Herdorf

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Dieser Artikel behandelt die Stadt in Rheinland-Pfalz. Zur dänischen Schlagersängerin und Schauspielerin siehe Anne Herdorf.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Herdorf
Herdorf
Deutschlandkarte, Position der Stadt Herdorf hervorgehoben
50.77757.9547222222222290Koordinaten: 50° 47′ N, 7° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Altenkirchen (Westerwald)
Höhe: 290 m ü. NHN
Fläche: 18,01 km²
Einwohner: 6796 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 377 Einwohner je km²
Postleitzahl: 57562
Vorwahl: 02744
Kfz-Kennzeichen: AK
Gemeindeschlüssel: 07 1 32 050
Stadtgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Rathaus 1
57562 Herdorf
Webpräsenz: www.herdorf.de
Bürgermeister: Uwe Erner
Lage der Stadt Herdorf im Landkreis Altenkirchen (Westerwald)
Friesenhagen Harbach (Landkreis Altenkirchen) Niederfischbach Mudersbach Brachbach Kirchen (Sieg) Herdorf Daaden Emmerzhausen Mauden Derschen Nisterberg Friedewald (Westerwald) Weitefeld Niederdreisbach Schutzbach Grünebach Alsdorf (Westerwald) Betzdorf Scheuerfeld Wallmenroth Willroth Krunkel Horhausen (Westerwald) Pleckhausen Güllesheim Obersteinebach Niedersteinebach Bürdenbach Eulenberg (Westerwald) Peterslahr Rott (Westerwald) Burglahr Oberlahr Eichen (Westerwald) Seifen (Westerwald) Seelbach (Westerwald) Flammersfeld Kescheid Reiferscheid Berzhausen Obernau (Westerwald) Walterschen Schürdt Orfgen Ziegenhain (Westerwald) Giershausen Katzwinkel (Sieg) Birken-Honigsessen Wissen (Stadt) Hövels Mittelhof Nauroth Elkenroth Rosenheim (Landkreis Altenkirchen) Kausen Dickendorf Malberg (Westerwald) Steinebach/Sieg Fensdorf Gebhardshain Elben (Westerwald) Steineroth Molzhain Selbach (Sieg) Forst (bei Wissen, Sieg) Bitzen Etzbach Roth (Landkreis Altenkirchen) Bruchertseifen Fürthen Hamm (Sieg) Seelbach bei Hamm (Sieg) Breitscheidt Pracht Birkenbeul Niederirsen Kircheib Hirz-Maulsbach Fiersbach Mehren (Westerwald) Rettersen Ersfeld Hasselbach (Westerwald) Forstmehren Kraam Werkhausen Oberirsen Weyerbusch Hemmelzen Neitersen Birnbach Ölsen Schöneberg (Westerwald) Stürzelbach Fluterschen Oberwambach Berod bei Hachenburg Gieleroth Almersbach Altenkirchen (Westerwald) Michelbach (Westerwald) Ingelbach Sörth Mammelzen Eichelhardt Idelberg Isert Helmeroth Racksen Volkerzen Hilgenroth Obererbach (Westerwald) Bachenberg Busenhausen Heupelzen Wölmersen Kettenhausen Helmenzen Nordrhein-Westfalen Landkreis Neuwied Westerwaldkreis Landkreis NeuwiedKarte
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Ortsansicht im Herdorfer Stadtteil Dermbach

Herdorf ist eine verbandsfreie Stadt im Hellertal, nördlich von Daaden im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Herdorf ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und gemäß der Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2] Die Stadtrechte erhielt Herdorf am 24. Januar 1981.[3]

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Herdorf liegt im östlichen Teil des Landkreises Altenkirchen und im südwestlichen Siegerland süd-südwestlich von Siegen. Es befindet sich im Tal der Heller, eines östlichen Zuflusses der Sieg. Auf der Grenze zwischen Herdorf und Neunkirchen in Nordrhein-Westfalen liegt der Hohenseelbachskopf, mit 517,5 m die höchste Erhebung im Ortsgebiet.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Aus dem Übergang von der Späthallstatt- zur frühen Latènezeit (6./5. Jahrhundert v. Chr.) stammen die ältesten montanarchäologischen Belege aus dem Herdorfer Raum [4] Es handelt sich dabei überwiegend um Scherben und Schlackenreste.

