Angermund

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Angermund (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen der Landeshauptstadt Düsseldorf
Angermund

Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf
DEU Angermund COA.svg
Lage im Stadtgebiet
Basisdaten [1]
Geograph. Lage   51° 20′ N, 6° 47′ O51.3299694444446.780108333333330Koordinaten: 51° 20′ N, 6° 47′ O
Höhe   30 m ü. NN
Fläche   13,30 km²
Einwohner   6.005 (Stand 31. Dezember 2007)
Bevölkerungsdichte   452 Einwohner je km²
Eingemeindet   1. Januar 1975
Stadtbezirk   Stadtbezirk 5
Stadtteilnummer   055
Verkehrsanbindung
Bundesstraße   B8
S-Bahn   S 1
Buslinie   728 751

Angermund ist der nördlichste Stadtteil von Düsseldorf und liegt auf halber Strecke zwischen den Stadtzentren von Düsseldorf und Duisburg (jeweils 12 Kilometer entfernt). Angermund hat 6.005 Einwohner, umfasst eine Fläche von 13,30 km² und liegt im Düsseldorfer Stadtbezirk 5. Die vormals selbstständige Gemeinde im Amt Angerland, die 1188 erstmals im Verzeichnis des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg urkundlich erwähnt wurde, wurde am 1. Januar 1975 nach Düsseldorf eingemeindet.[2] Angermund ist telefonisch dem Duisburger Ortsnetz zugeordnet und hat mit 0203 als einziger Stadtteil eine andere Vorwahl als der Rest des Düsseldorfer Stadtgebietes.

Angermund hat sich auch nach der Eingemeindung viel Eigenständigkeit bewahrt. Dafür sorgen nicht zuletzt die ortsansässigen Vereine, vor allem die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, der Angermunder Kulturkreis, der Turnverein Angermund von 1909 e. V. (TVA), das Reitercorps und die Karnevalsgesellschaft. Angermund veranstaltet einen Karneval und ein Schützenfest nach alter Tradition. Zu Pfingsten finden Reiterspiele statt, die auch ein überregionales Publikum anziehen.

Angermund ist einer der reichsten Stadtteile Düsseldorfs. Der jährliche Einkommensdurchschnitt liegt hier bei 66.491 Euro (Stand 31. Dezember 2007).[3]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Schwarz ein Bischof im goldenen (gelben) Ornat und goldener (gelber) Mitra mit goldenem (gelbem) Bischofsstab in der Linken, einem silbernen (weißen) Heiligenschein und rotem Pallium. In der Rechten das Wappen der Grafen und Herzöge von Berg; ein blaubewehrter, roter, doppelschwänziger (ein geteilter und gekreuzter Schwanz), steigender Löwe.

Bedeutung: Das Wappen basiert auf dem Siegel der alten Stadt und Freyheit Angermund aus dem Jahre 1521; es wird vermutet, dass es noch älter ist. Es zeigt Bischof Engelbert I. von Köln, der vorher Graf Engelbert II. von Berg (nach Bergischer Zählung, aber auch einfach Graf Engelbert von Berg) war. Er hält das Wappen des Herzogtums Berg in seiner rechten Hand, zu dem Angermund lange Zeit gehörte.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Angermund und der dortige befestigte Hof wurden 1188 erstmals in einem Verzeichnis des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg urkundlich erwähnt und dort als castrum Angermund et curiam[5] (lat. für „Burg Angermund und Rathaus“) bezeichnet. Der Name Angermund leitet sich vermutlich zwar von der Angermund durchfließenden Anger ab, aber nicht, wie man zunächst annehmen könnte, von deren nahe gelegenen Mündung in den Rhein, sondern von der Verbindung mit dem altdeutschen Wort Munt (= „Schutz“, „Burg“).[5][6]

