Erkan und Stefan

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Erkan und Stefan waren ein Komikerduo, bestehend aus den unter Pseudonym auftretenden deutschen Komikern John Friedmann aus München und Florian Simbeck aus Ingolstadt.[1]

Erkan und Stefan auf der Funkausstellung Berlin 2006 vor einem Greenscreen

Werdegang[Bearbeiten]

Um sich dem Publikum zu verkaufen, die Figuren lebendiger zu machen und inkognito bleiben zu können, wurden Biographien der Phantasiefiguren aufgebaut. Danach wurde Erkan Maria Moosleitner am 24. Dezember 1979 als Sohn von Bruce Moosleitner – einem Kofferwort aus den beiden Namen Bruce Boxleitner und Peter Moosleitner – und dessen Frau Ayşe geboren und wuchs als Einzelkind im ärmeren Münchner Stadtteil Hasenbergl auf. Stefan Lust wurde am 15. Mai 1979 im Problembezirk München-Neuperlach als Sohn von Frau Lust geboren. Ebenso erfunden ist die Legende von einer deutsch-türkischen Freundschaft, die während einer U-Bahn-Fahrt in München ihren Anfang nahm.[1]

Das Markenzeichen des Duos bestand darin, einen künstlichen türkischen Akzent mit dem bairischen Dialekt des Münchner Nordens und englischer Slangsprache zu kombinieren, beispielsweise „Ey, krass“.

Die so entstandenen Kunstfiguren wiesen konzeptionelle Ähnlichkeiten zu der im Jahr 1996 erstmals auftretenden englischsprachigen Kunstfigur Ali G des Komikers Sacha Baron Cohen auf.[2]

1990er[Bearbeiten]

Zunächst ging das Duo seit 1994 mit seinem Klamauk bei der Hörfunkcomedy Klub Ma:d, ausgestrahlt von Radio Energy München, unentgeltlich auf Sendung.[3] Entdeckt hierfür wurden sie von Comedy-Autor Max Witzigmann, Sohn des Starkochs Eckart Witzigmann.[1] Bald folgte eine Veröffentlichung der lustigsten Radiofolgen auf CD und unmittelbar danach der erste Auftritt auf der Münchener Kleinkunst-Bühne Liederbühne Robinson. Wenige Wochen später zogen Erkan und Stefan in die renommierte Münchener Kabarett-Bühne Schlachthof um, wo sie zunächst fünf Abende im kleinen Saal „Ox“ ausverkauften, um danach fünf Abende im ebenso ausverkauften großen Saal aufzutreten. Bereits am zweiten Abend im großen Saal wurden sie von den Filmproduzenten Mischa Hofmann und Philip Voges angesprochen, die einen Kinofilm mit dem Komiker-Duo produzieren wollten. Beide bestanden jedoch darauf, zunächst ihr Studium zu beenden.[3]

1997 waren die beiden das erste Mal auf der Bühne des Münchner Schlachthofs zu sehen. Danach spielten die beiden bis 2001 mehrere Live-Programme auf Comedy-Bühnen in ganz Deutschland. Nachdem sie von 2002 bis 2006 nur in TV und Kino zu sehen waren, gehen sie seit 2006 nun wieder auf Livetournee in ganz Deutschland.

2000er[Bearbeiten]

Im Jahre 2000 erschien der gleichnamige Film, bei dem Michael Herbig Regie führte. Wegen seines Erfolgs kam 2002 der Nachfolger, „Erkan und Stefan – Gegen die Mächte der Finsternis“. Dieser erreichte aber nicht den Kassenerfolg des ersten Teils.

Nachdem der Bekanntheitsgrad von „Erkan & Stefan“, unter anderem durch wiederholte Auftritte in der Bullyparade, weiter angestiegen war, bekamen die beiden ihre eigene Show. „headnut.tv“ wurde ab April 2002 zwei Jahre lang auf dem Fernsehsender ProSieben ausgestrahlt und für den Deutschen Fernsehpreis 2002 nominiert.[1] Nach 26 Folgen in zwei Staffeln wurde die Sendung jedoch wieder abgesetzt. Der Inhalt bestand darin, eine Reihe von Interviews zu führen und dabei die Interviewpartner durch absurde Fragen in die Irre zu führen. Inhaltlich ähnelte die Sendung sehr stark der zu diesem Zeitpunkt bereits im angelsächsischen Raum erfolgreichen „Da Ali G Show“ des britischen Senders Channel 4.

2003 sprachen Erkan und Stefan eine neue „krasse“ Synchronfassung für den Zeichentrickfilm Asterix in Amerika unter dem neuen Titel Die Schwörerversion: Asterix in America – Die checken aus, die Indianer. Im selben Jahr leihen die beiden in der deutschen Synchronisation von Findet Nemo den vegetarischen Haien Hammer und Hart ihre Stimmen.

In der 2004 erstmals ausgestrahlten Folge „Schwarze Ikonen“ der vierten Staffel der ZDF-Krimiserie „Die Rosenheim-Cops“ haben die beiden einen Gastauftritt als chaotisches Handwerkerduo mit gefälschten Aufenthaltspapieren.

