Freudenberg (Siegerland)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Freudenberg
Freudenberg (Siegerland)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Freudenberg hervorgehoben
50.8997222222227.8666666666667330Koordinaten: 50° 54′ N, 7° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Siegen-Wittgenstein
Höhe: 330 m ü. NHN
Fläche: 54,6 km²
Einwohner: 17.873 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 327 Einwohner je km²
Postleitzahl: 57258
Vorwahl: 02734
Kfz-Kennzeichen: SI, BLB
Gemeindeschlüssel: 05 9 70 016
Stadtgliederung: 17 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Mórer Platz 1
57258 Freudenberg
Webpräsenz: www.freudenberg-stadt.de
Bürgermeister: Eckhard Günther (CDU)
Lage der Stadt Freudenberg im Kreis Siegen-Wittgenstein
Rheinland-Pfalz Hessen Hochsauerlandkreis Kreis Olpe Bad Berleburg Bad Laasphe Burbach (Siegerland) Erndtebrück Freudenberg (Siegerland) Hilchenbach Kreuztal Netphen Neunkirchen (Siegerland) Siegen WilnsdorfKarte
Über dieses Bild

Freudenberg ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, und gehört zum Kreis Siegen-Wittgenstein.

Die Stadt liegt an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Freudenberg liegt im historischen Siegerland in hügeliger Mittelgebirgslandschaft zwischen 243 und 505 m Höhe über dem Meeresspiegel. Die Landschaft gehört größtenteils zum Freudenberger Bergland, das wiederum Bestandteil des Naturraums Siegerland ist. Das südliche Stadtgebiet gehört zum Höhenzug Giebelwald, in dem sich auch der 527 m hohe Giebelberg befindet. Obwohl dessen Spitze auf Niederfischbacher Gebiet liegt, bildet sein Hang an der Grenze zu Rheinland-Pfalz die höchste Stelle im Stadtgebiet Freudenbergs. Die 17 Stadtteile verteilen sich auf ca. 55 km² Fläche, die zu ca. 2/3 aus Laub- und Fichtenwald bestehen.

Die drei längsten Flüsse im Stadtgebiet sind die Asdorf, der Fischbach und die Alche. Der etwa 6,5 km lange Fischbach mündet westlich von Niederndorf in die Asdorf. Diese wiederum mündet nach 8,6 km im Stadtgebiet und einer Gesamtlänge von 20 km bei Kirchen in die Sieg. Die Alche entspringt nördlich von Bühl nahe der Grenze zum Kreis Olpe und fließt etwa 5 km im Stadtgebiet, bevor der Fluss sich über Seelbach nach Siegen und dort in die Sieg ergießt.

Ausdehnung des Stadtgebiets[Bearbeiten]

Der östlichste Stadtteil ist Niederholzklau, er liegt nur etwa einen Kilometer vom Siegener Stadtteil Langenholdinghausen entfernt. Nördlich von Niederholzklau liegt mit Oberholzklau der nördlichste Stadtteil. Im Süden liegt Niederndorf, etwa zwei Kilometer von der Grenze zu Rheinland-Pfalz und Oberschelden entfernt. Im Westen liegt Mausbach, direkt an der Grenze zum Friesenhagener Teil Gerndorf im Landkreis Altenkirchen. Dieser Stadtteil ist der westlichste bebaute Teil Freudenbergs; die dort unbebaute Gemarkung Plittershagens südlich davon reicht etwa einen halben Kilometer weiter.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden bzw. -städte von Freudenberg sind Wenden (Kreis Olpe), Siegen und Kreuztal (beide zum Kreis Siegen-Wittgenstein) auf nordrhein-westfälischer Seite, sowie Friesenhagen, Harbach und Niederfischbach auf rheinland-pfälzischer Seite.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtgliederung

Freudenberg besteht aus 17 Stadtteilen:

Geschichte[Bearbeiten]

Freudenberg (türkis) an der Uerdinger Linie, der Sprachgrenze zum niederdeutschen Sauerland

Die ältesten Stadtteile sind wahrscheinlich die bereits im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnten Plittershagen und Oberholzklau (1079). Freudenberg ist als Amts- und Gerichtssitz seit Anfang des 15. Jahrhunderts belegt. Der Ort und die Burg Freudenberg wurden 1389 erstmals urkundlich erwähnt.