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erwarben die Grafen von Berg den Ort. Unter Erzbischof Engelbert I. von Köln wurde der möglicherweise bereits seit fränkischer Zeit bewohnte Hof zur Burg Angermund ausgebaut. So wurden die Mauern verstärkt, ein mächtiger Turm errichtet und ein Graben um die Burg gezogen. Zwischen den Reichsstädten Kaiserswerth und Duisburg gelegen, markierte Angermund die nördliche Grenze des Bergischen Territoriums. Die strategische Bedeutung des Ortes zeigt sich auch darin, dass Angermund in einer Urkunde von 1423 erstmals als Freiheit bezeichnet wird. Der genaue Zeitpunkt der Verleihung dieses Privilegs ist nicht bekannt. 1504 wurde Schloss Heltorf durch einen Brand vernichtet. Im Truchsessischen Krieg wurde das Amt Angermund 1586 von spanischen Truppen schwer heimgesucht. Zu Beginn der frühen Neuzeit hatte Angermund seine strategische Bedeutung verloren, blieb aber weiter Verwaltungssitz des Amtes.

Im Jahr 1637 wurde der Grundstein zur heute katholischen Kirche St. Agnes gelegt. Der Bau dauerte über zwanzig Jahre. 1651 erstürmten Brandenburgische Landschützen die Burg Angermund. In den Jahren 1665 und 1666 fielen zahlreiche Angermunder der Pest zum Opfer. Zu jener Zeit begann Friedrich Christian von Spee den Neubau des Heltorfer Schlosses. Der Ort wurde während des Siebenjährigen Krieges von französischen Truppen heimgesucht, die in der Schlacht bei Krefeld 1758 von Ferdinand von Braunschweig geschlagen wurden. In der Franzosenzeit wurde Angermund 1796 Munizipalität. Im gleichen Jahr wurde der Friedhof eingeweiht.

Nachdem das Rheinland 1815 an Preußen fiel, wurde die Bürgermeisterei Angermund dem 1816 geschaffenen Kreis Düsseldorf zugeordnet und der Ort selbst als Titularstadt eingeordnet.

Angermund wurde 1846 Stadtbürgermeisterei. Im selben Jahr erfolgte die Grundsteinlegung zum Neubau der durch einen Brand zerstörten katholischen Kirche. 1876 erhielt Angermund einen Eisenbahnhaltepunkt und eine Postagentur. Der Anschluss an fließendes Wasser und die Ausstattung mit elektrischer Straßenbeleuchtung erfolgte 1909. Im Ersten Weltkrieg wurde Angermund bombardiert; Spartakisten entwaffneten ein in Angermund stationiertes Bataillon. 1929 erfolgte eine Neugliederung des Regierungsbezirkes Düsseldorf, in dessen Folge die Bürgermeisterei Angermund aufgelöst wurde. Ab 1929 gehörte Angermund zum neu gegründeten Kreis Düsseldorf-Mettmann und wurde 1930 dem Amt Ratingen-Land zugeschlagen. 1938 wurde der neue Bahnhof eingeweiht. Auch im Zweiten Weltkrieg, 1941, wurde Angermund bombardiert und nach Kriegsende der britischen Besatzungszone zugeschlagen. 1952 wurde das evangelische Gemeindehaus eingeweiht. 1963 genehmigte das NRW-Innenministerium das neue Stadtwappen.

Im Rahmen der kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens verlor Angermund am 1. Januar 1975 seinen Status einer selbstständigen Gemeinde und ist seitdem ein Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf.[7]

1998 erfolgte die Einweihung der neuen evangelischen Kirche.

Verkehr[Bearbeiten]

S-Bahnhof Angermund

Angermund ist über die Anschlussstelle Duisburg-Rahm der Bundesautobahn 524 und von Düsseldorf aus über die Bundesstraße 8n erreichbar. Angermund hat einen eigenen Bahnhof, der Haltepunkt der S-Bahn-Linie S1 ist. Bemerkenswert ist, dass die Benennung des Haltepunktes Angermund aus der sonst in Düsseldorf üblichen Systematik mit der Nennung des Stadtnamens vor dem Ortsteil heraussticht. Darüber hinaus ist Angermund mit der Buslinie 728 aus Düsseldorf-Kaiserswerth und mit der Buslinie 751 aus Ratingen-Hösel und Ratingen-Lintorf erreichbar.