2005 folgte der Kinofilm Der Tod kommt krass. Darin spielt das Duo sich selbst, wie es auf einem Kreuzfahrtschiff einen Mord aufklärt. Der Film ist an die amerikanische Produktion Immer Ärger mit Bernie angelehnt. „Wir haben immer gesagt, nach drei Erkan und Stefan-Kinofilmen gibt es erstmal keinen mehr. Aber natürlich gibt es uns weiter, aber eben auch anders.“ (John Friedmann)[3] So versucht sich John Friedmann als Schauspieler in ernsthafteren Rollen in weniger lustigen und emotionaleren Filmen wie „Die Augen meiner Mutter“.[3]

Am 15. Mai 2005, in der 156. Sendung von „Wetten, dass..?“ konnten Erkan und Stefan sich mit ihrem Auftritt einen Jugendtraum erfüllen: „Seit unserer Kindheit sind wir davon Fans. Das ist der Wahnsinn.“[1]

Am 2. Dezember 2005 wurde das erste Interview der Privatpersonen John Friedmann und Florian Simbeck im Bayerischen Rundfunk in der Sendung Unter 4 Augen ausgestrahlt. Das Interview führte Heike Götz.

2006 waren die beiden Komiker mit „Voll krass! – Die Clip-Show mit Erkan & Stefan“ bei RTL 2 auf Sendung. Das Format wurde mehrfach wiederholt.

Ebenfalls 2006 waren die beiden als Gaststars in einer Episode der Schillerstraße zu sehen.

In der seit Februar 2007 ausgestrahlten Comedyreihe Deutschland ist schön spielten Simbeck und Friedmann verschiedene Rollen, zum Beispiel zwei gemeinsam ermittelnde Streifenpolizisten.

In der Sendung Beckmann vom 19. Februar 2007 „demaskierten“ sich die beiden erstmals in der breiten Öffentlichkeit und sprachen sogar hochdeutsch. John Friedmann erklärte, dass er sich nun der ernsten Schauspielerei widmen möchte.

Im April 2007 kündigten Friedmann und Simbeck an, dass die Tournee die letzte als Kunstfiguren Erkan und Stefan sein würde.[4]

Wortschöpfungen[Bearbeiten]

Über die Parodie der Kanak Sprak hinaus sind Erkan und Stefan insbesondere für die Wortschöpfung „brontal“ (ein Kofferwort) verantwortlich, das laut Erkan entstanden ist, als ein Vogel auf ihn „brutal frontal“ zugeflogen ist (Synonym für „krass“, oder auch einfach nur „sehr“).

Das Dönertier, gesehen in Rostock

Ein weiterer von Erkan und Stefan stammender, allgemein bekannter Begriff des Dönertiers basiert auf der früh in ihren Fernsehsendungen kolportierten Legende, das Fleisch des Dönerspießes stelle analog zum Spanferkel ein aufgespießtes Tier dar. Dieses erfundene Lebewesen war Namensgeber einer Döner-Kette auf Franchise-Basis, der Dönertier AG.[3] Das Dönertier wird zudem auch anderweitig vermarktet, u. a. als Kuscheltier.

Ihre Wortkreationen konnten sie zwar zum Teil markenrechtlich schützen; eine Werbekampagne des österreichischen Ablegers der Fast-Food-Kette McDonald’s, in deren Rahmen Doppelgänger von Erkan und Stefan verwendet wurden, konnten sie allerdings nicht unterbinden. Die Klage am Landgericht München scheiterte mit der Begründung, dass niemand ein „Monopol auf die Vermarktung der Umgangssprache türkischer Jugendlicher“ für sich beanspruchen könne.[5]

Filmografie[Bearbeiten]

Diskographie[Bearbeiten]

  • 1997: Die Hart
  • 1998: Krass – vs Ali Kahn (Maxi-CD)
  • 1999: Brontal
  • 1999: Ich schwör (Maxi-CD)
  • 2000: Planet Döner
  • 2000: Superchecker (Maxi-CD)
  • 2001: Auf Kleba
  • 2002: Brauchst du Probleme (Maxi-CD)
  • 2004: Krass! Kochen! Kolesterinarm! (Kochhörbuch)
  • 2005: Wot – I Say Captain (Maxi-CD)
  • 2005: Endskorrekt Krass – Best of
  • 2006: Checker (Maxi-CD)
  • 2007: Best of Erkan & Stefan

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e DonaukurierVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, 19. Mai 2005: „Zwei Ingolstädter mit «krasser» Karriere“ von Stefan König
  2. Kommentar von Daniel Bax in der taz vom 6. September 2002
  3. a b c d e Interview (PDF) von Falk Lenke mit John Friedmann für Baunetz Grenzgänger 11/06
  4. Süddeutsche Zeitung: Erkan und Stefan müssen sterben: Krass ist Vergangenheit, Stefan Mayr, 11. April 2007
  5. Gerichtsurteil: "Voll krass" darf jeder sagen, hoc/ddp/dpa, Spiegel Online, 2. Januar 2007

Weblinks[Bearbeiten]