Tupolew Tu-22

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Tupolew Tu-22
TU-22 Blinder.JPG
Tupolew Tu-22 in Monino
Typ: Mittelstreckenbomber
Entwurfsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: OKB Tupolew
Erstflug: 21. Juni 1958
Indienststellung: 1962
Produktionszeit: 1962 bis Ende 1970er
Stückzahl: 311

Die Tupolew Tu-22 (russisch Туполев Ту-22, NATO-Codename: „Blinder“, ursprünglich „Beauty“) ist ein sowjetischer Mittelstreckenbomber.

Beschreibung[Bearbeiten]

Bei der Tu-22 sind die Triebwerke über dem Rumpf an beiden Seiten des Rumpf-Seitenleitwerk-Übergangs angebracht

Die Tu-22 wurde vom Konstruktionsbüro Tupolew entwickelt und von 1960 an in Serie produziert. Vorgestellt wurde das Flugzeug am 9. Juli 1961 auf der Luftparade in Tuschino.[1] Dort war auch eine einzelne Tu-22B im Flug zu sehen, welche den Flugkörper Ch-22 tragen konnte. Es wurden etwa 250 bis 300 Exemplare verschiedener Varianten hergestellt. 1983 befanden sich ungefähr 180 Exemplare im Dienst der Luftstreitkräfte der Sowjetunion (WWS) und etwa 40 bei den Seefliegerkräften (AW-MF).[2] Der Irak und Libyen erhielten ebenfalls einige Tu-22.

Die Tu-22 wurde infolge der gesteigerten Effektivität der NATO-Flugabwehr seit Mitte der 1950er Jahre entwickelt und stellt den Nachfolger der Tu-16 dar. Die Sowjetunion benötigte ein schnelleres Flugzeug, das auch größere Höhen erreichen und die gegnerische Flugabwehr umgehen konnte. Daher wurde die Tu-22 als Überschallbomber nach der Flächenregel ausgelegt. Bemerkenswert waren vor allem die mit 52° stark gepfeilten Tragflächen des Tiefdeckers und die zwei heckmontierten Triebwerke. Die Triebwerkseinlässe sind ringförmig ausgeführt und können zum Start nach vorn bewegt werden, um mit einem sich öffnenden Spalt die Lufteinlassfläche zu vergrößern. Der Treibstoff wird im Rumpf oberhalb der Tragflächen untergebracht.[3] Das Hauptfahrwerk wird nach hinten in zwei aerodynamisch geformte Behälter eingezogen, welche über die Tragflächenhinterkante hinausragen. Aufgrund der geringen Höhe der Hecksektion zur Piste bei Start und Landung ist die Start- bzw. die Landegeschwindigkeit sehr hoch. Dies erfordert lange Start- und Landebahnen. Außerdem verfügt die Tu-22 über zwei Bremsschirme am Heck. Die Besatzung besteht aus drei Mann, die in einer Druckkammer in Tandemanordnung untergebracht sind. Die Schleudersitze schießen nach unten aus.[4]

Das US-Pendant zur Tu-22 war die Convair B-58, die ähnliche Probleme in Bezug auf Reichweite und Nutzlast aufwies. So war es auch im Westen keine Überraschung, dass schon Ende der 1960er Jahre mit der Tu-22M ein Nachfolgemodell vorgestellt wurde.

Bei den Seefliegerkräften wurde die Tu-22 „Blinder-C“ zur elektronischen und optischen Aufklärung verwendet. Dazu sind im Bombenschacht Sensoren und Kameras installiert.

