Bahnstrecke Betzdorf–Daaden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Daadetalbahn)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Betzdorf (Sieg)–Daaden
Kursbuchstrecke (DB): 463
Streckennummer: 2883[1]
Streckenlänge: 9,9 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
Siegstrecke von Köln
Bahnhof, Station
0,0 Betzdorf (Sieg) (Keilbahnhof)
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Siegstrecke nach Siegen
Tunnel
Alsdorfer Tunnel (131 m)
   
1,5 Abzw Grünebach
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Haiger
Haltepunkt, Haltestelle
1,9 Alsdorf (Westerw)
   
2,1 Grünebach (Alsdorf)
   
3,9 Schutzbach (alter Bf)
Haltepunkt, Haltestelle
4,4 Schutzbach (neuer Hp)
Haltepunkt, Haltestelle
6,3 Niederdreisbach (zuvor Bf)
Haltepunkt, Haltestelle
8,0 Biersdorf (Westerw) (zuvor Bf)
Haltepunkt, Haltestelle
8,3 Biersdorf Ort (Ww)
Kopfbahnhof – Streckenende
9,9 Daaden

Die Bahnstrecke Betzdorf–Daaden (Daadetalbahn) ist eine 9,9 Kilometer lange, eingleisige Nebenbahn von Betzdorf an der Sieg nach Daaden im Westerwald. Die Strecke ist nicht elektrifiziert und wird im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) von der Westerwaldbahn GmbH (WEBA) im Stundentakt befahren, wobei einzelne Taktabweichungen bestehen.

Ursprünglich begann die Daadetalbahn erst an der Abzweigstelle Grünebach, wo sie von der früher zweigleisigen Hellertalbahn von Betzdorf nach Haiger abzweigte. In Folge des eingleisigen Rückbaus dieser Strecke teilen sich seither jedoch zwei eingleisige und betrieblich vollständig voneinander getrennte Strecken die Trasse zwischen dem Bahnhof Betzdorf und dem Abzweig. Hierdurch verlängerte sich die ursprünglich 8,520[2] Kilometer lange Daadetalbahn um circa 1,5 Kilometer.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem Aufschwung der Eisenindustrie im Sieg- und Hellertal um 1860 bemühte man sich, das Tal der Daade eisenbahntechnisch anzuschließen. Schon beim Bau der Deutz-Gießener Eisenbahn hatte man oberhalb des Alsdorfer Tunnels für eine anzulegende Zweigstrecke ins Daadetal eine Horizontale angelegt; eine Ausführung der Strecke war jedoch zum damaligen Zeitpunkt finanziell nicht möglich. Wiederholt trugen die Bürger der Region den Wunsch nach einer Stichbahn vom Haltepunkt Grünebach talaufwärts nach Daaden an die Behörden heran. Im Frühjahr 1882 führte dann die Königliche Eisenbahndirektion Köln Vorarbeiten durch. Nach Verhandlungen waren die ansässigen Industriellen bereit, die Grunderwerbskosten von 109.000 Mark zu tragen; einen weiteren Bauzuschuss von 25.000 Mark trugen die Gemeinden bei. Die geplante 8,35 Kilometer lange Bahn sollte ein Verkehrsgebiet von circa 75 km² mit ca. 7000 Einwohnern erschließen. Hierbei spielten die Transporte der Gruben und Hütten im Daadetal eine wichtige Rolle; das Förderquantum betrug 1881 ca. 70.600 t. Die Baukosten wurden mit 775.000 Mark zuzüglich 120.00 Mark Grunderwerbskosten veranschlagt; 1883 erfolgte die Baugenehmigung als eingleisige Nebenbahn; Bauleitung und späterer Betrieb wurden 1885 dem Königlichen Eisenbahn-Betriebsamt Köln übertragen.

Die Daadetalbahn wurde 1885 vom Staat Preußen zunächst bis Biersdorf und am 1. März 1886 bis Daaden eröffnet. Die ersten 1,5 Kilometer bis zum Abzweig bei Alsdorf läuft sie parallel zur Hellertalbahn, die bereits am 1. Juli 1861 von der Cöln-Mindener Eisenbahn gebaut worden war. Ihre höchste Neigung beträgt 1:54,5; die Höhe über NN beträgt bei Betzdorf 186,29 m, bei Daaden 294,96 m.

Der Haltepunkt Alsdorf (2010)
Triebwagen der Westerwaldbahn GmbH im Bahnhof Betzdorf (Sieg), 2013
Triebwagen der Westerwaldbahn GmbH im Endbahnhof Daaden (2010)

Im Personenverkehr wurden 1888 lediglich 13.381 Fahrkarten verkauft; anfangs wurden nur vier Zugpaare eingesetzt. Erst 1943 verkehrten werktäglich sieben Zugpaare; die Steigerung dürfte an zunehmenden Arbeiter-Pendelverkehr in den Betzdorfer und Siegener Raum sowie am Schülerverkehr zum Gymnasium in Betzdorf gelegen haben. Der Abwärtstrend begann in den 1950er Jahren mit der Eigenmotorisierung der ansässigen Bevölkerung und den verbesserten Einkaufsmöglichkeiten in Daaden. Von Bedeutung für die Rentabilität der Strecke blieb der Güterverkehr für die an der Strecke liegenden Betriebe, wie die Grünebacher Hütte sowie eine Eisengießerei und Maschinenfabrik in Grünebach, eine Kleineisenfabrik und zwei Eisenerzgruben (Pius und Eiserne Hardt) in Schutzbach, der Steinbruch Käusersteimel, die Hütte in Niederdreisbach, die Eiserfelder Steinwerke, die Grube Ohliger Zug, die Grube Füsseberg des Unternehmens Krupp in Biersdorf und die Klebsandgruben in Daaden. Hatte man bei der Planung mit zunächst 70.000 bis 80.000&nbspTonnen Frachtgut pro Jahr gerechnet, wurden diese Schätzungen anfangs nicht erfüllt; so lag die Beförderungsleistung bis 1893 bei etwa 50.000 bis 60.000 Tonnen und erreichte 1894 rund 98.000 Tonnen, 1905 dann 141.256 Tonnen und 1913 insgesamt 246.749 Tonnen, die sich aus 178.535 Tonnen Wagenladungen im Versand und 68.214 Tonnen im Empfang zusammensetzten. Der Güterverkehr war stets rentabler und umfangreicher als der Personenverkehr.