Die Burg wurde über dem Weibetal mit einer Siedlung von den Grafen von Nassau als westlicher Eckpfeiler ihres Gebietes gegründet. Graf Johann der IV. von Nassau, Vianden und Diez gab am 7. November 1456 den Bürgern von Freudenberg ihre Freiheitsrechte. Dieser Freiheitsbrief von 1456 wird heute als Hinweis auf die Verleihung der Stadtrechte angesehen. Urkunden geben Hinweise darauf, dass Freudenberg sehr früh als „Flecken“ gegründet worden ist. Der historische Stadtkern trägt heute noch den Namen „Alter Flecken“.

Im Jahre 1540 wurde die Burg und die Siedlung durch einen Brand erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Auf Anordnung Wilhelm des Reichen entstand um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine neue städtische Bebauung. Der Flecken bekam eine Umwehrung mit vier Toren. Im Nordwesten entstand das Hohenhainer Tor, im Nordosten das Weihertor, im Südosten das Braastor und im Südwesten das Schultor. Durch einen zweiten Brand, ausgelöst durch einen Blitzschlag, am 9. August 1666 wurde die Stadt erneut verwüstet. Nur ein Haus (Kölner Str. 3) blieb unversehrt und gilt seitdem als das älteste Haus Freudenbergs. Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen baute den Flecken wieder auf den weitgehend unveränderten Grundrissen von 1540 auf. Die Burg wurde dabei nicht wieder aufgebaut, so dass von ihr heute nur noch Mauerreste zu sehen sind.

Auf den 18. März 1588 fiel der Überfall von über 100 bewaffneten Sauerländern auf zwei Freudenberger Gaststätten.[2] Bereits 1597 wurde der Hof Herlingen erwähnt.[3] Er bestand bis um 1780.[4]

Für den 8. September 1796 wird in Freudenberg von einem spektakulären Raub der französischen Kriegskasse berichtet.[5]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1969 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Alchen, Bottenberg, Bühl, Büschergrund, Dirlenbach, Heisberg, Hohenhain, Lindenberg, Mausbach, Niederheuslingen, Niederholzklau, Niederndorf, Oberfischbach, Oberheuslingen, Oberholzklau und Plittershagen eingegliedert.[6] Die meisten Orte gehörten schon vorher zum Amt Freudenberg.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Amtliche Einwohnerzahlen der Stadt Freudenberg seit ihrer Gründung[7]

Jahr Einwohner
1969 13.979
1970 14.294
1971 14.588
1972 14.898
1973 15.182
1974 15.341
1975 15.346
1976 15.354
1977 15.518
1978 15.579
Jahr Einwohner
1979 15.732
1980 15.844
1981 16.058
1982 15.950
1983 16.010
1984 16.062
1985 16.081
1986 16.146
1987 16.469
1988 16.495
Jahr Einwohner
1989 16.731
1990 17.079
1991 17.529
1992 17.859
1993 17.935
1994 18.011
1995 18.094
1996 18.187
1997 18.227
1998 18.168
Jahr Einwohner
1999 18.232
2000 18.328
2001 18.315
2002 18.352
2003 18.477
2004 18.563
2005 18.562
2006 18.601
2007 18.570
2008 18.556
Jahr Einwohner
2009 18.392
2010 18.392
2011 18.349

Kernstadt Freudenberg[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen der Kernstadt:[8][9][10]

Jahr Einwohner
1563 237
1740 351
1818 618
1830 667
1843 867
1858 967
Jahr Einwohner
1871 1086
1885[11] 1595
1895 1761
1905 2137
1910[12] 2047
1925 2213
Jahr Einwohner
1933[13] 2371
1939[13] 2488
1946 3409
1950 3694
1961[14] 4212
1967 4574
Jahr Einwohner
1994[15] 5169
2000[16] 4938
2011 5022