Libyen erwarb erstmals 1974 14 Bomber des Types Tu-22B[5], die in der 1110. und 1120. Staffel in Al-Jufra/Hun bzw. in Ukba-Ibn-Nafi eingesetzt wurden. Bis 1979 wurden weitere zehn Tu-22B geliefert. Hintergrund der Bestellung war das Fehlen von Kampfflugzeugen im Ramadan-Krieg, die von Libyen aus israelische Ziele hätten angreifen können. Zwei Tu-22 wurden 1978–1979 nach Uganda zur Unterstützung des Diktators Idi Amin im Krieg gegen Tansania geschickt und flogen vom Flugplatz Nakasangola mindestens zwei Einsätze. Ab 1978 wurden Tu-22-Bomber im Krieg gegen den Tschad eingesetzt und flogen unter anderem Einsätze gegen die Oase Faya-Largeau. Im Februar 1986 griff eine einzelne Tu-22 den Flughafen N'Djamena an.[6][7]

Auch der Irak entschied sich für die Tu-22, um vom irakischen Territorium aus Angriffe gegen Israel fliegen zu können. Es wurden 1974 zwölf Maschinen geliefert. Später wurden diese Flugzeuge im Krieg gegen den Iran eingesetzt, wobei der Iran behauptet, mindestens ein Exemplar über Teheran abgeschossen zu haben.[8][9] Weiterhin wurden diese Flugzeuge auch gegen kurdische Rebellen eingesetzt. Die verbliebenen irakischen Tu-22 wurden während der Operation „Wüstensturm“ am Boden zerstört.[10][11]

Technische Daten[Bearbeiten]

Risszeichnung der Tu-22
Kenngröße Daten der Tu-22[12]
Typ Mittelstreckenbomber
Spannweite 23,50 m
Länge 42,60 m
Höhe 10 m
Tragflügelfläche 162 m²
Max. Startgewicht 92.000 kg
Triebwerk zwei Turbojet-Triebwerke Dobrynin RD-7M-2[13] mit je 107,9 kN (trocken) und 161,9 kN Schub mit Nachbrenner
Höchstgeschwindigkeit 1.610 km/h (Mach 1,5) in 12.190 m Höhe
Dienstgipfelhöhe 18.290 m
Einsatzreichweite 4.900 km
Einsatzradius 2.200 km
Bewaffnung eine ferngesteuerte 23-mm-Kanone NR-23, bis zu 12.000 kg Bombenlast, 1 × Raduga Ch-22 (AS-4 Kitchen) Luft-Boden-Rakete
Besatzung 3

Bewaffnung[Bearbeiten]

Rohrbewaffnung zur Selbstverteidigung[Bearbeiten]

  • 1 × 23-mm-Maschinenkanone NR-23 (vom Cockpit aus ferngesteuert)

Abwurfwaffen[Bearbeiten]

Waffenzuladung von 12.000 kg im Bombenschacht Luft-Boden-Lenkflugkörper (Marschflugkörper)

  • 1 × Raduga Ch-22PG/N (AS-4A „Kitchen“) – konventioneller 900-kg-/nuklearer 1.000-kT-Gefechtskopf
Ungelenkte Bomben
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  • 1 × FAB-9000M-54 (9.000-kg-Freifallbombe)
  • 1 × FAB-5000M-54 (5.000-kg-Freifallbombe)
  • 2 × FAB-3000M-54 (3.000-kg-Freifallbombe)
  • 3 × FAB-1500-2600TS (2.587-kg-Freifallbombe)
  • 6 × FAB-1500M-54 (1.551-kg-Freifallbombe)
  • 12 × FAB-500M-62 (497-kg-Freifallbombe)
  • 18 × FAB-500M-54 (477-kg-Freifallbombe)
  • 24 × FAB-250M-54 (239-kg-Freifallbombe)
  • 24 × Basalt FAB-500M-54 (477-kg-Freifallbombe)
  • 24 × OFAB-100-HB (125-kg-Freifallbombe)
  • 1 × 7U-31 (246N) nukleare Freifallbombe

Varianten[Bearbeiten]