Bereits 1882 gab es erste Überlegungen zur Verlängerung der Stichbahn bis zu einem Punkt der Oberwesterwaldbahn bei Westerburg; auch traten um 1906 Bürger-Komitees aus Bad Marienberg und Burbach an die Behörden heran. Eine Streckenplanung Daaden-Fehl-Ritzhausen wurde zwar in das Vorlagenprogramm von Preußen genommen; als der Erste Weltkrieg ausbrach, verschwand das Projekt von der Tagesordnung. 1928 gab es erneut Überlegungen, die Kleinbahn ScheuerfeldNauroth nach Daaden zu verlängern, was jedoch aufgrund des großen Höhenunterschiedes zu hohe Kosten bedeutet hätte und daher nicht realisiert wurde.

Mit der Schließung der Eisenerzgrübe Füsseberg 1965 und der zuvor beginnenden Stilllegung der Basaltbrüche und Kaolingruben entlang der Strecke ging der Güterverkehr stark zurück. Auch der Personenverkehr musste durch den zunehmenden Individualverkehr immer mehr eingeschränkt werden und wurde teilweise durch Bahnbusse ersetzt. Rangier- und Abstellgleise wurden nun nicht mehr benötigt und der Reihe nach abgebaut.[3] Im Jahr 1989 wurde der letzte Gleisanschluss in Niederdreisbach (Steinverladung) aufgegeben. Fortan verkehrte nur noch bei Bedarf eine Übergabe nach Daaden und zurück mit einer Lokomotive der Baureihe 290, auch diese wurde später eingestellt.

Nachdem die Deutsche Bundesbahn den Personenverkehr am 2. Oktober 1993 eingestellt hatte, wurde am 31. Mai 1995 zwischen dem Land Rheinland-Pfalz, dem Landkreis Altenkirchen (Westerwald), der Verbandsgemeinde Daaden, der Westerwaldbahn GmbH und der Deutschen Bahn AG ein Vertrag mit dem Ziel der Wiederaufnahme des Personenverkehrs durch die Westerwaldbahn GmbH geschlossen. Die Strecke wurde von der Deutschen Bahn AG komplett saniert und danach der Westerwaldbahn GmbH übereignet.

Zugangebot/Anschlüsse[Bearbeiten]

  • Die Daadetalbahn wird im SPNV täglich im Stundentakt (mit einzelnen Taktlücken und Taktabweichungen im Schülerverkehr) von der RB 97 der Westerwaldbahn GmbH befahren. Eingesetzt werden zwei Dieseltriebwagen der Baureihe 628. Die ursprünglich für den Schülerverkehr angeschafften, modernisierten VT 24 und VS 23 werden nicht mehr auf der Daadetalbahn eingesetzt und wurden verkauft.
  • Der südliche Endpunkt Daaden ist ein wichtiger Umsteigepunkt auf die Linienbusse der BRS-Linie R23 (Daaden–HerdorfNeunkirchen) sowie auf Busse der VRM-Linien 259 (Daaden–Nisterberg) und 455 (Daaden–Bad Marienberg).

Tarife[Bearbeiten]

Da der Landkreis Altenkirchen (Westerwald) am 1. Januar 2009 dem Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) beigetreten ist, gelten auf der Daadetalbahn sowie für Fahrten innerhalb des Landkreises und in andere Kreise, welche Mitglied im VRM sind, die Tarife des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel (VRM). Für Fahrten mit Start oder Ziel im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) gelten dessen Tarife, da der VRS-Tarif im Kreis Altenkirchen (Westerwald) als Übergangstarif für Fahrten ins/vom VRS-Gebiet anerkannt ist. Obwohl die komplette Strecke in Rheinland-Pfalz liegt, darf sie auch mit den Pauschalpreis-Tickets des NRW-Tarifes, etwa dem NRW-Ticket oder dem Angebot Schöne Fahrt NRW benutzt werden. Das Quer-durchs-Land-Ticket, Schönes-Wochenende-Ticket, Rheinland-Pfalz-Ticket sowie Rheinland-Pfalz Ticket Nacht werden auch auf der Daadetalbahn anerkannt.

Planungen[Bearbeiten]

Im März 2014 gab der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) das Ergebnis der Ausschreibung der Verkehrsleistungen auf der Daadetalbahn bekannt. Die Westerwaldbahn des Kreises Altenkirchen GmbH erhielt den Zuschlag zum Weiterbetrieb der Strecke für 15 Jahre ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014. Vorerst werden weiterhin die Fahrzeuge der Baureihe 628 auf der Daadetalbahn verkehren, ab 2016 sollen modernisierte Dieseltriebzüge des Typs Stadler GTW eingesetzt werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DB Netz-Senderliste auf breloehr.de
  2. eisenbahn-tunnelportale.de
  3. W. Merzhäuser: 100 Jahre Daadetalbahn. Heimatjahrbuch des Kreises Altenkirchen 1986.