Engels (Stadt)

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Stadt
Engels
Энгельс
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Wolga
Oblast Saratow
Rajon Engels
Bürgermeister Michail Lyssenko
Gegründet 1747
Frühere Namen Pokrowsk
Stadt seit 1914
Fläche 108 km²
Bevölkerung 202.419 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1874 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 20 m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7) 8453
Postleitzahl 413100–413138
Kfz-Kennzeichen 64, 164
OKATO 63 450
Website www.engels-city.ru
Geographische Lage
Koordinaten 51° 29′ N, 46° 7′ O51.48333333333346.11666666666720Koordinaten: 51° 29′ 0″ N, 46° 7′ 0″ O
Engels (Stadt) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Engels (Stadt) (Oblast Saratow)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Saratow
Liste der Städte in Russland

Engels (russisch Э́нгельс; bis 1931 Pokrowsk/Покровск/dt. zeitweise Kosakenstadt) ist eine Stadt in der russischen Oblast Saratow mit 202.419 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010).[1] Sie war von 1924 bis 1941 die Hauptstadt der Wolgadeutschen Republik.

Geografie[Bearbeiten]

Engels liegt am Ufer der Wolga, direkt gegenüber der größeren Stadt Saratow. Es wurde 1747 als Pokrowskaja sloboda gegründet und erhielt 1914 Stadtstatus sowie den Namen Pokrowsk. Die Stadt ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Rajon Engels und zweitgrößte Stadt der Oblast Saratow. Engels liegt im europäischen Teil Russlands, ca. 850 km südöstlich von Moskau.

In der Stadt herrscht ein russisch-südländisches Flair, Bauten aus dem 19. Jahrhundert prägen das Bild der Innenstadt. Sie ist durch die drei Kilometer lange Brücke von Saratow mit Saratow verbunden. Im Zentrum steht ein großes Friedrich-Engels-Denkmal. Eine etwas weiter wolgaaufwärts gelegene Stadt trägt den Namen Marx.

Geschichte[Bearbeiten]

Sägemühle in Engels (1928)

Bis zur Gründung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen im Jahre 1931 hieß die Stadt Pokrowsk und wurde dann nach Friedrich Engels umbenannt. Engels war während der Zeit der Wolgadeutschen die Hauptstadt zunächst der gleichnamigen Kommune, dann der Wolgadeutschen Republik. Seit 1931 existierte in Engels ein „Deutsches Staatstheater“ mit einem Fassungsvermögen von circa 800 Plätzen, das vor allem von deutschen Laienspielzirkeln getragen wurde. Ab 1936 nahmen sich deutsche Emigranten wie Erwin Piscator und Bernhard Reich des Theaters an, dem angesichts der Stalinschen Säuberungen jedoch keine Dauer beschieden war.[2] In Engels bestand das Kriegsgefangenenlager 368 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[3]

Am 12. April 1961 ging Juri Gagarin nach dem ersten bemannten Weltraumflug mit der Landekapsel des Raumschiffs Wostok 1 etwa 25 Kilometer von Engels entfernt in der Steppe beim Dorf Smelowka nieder.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1939 68.923
1959 90.724
1970 130.066
1979 161.349
1989 181.201
2002 193.984
2010 202.419

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Engels konzentrieren sich Betriebe aus der Automobilindustrie. Es befinden sich Herstellerfirmen von Oberleitungsbussen (das Werk Trolsa (Тролза)), Eisenbahnwaggons, Spezialfahrzeugen und Transportmaschinen in der Stadt. Die früher dominierende chemische Industrie hat dagegen weitgehend den Betrieb eingestellt.

Auch mehrere deutsche Unternehmen haben Niederlassungen oder Produktionsstandorte in Engels. Größter Betrieb in Engels ist die Firma OAO „Robert Bosch Saratow“, die Zündkerzen, Steuergeräte, Kabelbäume und anderes für die russische Automobilindustrie und den europäischen Markt herstellt. Die Firma Henkel stellt in Engels Waschpulver und chemische Produkte für die Automobilindustrie her.

Militär[Bearbeiten]

Kriegsdenkmal in Engels

Die russischen Streitkräfte betreiben mehrere Niederlassungen in der näheren Umgebung von Engels. Dazu gehört auch der Militärflugplatz Engels-2 mit angeschlossener Kaserne. Nach der Restrukturierung sind auf dem Militärflugplatz 14 Nuklearlangstreckenbomber vom Typ Tupolew Tu-160 stationiert. Die Maschinen gehören zum 121. Schweren Bomberregiment (zugehörig zur 22. Schweren Bomberdivision). Seit Juni 2008 fliegen auch Langstreckenbomber vom Typ Tupolew Tu-95MS und Tupolew Tu-22M3 von dem Stützpunkt aus Patrouillenflüge über die Arktis und über dem Atlantik. Hierzu werden die Bomber von Tankflugzeugen vom Typ Iljuschin Il-78 aufgetankt.

Weiterführende Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Regionalzentrum für Kadervorbereitung der Moskauer Universität für Verbraucherkooperation
  • Technologisches Institut der Saratower Staatlichen Technischen Universität

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das Gebäude des Lesesaals der Zentralen Bibliothek, das 1909 errichtet wurde
  • Die 1825 errichtete Dreifaltigkeits-Kirche (Троицкая)
  • Heimatmuseum
  • Lew-Kassil-Museum
  • Denkmal zu Ehren der russlanddeutschen Opfer der Repression in der UdSSR (russ.: Российским немцам-жертвам репрессий в СССР), enthüllt am 26. August 2011 [4]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Diezel: Theater im sowjetischen Exil. In: Verfolgung und Exil deutschsprachiger Theaterkünstler. K.G. Saur, München 1999 (Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933–1945. Bd. 1). S. 289–318.
  • Hermann Haarmann, Lothar Schirmer, Dagmar Walach: Das „Engels“-Projekt. Ein antifaschistisches Theater deutscher Emigranten in der Sowjetunion (1936–1941). Heintz, Worms 1975.
  • Bernhard Reich: Im Wettlauf mit der Zeit. Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten deutscher Theatergeschichte. Henschel, Berlin 1970.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Engels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Peter Diezel: Deutsches Staatstheater Engels. Erwin Piscator, Maxim Vallentin und die Verleumdung der deutschen Emigranten als „bourgeoise Nationalisten“. In: Karl Eimermacher, Astrid Volpert (Hrsg.): Stürmische Aufbrüche und enttäuschte Hoffnungen. Russen und Deutsche in der Zwischenkriegszeit. Paderborn: Fink 2006. S. 987-1020. – Peter Diezel: Schnittstelle Moskau. Berlin: Edition Schwarzdruck 2008. S. 26-35.
  3. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
  4. Bericht zur Enthüllung des Denkmals auf nversia.ru, abgerufen am 1. September 2011