auch ökologische Forderungen im Vordergrund. Besonders im Hinblick auf das Kyoto-Protokoll werden zum Schutz des Klimas durch das Bundeskanzleramt im Rahmen dieser Maßnahmen jährlich 1400 Tonnen CO²-Emissionen vermieden.

[Bearbeiten] Volksmund

Vorwiegend von Touristenführern und Journalisten wird das Bundeskanzleramt auch als „Elefantenklo“ oder als „Kohllosseum“ bezeichnet; „Waschmaschine“, „Bundeswaschmaschine“ und seltener „Kanzlerwaschmaschine“ kommen aber auch im Berliner Volksmund vor.

[Bearbeiten] Weblinks

Koordinaten: 52° 31' 12" N, 13° 22' 10" O

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