Charakteristisch für Angermund ist die verkehrstechnisch bedingte Separierung des Ortsbereichs in vier Teilstücke. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Hauptstrecke der Deutsche Bahn AG teilt Angermund in einen Ost- und einen Westteil. Die Landesstraße 139 durchquert Angermund in Ost-West-Richtung und trennt den Ort in einen nördlichen und eine südlichen Teilbereich auf. Die L 139 verbindet Teile des Landkreises Mettmann und über die L 60 die südlichen Stadtteile Duisburgs mit der Bundesstraße 8n. Aufgrund des daraus resultierenden Verkehrsaufkommens unterliegt die Ortsdurchfahrt Angermund einer hohen Verkehrsbelastung. Die L 139 (Angermunder Straße) und die L 60 (Rahmer Straße) sind im Ortsbereich Angermund großzügig ausgebaut.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Typische Wohnstraße
Geschnitzte Straßenschilder
Schloss Heltorf
Burg Angermund (Kellnerei)
Kath. Kirche St. Agnes Angermund
Hubertuskapelle, liegt amtlich in Angermund, ist aber näher zu Wittlaer

Angermund besitzt ein eigenes Flair und ein ausgeprägtes Eigenleben, was äußerlich auch daran ablesbar ist, dass alle Straßenschilder aus Holz mit der typischen geschnitzten Rose sind. Aus Kostengründen hätte die Stadt Düsseldorf nach der Eingemeindung 1975 diese Schilder gern gegen die üblichen Metallschilder ausgetauscht, doch die Vertreter der Stadt Angermund haben die Erhaltung der Holzschilder mit der geschnitzten Rose in den Eingemeindungsbedingungen festschreiben lassen.

Weit über die Grenzen Düsseldorfs und Duisburgs hinweg bekannt ist Schloss Heltorf, ein Wasserschloss mit einem ausgedehnten Schlosspark und bedeutenden Rhododendron-Anpflanzungen. Schloss Heltorf ist der bedeutendste Rittersitz im Düsseldorfer Norden. Vermutlich lag hier schon Anfang des 8. Jahrhunderts ein Hof, „helethorpe“ genannt. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erscheinen in alten Urkunden erstmals die Namen derer von Heldorp. 1649 erwarb Christian von Spee das Schloss, welches seit 1662 Stammsitz ist und bis heute im Eigentum der Familie steht. Schloss Heltorf ist der erste klassizistische Bau in der Zeit nach Napoleon. Schloss Heltorf selbst ist für Besucher nicht zu besichtigen. Der Schlosspark kann in der Zeit von Mai bis Oktober gegen ein geringes Eintrittsgeld besucht werden.

Wenige Hundert Meter südlich von Schloss Heltorf liegt das alte Rittergut Haus Bilkrath, heute als Reiterhof genutzt. Nordwestlich von Schloss Heltorf, d.h. im nördlichsten Teil des Stadtteils Angermund und der Stadt Düsseldorf, befindet sich der Rittersitz Groß-Winkelhausen sowie die aus dem 18. Jahrhundert stammende Hubertuskapelle. Am äußersten nördlichen Rand des Stadtteils fand sich bis Mai 2014 eine alte Ölmühle, deren Ursprung mindestens bis in das 15. Jahrhundert zurückreichte. Die Ölmühle gehörte im 15. Jahrhundert wie die in der Nähe gelegene Sandmühle zum Besitz der Herren von Winkelhausen.[8] Die oberirdischen Gebäudeteile wurden im Mai 2014 abgerissen.

Am südlichen Ende des alten Ortskerns von Angermund steht die Burg Angermund, auch Kellnerei genannt. Die Burg Angermund zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern Düsseldorfs. Urkundlich erwähnt wird die nördlichste Bastion der Grafen von Berg erstmals im 12. Jahrhundert, als der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg im Jahre 1188 das „Castrum Angermond“ erwarb. Graf Engelbert I. ließ die Burg zwischen 1218 und 1222 zu einem befestigten Bollwerk umbauen und mit einem 18 Meter hohen Turm versehen.