Im Jahre 1344 wurde Herdorf erstmals urkundlich erwähnt. Etwa 1360 kam der Ort unter die Herrschaft der Grafen von Sayn. Diese teilten den Ortsteil nördlich der Heller dem Amt und Gericht Freusburg sowie dem Kirchspiel Kirchen und den südlichen Ortsteil dem Amt und Gericht Friedewald sowie dem Kirchspiel Daaden zu. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte Herdorf nach einer Erbteilung zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen.

Aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses wurde die Grafschaft Sayn-Altenkirchen 1803 dem Fürstentum Nassau-Usingen zugesprochen, von 1806 an gehörte Herdorf zum Herzogtum Nassau und seit 1815 zum Königreich Preußen. Unter der preußischen Verwaltung gehörte Herdorf zur Bürgermeisterei Daaden in dem 1816 neu geschaffenen Kreis Altenkirchen im Regierungsbezirk Koblenz und ab 1822 zur Rheinprovinz.

1955 wurde mit den bis dahin eigenständigen Gemeinden Sassenroth und Dermbach die zunächst amtsfreie Gemeinde Herdorf geschaffen. Am 24. Januar 1981 wurde Herdorf auf Beschluss der rheinland-pfälzischen Landesregierung zur Stadt erhoben.[5]

Am 13. Dezember 2013 hat der Landtag von Rheinland-Pfalz gegen den Willen der beiden betroffenen kommunalen Gebietskörperschaften beschlossen, durch das „Landesgesetz über die Eingliederung der verbandsfreien Stadt Herdorf in die Verbandsgemeinde Daaden“ ab 1. Juli 2014 die Verbandsfreiheit der Stadt zu beenden und sie in die Verbandsgemeinde zu integrieren. Der Name der Verbandsgemeinde lautet dann "Verbandsgemeinde Herdorf-Daaden". Sowohl die Stadt Herdorf als auch die Verbandsgemeinde Daaden haben erklärt, dass sie gegen das Landesgesetz Verfassungsbeschwerde erheben werden.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Kulturdenkmäler in Herdorf

Bergbau[Bearbeiten]

Herdorf war eines der Zentren des Bergbaus im Siegerland mit den meisten Bergwerken auf einem Ortsgebiet des Siegerlandes. Bis 1962 wurden in 100 Jahren ca. 60 Millionen Tonnen Eisenerz in den Herdorfer Gruben gefördert. Dutzende von Bergwerken haben die Kultur und Industrie der Region stark beeinflusst. Die wichtigsten Gruben waren:

Neben den Gruben gab es in Herdorf die Friedrichshütte, eine bedeutende Hüttenanlage, deren Hauptgebäude, das sogenannte Hüttenhaus, noch steht und einen Kultursaal und Restaurants beherbergt. Seit 1986 dokumentiert das Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen im Stadtteil Sassenroth die Geschichte des Bergbaus in der Herdorfer Region.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Herdorf bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1815 893
1835 1.219
1871 2.269
1905 5.124
1939 5.581
Jahr Einwohner
1950 6.367
1961 7.425
1970 7.734
1987 7.213
2005 7.155

Religion[Bearbeiten]

katholische Kirche Herdorf
evangelische Kirche Herdorf

Herdorf ist überwiegend katholisch geprägt. Die katholische Pfarrgemeinde St. Aloisius gehört zum Bistum Trier (Trierische Insel), im Ortsteil Dermbach gibt es eine Filialgemeinde. Seit 2007 besteht eine Pfarreiengemeinschaft der katholischen Pfarrei St. Aloisius Herdorf mit der Nachbarpfarrei Alsdorf.

Die evangelische Gemeinde Herdorf-Struthütten (Ortsteil der benachbarten Gemeinde Neunkirchen in Nordrhein-Westfalen) gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Herdorf besteht aus 22 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Bürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[6]

Wahl  SPD   CDU  Grüne  WGR  Gesamt
2009 8 14 22 Sitze
2004 6 13 2 1 22 Sitze

Wahlkreise[Bearbeiten]

Bei Landtagswahlen gehört die Stadt Herdorf zum Wahlkreis 01-Betzdorf/Kirchen (Sieg), bei Bundestagswahlen zum Wahlkreis 198-Neuwied.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Das Wappen der Stadt Herdorf zeigt im geteilten Schild oben in Blau eine silberne Mauer unter einer goldenen Krone; unten durch eine geschweifte silberne Spitze gespalten, vorne in Rot ein goldener blau bewehrter herschauender Löwe; hinten in Schwarz ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei schwarzen Schweinsköpfen.