Tu-22RDM
  • TU-22: die Bezeichnung der Tu-105A bei den Streitkräften
  • Tu-22A: Exportversion als Bomber auf der Basis der Tu-22R für den Irak und Libyen
  • Tu-22B: erste kleine Serienversion; Bomber, teilweise später zum Tankflugzeug umgerüstet oder als Übungsflugzeug verwendet; nur 15 Exemplare wurden gebaut
  • Tu-22K „Blinder-B“: Raketenträgerversion mit größerem Radargerät und Luft-Boden-Lenkwaffe Ch-22
  • Tu-22KD: Tu-22K mit Luftbetankungsvorrichtung
  • Tu-22KP: wie 22, aber mit der Ch-22P
  • Tu-22KPD: Tu-22KP mit Luftbetankungsvorrichtung
  • Tu-22P „Blinder-E“: aus der Tu-22R entwickelte Version für die elektronische Kriegführung; Varianten waren die Tu-22P-1/2/4/6/7
  • Tu-22PD: Tu-22P mit Luftbetankungsvorrichtung
  • Tu-22R „Blinder-C“: Seeaufklärerversion mit Kameras und/oder Sensoren im Waffenschacht
  • Tu-22RD: Tu-22R mit Luftbetankungsvorrichtung
  • Tu-22RM: verbesserte Version der Tu-22R, unter anderem mit Seitensichtradar
  • Tu-22RDM: Tu-22RM mit Luftbetankungsvorrichtung
  • Tu-22RTK: experimentelle Version mit Hubtriebwerken Kolessow RD-36-35 zur Verkürzung der Anrollstrecke
  • Tu-22U „Blinder-D“: Schul- und Übungsversion mit erhöhter Kanzel hinter der Standardkabine für den Fluglehrer
  • Tu-22UD: Tu-22U mit Luftbetankungsvorrichtung

Literatur[Bearbeiten]

  •  Flugzeugtypen der Welt. Modelle, Technik, Daten. Bechtermünz, Augsburg 1997 (Originaltitel: The encyclopedia of world aircraft, übersetzt von Thema Produktmarketing und Werbung mbH, München), ISBN 3-86047-593-2, S. 883.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl-Heinz Eyermann, Wolfgang Sellenthin: Die Luftparaden der UdSSR. Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, 1967. S. 39.
  2.  Flugzeugtypen der Welt. Modelle, Technik, Daten. Bechtermünz, Augsburg 1997 (Originaltitel: The encyclopedia of world aircraft, übersetzt von Thema Produktmarketing und Werbung mbH, München), ISBN 3-86047-593-2, S. 883.
  3.  Kampfflugzeuge von heute. Kaiser, Klagenfurt 1993, ISBN 3-7043-6028-7.
  4. Tupolev Tu-22 (Blinder) Medium Bomber / Reconnaissance Aircraft. 11. März 2014, abgerufen am 8. Juli 2014 (englisch).
  5. Tom Cooper: Libyan Wars, 1980–1989. Part 1. In: acig.info. 12. Mai 2009, abgerufen am 8. Juli 2014 (englisch).
  6. Tom Cooper/Chuck Canyon/AlbertGrandolini: Libyens Luftwaffe – von König Idris bis Oberst Gaddafi. In: Flieger Revue Extra Nr. 29, S. 17/18
  7. Tom Cooper: Libyan Wars, 1980–1989. Part 6. In: acig.info. 12. Mai 2009, abgerufen am 8. Juli 2014 (englisch).
  8. Tom Cooper, Farzad Bishop, Arthur Hubers, Brig. Gen. Ahmad Sadik: Bombed by Blinders. Part 1. In: acig.info. 24. November 2010, abgerufen am 8. Juli 2014 (englisch).
  9. Tom Cooper, Farzad Bishop, Arthur Hubers, Brig. Gen. Ahmad Sadik: Bombed by Blinders. Part 2. In: acig.info. 24. November 2010, abgerufen am 8. Juli 2014 (englisch).
  10. AIRCRAFT Ausgabe Nr. 136
  11. Tom Cooper: Exhumating the Dead Iraqi Air Force. In: acig.info. 26. August 2007, abgerufen am 8. Juli 2014 (englisch).
  12.  Flugzeugtypen der Welt. Modelle, Technik, Daten. Bechtermünz, Augsburg 1997 (Originaltitel: The encyclopedia of world aircraft, übersetzt von Thema Produktmarketing und Werbung mbH, München), ISBN 3-86047-593-2, S. 883.
  13. Dobrynin VD-7 m

Weblinks[Bearbeiten]