Vom Eingang der Kellnerei (Burg Angermund) führt die Graf-Engelbert-Straße direkt in das alte Angermund hinein. Sie ist die älteste Straße der „Stadt und Freyheit“. Die kleinen, dicht aneinander gebauten Häuschen mit den Blenden vor den Fenstern haben ihren dörflichen Charakter erhalten und versetzen den Betrachter in vergangene Zeiten. Der Ausgang bzw. Eingang zu dieser Straße war früher durch das Nordtor geschützt, das heute jährlich zum Schützenfest aus Holz und Pappe nachgebaut wird.

Mittelpunkt der Graf-Engelbert-Straße ist die 1632–1658 erbaute dreischiffige Hallenkirche, welche nach einem Brand 1669 schwer zerstört wurde und 1697 durch den Architekten August Lange wiederhergestellt und zu einer neuromanischen Basilika umgebaut wurde.

Durch den Abbau von Kies entstanden drei Baggerseen in und um Angermund. Sie werden heute zum Teil als (wilde) Badeseen genutzt und ziehen Besucher, insbesondere aus dem Ruhrgebiet, an.

Sport[Bearbeiten]

Überregional bekannt ist der TV Angermund, dessen Handballabteilung mehrere Jahre in der Feldhandball-Bundesliga spielte.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Olof Jernberg (1855–1936), Maler
  • Arthur Kampf (1864–1950), Maler, Graphiker und Illustrator, einer der letzten Maler großflächiger Historiken
  • Heinrich Nüttgens (1866–1951), Maler (Ölgemälde und Fresken in ca. 40 Kirchen), Meisterschüler bei E. v. Gebhardt, Mitglied des Düsseldorfer Malkastens
  • Cornelis de Waal (1881–1946), Maler, Industriemaler, Mitglied des Düsseldorfer Malkastens
  • Heinz Schmitz (1914–1985), Heimatforscher, Autor
  • Wilhelm Dopatka (1919–1979), deutscher Politiker (SPD), MdB
  • Walter Rettinghausen (1920–2010), Leitende Funktionen im Sportverein, Bundesverdienstkreuz am Bande, Namensgeber der 1999 wieder errichteten Sporthalle
  • Willi Klapdor (1926–1985), Bürgermeister 1969–1975, Ehrenring der Stadt Düsseldorf, Bundesverdienstkreuz 1982
  • Maximilian Graf von Spee (1929-2009), aus dem Adelsgeschlecht von Spee, Hochmeister im Bund der Deutschen Historischen Schützenbruderschaften, Großkomtur des Hausritterordens vom Heiligen Georg, Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse, Träger des Verdienstordens des Landes NRW, Ausgezeichnet mit dem Orden Sankt Gregorii Magni und Ehrengroßkreuzritter des Malteserordens
  • Otto Karl Welbers (1930–2009), Maler, Impressionist
  • Klaus Matthiesen (1941–1998), deutscher Politiker (SPD), MdB, 1985 bis 1995 Minister für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Karl Heinrich Brokerhof (* 1922), Herausgeber und Autor, Prosa und Lyrik
  • Hermann Macher (* 1929), Bundesverdienstkreuz am Bande, Offizierskreuz zum Ritterorden vom Heiligen Sebastian in Europa, Großkreuz zum Sebastian Ehrenkreuz, Päpstlicher Orden vom hl. Silvester „Ordo Sancti Silvestri Papae“, Bundesschützenmeister der Deutschen Historischen Schützenbruderschaft, Ehren-Bundesschützenmeister

Bildung[Bearbeiten]

In Angermund befinden sich folgende Schulen:

  • Friedrich-von-Spee-Schule, Gemeinschaftsgrundschule

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Düsseldorf-Angermund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amt für Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Düsseldorf: Statistiken für den Stadtteil 055 – Angermund
  2.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  3. Statistisches Jahrbuch Düsseldorf 2012 (PDF; 8,3 MB).
  4. http://www.stadt-angermund.de/html/historie.html
  5. a b Rosenstadt Angermund - Historie. Abgerufen am 5. November 2013.
  6. Stadt und Freyheit Angermund. Abgerufen am 26. August 2012.
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 291.
  8. Winkelhauser Ölmühle muss der Autobahn weichen. In: Nordbote, Nr. 2, Jahrgang 23 vom 12. Februar 2010, Seite 7.