Bedeutung: Das Herdorfer Wappen symbolisiert durch die Dreiteilung die drei Ortschaften Herdorf, Dermbach und Sassenroth und zugleich die historische Einteilung in die Teile rechts und links der Heller, die jeweils zu unterschiedlichen Verwaltungsgebieten gehörten. Durch den goldenen Löwen auf rotem Grund wird die Zugehörigkeit zur Grafschaft Sayn symbolisiert und durch die schwarzen Schweinsköpfe auf silbernem Schrägbalken die Zugehörigkeit zu den Herren von Freusburg. Durch die Krone und Mauer wird auf das Gebiet der Königsmauer Bezug genommen.[7]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Herdorf unterhält seit 1982 eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde und Kleinstadt Saint-Laurent-du-Pont.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Herdorf liegt an der von Betzdorf über Burbach nach Haiger führenden Bahnstrecke Betzdorf–Haiger, die von der HellertalBahn GmbH betrieben wird. Die BRS Linie R23 Neunkirchen-Herdorf-(Daaden) bedient in regelmäßigem Takt das Städtchen, wodurch in Neunkirchen mit der R22 Anschlüsse nach Siegen bestehen und mit der R44 nach Burbach. In Daaden besteht Anschluss an die Daadetalbahn nach Betzdorf.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Ludwig-Wolker-Sportanlage (vereinseigene Anlage der TuS DJK Herdorf e.V.)
  • Glück Auf Kampfbahn (stadteigener Fußballplatz)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit Herdorf verbundene Personen[Bearbeiten]

  • Verena Dreier vom Verein DJK Herdorf/LG Sieg wurde in den Jahren 2005 und 2006 Deutsche Meisterin im 3000-m-Hindernislauf.
  • Der Boxer Peter Hussing (Superschwergewicht) begann im Boxclub Herdorf seine Karriere.
  • Der ehemalige Fußballspieler Marco Weller spielte u. a. für den 1. FC Köln und Dynamo Dresden und bestritt zahlreiche Länderspiele in deutschen Junioren-Nationalmannschaften.

Trivia[Bearbeiten]

1934 übten Herdorfer und Sassenrother Bürger Widerstand gegen die Nationalsozialisten aus. In einer Volksabstimmung über die Vereinigung der Staatsämter „Reichspräsident und Reichskanzler“ sollte die Übernahme der beiden Ämter durch Adolf Hitler legitimiert werden. Landesweit bekam Hitler 89 % Ja-Stimmen. In Sassenroth waren es nur 49,7 % und in Herdorf 65 % an Zustimmung. In der Folge hetzte die NSDAP gegen die Einwohner und rief offen zu Repressalien gegenüber den Bürgern auf. So war auf einem Spruchband in Herdorf zu lesen: „900 Verräter hier am Ort! Verrat ist schlimmer als Mord, drum Wanderer halte ein, nimm dir so’n Schwein!“[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Hoffmann (Hrsg.): Herdorfer Heimatbuch. Siegerländer Wirtschaft, Landschaft und Volkstum im Herdorfer Raum. Betzdorf, Siegerland-Druckerei und Verlag K. Hacker, 1950. 128 Seiten.
  • Thorsten Stahl (Hrsg.): Herdorf wie es früher einmal war. Siegen, Vorländer Druck, 2006. 308 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herdorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz - Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 204 (PDF; 2,1 MB)
  4. Trojan, Carsten: Die montanarchäologischen Forschungen der Brüder Otto und Heribert Kipping im Raum Herdorf, in: Siegerland. Blätter des Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins e.V., Band 88, H. 2 (2011), S. 131-139; Kuhnen, Hans-Peter: Am Anfang der „Eisengeschichte“ von Rheinland-Pfalz. Die frühkeltischen Verhüttungsplätze des 6./5. Jh. v. Chr. von Herdorf-Mahlscheid, Lkr. Altenkirchen, im Lichte der Forschungen von Heribert und Otto Kipping, ebd. S. 140-155. Die bereits ab 1950 gemachten Funde wurden erst ab 2009 wissenschaftlich untersucht.
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 204 (PDF; 2,6 MB)
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  7. Wappenbeschreibung auf der Webseite der Stadt Herdorf, aufgerufen am 30. September 2012.
  8. [1], aufgerufen am 7. Dezember 2012.
  9. Hermann-Joseph Löhr: 41 historische Tatorte im rheinischen Westerwald, ISBN 978-3-9813291-4-8.