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[17]
Wahlbeteiligung: 57,6 % (2004: 58,1 %)
 %
50
40
30
20
10
0
41,0 %
33,3 %
10,0 %
9,5 %
5,5 %
0,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-8,6 %p
+1,7 %p
+3,3 %p
+3,4 %p
-0,6 %p
+0,7 %p

Die 34 Sitze des Stadtrats verteilen sich nach den letzten beiden Kommunalwahlen vom 30. August 2009 bzw. vom 26. September 2004 wie folgt:

CDU SPD FDP GRÜNE Alternative Liste Gesamt
2009 14 12 3 3 2 34
2004 17 11 2 2 2 34
Rathaus von Freudenberg

Bürgermeister[Bearbeiten]

Eckhard Günther (CDU) ist der derzeit (2014) amtierende Bürgermeister.

Davor wirkte 1969 bis 1989 Hermann Vomhof (1929–2009, SPD) in dieser Funktion. Anschließend war der am 19. Oktober 1989 gewählte Heinrich Hubbert (CDU) Inhaber des Amtes,[18] ab 1991 bis zur Installierung eines nunmehr hauptamtlichen Bürgermeisters im Jahr 1998 war dann erneut Vomhof als solcher tätig.[19]

Finanzen[Bearbeiten]

Die Schulden der Stadt Freudenberg liegen zum 31. Dezember 2012 bei 58.262.543 Euro. Dies entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 3.234 Euro je Einwohner.[20] Als eine der ersten Kommunen in Deutschland hat Freudenberg für den Bereich der städtischen Finanzen freiwillig eine sog. Nachhaltigkeitssatzung eingeführt, über die die Stadt anstrebt, finanzielle Belastungen künftiger Generationen zu verhindern und die Verschuldung abzubauen.[21]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt ein goldenes Stadttor auf blauem Grund, den Farben des Fürstenhauses Nassau-Siegen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Freudenberg unterhält seit 1989 eine aus einem Jugendaustausch entstandene Städtepartnerschaft mit der ungarischen Stadt Mór.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Alte Flecken, Freudenbergs historischer Stadtkern
Kleiner Wasserfall unweit des Asdorfer Weihers

In der Südwestfälischen Freilichtbühne Freudenberg werden in einer Wald- und Felsenkulisse jährlich zwei neue Inszenierungen für Kinder und Erwachsene aufgeführt. Die Zuschauertribüne ist überdacht. Jährlich besuchen etwa 50.000 Besucher die Freilichtbühne.

Das Stadtmuseum, mitten im historischen Stadtkern Alter Flecken, stellt Exponate zur Stadt- und Wirtschaftsgeschichte aus, darunter die Uhrensammlung des Freudenberger Uhrmachers Stahlschmidt. Das Technikmuseum an der Olper Straße zeigt Ausstellungsstücke aus der Gewerbe- und Industriegeschichte der Region. Eine Dampfmaschine aus dem Jahr 1904 ist dabei Herzstück der Sammlung. Zudem werden historische Fahrzeuge aller Art gezeigt.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Der „Alte Flecken“ ist die ganz in Fachwerkbauweise errichtete Innenstadt Freudenbergs. Sie gibt einen Eindruck von einer Kleinstadt aus dem 17. Jahrhundert. Der Alte Flecken wurde in den Kulturatlas des Landes Nordrhein-Westfalen als „Baudenkmal von internationaler Bedeutung“ aufgenommen; es existiert kein vergleichbarer historischer Stadtkern in Fachwerkbauweise. Die Evangelische Kirche wurde, nachdem 1585 Freudenberg selbständige Pfarrei geworden war, 1602–1606 als Wehr- und Schutzkirche errichtet. Der Glockenturm und ein Mauerrest am Schlossberg sind die einzigen Zeugnisse der früheren Burganlage.
  • Die Kirche in Oberholzklau wurde Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut und ist eine sehenswerte romanische Kirche mit einem deutlich sichtbaren Übergang zur Gotik. Das danebenliegende Pfarrhaus aus Fachwerk stammt aus dem Jahr 1608. Es ist das älteste Pfarrhaus der Ev. Kirche von Westfalen.
  • Bemerkenswert ist auch die St. Marienkirche mit Glasarbeiten von Georg Meistermann.

Filmkulisse[Bearbeiten]

Der Ort diente unter anderem in dem Film LiebesLuder von Detlev Buck als Sinnbild der wohlanständigen, spießigen Kleinstadt, in der es hinter den Fassaden „stinkt“. Ebenso wurde der Ort für den Film „Lupo und der Muezzin“ (Diana Film, München) als Filmkulisse genutzt. Teile des Ortes, u. a. das örtliche Bethesda-Krankenhaus, bildeten den Spielort für den Kinofilm Jakobs Bruder mit Christoph Maria Herbst und Klaus J. Behrendt.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Die über 650 Jahre alte, 30 Meter hohe Bärenwaldeiche ist als Naturdenkmal geschützt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Stadt wird von Norden nach Südosten von der A 45 durchquert. Bis in die 1980er Jahre existierte auch eine Eisenbahnanbindung über die Biggetalbahn nach Olpe im Norden und über die Asdorftalbahn nach Betzdorf im Süden. Heute sind weite Teile der ehemaligen Trasse zu Radwegen umgestaltet oder mit Erde verfüllt.

In Freudenberg gibt es einen Busbahnhof, auch Mórer Platz genannt – von hier aus verkehren Busse nach Siegen, Betzdorf sowie in die Nachbargemeinden von Freudenberg. Die Linien werden von den Verkehrsbetrieben Westfalen Süd (VWS) betrieben.

Zusätzlich verkehrt an Wochenenden ein Nachtbus von Siegen nach Freudenberg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Lothar Uebach
  • Hermann Vomhof

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

(Auflistung erfolgt nach Geburtsjahr)

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Kienzler: Freudenberg (Westfälische Kunststätten, Heft 2). Münster o.J.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Freudenberg (Siegerland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. „Zurückgeblättert...“, Siegener Zeitung vom 2. April 2011
  3. Genealogy.net: Freudenberg
  4. Lothar Irle: Siegerländer Ortsverzeichnis, 1973
  5. „Zurückgeblättert...“, Siegener Zeitung vom 11. September 2010, S.43
  6.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 70.
  7. Landesdatenbank NRW
  8. Otto Schäfer: Der Kreis Siegen – eine Sachkunde für Grundschulen, Siegen 1968
  9. freudenberg-stadt.de: Einwohnerverteilung (regelmäßig aktualisiert)
  10. genealogy.net: Freudenberg (Siegen-Wittgenstein)
  11. Westfälisches Gemeindelexikon 1887, S. 106–113
  12. gemeindeverzeichnis.de: Landkreis Siegen
  13. a b verwaltungsgeschichte.de: Stadt und Landkreis Siegen
  14.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 186.
  15. Bernhard Oltersdorf: Freudenberg, Stadt (PDF; 6,6 MB), ca. 1995
  16. Freudenberg: Ortsteile
  17. http://www.wahlergebnisse.nrw.de/kommunalwahlen/2009/Gem_raete/c970016kw0900.html
  18. Siegerländer Chronik vom 1. September 1989 bis 31. August 1990, Siegerländer Heimatkalender. 1991, S. 173f., 66. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e.V., Verlag für Heimatliteratur
  19. Freudenberg trauert um Hermann Vomhof auf www.derwesten.de vom 6. Dezember 2009, abgerufen am 28. März 2012
  20. Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Integrierte Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände - Anteilige Modellrechnung für den interkommunalen Vergleich - Stand 31.12.2012 - Gemeinschaftsveröffentlichung
  21. Nachhaltigkeitssatzung der Stadt Freudenberg, abgerufen am 30. August 2014